Malen mit Blaualgen

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Algen bilden Farben und Formen auf der Leinwand © CF

Der Künstler Ingo Botho Reize

SWR 2 Matinee am 1. Juli 2018

9 bis 12 Uhr

Mein Porträt über den Algenkünstler (s. Titelbild) läuft zwischen 11 und 12 Uhr

Der Link zum Audio über Ingo Botho Reize

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In einer flachen Wanne wachsen und gedeihen die Farbpigmente. Sobald die Algen wie eine ledrige Haut auf dem Wasser liegen, kann Ingo Botho Reize aus dem Vollen schöpfen. © CF

Auf den Leinwänden liegen Farbsinfonien. Impressionen in Violett, tiefstem Blau, leichtem Rot, Ocker. Auf manchen Bildern zeigt sich ein expressiver Dialog zwischen Farbe und nackter Leinwand, ein Spiel mit dem Nichts.

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Ein Blick auf ein Algenbild gleicht einer Zeitreise in die Geschichte des Universums, als das Leben noch ohne Sauerstoff auskam, also in eine Zeit vor rund drei Milliarden Jahren © CF

Wieder andere äußern sich im Stil der monochromen Malerei. Allerdings stammen die Farbpigmente aus eine ungewöhnlichen Quelle: Algen, genauer Blaualgen.

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Das Atelier in der Uni-Gärtnerei © CF

Im Biozentrum der Uni Köln liegt das Atelier von Ingo Botho Reize. Seit vielen Jahren produziert er mit seinen pflanzlichen „Künstlerkollegen“ abstrakte Malereien.

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Der promovierte Biologe Ingo Botho Reize forscht über Algen, erst als Wissenschaftler, jetzt als Künstler © CF

Ingo Botho Reize

http://www.kunstmitalgen.de

http://www.fotosdernatur.de

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Algen faszinieren Ingo Botho Reize seit seiner Kindheit. Diese Grünalgen-Kultur begleitet ihn seit 30 Jahren. © CF

Labyrinth im MARTa Herford

Einfach mal verloren gehen

WDR 5, Scala

25. Juni 2018

gegen 21.20 Uhr

Der Link zum Audio über Labyrinthe

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Der chinesische Konzeptkünstler Song Dong in dem Skelett seines Kunstwerks Everywhere © CF

Das MARTa Herford ist ein Labyrinth.

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Das Zeltinnere des Kunstwerks Everywhere, verwandelt sich in ein Spiegelkabinett © CF

Sechs begehbare Großinstallationen wie Everywhere, Nieteum, Secret Passage (s. Titelbild) zitieren die uralte Denkfigur auf eigenwillige Weise.

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Song Dong sitzt vor Fenstern für Everywhere. Die Fenster hingen einst in den Hutongs, den traditionellen Häusern Pekings. Unzählige dieser steinernen Wohnanlagen landen unter der Abrissbirne. © CF

Everywhere spielt mit Illusion und Wirklichkeit, mit den Grenzen des Außen und dem Schein innerer Freiheit. Von der Zeltkrone unterm Lichtschacht (s. Titelbild) hängen 900 Lampen, die das Innere beleuchten und von den Spiegeln tausendfach reflektiert werden. © CF

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MARTa (M wie Museum, ART wie Kunst, a wie ambiente & architektur) Herford (Entwurf: Frank Gehry) © CF

Seit 5000 Jahren treibt es die Menschen auf den gewundenen Pfad, der auf Umwegen in die Mitte führt, oder in die Irre. Auch im Herforder Frank Gehry-Bau werden die Gäste auf einen abenteuerlichen Parcours geschickt.

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Im Entstehen: Das Nieteum von Christian Odzuck. Eine Gerüstplane trennt die Sudeltherme von Clapsmule und Kaiser. © CF

Im Nieteum zum Beispiel schlendern die Gäste durch drei Räume, die mysteriöse Namen tragen: Sudeltherme, Clapsmule, Kaiser. Der Titel ist eine Anspielung auf historische Orte, Nietleben und Danteum.

