Die Abgründe des Tagebaus

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Am Abgrund: Der erste Akt der theatralen Exkursion spielt auf :Terra Nova, einem Besuchszentrum von RWE mit Blick in den Hambacher Tagebau © CF

An den Rand. Ein Lehrstück im Revier

WDR 5, Scala

15. Oktober 2018

14 Uhr/ 21 Uhr

Link zur Reportage über die theatrale Exkursion ins Revier

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Am Horizont: Hubert Perschke (Bürgerinitiative Buirer für Buir) zeigt auf die Landmarken jenseits der Grube © CF

Im Rhein-Erft Kreis liegt Kohle unter der Erde. Die Vorräte des Reviers reichen bis 2045. Zwischen Genehmigung und aktuellem Abbau liegt eine Generation. Die Ölkrise ist vorbei, fossile Energie ist out, Atomstrom steht in der Kritik. Die Zukunft setzt auf Energieträger, die nachwachsen oder in den Sternen stehen.

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Auf die Spitze: Noch steht die Manheimer Pfarrkirche, noch wachsen Stieleichen und Hainbuchen in Europas einmaligen Wald, im Hambacher Forst, der für Hubert Preschte stets eine Heimat war. © CF

Zwischen Aachen, Mönchengladbach und Köln fressen sich die Schaufelradbagger durch Löß, Sand und Kies, auf dem Jahrhunderte alte Ortschaften standen, wie Manheim bei Kerpen (siehe Titelbild), wie der Bauernhof von Stefan Leonards, den bereits seine Großeltern bewirtschafteten.

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Vor der Umsiedlung: Stefan Leonards. Bühne II ist der Hof eines der letzten Bauern in dieser Gegend. © CF

Das Grundstück gehört dem Bauern nicht mehr. RWE hatte es gekauft und Stefan Leonards eine Entschädigung gezahlt. Wie er mit der Summe klarkommt, mit den neuen Bedingungen, dem neuen Acker, ist sein Problem. Der Konzern ist nicht verpflichtet, ein Haus umzusetzen, sagt Hubert Perschke, sondern nur einen Schätzwert zu zahlen.

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Gefräßige Nachbarn: Stefan Leonards Pferde grasen vor der Kulisse des Hambacher Tagebaus © CF
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Auf der Zunge: Feinstaub liegt in der Luft und Lärm in den Ohren. © CF

Gemeinden werden umgesiedelt, Häuser rückgebaut, so heißt es im RWE-Jargon. Das bedeutet nichts anderes als Abriss.

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Ruhender Verkehr: Die Autobahn war im Weg. © CF

Das Ensemblenetzwerk Freihandelszone fuhr bis an den Rand der Grube. Ihr Publikum erlebte ein Road-Movie live.

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Stille Gasse: Jörg Fürst (Regisseur und Autor. A.Tonal.Theater) © CF

Die Theaterschaffenden Jörg Fürst (A.Tonal.Theater) und Rosi Ulrich (Theater-51grad) organisierten mit dem Fotografen Matthias Jung den Trip ins Braunkohlerevier.

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Am Mikro: Der Fotograf Matthias Jung, der die Nachtseite der dem Untergang geweihten Städte einfängt. © CF

Titel der theatralen Exkursion: Das Loch. Untergang und Utopie. Im Bus erfuhren wir, dass die Grube des Hambacher Tagebaus 50 Kilometer umfasst und das tiefste Loch Europas ist.

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Im Blick: Hubert Perschke (Aktivist und Fotograf) schuf mit dem Bildband Mein Manheim ein wertvolles Erinnerungsbuch. © CF

Von Hubert Perschke erfahren wir, dass unklar ist, ob die Kohle aus dem Hambacher Tagebau überhaupt noch gebraucht wird. Wir erfahren, dass die Bundesrepublik weltweit die meiste Braunkohle zu Tage fördert, vor den USA und China. Und wir wissen, wie unermesslich groß der ökologische Fußabdruck ist.

