Heilige in Uniform

Der Kult um Krieger auf Ikonen

WDR 3 MOSAIK: 1. Februar 2017, 8 Uhr

WDR 5 SCALA: 1. Februar 2017, 14 Uhr (Wiederholung: 21 Uhr)

WDR INTERNET: FOTOGALERIE – AB 1. FEBRUAR

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Heiliger Georg (Russland 1915. Schutzikone für Kosakenarmee im Kampf gegen Deutsche Einheiten im Ersten Weltkrieg © CF)

Sie reiten auf Pferden, tragen Schwerter, töten Aggressoren: Heilige wie Georg, Demetrios, Menas. Ihre Ikonen werden angebetet, denn sie stehen für Schutz und sie wirken Wunder. Legenden berichten von ihrem Leben, ihrem Leiden, ihrem Märtyrertod. Doch scheinen Kriegerheilige nicht nur stumme Zeugen zu sein, sondern Soldaten, die ihre Waffen beherrschen und Gewalt ausüben. Ihre Ikonographie und allmähliche Militarisierung ist Thema einer Tagung an der Universität in Münster und einer Ausstellung im Ikonenmuseum in Recklinghausen.

In der orthodoxen Kirche werden sie bis heute als Heilige verehrt; sie sind Schutzpatrone für Städte, Länder, Herrscher. Viele von ihnen waren Berufssoldaten um 300, in der Zeit der Christenverfolgung. Sie kämpften im römischen Heer und bezahlten ihren christlichen Glauben mit dem Tod. Soldatenheilige verkörpern den edlen Helden, in Byzanz und der zeitgenössischen orthodoxen Welt. Damals wie heute befeuern sie den Diskurs über faire Kriege. In Putins Russland feiern Ikonen eine religiöse Renaissance. Sie zielen aufs Gefühl und rechtfertigen Gewalt. Welche Rolle spielten Kriegerheilige im Byzantinischen Reich, wie aktuell sind die mehr als 1000 Jahre alten Kultfiguren?

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Eva Haustein-Bartsch (Museumsdirektorin) © CF

In beiden Beiträgen mache ich mir ein Bild von den Bildnissen und ihrer Wirkung. Zu Wort kommen Eva Haustein-Bartsch (Kunsthistorikerin, Museumsleiterin des Ikonenmuseums Recklinghausen) und Oleksandr Zabirko (Literaturwissenschaftler, Slawisch-Baltisches Seminar, Universität Münster)

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Oleksandr Zabirko (Literaturwissenschaftler, Universität Münster) © CF

Ausstellung

Von Drachenkämpfern und anderen Helden. Kriegerheilige auf Ikonen

Sonderausstellung

bis 12. Februar 2017

Ikonen-Museum Recklinghausen

Kirchplatz 2a, 45657 Recklinghausen

Museen der Stadt Recklinghausen

http://www.kunst-re.de

Katalog

Haustein-Bartsch, Eva (Hg.): Von Drachenkämpfern und anderen Helden. Kriegerheilige auf Ikonen. Eikon. Gesellschaft der Freunde der Ikonenkunst e.V. und die Autoren. Recklinghausen 2016

Tagung

Die Militarisierung der Heiligen in Vormoderne und Moderne

Westfälische Wilhelms-Universität Münster

1.bis 2.2. 2017

Hörsaalgebäude des Exzellenzclusters/ Raum Jo 101

Johannisstraße 4, 48143 Münster

Öffentlicher Abendvortrag

Eine arabische Version der Georgslegende

Assaad Kattan

1.2., 18.30 Uhr

Überwasserkirchplatz 2, 48143 Münster

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Orthodoxe Kirche in Monemvasia (Peloponnes, Griechenland) © CF

 

Advertisements

Die Mitte am Rand

Von Buchschnitten und Weißräumen 

SWR 2 Matinee

Sonntag, 28. Januar 2017

Nach 11 Uhr

Der Link zur Sendung

http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/matinee/swr2-matinee-am-29-januar-2017-raender/-/id=660804/did=18635120/nid=660804/djvk2q/index.html

dinos-christianopoulos-cf
Der griechische Dichter Konstantinos Christianopoulos (Thessaloniki) beim Signieren seiner Bücher mit Büttenrand, die die Leser_innen wie ein Briefumschlag aufschneiden © CF

Der Buchrand? Was ist daran schon besonders? Nichts. Alles. Er umreißt den Buchkörper, umfließt das Schriftbild, strömt durch die Zeilen. Er ist eine geheimnisvolle Schwelle, der sein Publikum vom Außen ins Innen führt. Er ist Weißraum und Buchschnitt, eine Fläche für Kunst und Gedanken. Seine erste große Blüte erlebte der Grenzraum in der Renaissance, in der Zeit des frühen Buchdrucks. Längst gab es Buchrücken, auf denen die Titel vermerkt waren.

erzbischofliche-akademische-bibliothek-paderborn-cf
Buchrücken in der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek in Paderborn © CF

Der äußerste Rand der Seiten war also frei für Marmorierungen, Goldauflagen, Landschaften, die sich beim Blättern offenbaren. Randgestaltung bedeutete Architektur, Symmetrie und Goldener Schnitt. Heute bestimmt der Inhalt die Form. Farbräume legen sich organisch ins Buch, bilden Muster auf dem Beschnitt oder räumen das Feld. Neue Techniken ermöglichen neue Gestaltungen, zitieren die Geschichte der Buchkunst und zeigen vor allem eins: Der Rand ist im Kommen.

