Von der Lust am Feuerwerk

Himmelsstuck

SWR Matinee zu Silvesterritualen

9 bis 12 Uhr

31. Dezember 2017

Am Ende der ersten Stunde lass’ ich’s in meiner Miniatur krachen.

In meiner Miniatur lasse ich es krachen, hier ist der Link.

Kleine Kulturgeschichte des Feuerwerks

OLYMPUS DIGITAL CAMERAFeuerwerk ist Freude und Fratze, Kunst und Krieg, eine Feuerdroge, die um 850 von China über Byzanz in den arabischen Raum und schließlich nach Europa gelangte. Chinesische Alchimisten suchten ein Elixier fürs ewige Leben, heraus kam eine explosive Mischung: Schwarzpulver.

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Das Feuer des Sounds: Alex Hardt (Klangartist) © CF

Mit Osterfeuern zelebrierte das frühe Christentum Tod und Auferstehung des Sohnes Gottes. Als in Europa Feuerwerksraketen Einzug hielten, gab es Mysterienspiele per Explosion und Himmelszauber. Später zerbarsten Raketen über der Engelsburg in Rom. Anlässlich jeder Papstwahl bildete Feuerwerk eine Girandola, ein Strahlenkranz, der dann im Tiber erlosch. Ein Ritual, das seit dem 15. Jahrhundert zelebriert wurde. Leonardo da Vinci baute Schießpulvermaschinen und Feuerwerkslöwen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA1506 stachen in Konstanz drei Boote in den See, an Bord waren 350 Fässer, gespickt mit Feuerwerk, zu Ehren eines Kaisers. Sie waren das erste große Feuerwerk in Deutschland.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEs war am Abend des 27. April 1749, als im St. James Park the music fort he royal fireworks von Georg Friedrich Händel erklang. Die Uraufführung musste abgebrochen werden. Grund: Ein Flügel des üppigen Feuerwerkbaus fing Feuer und brannte ab.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAUm 1800 beleuchteten erste Gaslaternen die Städte Europas, einige Jahrzehnte später sorgten Glühbirnen für eine Lichtrevolution. Stahlen Leuchtreklame und Illuminationen dem Feuerwerk die Show? „Ja“, sagt Gereon Sievernich. „Die Bilder aus Feuerwerk verloschen mit der Erfindung des elektrischen Lichts.“

OLYMPUS DIGITAL CAMERAHeute ist Feuerwerk nicht nur Kunst, sondern auch Kommerz. Privatleute leisten sich fas Vergnügen und lassen den Funken überspringen, live und analog.

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Bengalisches Feuer © CF

Genau diesen Funken suchten wir aufzunehmen: der Soundartist Alex Hardt und ich. Wir zogen auf eine einsame Wiese und zündeten ein Feuer, das einst die indischen Fürstenhöfe in Bengalen erleuchtete und das die englischen Eroberer im 18. Jahrhundert nach Europa brachten.

Gereon Sievernich © Hans Scherhaufer
Gereon Sievernich © Hans Scherhaufer

Sievernich, Gereon (Hg.)/ Hendrik Budde (Mitarbeit): Das Buch von der Geschichte der Feuerwerkskunst. Delphi. Verlegt bei Greno. Nördlingen 1987

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© CF

 

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Vom Golem und der Kabbala

אמת = Wahrheit

WDR 5 Scala, 12. Dezember 2017

14 Uhr/ Wiederholung: 21 Uhr

Unter dem Link kann mein Feature nachgehört werden.

Eine kleine Kulturgeschichte des Golem

Der Schatten des Golem 1 @ Knesebeck
Joseph und Zelmira, gezeichnet von Benjamin Lacombe: Der Golem und sitzt auf einer Bank im Hof des Oberrabbis Löw im Jüdischen Viertel in Prag. © Knesebeck Verlag

Der Golem ist seit mindestens 200 Jahren ein Medienstar. Um den Superhelden ranken sich Geschichten. Es gibt Filme, Gemälde, Computerspiele. Frankestein ist ein Zitat auf den Golem. Spiderman hat Ähnlichkeiten, Roboter stehen in seiner Tradition.