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Ins Grüne: Unser Bus auf dem Weg zur Kartbahn Steinheide. © CF
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Letzte Runde: Auf der Kartbahn Steinheide legten die Brüder Schumacher den Grundstein für ihre Rennfahrerkarriere. © CF
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Klares Ziel: Die Kartbahn ist an RWE verkauft. Jetzt suchen die Betreiber_innen einen neuen Standort. © CF

Es sind Abgründe, die die Bagger schaffen. Doch Menschen versuchen, die Löcher zu stopfen, mit ihren Erinnerungen, Leben und Entscheidungen, sofern sie überhaupt eine Wahl haben. Wer sich quer stellt, bekommt Klagen an den Hals oder wird unter Druck gesetzt. RWE pocht auf die Genehmigung aus den 1970ern.

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Am Rand: Die neogotische Kirche St. Albanus und St. Leonhardus in Manheim © CF

Manheim ist ein Straßendorf, wurde vor 1100 Jahren zum ersten Mal erwähnt. Rund 1700 Menschen lebten hier, besuchten Sportplätze und Karnevalsvereine, gingen zur Schule, trieben Handel, gingen in die Kneipe.

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Im Fenster: Längst ist jeder Tag Donnerstag. © CF

Die Alteingesessenen ziehen weg, Flüchtlinge ziehen ein. Menschen wie Hubert Perschke bemühten sich um eine Lösung, denn Kerpen hatte ein „Flüchtlingsproblem“. Also mietete die Stadt die Häuser, die inzwischen RWE gehören. In denen leben oft mehrere Familien auf engstem Raum.

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© CF
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© CF
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© CF

Auf dem Friedhof bestatteten die Manheimer_innen ihre Toten. Sie bekamen neue Särge, wurden umgebettet und umgesiedelt.

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Schönes Bild: Unter Denkmalschutz? Nein, nicht im Revier. © CF
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Gewachsene Struktur: In diesem Haus buk der Bäcker legendäre Brot- und Teigwaren, schuf die Dinge per Hand, achtete auf Bioqualität, hatte ein Netzwerk. Am neuen Ort arbeitet er als Angestellter. © CF
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Welke Süße: Der Schätzwert alter Hauses ist gering. Viele verschulden sich neu, ziehen in kleine Wohnung, suchen Perspektiven oder sterben. © CF

Eine der Protagonistinnen ist Inge Broska, Künstlerin, Sammlerin, Umsiedlerin aus Otzenrath (2011 Garzweiler). „Ich war bis zuletzt da, bis mich der freundliche Baggerführer mit seinem Bagger weckte. Ich lag im Bett und konnte sehen, wie die Mauer eingerissen wurde. Plötzlich hatte ich einen weiten Ausblick.“

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Große Sammlung: In ihrem Hausmuseum bewahrt Inge Broska Erinnerungen, Fundstücke, Vergessenes, Scherben © CF

„Als die Frauen in Alt-Otzenrath ihre Häuser verließen, legten sie Kehrbleche auf die Türschwelle, um zu zeigen, dass hier niemand mehr wohnt, aber auch, um dem Haus Lebe wohl zu sagen. Ich habe die Kehrbleche alle mitgenommen. Du kannst doch kein Kehrblech stehen lassen.“ 

Hausmuseum von Inge Broska

Jörg Fürst (Regisseur, Autor)

Rosi Ulrich (Dramaturgin, Regisseurin)

Matthias Jung

Initiative Buirer für Buir (Hubert Perschke)

Als wir durch Manheim liefen, rasten getunte Autos an uns vorbei, der „Werkschutz, Motorräder, Sportwagen. „Kein Zufall“, sagt Jörg Fürst. RWE-Mitarbeiter fürchten um ihren Arbeitsplatz und betreiben eine Art modernen Maschinensturm.

