Kulturgeschichte der Glocken

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Bienenkorbglocken im Glockenspiel: Begleitinstrumente der Gregorianischen Gesänge im Kloster © CF

Der Guss der Harmonie

WDR 3, Kultur am Mittag

18. September, 12 Uhr

Zum Audio über die Kulturgeschichte der Glocken

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Glocken- und Kunstguss-Manufaktur Petit & Gebr. Edelbrock (auch Titelbild) in GescherUm 1690 zog Jean Francois Petit, Spross einer Glockengießerfamilie aus Lothringen, ins Münsterland und blieb, des guten Lehms wegen. Seither werden in Gescher Glocken gegossen. Zu sehen ist das Herz der Gießerei, die Glockenstube. An der Stirnseite steht der 100 Jahre alte Schmelzofen. 15 Meter hoch, 10 Meter breit, fünf Meter tief. © CF

Glocken faszinieren seit Jahrtausenden die Menschen rund um den Globus. Aus dem antiken China kamen sie über Arabien, Israel, Byzanz nach Westrom.

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Glockenturm in Dimitsana in Arkadien (Peloponnes, Griechenland) © CF

Jede Glocke ist einzigartig in Form, Klang und Funktion. Sie warnt, mahnt, musiziert. Die Klangkörper erzeugen Gefühle zwischen schön und schaurig.

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Schiffsglocke © CF

Glocken begleiten die christliche Kirche seit ihren Anfängen. Spätestens, seit Karl der Große Kirchen und Klöstern empfahl, Glocken zu gießen, gehören sie in die christlichen Dachstühle. Glocken sind ein Kompass im Alltag. Ihr Klang definiert Zeit und Raum.

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Sechs Türme und zwölf Glocken: Die Benediktinerabtei Maria Laach © CF

In den Klosterkirchen erlebt der Gregorianische Choral eine ungebrochene Tradition. Ohne diese Gesänge gäbe es keinen Beethoven, keinen Mozart, keine Beatles. 1200 Jahre nach ihrer Blütezeit feiert die mittelalterliche Kunst Comeback. In Choralscholen werden sie gesungen.

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Meisterin der Glocken und des Gesangs: Maria Jonas (Trobairitz, Leiterin der FrauenscholaArs Choralis Coeln.© CF

Zehn Bronzeglocken erzeugen Töne, gemäß der Pythagoreischen Stimmung. Dem antiken Ordnungsprinzip folgte die Musik des Abendlandes bis zum 16. Jahrhundert. Eine Hilfe zum Einsingen.

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Eine Stunde dauert die Schmelze in einem Tiegel aus Graphit. 160 Kilo Bronze brodeln im Topf. Am Ende beträgt die Temperatur rund 1200 Grad Celsius. © CF

In der Bundesrepublik existieren noch sechs Glockengießereien, unter anderem die Manufaktur Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher. Ich blieb einen Tag und erlebte einen Bruchteil der Arbeitsschritte, die nötig sind, um eine Glocke herzustellen.

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Mit Sicht- und Wärmeschutz nähern sich die Arbeiter der 1200 Grad heißen Suppe. Mit einer eisernen Haltervorrichtung kippen sie den Schmelztiegel in eine der beiden Öffnungen der Stahlform. Die Bronze fließt über in den steinharten Formsand eingeritzte Gießkanäle in den Hohlraum zwischen Mantel und Kern. © CF

Das Handwerk braucht vor allem eins: Zeit. Am Schluss werden die Glocken abgehört. Mit Stimmgabel und einem absoluten Gehör studieren die Prüfer Unterton, Prime, Mollterz, Quinte, das heißt, sämtliche Teiltöne, die den Klang der Glocke bestimmen.

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Der Elektriker, Glockenprüfer und Musiker Wolfgang Nieland testet die Glocken.  (© CF)

Das hat es noch nie gegeben, dass europaweit gemeinsam Glocken läuten. Am 21. September (18 bis 18.15 Uhr) werden mehr als tausend Instrumente über Ländergrenzen hinweg zeitgleich in sakralen und säkularen Dachstühlen schwingen und den Klang verbreiten, der Europa fast zwei Jahrtausende lang prägte.

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St. Paulus Dom in Münster © CF

Petit & Gebrüder Edelbrock

Glocken- und Kunstguss-Manufaktur

Hauptstraße 5

48712 Gescher

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Glockengießerei in Gescher © CF

Westfälisches Glockenmuseum Gescher

Lindenstraße 2, 48712 Gescher

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Die Trobairitz Maria Jonas mit Stefan Klöckner (Leiter des Instituts für Gregorianik) an der Folkwang Universität der Künste in Essen. © CF

Maria Jonas (Leiterin der Frauenschola „Ars Coralis Coeln“)

Neue CD

Hildegard von Bingen. Ordo Virtutum. Die Ordnung der Kräfte.

Leitung: Maria Jonas. Raumklang. RK 3701. LC05068. Schloss Goseck 2018

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Kölner Dom und St. Martin (re.) © CF
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