Feuerwerk

Eine Kulturgeschichte

WDR 5, Neugier genügt

31.12.2019, 10 Uhr

Link zum Audio

Link zur WDR-Fotogalerie

Japanisches Feuerwerk über Düsseldorf © NICO

Feuerwerk ist Kunst und Krieg. Feuerwerk verpestet die Umwelt und erfreut die Gemüter. Feuerwerk ist Schund, sagen die einen, Schönheit, die anderen.

Auf einer Höhe zwichen Wuppertal und Remscheid: Auf dem Abbrennplatz des Feuerwerkhändlers NICO zündet Jens Hibbeler eine Batterie © CF

Feuerwerk hat eine lange Tradition. Mit Osterfeuern zelebrierte das frühe Christentum Tod und Auferstehung des Sohnes Gottes. Als in Europa Feuerwerksraketen Einzug hielten, gab es Mysterienspiele per Explosion und Himmelszauber.

Eitorf: Jan Mahler (Leiter der Qualitätssicherung) steht auf dem Abbrennplatz von WECO, der letzten Feuerwerksfabrik in der Bundesrepublik © CF

Später zerbarsten Raketen über der Engelsburg in Rom. Anlässlich jeder Papstwahl bildete Feuerwerk eine Girandola, ein Strahlenkranz, der dann im Tiber erlosch. Ein Ritual, das seit dem 15. Jahrhundert zelebriert wurde.

Gereon Sievernich (Herausgeber von Das Buch der Feuerwerkskunst) © Photo: Scherhaufer

Leonardo da Vinci baute Schießpulvermaschinen und Feuerwerkslöwen. 1506 stachen in Konstanz drei Boote in den See, an Bord waren 350 Fässer, gespickt mit Feuerwerk, zu Ehren eines Kaisers. Sie waren das erste große Feuerwerk in Deutschland.

Im Prüfkeller von WECO: Forschungsleiter und Rhein in Flammen-Regisseur Georg Alef testet Feuerwerkskörper © CF

Feuerwerk ist Handwerk und Kunst.

WECO – Fertigungshütten hinter Schutzwall © CF

Ich besuchte WECO in Eitorf, die letzte Feuerwerksfabrik in Deutschland.

Im Büro von NICO: Japanische Feuerwerkskugel © CF

Ich begab mich ins Bergische Land zu Nico, der Export- und Importfirma von Feuerwerkskörpern. Nico veranstaltet auch das alljährliche Feuerwerk am Japantag im Mai.

Soundartist Alex Hardt zündet Bengalisches Feuer © CF

Mit dem Soundartisten Alex Hardt (s. Titelbild) zündelte ich selbst.

Diese Wunderkerze stammt von WECO aus dem Jahre 1949 © CF
Mit der Produktion von Wunderkerzen hat WECO begonnen. © CF

WECO

RHEIN IN FLAMMEN

Die Dragiertrommel ist ein Relikt aus der Zeit, als die Vorgängerfirma von NICO noch produziert hat. Statt ein Gemisch aus Rapskörnern, chemische Pulver und Wasser trägt der Kupferkessel seit vielen Jahren Erde. © CF

NICO

Martin Schmitz (Vertriebsleiter bei NICO) © CF

JAPANTAG DÜSSELDORF

Beru Inou besucht das Feuerwerk am Japantag und erinnert sich an ihre Kindheit. © CF

BERU INOU – SCHMUCKDESIGNERIN

Vulkan bei WECO © CF

Pinkelpausen

Druck lass nach

Geschichte und Geschichten

Pipibox im K’ffeehaus in Kirchentellinsfurt (Nähe Tübingen) © CF

Am 29.12.2019 läuft die letzte SWR 2 Matinee des Jahres/ Thema: Pause

11 Uhr läuft meine Miniatur über die Pinkelpause

© Mateusz Tondel

Wer kennt sie nicht? Pinkelpausen. Alle müssen. Ausnahmslos alle. Insofern können alle mitreden. Viele wollen nicht.

