Zauber und Zerstörung

Die Oper Orfeo Chamán

Ein Mythos neu erzählt

WDR 3/ Mosaik

28. Oktober 2016

8.30 Uhr

Audio im Netz

http://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr3/wdr3-mosaik/audio-christina-pluhars-neue-orfeo-100.html

Orpheus ist Sohn einer Muse und Bruder eines Bienenzüchters. Vor allem ist Orpheus ein Sänger, ein Seher, ein melancholischer Magier. In der Oper Orfeo Chamán wird Orpheus zum Schamanen, der zwischen Europa und Lateinamerika pendelt, zwischen griechischer Antike und präkolumbianischer Mythologie.

Im neuen Opernhaus in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá feierte die Oper Orfeo Chamán Premiere, mit dem blinden Musiker Nahuel Pennisi aus Argentinien in der Hauptrolle. Musikalische Leitung hatte Christina Pluhar. Regie führten die Geschwister Rolf und Heidi Abderhalden (Teatro Mayor Julio Santo Domingo).

Jetzt ist das Werk auf CD und auf DVD erschienen, ein musikalisches Mosaik, das sich vieler Genre, Epochen und Kulturen bedient. Barocke und traditionelle Einschübe werden mit Neukompositionen verwoben, ebenso aztekische Rituale, schamanische Zeremonien mit antikem Mythos. Ein Zauber, in den die Zerstörung dringt.

Gleich zu Beginn wird ein Baum gefällt, der Weltenbaum, axis mundi, die Achse des Universums. Wird Orpheus die Welt retten können und wo ist er zu finden, heute und hier? Das Feature führt in den Kosmos von Mythos, Magie und Musik.

 

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Christina Pluhar © Marco Borggreve/ Virgin Classics

Mit der Theorbe, einer Laute mit langem Hals und zwei Wirbelkästen, spannt Christina Pluhar den Bogen zur Kitharra des Orpheus. Im 17. Jahrhundert galt die Theorbe als das Instrument schlechthin, mit dem das Recitar Cantando, der gesungene Dialog, begleitet wurde. Auch die anderen Zupfinstrumente des Ensembles L’Arpeggiata halten in der Oper Orfeo Chamán die Fäden zwischen Epochen und Kontinenten. Im Jahre 2000 gründete die österreichische Spezialistin für Alte Musik das Ensemble. Der Name L’Arpeggiata stammt von einem Stück, das Johann Hieronymus Kapsberger schrieb und das er Toccata L’Arpeggiata (1604) nannte. „Kapsberger war ein sehr revolutionärer und moderner Komponist und Theorbist, so wie ich.“

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Nahuel Pennisi (Orpheus) © Juan Diego Castillo

Nahuel Pennisi verkörpert die Titelfigur Orfeo Chamán. Der argentinische Sänger ist von Geburt an blind. Mit 16 begann er eine Karriere als Straßensänger und Gitarrenspieler. Die Komponistin Christina Pluhar entdeckte ihn bei youtube. © Juan Diego Castillo

Orfeo Chamán (Oper)

Komposition und musikalische Leitung: Christina Pluhar

Ensemble: L’Arpeggiata

Libretto: Adaption des Stücks El Jaguar de Orfeó von Hugo Chaparro Valderama

Regie: Rolf und Heidi Abderhalden

Kostüme: Elizabeth Abderhalden

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Odysseus vor dem gefällten Weltenbaum und zwischen aztekischen Krafttieren. © Juan Diego Castillo

Bonus DVD

Orfeo Chamán

Regie: Sonia Paramo

Warner Classics. 2016

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2014 wurde die Oper in Kolumbiens Hauptstadt Bogota uraufgeführt. Im Oktober 2016 erschien ein Album und ein Film der Aufführung im Opernhaus in Bogota bei Warner Classics. © Christina Pluhar und Warner Classics

Wie Bäume lieben

Marianne Bosshard begab sich auf Entdeckungsreise

Es gibt sicherlich wenige Menschen, die noch nie einen Baum gesehen haben, dafür gibt es viele Menschen, die mit Bäumen schöne Gefühle verbinden. Bäume bieten Schutz und Freiheit gleichermaßen. In fast allen Religionen spielen Bäume eine zentrale Rolle. In der Pflanzensymbolik haben Blätter, Zweige, Früchte, Stämme verschiedene Bedeutungen. Der Schriftsteller Hermann Hesse beschreibt Bäume als Prediger, als einsame Menschen.

Wer würde schon sagen, Bäume nicht zu kennen. Doch wie lieben Bäume? Wie kommen sie zusammen, wie vermehren sie sich? Fragen, die Marianne Bosshard umtrieb. Kürzlich erschien ihre, wie sie es nennt, botanisch-fotografisch-poetische Entdeckungsreise.

Ich traf die Psychoanalytikerin Marianne Bosshard unter ihrer riesigen Esche im Garten.

