Deutscher Herbergsverein

Frei zur Einkehr

SWR 2 Matinee zum Thema Herberge

23. Dezember 2018, 10 Uhr

Link zum Audio über den Deutschen Herbergsverein

Im 19. Jahrhundert begaben sich tausende Handwerker zu den damals neuen Stahlfabriken und Kohlebergwerken. Landarbeiter verdingten sich als Erntehelfer © CF

Sie kommen aus dem Osten Europas, wandern über Grenzen, suchen Arbeit, finden Jobs, die hier niemand machen will. Sie stechen Spargel im April, lesen Wein im Herbst, zerlegen Tiere in Fleischbetrieben, eine Knochenarbeit. Sie hausen in Wäldern, übernachten illegal in Gaststätten: Wanderarbeiter und –arbeiterinnen. Andere sitzen vor Supermärkten. Sie betteln, trinken, spritzen Heroin. Sie ziehen von zur Bahnhofsmission: Menschen, die ohne Obdach sind, nie ohne Grund.

Im Mittelalter boten Klöster Asyl, in der Neuzeit Gaststätten, im 19. Jahrhundert entstanden an verschiedenen Orten Herberge zur Heimat. Die erste Herberge zur Heimat gründete in Bonn ein Kreis engagierter Christen um den Staatsrechtler um Clemens Theodor Perthes.

Auf dem ersten evangelischen Kirchentag im September 1848 lieferte der Diakon und Sozialpädagoge Johann Hinrich Wichern entscheidende Impulse. In der Schlosskirche in Wittenberg hielt er vor den Delegierten eine Rede zur Gründung des Centralausschusses für die Innere Mission der deutschen evangelischen Kirche, dem Vorläufer des Diakonischen Werkes.

Waldkirche bei Bethel © CF

Und weil das 19. Jahrhundert die Zeit der Vereine ist, wurde auch ein passender Verein gegründet: der Deutsche Herbergsverein. Sein Nachfolger ist Verband der evangelischen Obdachlosenhilfe.

Hohlweg im Teutoburger Wald: Wandernde begaben sich in die Ballungsräume, zum Beispiel ins Rheinland. © CF

Eine Miniatur über ein eher unterbelichtetes Kapitel der jüngeren Geschichte. Es geht um die Wandererfürsorge, die vornehmlich von konservativen Protestant_innen ins Leben gerufen wurde und sich auch einem Erbe stellen musste, das schmerzlich ist.

Ich sprach mit Michael Häusler, dem Archiv- und Bibliotheksleiter des Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung in Berlin.

Archiv des evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung


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Die Couch – Möbel & Metapher

Nathan Kravis: Auf der Couch

Eine verdrängte Geschichte der analytischen Couch von Platon bis Freud

WDR 3 Kultur am Mittag
21. Dezember 2018, 12 Uhr

Link zur Miniatur über die Couch – Link to the audio about the couch

Weniger sitzen, mehr gehen. Sport treiben hält fit. Wie wäre es mit liegen? Liegen?! Einfach so? Mich auf die Couch schmeißen, vielleicht noch beim Psychoanalytiker? Geht’s noch?! Ja, es geht. Verdammt gut geht es. Eine richtige Couch und genau das rechte Gegenüber. Das kann Wunder wirken, befreien, heilen. Liegen steht in einer langen Tradition. 

Sofa stammt aus dem arabischen Suffa, was soviel heißt wie Kissen oder Ruhebank. Dieses Sofa steht in einem kleinen, feinen Teesalon in Düsseldorf. © CF

Bei edition frölich erschien kürzlich ein Buch mit dem Titel Auf der Couch. Das Buchcover zeigt ein Gemälde des spanischen Künstlers Ramon Casas i Carbó aus dem Jahre 1895. Nach dem Ball, so der Titel des Bildes, gehört zu eines der vielen Illustrationen, die den Text des US-amerikanischen Autors Nathan Kravis begleiten.

Nathan Kravis (Professor für Psychiatrie am Weill Cornell Medical College der Cornell University in New York) © David Arky

Nathan Kravis gräbt in der reichen Geschichte des Möbelstücks. Er spiegelt die soziale, kommunikative und medizinische Seite des Sofas von der Antike bis heute. Ich las im Liegen und schrieb im Sitzen. Das könnte sich demnächst ändern. 

Die Präsidialsuite im klassizistischen Hotel Thermae Sylla in Aidipsos auf Euboia (Griechenland). Im Turmzimmer unterm Dach lag der Jet Set der 1950er/ 60er Jahre auf der Couch, auch die Opernsängerin Maria Callas. © CF

My Radiofeature is a homage for the recumbent posture. I spoke with Nathan Kravis, the Professor of Psychology, who wrote about the long tradition of laying down as strong gesture of power and communication.

Kravis, Nathan: On the couch. A repressed history of the analytic couch from Plato to Freud. Massachusetts Institute of Technology. Cambridge Massachusetts 2017 (German by edition frölich. Berlin 2018)

The art of recumbency: Liegen Lernen von denen, die die Kunst beherrschen © CF

Flâneuse – Frauen erobern die Stadt

Frau zu Fuß

Eine Kulturgeschichte des weiblichen Gehens von Lauren Elkin

14. Dezember 2018

WDR 5, Scala, 14 Uhr und 21 Uhr

Link zum Audio über die Flaneusen

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Anarchie des Müßiggangs: Flanieren, verweilen, sich treiben lassen © CF

Das Gehen ist ein literarischer Akt, eine Grundfigur der Poesie, eine Schule des Genusses, wie es der Schriftsteller Franz Hessel ausdrückte. In der westlichen Kulturgeschichte allerdings sind Flaneure zumeist begüterte, untätige, männliche Müßiggänger. Wo aber schlendern die Flâneusen? Die amerikanische Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin Lauren Elkin schrieb eine Geschichte des weiblichen Gehens. Jetzt liegt der Text in einer deutschen Übersetzung vor mit dem Untertitel: Frauen erobern die Stadt in Paris, New York, Tokio, Venedig und London. Stationen, die die Autorin selbst besucht hatte. Lauren Elkin lebt inzwischen in Paris. Eine Miniatur.