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Finale © CF
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© CF

Orient Express

Mit Dampf in den Luxus

WDR 5 ZeitZeichen & WDR 2 StichTag vom 4. Oktober 2018

1883 – Offizielle Jungfernfahrt des Orient Express

ZeitZeichen – WDR 5: 9.45 Uhr/ WDR 3: 17.45 Uhr

Audio zum ZeitZeichen über Orient Express

StichTag – WDR 2: 9.40 Uhr

Audio zum WDR 2 StichTag über Orient Express und heutige Nachbauten

Fotogalerie im Netz von WDR 5 mit Raritäten und wahren Fundstücken

WDR 5 INTERNET – FOTOSTRECKE

Orient Express Litho Rafael de Ochoa y Madrazo 1891 © Dt Plakatmuseum
Plakatentwurf: Raphael de Ochoa y Madroza (1895) © Museum Folkwang/ Deutsches Plakat Museum
(Sammlung Reisen in Luxus, Essen)

Orient Express! Allein der Name befeuert die Fantasie. Gilt er doch bis heute als der König der Züge und als der Zug, mit dem Könige reisten. Der Orient Express machte die Eisenbahn zum Hotel, den Wagon zur Lounge, den Speisewagen zum Fünf-Sterne Restaurant, das Abteil zur Suite, das Zugfenster zur Leinwand, zu sehen im Titelbild, einer Lithographie aus einem Prospekt aus dem Jahre 1898.

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Logo der Compagnie Internationale des Wagons-Lits (CIWL) an einem ausrangierten Speisewagen des Orient Express im Eisenbahnmuseum in Bochum © CF

1872 wurde die CIWL von Georges Nagelmackers gegründet. Bei einem längeren Aufenthalt in den USA erlebte der belgische Ingenieur die sleeping cars des Schlafwagen-Erfinders George Mortimer Pullman. Zehn Monate später kehrte Georges Nagelmackers nach Europa zurück. Er verhandelte mit Politikern, Herrschern und acht verschiedenen Eisenbahngesellschaften. Schließlich stellte er den ersten Luxuszug Europas auf die Schienen.

Gare de l'Est © Sammlung Klein
Aus dem Gare de l’Est rollte der erste Orient Express. Der Kopfbahnhof wurde 1852 fertig gestellt und galt als richtungsweisend für die Architekturen jener Zeit. Standen Bahnhöfe doch für das modernste Transportmittel, das die Welt zu bieten hatte. Per Pferdekutsche begaben sich die Passagiere zu den Stahlrössern.

Am 4. Oktober 1883 begaben sich Diplomaten, Bahnbeamte, Schriftsteller, Journalisten zum Ostbahnhof in Paris. Mit einer Dampflok (Typ 120) der französischen Ostbahn an der Spitze begab sich die geladene Gesellschaft auf Premierenfahrt gen Konstantinopel, wie Istanbul bis 1924 hieß. 40 Männer, keine Frau. Zu gefährlich, hieß es. Die Herren sollten Revolver bei sich tragen, denn die Reise führte durch Krisengebiete, befand der Gastgeber und Direktor der Internationalen Schlafwagengesellschaft Georges Nagelmackers.

Speise- und Abteilwagen © Sammlung Klein
Die französische Wochenzeitung l’Illustration zeigt die älteste Darstellung des Orient Express.des Interieurs von Abteil- und Speisewagen.

Im Restaurant hingen vierarmige Kristallleuchter von der Decke, mit Gas betrieben. Gobelins an den Wänden. Die Stühle mit Cordobaleder bezogen. Auf den Tischen weißer Damast. Das Top-Transportmittel der Belle Epoque feierte den Luxus auf dem Schienenstrang und eröffnet eine neue Ära des Reisens.

Menükarte der ersten Reise © Sammlung Klein
Gourmets buchten Ticktes, allein der Kochkunst wegen.

Abgesehen von der luxuriösen Ausstattung und den extravaganten Küche lebten die Reisenden des Orient-Express in einem Komfort, der für die normale Bevölkerung alles andere als selbstverständlich war. Auf ihrer Passage durch die Fürstentümer und Königreiche Europas, über sämtliche Ländergrenzen hinweg, hatten die Gäste stets fließendes, warmes Wasser, kühle Getränke, frische Speisen, Heizung, Licht.