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Christian Odzuck mit seiner Assistentin Kanade Hamawaki © CF

Das Danteum ist ein monumentaler, nie realisierter Entwurf des italienischen Architekten Guiseppe Terragni, eine monumentale Inszenierung für Dante und dessen selbst ernannten Erben Benito Mussolini. Das Danteum existiert nur auf Skizzen und Aquarellen, anders als das Nieteum.Nietleben wiederum kleinen Ort westlich von Halle an der Saale. 1844 entstand hier eine Nervenheilanstalt. Sie galt als fortschrittlich. 90 Jahre später wurde sie geschlossen, die restlichen Patienten wurden ausgelagert und starben durch die nationalsozialistische Euthanasie. Heute existieren von der Anlage noch ein paar Patientenvillen und die Anstaltskirche. Vielleicht ist meine Assoziation auch nur ein Irrweg, eine Sackgasse.

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Christian Odzuck und Kanade Hamawake stehen auf dem Schutt-Pfad des Labyrinths © CF

Wozu die ganzen Um- und Abwege? Um nichts weiter als verloren zu gehen.

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Die Matrix, eine zeitgenössische Variante des Labyrinths, entworfen von dem Computerkünstler Peter Kohler © CF

Für mein Feature besuchte ich das MARTa Herford zur Zeit des Aufbaus der Installationen. Eine Großbaustelle.

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Die Kuratorinnen Eva Wolpers (v.li), Friederike Fast, Ann Kristin Kreisel © CF

Ausstellung

Willkommen im Labyrinth. Künstlerische Irreführungen

23. Juni bis 23. September

MARTa Herford

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Der Museumsdirektor Roland Nachtigäller © CF

Katalog

Franziska Brückmann, Friederike Fast, Ann Kristin Kreisel, Roland Nachtigäller, Eva Wolpers (Redaktion): Willkommen im Labyrinth. Künstlerische Irreführungen. Marta Herford 2018

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Everywhere © CF

Literatur

Kern, Hermann: Labyrinthe – Erscheinungsformen und Deutungen 5000 Jahre Gegenwart eines Urbilds. Prestel Verlag. München 1982

Marta Herford

Museum für Kunst, Architektur, Design

Goebenstraße 2–10, 32052 Herford

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© CF

Platzkonzert auf dem Eierplätzchen

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Eierplätzchen in Köln © CF
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Die Eierplätzchenbänd und ihr Platz

SWR 2 Matinee (Thema: Plätze)

17. Juni, 2018

Gegen 10.40 Uhr läuft meine Reportage

Link zum Audio über die Eierplätzchenbänd

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Betsy de Torres (Frontfrau) © CF
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Marcus von Wrochem (Sax, Gesang) © CF
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Thomas Haag (Gitarre) © CF
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Pablo Ramirez (Bongo, Glocken) © CF
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Gabriel Tobak (Konga) © CF
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Pablo Geilert (Kontrabass)
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Rolf Springer (li, Tres) © CF
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Celina von Wrochem (Gesang, Geige, Ukulele) mit Mutter Betsy © CF

Auf dem Kölner Eierplätzchen gibt die Eierplätzchenbänd Platzkonzerte. Dafür gab ihr die Nachbarschaft einen Namen, so wie sie auch dem Plätzchen. einen Namen verpasste. Denn offiziell ist das Oval mit den Linden ein Platz ohne Namen.

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Drei Generationen © CF
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© CF
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© CF

Platzkonzerte erinnern an Blaskapellen in Kurparks, erinnern an Joseph Roths Militärcorps, das unter freiem Himmel steht, sorgfältig die Noten an den Ständer klemmt und Märsche schmettert.

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© CF
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© CF

Platzkonzerte erinnern weniger an die bacchantischen Nächte in den Gärten von Weinschenken im Wiener Wald, erinnern nicht an das Eierplätzchen in Köln und schon gar nicht an die kubanischen Nachbarschaftstreffen vor der eigenen Haustür a la Buena Vista Social Club. Doch genau das geschieht auf einem kleinen Platz in Köln.

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Pablo Ramirez © CF
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Pablo Geilert (li) und Marcus von Wrochem © CF
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Betsy de Torres mit einem Tanzbegeisterten (87 Jahre) © CF

Seit einem viertel Jahrhundert zieht die Eierplätzchenbänd aufs Oval in Kölns Südstadt und spielt zum Tanz auf. Einige Jahre, bevor das das Projekt Buena Vista Social Club die kubanische Musik überhaupt salonfähig machte. Aber wer will schon salonfähige Platzkonzerte? Die Eierplätzchenbänd ganz bestimmt nicht.