Der Schatten des Golem sw © Knesebeck
© Knesebeck Verlag

Vor kurzem erschien beim Knesebeck-Verlag eine weitere Golem-Erzählung mit großformatigen Illustrationen unter dem Titel Der Schatten des Golem. Das Original entstand in Frankreich. Éliette Abécassis schrieb den Text, Benjamin Lacombe schuf die Zeichnungen.

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Jüdische Mystiker überlegten, wie es möglich ist, künstliches Leben herzustellen. © CF

Der Golem geht in die Blütezeit der jüdischen Mystik zurück, er ist ein Konstrukt der Kabbala.

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Michael Moses in seiner Töpferwerkstatt. Mit Lehm aus dem Westerwald formt er einen Golem © CF

Lange fristete die Kabbala ein Nischendasein. Doch dann erforschte der Religionshistoriker Gershom Sholem die jüdische Mystik und verhalf der Kabbala zu neuem Ruhm.

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Über einen Code wird der Golem gesteuert. Alef, Mem, Tav steht auf seiner Stirn. Das heißt Emet. Und Emet heißt Wahrheit. © CF

Ende der 1960er Jahre entstand in Tel Aviv das erste Kabbala-Centre. Inzwischen gibt es 40 Zentren, unter anderem in Los Angeles und Berlin. Eine der prominentesten Mitglieder ist die Sängerin Madonna.

Der Schatten des Golem 4 @ Knesebeck
© Knesebeck Verlag

Der Golem ist Form gewordene Kabbala. Die Lektüre Der Schatten des Golem bietet einen  sanften Einstieg in das „Leben“ des Humanoiden, geboren aus der jüdischen Mystik.

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Shuli Grohmann liest aus der Tora © CF

Zu Wort kommen Shuli Grohmann (Sängerin, Tänzerin, Religionslehrerin aus Israel), Andreas Kilcher (Professor für Literatur- und Kulturwissenschaft/ Kabbala-und Esoterikforschung an der ETH Zürich) und Michael Moses (Töpfermeister, Keramikgestalter aus Israel). Er setzte sich in die Werkstatt und töpferte drei Golem aus Lehm.

Der Schatten des Golem 2 @ Knesebeck

Literatur

Abécassis, Éliette/ Lacombe, Benjamin: Der Schatten des Golem. (Ü aus dem FR: Anja Kootz) Knesebeck Verlag. München 2017

Kilcher, Andreas: Die Namen der Kabbala. (IN: Rahden, Wolfert von/ Sommer, Urs (Hg.): Namen. Zeitschrift für Ideengeschichte. Verlag C.H.Beck. München 2013. S. 5-28)

Tyradellis, Daniel/ Friedlander, Michal (HG.): 10+5=Gott. Die Macht der Zeichen. DuMont Verlag. Köln 2004

Herrmann, Klaus (Hg. und Ü aus dem Hebräischen): Sefer Jezira. Buch der Schöpfung. Verlag der Weltreligionen (Insel) Frankfurt am Main 2008

Necker, Gerold (Hg. und Ü aus dem Hebräischen und Aramäischen): Sohar. Schriften aus dem Buch des Glanzes. Verlag der Weltreligionen (Insel) Frankfurt am Main 2012

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Den ersten Golem erschuf Elijah Ba’al Shem, der Rabbi von Chelm, sagt die Legende. Er soll einen Lehmklumpen zum Leben erweckt haben, indem er den Namen Emet – Wahrheit auf seine Stirn schrieb © CF

Adresse

Michael Moses (Töpfer) und Verena Hielscher (Textilkunst)