Konstantinopel HBF © Sammlung Klein
Sirkeci-Hauptbahnhof Konstantinopel. Postkarte um 1890

Seit August 1888 war der Sirkeci-Hauptbahnhof im Stadtteil Stamboul die Endhaltestelle des Orient Express. Für das Premierenpublikum im Oktober 1883 endetet die Fahrt mit dem Luxuszug in der rumänischen Stadt Giurgiu, am Hafen der Donau. Mit einer Dampfbarkasse setzte die Gesellschaft über, fuhr mit einem Zug nach Warna ans Schwarze Meer und bestritt die letzte Strecke mit einem Dampfschiff, das sie in die Hauptstadt des Osmanischen Reiches brachte. Als das Streckennetz vollendet war, erfüllte sich die Vision einer Direktverbindung von Westeuropa bis an die Ostgrenze des Kontinents.

anonym 1888 © DT Plakatmuseum
Anonym 1888 © Museum Folkwang / Deutsches Plakat Museum
(Sammlung Reisen in Luxus, Essen)

Auch wenn der Orient Express nie in den Orient fuhr, bediente er die Erwartungen seiner Gäste nach fernen Ländern. Plakate warben mit Exotik pur. Das Plakat lockt in die Fremde, zur Hagia Sophia, zum Goldenen Horn. Für die meisten blieb die Reise ein Traum auf dem Plakat. Vier durchschnittliche Monatsgehälter kostete ein One Way Ticket.

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„Plakate an sich galten als Sensation, sie bildeten die größten Farbflächen im öffentlichen Raum, zeigten diese exotische Ferne.“ (René Grohnert. Leiter des Plakatmuseums im Museum Folkwang in Essen vor der historischen Zigarettenwerbung für Manoli. Plakat: Lucian Bernhard) © CF

In den Beständen des Plakatmuseums bilden Zugplakate ein eigenes Genre. Im Stil von Impressionismus und Art Deco entstanden im ausgehenden 19. Jahrhundert schillernde Bildergeschichten über ein mobiles Europa. „Diese Reiseplakate wurden sehr aufwendig produziert; sie waren auch nicht für den Außenraum bestimmt, sondern für Hotels, Passagen, Kaufhäuser, Theater. Sie trugen entschieden zur Imagebildung von bestimmten Orten und Zügen bei.“ Nach dem Ersten Weltkrieg war auf vielen dieser Reiseplakate ein neuer Titel zu lesen: Simplon Orient Express.

Simplon Orient Express © DT Plakatmuseum
Plakatentwurf: Robert-Antoine Pinchon (1922) © Museum Folkwang/ Deutsches Plakat Museum
(Sammlung Reisen in Luxus, Essen)

Der Simplon Orient Expressstand für die zweite Blüte der Luxusreisen. Seinen Namen verdankt der Zug einem der längsten Tunnel der Welt, dem Simplon Tunnel, der die Walliser Alpen unterquert. Die Passage folgte einer politischen Entscheidung. Die CIWL vermied eine Reise über München und Wien, durch das Gebiet der einstigen Kriegsgegner. Ab 1928 gab es auch wieder eine Route durch Deutschland.

i'Illustration 1929 © Sammlung Klein
Simplon Orient Express IN: l’Illustration 23. Februar 1929. Foto: Boursky

Im Februar 1929 berichtete die französische Wochenzeitung l’Illustration von einem heftigen Zwischenfall. Rund 80 Kilometer nördlich von Istanbul, bei Tscherkessköy, steckte der Simplon Orient Expressfür fünf Tage in gewaltigen Schneemassen. Angeblich inspirierte der Zwischenfall die Krimischriftstellerin Agatha Christie zu ihrem Roman Mord im Orient Express. Sie selbst war eine begeisterte Passagierin.

Agatha Christie © Hoffmann und Campe
Aus dem Engl.: Hans Erik Hausner © Hoffmann und Campe. Hamburg 2017

„Schon immer hatte ich einmal mit dem Orient-Express fahren wollen“, schrieb Agatha Christie in ihrer Autobiographie. „Am nächsten Morgen eilte ich zu Cooks, gab meine Tickets für Westindien zurück und besorgte mir stattdessen Fahr- und Platzkarten für den Simplon Orient Express nach Istanbul (…) Ich war schrecklich aufgeregt.“