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© CF

Eierplätzchenbänd

http://www.eierplaetzchenband.de

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Rolf Springer (li) und Pablo Geilert © CF

Betsy de Torres (Gesang, seit 2001 Frontfrau)

Marcus von Wrochem (Saxophon)

Rollin’ Rolf Springer (Tres)

Thomas Haag (Gitarre)

Pablo Geilert (Kontrabass)

Gabriel Tobar (Konga)

Pablo Ramirez (Bongo, Glocke)

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Eierplätzchen

Mainzer Str. 57

50678 Köln

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© CF
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© CF

Friedrich Hölderlin

7. Juni 1843: Todestag des Dichters

7. Juni 2018

ZeitZeichen

WDR 5: 9.45 Uhr/ WDR 3: 17.45 Uhr/ NDR

Audio des ZeitZeichens über Friedrich Hölderlin

Grab © CF
Stadtfriedhof Tübingen. Im heiligsten der Stürme falleZusammen meine Kerkerwand,Und herrlicher und freier walleMein Geist ins unbekannte Land! In den grauen Sandstein ließ der Hölderlins Halbbruder Carl Gok die ersten vier Verse aus Das Schicksal einmeißeln © CF

Und voll mit wilden Rosen

Friedrich Hölderlin glaubte an die Macht des Wortes. Sprache war für ihn ein Steinbruch, aus dem er immer neue Töne zu Tage förderte. Dichtung bedeutete ein einziges Experiment, mit dem Ziel, Sagbares an seine Grenzen zu führen. Genau das macht seine Dichtung so modern. Bis heute befeuern Friedrich Hölderlins Werke den poetischen Diskurs. Er selbst schrieb sie in einer unruhigen Zeit, im Schatten von Aufklärung und Französischer Revolution, angesichts der eigenen Sehnsucht nach einer Republik.

Nürtingen © CF
Friedrich Hölderlin war fünf, als seine Mutter nach Nürtingen zog. Immer wieder kehrte Friedrich Hölderlin nach Nürtingen zurück. Seit 2017 steht am Neckar eine etwas befremdliche Bronzeskulptur, die den Dichter als 20Jährigen darstellen soll. Mit Blick auf die Altstadt und die Kirche St. Laurentius. © CF

Im März 1770 wurde Friedrich Hölderlin in Lauffen am Neckar geboren. Als Sohn eines Klosterhofmeisters und einer Pfarrerstochter wuchs Hölderlin in einem pietistischen Umfeld auf. Sein Vater starb früh, seine Mutter wollte, dass er Pfarrer wird. Doch lieber verdiente er sich sein Geld als Hauslehrer.

Martin Frank 2 © CF
Handschrift Hölderlins im Deutschen Literaturarchiv Marbach © CF

Die Gedichte, Oden und Hymnen verfasste Friedrich Hölderlin in verschiedenen, metrischen Formen.

Martin Frank 1 © CF
Martin Frank (Wissenschaftlicher Mitarbeiter im DLA, Arbeitsstelle für Literarische Museen, Archive und Gedenkstätten) inspiziert den Reisepass, den das Oberamt Nürtingen für Hölderlins Reise nach Regensburg ausstellte: Statur 6F hoch, braune Haare, hohe Stirne, gerade Nase, rötliche Wangen, mittelmäßiger Mund, schmale Lippen, angelaufene Zähne, brauner Bart, rundes Kinn, Breie Schultern und ohne Gebrechen, 32 Jahre alt © CF

Friedrich Hölderlin übersetzte Werke antiker Schriftsteller wie Sophokles und Pindar. Sein einziger Roman Hyperion ist eines der berühmtesten Werke.

Richard Schumm © CF
Richard Schumm (wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Museumsabteilung des DLA) steht im Schiller Nationalmuseum. Hier liegt eine gebundene Originalausgabe des Briefromans Hyperion mit der berühmten Widmung von Hölderlins Hand. Wem sonst als Dir galt der großen und unglücklichen Liebe Susette Gotthard. © CF

Kurz darauf erkrankte der Dichter. Die Diagnose lautete Wahnsinn. Bis heute gibt es viele Vermutungen, keine gesicherten Erkenntnisse. Aber geisteskrank?