Café Binder in Tübingen © CF

Pinkelpausen stiften Kultur. Kein Ready Made ohne Pissoir, kein Café ohne das stille Örtchen, keine Raststätte ohne den großen Run. Endlos und variantenreich sind die Geschichten, nur allzu oft wird der Riegel vorgeschoben.

© CF

Im Freibad wiederum läufts heimlich. Niemand siehts, alle riechen’s. Denn je stärker das Schwimmbecken nach Chlor riecht, umso mehr Leute haben ihre Pinkelpause ins Wasser verlegt.

© Mateusz Tondel

Ab und zu mal einhalten ist eh besser. Das fand ein Forschungsteam in den Niederlanden heraus. Je voller die Blase, desto entscheidungsfreudiger ihre Besitzer_innen. Wer es schafft, den Schließmuskel im Griff zu halten, hat auch andere Bedürfnisse gut unter Kontrolle.

Alexandra Pieper (Inhaberin des K’ffeehaus) © CF

Als Alexandra Pieper ihr Café plante, stand die Konzeption der „Pipi-Box“ ganz oben. Das zahlt sich aus, denn impulsive Entscheidungen fallen oft mit leerer Blase. Das heißt, wer gute Geschäfte machen will, sollte Toiletten in Komfortzonen umbauen. Am Ende hilft nämlich alles nix: die Pinkelpause ist ein Naturgesetz.

K’ffeehaus in Kirchentellinsfurt

K’ffeehaus. Am Plon 2, 72138 Kirchentellinsfurt © CF

Schweizer National Circus

1784: Geburtstag von Friedrich Knie

Der Hochseilakt seines Lebens

WDR 29.12.2019

WDR 5 Zeitzeichen: 9’45 Uhr/ WDR 3: 17.45 Uhr

WDR 2 StichTag: ca 9’40 Uhr

Link zu ZeitZeichen

Link zu StichTag

Link zu WDR Web-Fotogalerie

Circus Knie am 4. Juni 1919 in Bern © Knie Medien

Der Schweizer National-Circus Knie ist eine Institution (Titelbild © Tobias Stahel). Über viele Generationen hält die Familie Knie die Zügel in der Hand, im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Pferdenummern sind legendär. Dabei begann alles mit einem Seil unter freiem Himmel.

Zirkusgründer Friedrich Knie (Alexander Klaws) mit seinem Vater in Knie – Das Cirus Musical © Rolf Knie/ Photo: Lukas Pitsch

Die Ursprünge der Schweizer Dynastie liegen in Österreich, im Jahr 1803. Stammesvater Friedrich Knie verliebt sich in die Kunstreiterin Wilma und schließt sich einem Wanderzirkus an. Die neue Liebe geht, das neue Leben bleibt. Geboren in Erfurt im Jahre 1784, studiert Friedrich Knie in Innsbruck Medizin. Mit 19 wird aus dem angehenden Arzt ein Hochseil-Akrobat.

Knie – Das Cirus Musical © Rolf Knie/ Photo: Lukas Pitsch

Mit 22 Jahren begründet Friedrich Knie seine eigene Künstlertruppe. Auch seine Kinder und Kindeskinder tanzen auf Seilen und Pferderücken. Die Truppe erlebt Höhen und Tiefen, Bankrott und Neuanfang. Im Februar 1850 stirbt Friedrich Knie im Kanton Bern an einem Herzinfarkt. Das Zirkusherz aber schlägt weiter, seit nunmehr acht Generationen.

Franziaska Trapp (Kulturwissenschaftlerin, Uni Münster) © Privat

Über Zirkusdynastien und die Debatte um Tiere in der Manege sprach ich mit der Zirkusforscherin Farnziska Trapp aus Münster. Circus Knie ohne Pferde? Undenkbar. Im Umgang mit den Tieren nehmen die Knie-Erben eine Vorreiterrolle ein. Sie dressieren ohne Gewalt, mit sanfter Autorität und Rücksicht auf die individuellen Anlagen der sensiblen Tiere.

Pferde in der Manege des Schweizer National Circus Knie © Knie Medien/ Photo: Thierry Bissat

Ich traf die sechste Generation, die Brüder Rolf und Fredy Knie.

