Athos, der Förster

Ein Roman von Maria Stefanopoulou

WDR 3, Mosaik

23. April 2019

8 Uhr (Deutsche Zeit)/ 9 am (Greek time)

Link zum Audio über den Roman von Maria Stefanopoulou

Kalavrita, vom Kapi aus gesehen, dem Hausberg im Osten der kleinen Stadt auf der Peloponnes © CF

Marianthi wuchs in den Bergen der Peloponnes auf, unweit des Golfs von Korinth, in der Gegend, in der Athos Forstwirtschaft studiert hatte. Er war 21, sie 18, als sie ihn heiratete. Sie wurde die Frau des Försters. Marianthi zog mit Athos durch Griechenlands Waldgebiete, von Forstrevier zu Forstrevier. Auf Lesbos gebar sie Sohn Giannos, in Epirus Tochter Margarita. 1939 kamen sie auf die Peloponnes zurück. Athos übernahm hier ein Forstrevier. Sie lebten in Kalavrita, einer kleinen Stadt im Schatten des mächtigen Bergmassives Chelmos. Ihr Glück währte bis zum 13. Dezember 1943. Jener Montag ist das zentrale Moment in dem Roman Athos, der Förstervon Maria Stefanopoulou.

Der Hügel Kapi im Osten von Kalavrita: Gedenken an die Opfer des Massakers © CF

Zwei Jahre nach der Besetzung Griechenlands verübte die Deutsche Wehrmacht in Kalavrita eines der grausamsten Massaker auf dem Balkan im Zweiten Weltkrieg. Eine Eliteeinheit richtete 650 Männer und Jungen hin und vernichtete die männliche Linie ganzer Familien auf dem Kapi (s. auch Titelbild). Zur gleichen Zeit trieben Soldaten Mädchen, Frauen, Babys und Alte in die Volksschule und zündeten sie an. Sie konnten sich in letzter Sekunde aus den Flammen retten. Eine alte Frau starb unter den Füßen der panisch Fliehenden.

Am Ort des Massakers: Stunden dauerte die Erschießung, ein klares Kriegsverbrechen. Eine Entschuldigung von offizieller Seite Deutschlands bleibt bis heute aus. © CF

«Αθος, ο δασονομος», το μυθιστορημα τής Μαριας Στεφανοπουλου,  κυκλοφορησε στις εκδοσεις Ελεφαντοστουν απο το Βερολινο. Η μεταφραση στα Γερμανικα ειναι τής Μιχαελας Πριντζινγκερ. Το μυθιστορημα διηγηται τήν ιστορια τεσσαρων γυναικων, απο τεσσερις γενιες, απο μια οικογενεια, που παλευει με ενα φοβερο εγκλημα. Η κληρονομια τους ειναι η τραυματικη εμπειρια της σφαγής, που διεπραξε η γερμανικη Βερμαχτ στα Καλαβρυτα σιτς 13 Δεκεμβρίου τού 1943. Το βιβλιο ειναι αντιπολεμικο με παθος. Ταυτοχρονα κραταει μια κριτικη σταση απεναντι στην ηρωοποιηση τών νεκρων. Η Μαρια Στεφανοπουλου αναζητα την θεραπεια τού τραυματος στην μνημη, στην δικαιη μνημη.  Ο πρωταγωνιστης της, ο Αθος, αγωνιζεται για την αληθεια. Συνδεεται φιλικα με εναν γερμανο λιποταχτη και δεν παιρνει μερος στον ενοπλο αγωνα τών ανταρτων. 

Maria Stefanopoulou © Marina Xafolidi

Maria Stefanopoulou verbindet das historische Geschehen mit einer Familiengeschichte. Mutter, Tochter, Enkelin und Urenkelin gehen mit dem Trauma, das sich durch die vier Generationen zieht, unterschiedlich um. Es geht um Erleben und Erinnern, um Schweigen und Aussprechen, um die Frage, wie es zu diesem Verbrechen kommen konnte. Es geht um Gut und Böse. Beides gehört zum Menschsein. Doch das Urproblem liegt darin, sagt Maria Stefanopoulou, dass wir uns nicht mit der Zerstörungswut aussöhnen können. Ein biblisches Thema, das sie in biblischen Bildern beschreibt. In Metaphern von Bäumen, die wie Menschen sind, nur ohne Boshaftigkeit; im Bild des leeren Grabs. 

Die Opfer waren Schuljungen, Lehrer, Arbeiter, Händler, Väter. Die Büste des Pfarrers Panajotis Dimopoulos steht vor der Kirche © CF

Frauen, die Jesus nahe standen, gingen nach Jesus’ Kreuzigung zum Grab. Doch statt seinen Leichnam zu sehen, fanden sie nur eine leere Höhle vor. Ebenso suchte die Frau des Försters Marianthi vergebens den toten Körper ihres Mannes Athos. Gehört er zu den 13 Überlebenden? Das leere Grab ist im Roman ein immer wieder kehrendes Symbol, nicht für die Auferstehung, sondern für die Trauer. 

Der Bahnhof der Zahnradbahn in Kalavrita. Von hier aus brachten die deutschen Soldaten ihre Beute aus der geplünderten Stadt ins Tal. © CF

Mutter und Tochter sind die Überlebenden des Massakers, das ihnen Ehemann und Bruder nahm, angeblich als Sühne für die Attacken der griechischen Partisanen gegen die Deutsche Wehrmacht. Auch daran erinnert der Roman, an die Tötung von 78 deutschen Soldaten, die griechische Partisanen nach einer Schlacht gefangen nahmen und mangels an Gefängnissen bei Familien unterbrachten. Die Geiseln wurden Teil der Dorfgemeinschaften, sie arbeiteten in der Schneiderei, beim Bäcker, auf den Feldern, trugen die Kleidung der Dorfleute. Drei Monate später wurden sie exekutiert. Eine Fehlentscheidung, hieß es selbst in den Reihen der Kämpfer_innen. Für die deutschen Besatzer ein willkommener Vorwand. Allerdings hätten sie auch ohne den Mord an den Kriegsgefangenen ihre Terrorherrschaft fortgesetzt. 

Mit der Zahnradbahn zwischen Diakofto und Kalavrita © CF

Maria Stefanopoulou fordert gerechtes Erinnern. Durch die Figur des Försters Athos unterzieht sie die Ereignisse einer genauen Untersuchung, beleuchtet sie aus verschiedenen Blickwinkeln, sucht nach Gründen für den tiefen Graben, der sich bis heute durch die griechische Gesellschaft zieht. 

Die Platia im Zentrum von Kalavrita © CF

Athos, der Försterspannt den Bogen bis in die aktuellen Krisenherde. Der Roman ist eine Montage aus Erzählung und essayistischen Exkursen in die jüngste Geschichte Griechenlands. Maria Stefanopoulous’ Debüt in der Übersetzung von Michaela Prinzinger ist Thema meiner Mosaik-Miniatur.

Literatur

Stefanopoulou, Maria. Athos der Förster. Ü: Michaela Prinzinger. Elfenbein Verlag. Berlin 2019

Στεφανοπόυλου, Μαρία: Αθος, ο δασονομος. Το Ροδακιό. Αθήνα 2014 

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