Frankfurt am Main 2015. Die Stiftung Buchkunst kürt die 25 schönsten deutschen Bücher, unter anderem den Gedichtband Konstantinos Kavafis. Im Verborgenen. Wie ein Laufband ziehen sich die Zeichnungen durch den Gedichtband. Zwei Farben: Schwarz und Gold, die über die Seite einfach hinwegströmen, über den Beschnitt quillen und am Rand der nächsten Seite weiterfließen. Im Weißraum liegen die Gedichte, mal außen, mal nahe der Falz, an der Fäden die Bögen zusammenhalten.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Kavafis, Konstantinos: Im Verborgenen. Die Hidden Poems. Übersetzung: Jorgos Kartakis und Jan Kuhlbrodt. Illustration: Anja Nolte. Edition Revers. Band 1. Verlagshaus J. Frank. Berlin 2014 © CF

Institut für Buchkunst

Leiterin: Julia Blume

Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig

Wächterstr. 11, 04107 Leipzig

www.hgb-leipzig.de

Probsteibooks. Buchgestaltung Köln

Dipl. Des. Sabine Pflitsch & Dipl. Des. Andreas Tetzlaff MA

Georgstraße 15–17, D-50667 Köln

www.probsteibooks.de

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Andreas Tetzlaff © CF

Ins Karbon

Die Zeche Anthrazit Ibbenbüren

SWR 2 Matinee

22. Januar 2017, 10 Uhr

http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/matinee/swr2-matinee-kohle-22-januar-2017/-/id=660804/did=18636178/nid=660804/g8ozjq/index.html

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Die Seilfahrt in den Schacht ist eine Zeitreise ins Karbon. 300 Millionen Jahre durchfährt der Förderkorb in knapp zehn Minuten, bewegt sich durch einen der tiefsten Schächte in Europa, den Nordschacht der Zeche Anthrazit Ibbenbüren. Das Ziel sind die Flöze im Schafberg, einer Bruchscholle zwischen Teutoburger Wald und Osnabrück. Urwaldpflanzen lagerten sich in Kohlesümpfen ab. Unter Druck und Zeit wandelte sich das organische Material in Anthrazit, ein schwarzes, funkelndes Mineral.

Seit 450 Jahren suchen die Kumpel in Ibbenbüren dem Berg das schwarze Gold zu entreißen. Doch im Dezember 2018 schließen die letzten beiden Steinkohlebergwerke in der Bundesrepublik, Prosper Haniel und Anthrazit Ibbenbüren. Ein politischer Beschluss. Zu teuer, zu mühsam, zu unökologisch.

Mit der Schließung stirbt eine vielschichtige Industriekultur, die Unter Tage gewachsen ist. Einiges wird überdauern, vieles wird auf der Strecke bleiben: die Begriffe, die die Kumpel prägten, die Architektur, die ins Gebirge geschlagen wurde, das mit Grubenlichtern angestrahlte Bild der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute.

Ich hatte die Möglichkeit, gemeinsam mit den Bergleuten in den 1500 Meter tiefen Schacht einzufahren. Das Ergebnis ist eine Reportage.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Tor 4 – RAG Anthrazit Ibbenbüren © CF

Kürzlich ist ein zweibändiges Buch erschienen, das dem Steinkohlebergbau ein Denkmal setzt und eine vielschichtige Industriekultur in Szene setzt. Eindrucksvolle Bilder, informative Texte, Zeitzeugenberichte, Dokumentationen, ein Glossar der Bergmannsprache. Die Bände sind beim Verlag C.H. Beck erschienen, unter dem Titel „Unter uns“.

LITERATUR

Müller, Werner (Hg.): Unter uns. Die Faszination des Steinkohlebergbaus in Deutschland. Verlag C.H.Beck. München 2016

Band I: Wissen und Können

Band II: Kultur und Leben

Link

RAG Anthrazit Ibbenbüren

Osnabrücker Straße 112

49477 Ibbenbüren

https://www.rag.de/unter-tage/bergwerk-ibbenbueren/

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Steinkohlebergwerk Anthrazit Ibbenbüren am Nordrand von NRW © CF