Thomas Schmidt 2 © CF
Thomas Schmidt (Leiter der Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg. DLA) im Hölderlinturm. Nach seinen Konzepten wird der Erinnungsort in der ehemaligen Stadtmauer völlig neu aufgebaut. © CF

Friedrich Hölderlin wurde für unmündig erklärt. Die zweite Lebenshälfte verbrachte der Dichter in der Obhut eines Schreinermeisters und seiner Familie, im sogenannten Hölderlinturm (s. Titelbild/ Außenmauer), in dem er am 7. Juni 1843 starb.

Der Mutter Haus © CF
Der Mutter Haus in Nürtingen. Hier verlebte der Friedrich Hölderlin Kindheit und Jugend. Das Haus war für den Dichter auch ein Zufluchtsort. Zeitlebens blieb er Bürger der Stadt Nürtingen. © CF

Literatur

Hölderlin, Friedrich. Sämtliche Werke. Frankfurter Ausgabe. historisch-kritische ausgäbe. herausgegeben von D.E. Sattler. Stroemfeld/ Roter Stern. Frankfurt am Main 1975-2008

Hölderlin, Friedrich: (eBook) Sämtliche Werke, Briefe, Dokumente. Band 1-12. Leseausgabe. (HG) D.E. Sattler. Luchterhand Verlag. München 2004

Hölderlin, Friedrich. Sämtliche Werke. Große Stuttgarter Ausgabe (GSA). (HG.) Friedrich Beißner. Kohlhammer Verlag. Stuttgart 1943-1985

GSA Online – kostenfrei

Jörg Ennen 2 © CF
Jörg Ennen ist der Leiter des Hölderlin-Archivs (WLB Stuttgart), das 1941 gegründet wurde. Der Germanist und Editionswissenschaftler sitzt zwischen Regalen, randvoll mit Übersetzungen in rund 80 Sprachen, mit Noten zeitgenössischer Komponisten, die Hölderlins Gedichte vertonten, Sekundärliteratur und vielem mehr. Auf der Archivseite im Netz können die Digitalisate der Handschriften aufgerufen werden. © CF

Sekundär

Ivanovic, Christine: „Bereit an übrigem Orte“. Hölderlins „Winkel von Hahrdt“ als Erinnerungsort. Spuren 79. Deutsche Schillergesellschaft. Marbach am Neckar 2009

Ulrichstein © CF
Der Ulrichstein im Winkel von Hardt, in einem Waldstück unweit von Nürtingen. Hier versteckte sich Herzog Ulrich, eine schwäbische Legende zur Zeit der Reformation. Friedrich Hölderlin widmete dem Ereignis ein kurzes Gedicht. Der Winkel von Hahrdt
Hinunter sinket der Wald,/ Und Knospen ähnlich, hängen/ Einwärts die Blätter, denen/ Blüht unten auf ein Grund,/ Nicht gar unmündig./ Da nemlich ist Ulrich/ Gegangen; oft sinnt, über den Fußtritt,/ Ein groß Schicksaal/ Bereit, an übrigem Orte.

Wittkopf, Gregor: „Fahrniß“. Hölderlins Tisch aus Tübingen. Spuren 64. Deutsche Schillergesellschaft. Marbach am Neckar 2003

Jörg Ennen 1 © CF
Unter dem Dach der WLB lagern rund 80% sämtlicher Handschriften Hölderlins, unter anderem der Entwurf zu Hälfte des Lebens. Im Tresorraum zeigt Jörg Ennen kostbare Perlen aus dem sogenannten Homburger Folioheft, in dem bedeutende Gedichte vereint sind, wie Heimkunft, Brod und Wein, Patmos. Die meisten Gedichte entstanden in Nürtingen, befinden sich im Besitz der Stadt Homburg, liegen aber als Depositum sicher und kühl in der WLB.