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WDR 3, MOSAIK, 12. Oktober 2016, 8 Uhr

Link und Podcast zur Miniatur

http://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-scala-aktuelle-kultur/audio-die-sexualitaet-der-baeume—eine-botanisch-fotografisch-poetische-entdeckungsreise-100.html

Literatur

Bosshard, Marianne: Die Sexualität der Bäume und die Liebe zu und unter ihnen. Eine botanisch-fotografisch-poetische Entdeckungsreise. Norbert Kessel Verlag. Remagen 2016

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Eibe weiblich – Süße Frucht, bitterer Kern

Am Nabel der Welt

Pythia und das Orakel von Delphi 

Griechenland. Parnassos. Am Südhang. Vor den Felswänden der Phädriaden. Delphi. Die Ruinen des Apollon-Heiligtums. In einer Höhe von 550 Metern. 2700 Jahre alt. Ein Gelände, das sich den Hang hinaufzieht. Pflasterstraßen. Dorische Säulen. Stützmauern aus gehauenen Quadern. Quellen. Eine tiefe Erdspalte. Hier hat sie gesessen: Pythia, das Medium des Gottes Apollon, im Allerheiligsten des Tempels. 1100 Jahre pilgerten Staatsmänner, Familienväter, Handwerker, Könige zum Orakel und baten um Rat.

Ein steiler Weg führt zum Amphitheater. Eine Bühne in Hufeisenform. 35 Ränge. Aus Kalksteinblöcken erbaut. Hier fanden die „mythischen Spiele“ statt, ein Wettstreit von Kitharaspielern. Die auf das Orakel wartende Besucherschaft wollte unterhalten werden, damals wie heute. Damals wie heute ist das Heiligtum ein magischer Ort, den Apollon nicht leer vorfand, als er nach Delphi kam. Zu der Zeit hieß Delphi noch Pytho und war eine Kultstätte der Erdmutter Gaia, bewacht von ihrem Sohn Python, einem Schlangendrachen. Den Wächter tötete Apollon, der Gott des Lichts, der Unnahbare. Pythia, die Schwester des Drachens, behielt er als sein Medium.

SWR 2 Matinee

Sonntag, 2. Oktober

9 bis 12 Uhr

(die Miniatur läuft nach 10 Uhr)

Zum Nachhören und zum Livestream

http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/matinee/swr2-matinee-helle-koepfe-visionaere/-/id=660804/did=17972828/nid=660804/sdpgid=1311025/15t395/index.html

Literatur

Maaß, Michael: Das antike Delphi. Verlag C.H.Beck. München 2007

Herodot: Historien. (Griechisch-Deutsch) Patmos Verlag. Ostfildern 7/ 2006apollonheiligtum-am-parnassos-cf

Sieg im Sund von Salamis

Inszenierter Triumph

Seeschlacht zwischen Persischem Großreich und Griechischer Allianz

Wo, um Himmels willen, liegt dieses Athen?                         

Aischylos. Die Perser

WDR – ZeitZeichen

2. Oktober 2016

WDR 5: 9.45

WDR 3: 17.45

Livestream und Podcast

http://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/seeschlacht-salamis-100.html

 In seinem Drama Die Perser inszeniert Aischylos das Drama der Erzfeinde Griechenlands. Er selbst kämpfte in jener Schlacht. Mit scheinbarer Empathie beschreibt der antike Dichter das Schicksal der Gegner. Ende September 480 v.u.Z. tobte in der Meerenge von Salamis die inzwischen legendäre Seeschlacht zwischen der Flotte des Königs Xerxes I. und den Schiffen der verbündeter Griechen aus 30 Stadtstaaten wie Athen, Sparta, Korinth.

Salamis wird zum Symbol einer Geschichtswende. Die Ägäis-Insel im Saronischen Golf steht für das Ende der persischen Eroberungskriege; und sie steht für den Beginn einer beispiellosen Stadtentwicklung. Nach dem Sieg über die Seemacht Persiens avancierte Athen zur Supermacht der klassischen Antike. Mit einem Überraschungsangriff durchkreuzte die griechische Allianz die Pläne Xerxes I.. Am Ende des Tages zog sich die Flotte des Persischen Großkönigs zurück. Der antike Historiker Herodot legte den großen Tag der Griechen auf den Tag der Sonnenfinsternis,  den 2. Oktober 480.

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Blick von Penteli in Richtung Athen und den Berg Egalio: 480 v.Chr. verwüsteten die Truppen des Großkönigs Xerxes I. den attischen Stadtstadt. Vom Egalio aus habe Xerxes  die Seeschlacht im Sund von Salamis verfolgt. Was hatte der Großkönig im Sinn? Eroberung? Rache? Die Geschichtsforschung kann sich größtenteils nur auf griechischsprachige Quellen stützen. © CF

Literatur

Aischylos: Die Perser (Tusculum. Griechisch-Deutsch) Patmos Verlag. Ostfildern

Herodot: Historien (Tusculum. Griechisch-Deutsch) Patmos Verlag. Ostfildern 7/ 2006

Bringmann, Klaus: Im Schatten der Paläste. Geschihcte des frühen Griechenlands. Von den dunklen Jahrhunderten bis zu den Perserkriegen. Verlag C.H. Beck. München 2016

Brinkmann, Vinzenz (Hg.): Athen. Triumph der Bilder. Michael Imhof Verlag. Petersberg 2016

Schmidt-Hofner, Sebastian: Das klassische Griechenland. Der Krieg und die Freiheit. Verlag C.H. Beck. München 2016

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Penteli im Nordosten Athens: In den antiken Steinbrüchen wurde seit 500 v.Chr. weißer Marmor gewonnen, u.a. für den Parthenon auf der Akropolis (Athen). Die Steinmetze, Künstler, Handwerker transportierten die Blöcke per Schlitten zur Akropolis. Die Einlassung auf dem Fels ist ein Relikt der Bremsblöcke © CF