Pera Palace
Pera Palace Hotel. Postkarte um 1900

Auf ihren Reisen nahm Agatha Christie immer wieder den Orient Express. Vom Palast auf Rädern zog sie ins Pera Palace Hotel, mitten im Villen- und Diplomatenviertel von Konstantinopel. Ganz sicher genoss sie den Blick auf den Bosporus und die Hagia Sophia, so wie es die Postkarte zeigt. Das Pera Palace Hotel war Teil der ersten Hotelkette der Welt, die die Internationale Schlafwagengesellschaft in den 1890er Jahren ins Leben rief. Die Hotels garantierten Luxus, modernste Ausstattung, besten Komfort. Das Pera Palace Hotel existiert heute noch. Ein Zimmer ist dem berühmten Gast Agatha Christie gewidmet. Hier habe sie ihren Krimi Mord im Orient Express geschrieben, der 1934 erschienen ist.

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Hans-Jörg Stiegler. Gründer und Inhaber von Modellbahn Wiehe. Kultur mit Pfiff in Wiehe an der Unstrut (Thüringen) © CF

Hans-Jörg Stiegler nahm den Krimi zum Anlass, die Trasse als Kunstlandschaft nachzubauen. Mit dem ersten europäischen Luxuszug begann er vor 25 Jahren sein Lebenswerk in Wiehe in Thüringen- Inzwischen ist der Orient Expresseiner unter vielen Eisenbahn-Legenden im Miniaturformat auf dem 12 000 Quadratmeter großen Areal.

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Auf der Trasse des Orient Express in Wiehe an der Unstrut © CF

Rund 15 Minuten dauert die Fahrt von Paris bis Istanbul, in der Modellbahn-Ausstellung in Wiehe in Thüringen, in der eigens für den Orient Express gebauten Industriehalle. Das Original brauchte um die drei Tage, bis es sein Ziel erreichte, den Hauptbahnhof in Konstantinopel.

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Ein ausrangierter Speisewagen des Orient Express im Eisenbahnmuseum Bochum Dahlhausen © CF

Nicht einmal 100 Jahre nach seiner Jungfernfahrt endete der Traum. Mit dem ersten Weltkrieg starb die erste, große Blüte des Luxuszuges. Zwischen den Kriegen erlebten der Orient Express und seine Abkömmlinge die zweite Blüte. Blau lackierte Stahlwagons und schnelle Loks fuhren Diplomaten, Schmuggler_innen, Künstler_innen durch den Kontinent Europa. Wer wollte, nahm ein Schiff auf die asiatische Seite Europas und fuhr weiter nach Kairo oder Bagdad.

Simplon Orient Express Litho Roger Broders 1931 © Dt Plakatmuseum
Plakatentwurf: Roger Borders (1931) © Museum Folkwang / Deutsches Plakat Museum
(Sammlung Reisen in Luxus, Essen)

Mit dem Zweiten Weltkrieg starb die zweite Blüte.

Konrad Koschinski © Konrad Koschinski
Konrad Koschinski (Journalist und Fachautor) © Konrad Koschinski

„Nach dem Zweiten Weltkrieg erinnerten die klangvollen Namen und die blauen Stahlwagons aus den 1920er Jahren an die Glanzzeit. In den 1970er Jahren hingen verschiedene Wagen diverser Staatsbahnen hinter der Lok. Die einstigen Luxuszüge mutierten zu gewöhnlichen Schnellzügen. Ein Zug namens Direkt Orient stellte die letzte umsteigefreie Verbindung Paris – Istanbul her. Bis Ende Mai 1977.“

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Der Speisewagen diente einem Hobbyhandwerker als Gartenhaus, bevor ihn das Eisenbahnmuseum Bochum rettete. Im Museum wartet er auf eine Komplettüberholung. Doch das braucht Zeit, Geld und Know How. © CF

Mit dem Ende des Originals beginnt die Ära der Nostalgiezüge.

Venice Simplon Orient Express © Belmond
Venice Simplon Orient Express © Belmond und Lernidee Reisen

Seit 1982 fährt der Venice Simpson Orient Express der auf zum Teil klassischen Trasse. Im Stile der Belle Epoque reisen gut betuchte Gäste durch bezaubernde Landschaften. 2014 ließ die Französische Staatsbahn verlauten, dass sie den Orient Express als regulären Zug wiederbeleben wolle. Heute ist davon nichts mehr zu lesen.