Wallenthalerstraße 17

53925 Kall-Scheven

www.verenahielscher.com

www.toepferei-moses.de

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© CF

Teddybären lügen nicht

Partner aus Plüsch

SWR 2 Matinee zum Thema „Bären“

3. Dezember 2017, 9 bis 12 Uhr

Meine Miniatur zu den Teddybären läuft zwischen 9 und 12 Uhr

Link zur Sendung

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Bärenidee: Künstlerbär (re.) und Klassischer Bär – Unikat und Manufaktur © CF

Teddybären sind Stars, auch wenn sie nicht mehr das Kuscheltier Nummer Eins sind. Hund und Hasen liefen den petzen den Rang ab. Macht nichts. Sie sind global und werden geliebt, egal, wie alt ihre Besitzer_innen sind. Sie tragen sie auf Händen (s.Titelbild Björn und Katerina mit Schneebär und Bubis).

Mechthild Seithe © Mechthild Seithe
Bärenweisheit: Mechthild Seithe (Pensionierte Professorin für Sozialpädagogik, Plüschtierforscherin) © Mechthild Seithe

Für die meisten Kinder sind Kuscheltiere die erste selbst gewählte Beziehung, sagt die Psychologin und Plüschtierforscherin Mechthild Seithe. Eine Beziehung, in der Eltern keine Rolle spielen. Und sie sind mehr als ein bloßes Spielzeug.

Schnauzi © Mechthild Seithe
Ich war sechs Jahre alt, als ich in einem Kaufhaus viele Bären sitzen sah. Einer blinzelte mich an. Daraufhin interessierten mich die anderen Bären nicht mehr. Es war Liebe auf den ersten Blick. Meine Mutter sagte, dass er zu teuer sei. Ich war entsetzt und antwortete: „Der wartet doch schon auf mich!“ Seitdem begleitet mich Schnauzi durch mein Leben. © Mechthild Seithe

Teddybären werden in Massen hergestellt, maßgeschneidert, sind Unikate.

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Bärenwut: Der Lewis Strauss-Bär neben einem von der Tankstelle, in Massen produziert, billig und leider oft auch giftig © CF

Auf Messen werden Klassiker und Neuheiten gehandelt, zum Beispiel auf der Euro-Teddy, die auch die Europameisterschaften der Teddybärenmacher_innen ausrichtet. 2018 feiert die Messe 25. Jubiläum.

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Bärenfan: Walter Neumann (Herausgeber von Bärreport und Initiator der Teddybärmesse in Essen) © CF

Walter Neumann rief die Messe ins Leben, ebenso gründete er die Zeitschrift BärReport, das Teddybär-Magazin für Kreative und Sammler.

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Bärenemergency: Joyce Merlet in ihrer Puppenklinik in Köln. Ihr Team restauriert Bären und rettet Erinnerungen © CF

Ich besuchte die Redaktion, sprach mit Mechthild Seithe über die Beziehung zwischen Mensch und Kunsttier, brachte meinen Bären zur Puppenklinik von Joyce Merlet und ich ließ mir Geschichten von erwachsenen Teddy-Liebhaber_innen erzählen.

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Bärenvergangenheit: Georgia Adelini erinnert sich an ihren weißen Teddybären Vangelis. © CF

Zeitschrift

BärReport.

Teddybär-Magazin für Kreative und Sammler

Bärreport. Herausgeber: Walter Neumann

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Bärenliebe: Kalliopi Xafolidi erinnert sich an ihre Lieblingsbären jeden Tag. Sie bedeuten Kindheit.

Euro-Teddy. Teddybärmesse

6./7. Oktober 2018

Teddybärmesse in Essen

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Bärenauge: Auf internationalen Wettbewerben sitzt Walter Neumann in der Jury und bewertet die Arbeit der Teddybär-Macher_innen. © CF

Puppenklinik und Puppenmuseum

Joyce Merlet

Unter Goldschmied 3
, 50667 Köln

Tel. 0221 / 254642

Puppenklinik in Köln

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Bärenstark © CF