Literatur

Elkin, Lauren: Flâneuse. Frauen erobern die Stadt – in Paris, New York, Tokio, Venedig und London. Aus dem Englischen von Cornelia Röser. Btb Verlag. München 2018.

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Performance ohne jede Absicht: Nur der Aufbruch ist gewollt © CF

Aufgefaltet – Fold

Der Rhythmus vom Knicken – The dance of kinks

WDR 5 Neugier Genügt

6. Dezember 2018, nach 10 Uhr

Link zum Hörstück übers Falten – Touch it Hear it Fold it

Link zur WDR Fotostrecke – Touch for the Photogallery in the WDR Web

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Papierkünstler Peter Dahmen schiebt ein Pop up in den Raum © CF

Falten ist lowtech, ist simpel, ist Pop up. Die einen falten Hände, die anderen Papier, die dritten digital, zum Beispiel dann, wenn sie das Wissenschaftsgame Foldit spielen.

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Foldit für Mensch und Tier  © CF

Foldit ist ein Videospiel, das an der Uni Washington in Seattle entwickelt wurde. Die Weltspielegemeinde darf Proteine falten und ihre Ergebnisse an das Institut für Proteinforschung schicken. Ich sprach mit dem Biochemiker Brian Koepnick.

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Ziehharmonikafalten sind Klassiker und zugleich Erinnerungskonzept an die eigene Kindheit © CF

Ohne Falten gäbe es kein Leben, kein Origami, keine Botoxspritzen. In meinem hörspielartigen Feature begebe ich mich in eine Welt der Dinge und des Denkens zwischen Bergfalte und Talfalte.

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Athen (Griechenland), in der Kaserne der Präsidialgarde – a soldier in Athens, wearing a scirt with pleats © CF

Folding is low tech, is life, is complicated, is beauty. We fold hands, paper, clothes. Scientists use the model of origami to explain processes, which happen every second in our body, when aminoacidchains fold themselves into protein-molecules. Paper Engineers creat structures, which pop out a folded card. A radioessay about the mystery of folding.

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The Tailoring in the barracks of the Evzones in Athens (Greece) – In der Schneiderei entstehen die Uniformen der Elitesoldaten. © CF

Der weiße Faltenrock, die Foustanella ist ein nationales Symbol. In der Zeit der Befreiungskriege gegen das Osmanische Reich trugen Rebellen den Faltenrock. The fustanella is a national symbol of Greece. In the time of the Osmanic Empire rebells carried th fustanella as a amour. Today the gardists of the president in Athens (Greece) wear the foustanella, the skirts with 400 pleates on Sunday and on holidays.

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Evangelos Lasos ist the dressmaker of the uniforms. His colleague Despina Politis (left) stiches a foustanella © CF

Literatur

Jackson_Falttechniken
Haupt Verlag. Bern 2015

Jackson_Schneiden und Falten
Haupt Verlag. Bern 2017

Holt, Neil/ Velsen von, Nicola (Hg.): Papier. Material, Medium und Faszinosum. Prestel Verlag. München London New York 2018

Goetschel, Antoine F.: Animal Spa. Die Geschichten des Tieranwalts. (Hg. Global Animal Law Gal Verein). C.F. Portmann Verlag. Küsnacht 2018

Goetschel, Antoine F.: Tiere klagen an. S. Fischer Verlag. Frankfurt am Main 2012 

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Antoine F. Goetschel – Internationaler Berater für das Tier in Recht und Ethik © CF

Antoine F. Goetschel (Anwalt in Zürich)

Global Animal Law GAL Verein

Das Logo ist eine gefaltete Elefantenkuh (s. Titelbild)

Präsident: Antoine F. Goetschel

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Papierdesigner Peter Dahmen kreiert Pop ups © CF

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Aus 2D wird 3D: Das Vorbild ist das Hotel Rothschild 22 in Tel Aviv © CF

Peter Dahmen (Papierdesigner und Pop up-Künstler

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Täuschung durch präzise Faltung: In der Zauberakademie lernen die Lehrlinge, den Dollarschein in eine Spendenquittung zu verwandeln – in the academy of the Magier learn the students, how to fold a dollar note and unfold a receipt © CF

Akademie der Zauberkunst

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Zaubermeister Christian Jedinat © CF

Black Table Magic Theater

Christian Jedinat und René Vander Vreken

Aachenmünchener-Platz 8

52064 Aachen

Lord Byron © CF
Um 1830 portraitierte ein anonymer Maler den englischen Dichter Lord George Gordon Byron vor der Akropolis, gewandet in einer  Foustanella, der Uniform der Rebellen gegen das Osmanische Reich © Benaki Museum

Benaki Museum in Athen (Griechenland)

Museum of greek culture

Im Museum hängen viele Originale aus der Zeit der Befreiungskriege Griechenlands gegen das Osmanische Reich, an denen Philhelenen wie Lord Byron teilnahm.

1 Koumbari St.& Vas. Sofias Avenue. 10674 Athen

Denkmal des unbekannten Soldaten

Syntagma Platz, Athen

Evzonen (Präsidialgarde)

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Evzone Konstantinos Peristeris (re.) und Gardeoffizier Nikolaos Vavlekis (das Foto zeigt Nikolaos Vavlekis in der Uniform der Präsidialgardisten) © CF