Hölderlin-Archiv

Leiter: Jörg Ennen

Württembergische Landesbibliothek

Konrad-Adenauer-Str. 8, 70173 Stuttgart

Hölderlin Archiv in WLB Stuttgart

Schillerhöhe © CF
Schillerhöhe hoch über dem Neckar: Schiller Nationalmuseum, davor ist das Literaturmuseum der Moderne © CF

Deutsches Literaturarchiv Marbach

Schillerhöhe 8-10, 71672 Marbach am Neckar

HG. der Schriftenreihe Spuren

DLA Marbach

Werkstatt in TÜ © CF
Im Erdgeschoss des Hölderlinturms steht Florian Mittelhammer (Mitarbeiter beim Kulturamt Tübingen). Im Hintergrund liegen die Einfassungen von Wannen einer Badeanstalt, die später hier ihren Betrieb aufnahm. Das Wahrzeichen der Stadt erhält nicht einfach einen neuen Anstrich, das Museum wird neu konzipiert und umgebaut. In einem Metriklabor zum Beispiel kann das Publikum das Versmaß förmlich erspüren. Und es erlebt den Sandsteinboden, auf dem der Dichter vor dem Morgengrauen auf und ab lief. © CF

Tübingen

Hölderlinturm

Tübingen, am Neckar

bis 2019: umfassende Sanierung

Turm 1 © CF
Hölderlin lebte in einem Oktogon mit fünf Fenstern. Dieser Bau brannte ab, an seiner Stelle steht ein Halbrund mit drei Fenstern. Diese Gratwanderung zwischen „Das ist Hölderlins Ort“ und „Das ist nicht Hölderlins Ort“ gehört zum neuen Konzept. Mit sämtlichen Sinnen soll dieses Haus erfahren werden. © CF

Stadtfriedhof

Gmelinstraße 20, 72076 Tübingen

Evangelisches Stift © CF
Im Evangelischen Stift teilten sich Friedrich Hölderlin, Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Friedrich Wilhelm Joseph Schelling ein Zimmer. Hier erfuhren sie vom die Epoche prägenden Ereignis, der Französische Revolution © CF

Evangelisches Stift
Klosterberg 2, 72070 Tübingen

Evangelisches Stift in TÜ

Garten © CF
Im Garten vor dem Hölderlinturm. Das Gehen ist eine Grundfigur der Poesie. Friedrich Hölderlin beherrschte sie. Immer wieder trieb es ihn ins Laufen. Thomas Schmidt (Kurator): „Friedrich Gottlob Klopstock, einer der großen Vorbilder Hölderlins, vertrat die Auffassung, dass die Geschwindigkeit des Verses wichtiger sei als seine Bedeutung. Dabei ging es ihm nicht nur um das Sprechtempo, sondern um die körperliche Erfahrung, die mit dem schnell oder langsam Gehen verbunden wird.“ © CF

Griechische Junta verbietet Miniröcke

1968

Erlass gegen Miniröcke, Bärte, lange Haare

3. Juni 2018

WDR 2

gegen 9.40

Der Link zum Audio über das Minirockverbot der griechischen Junta

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Mini & Fustanella vor dem Parlament in Athen: Der Minirock hat eine große Tradition in Griechenland. Die Revolutionshelden des Unabhängigkeitskrieges gegen das Osmanische Reich trugen Faltenrock. Am Grabmal des unbekannten Soldaten in Athen wachen Evzonen (Mitglieder der Präsidentengarde) in jener Kleidung, der Fustanella. Doch die Junta ließ sich nicht beirren. Bis sie selbst ihr eigenes Gesetz ad absurdum führte. © CF

Kaum war der Minirock erfunden, diskutierte die Welt über die neue Mode. In Griechenland wurde kurzer Prozess gemacht. Die Militärjunta erließ ein Minirock-Verbot.

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Ioannis Zelepos (Historiker und Neogräzist an der Uni München) spricht über die  Brutalität der griechischen Militärdiktatur (1967 bis 1974) und ihren absurden Erlass © CF

Dass Griechenlands legendäre Jägerin Artemis (siehe Titelbild) mit einem kurzen Rock durch die Wälder zog, interessierte die Obristen wenig. Im Gegenteil. Sie sanktionierten nicht nur den kurzen Stoff, sondern auch langes Männerhaar. Rauschebärte und Beatlesfrisuren landeten auf dem Index. Die Jugend sollte züchtig sein.

Claus Dieter Clausnitzer © privat
Claus Dieter Clausnitzer (Schauspieler) zitiert den Song Mini Mini von Syros Skordilis. 1968 wurde das Lied von den Bühnen verbannt. © Privat