Rainer Mertens © Rainer Mertens
Rainer Mertens vor einer Dampflok in Pennsylvania. Stellvertretender Leiter des DB Museums Nürnberg © Rainer Mertens

„Der Orient Express als regulärer Zug ließe sich vielleicht als Hochgeschwindigkeitszug wieder beleben. Das Projekt von Hochgeschwindigkeitstrassen existiert ja bereits. Eine dieser Trassen führt von Paris über Straßburg, Stuttgart, München, Wien bis nach Bratislava, läuft also zum Teil auf der klassischen Strecke des Orient Express. Stuttgart 21 liegt auch auf dieser Strecke. Der Plan ist, dass die Hochgeschwindigkeitszüge mit 250 bis 300 km/h fahren. Bis Istanbul dauerte die Reise nicht mehr vier oder fünf Tage, sondern einen Tag. Insofern hätte der Orient Express eine Chance.“ 

Mord im Orient Express © Hoffmann und Campe
Aus dem Engl. Otto Bayer) Hoffmann und Campe Verlag. Hamburg 5/ 2017

Christie, Agatha: Die Autobiographie (Ü: Hans Erik Hausner). Hoffmann und Campe Verlag. Hamburg 2017

D’Arvor, Patrick Poivre: Legendäre Eisenbahnreisen. Verlag Fredeking & Thaler. München 2007

Franzke, Jürgen (HG): Orient-Express. König der Züge. DB Museum Nürnberg. Komet Verlag. Köln 1998

Mit dem Zug durch Europa © Steidl
Grohnert, René (Hg.) Steidl Verlag. Göttingen 2010
Monique Morvan-Nagelmackers und Jürgen Klein © Sammlung Klein
125 Jahre nach der Gründung der Internationalen Schlafwagengesellschaft saßen geladene Gäste am Pariser Gare de l’Est im Pullman Orient Express, einem sogenannten Nostalgie-Zug, unter ihnen Monique Morvan-Nagelmackers (Enkelin des CIWL-Gründers und Orient Express Initiators Georges Nagelmackers) mit Buchautor und Sammler Jürgen Klein am 4.12.2001. (Foto: Privat)

Klein Jürgen: Die Grandhotels der Internationale Schlafwagen-Gesellschaft. B. Kühlen Verlag. Mönchengladbach 2012

Klein, Jürgen/ Mühl, Albert: Reisen in Luxuszügen. Die Internationale Schlafwagen-Gesellschaft. EK Verlag. Freiburg 2006

Klein, Jürgen/ Mühl, Albert: 125 Jahre Internationale Schlafwagen-Gesellschaft. Die Luxuszüge – Geschichte und Plakate. EK Verlag. Freiburg 1998

Koschinski, Konrad: 125. Jahre Orient-Express. Eisenbahn Journal. Sonderausgabe. 2/ 2008. Verlagsgruppe Bahn GmbH. Fürstenfeldbruck 2008

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© CF

Eisenbahnmuseum Bochum

Dr.-C.-Otto-Straße 191. 44879 Bochum

DB Museum Nürnberg, Koblenz, Halle

Simplon Orient Express 2 © DT Plakatmuseum
Plakatentwurf: Joseph de la Nézière (1927) © Museum Folkwang / Deutsches Plakat Museum
(Sammlung Reisen in Luxus, Essen)

Plakatmuseum im Museum Folkwang

Museumsplatz 1. 45128 Essen

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Kunstlandschaft in Wiehe am Zielort des Orient Express in Wiehe (Thüringen) © CF

Modellbahn Wiehe

Am Anger 19. 06571 Wiehe

Venice Simplon Express © Belmond
Suite im Venice Simplon Orient Express © Belmond und Lernidee Erlebnisreisen

Lernidee Erlebnisreisen

Nostalgiezug-Veranstalter (u.a. Venice Simplon Orient Express)

Eisenacher Straße 11, 10777 Berlin

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Dem Soundartisten Alex Hardt danke ich für die raren Eisenbahnaufnahmen, die das ZeitZeichen auf eine einzigartige Tonreise schicken © CF