Rolf Knie (Zirkusartist, Kunstmaler und Musical-Verfasser) © CF

Rolf Knie begegnete ich in einem kleinen Ort bei Zürich, in seiner Kreativzentrale. Nach einem langen Leben als Zirkusartist erweitert Rolf Knie die Palette, wird Kunstmaler und Musical-Schreiber. Mit Knie – Das Circus Musical setzt er dem Zirkus seiner Familie ein Denkmal.

Fredy Knie (Zirkusartist, Regisseur und Pferde-Dresseur) © CF

Fredy Knie ist Direktor, Regisseur und DER Pferdemann beim Schweizer National Circus. Inzwischen nehmen auch Tochter und Enkel die Zügel in die Hand.

Franco Knie Junior © Photo: Nicole Bökhaus/ Knie Medien

Schweizer National-Circus Knie

TOURNEE 2020

Zusammen mit Flic-Flac

19.3. bis 8.11.2020

Gemälde-Motiv von Rolf Knie auf einer Gebäckdose © CF

Rolf Knie Kunst AG

Rolf Knie neben eines der Kostüme seiner Mutter © CF

Salto Natale. Die Show der anderen Art

31. Dezember 2019: Silvestervorstellung

Kloten (CH/ bei Zürich)

Musical-Kostüm der Stammesmutter der Knie-Dynastie Antonia Stauffer © Rolf Knie/ Photo: Lukas Pitsch

Musical über die Knie-Dynastie

Franziska Trapp – Kulturwissenschaftlerin – Schwerpunkt Zirkus

Zwei der 58 Pferde des Schweizer National Circus Knie im Stall © Knie Medien/ Photo: Katja Stuppia

Reise nach Kalavrita

Verwundetes Paradies

Im Norden der Peloponnes (Griechenland)

WDR 5, Neugier Genügt am 11.12.2019

LINK ZU AUDIO UND FOTOGALERIE BEIM WDR/ Λινκ για την εκπομπή και για φωτογραφίες στην ιστοσελίδα τού WDR

Kalavrita ist die Endhaltestelle der Zahnradbahn (s. Titelfoto), die durch eine verwunschene Landschaft vom Meer in die Berge fährt. Kalavrita war Schauplatz eines der grausamsten Kriegsverbrechen, das die deutsche Wehrmacht auf dem Balkan im zweiten Weltkrieg verübte. Eine denkwürdige Reise an die Ausläufer des Chelmos-Massivs. Irina Scholz liest aus Athos der Förster, dem Debütroman von Maria Stefanopoulou.

Καλάβρυτα, το τέρμα τού οδοντωτού σιδηρόδρομου, που περναει μέσα από ένα μαγευτικό τοπίο ανεβαίνοντας από την θάλασσα στα βουνά. Καλάβρυτα, ο τόπος ενός από τα πιο αιματηρά εγκλήματα πολέμου τής Γερμανικής Βέρμαχτ στα Βαλκάνια. Καλάβρυτα, ο προορισμός ενός ταξιδιού εις μνήμην και ανάμνησην στους πρόποδες τού Χελμού. Με αποσπάσματα απο το βιβλίο «Άθος, ο δασονόμος» τής Μαρίας Στεφανοπούλου.

Die deutsche Wehrmacht stürzte Mönche in die Schlucht und zerstörte das Kloster Mega Speileo, zwischen Kalavrita und Diakofto © CF

LITERATUR

Stefanopoulou, Maria: Athos der Förster. Ü: Michaela Prinzinger. Elfenbein Verlag. Berlin 2019

Holocaust-Museum der Stadt Kalavrita (Hg.): Das Haus unserer Helden. Das Drama von Kalavrita. Versuch einer Annäherung. Kalavrita 2008

Nikolaidis, Panos: Ein Überlebender erzählt. (Hg: Holocaust-Museum der Stadt Kalavrita) Kalavrita 2010

Nika, Franzeska: Kalavrita 1943. Augenzeugenbericht. Romiosini. Köln 2/ 1999

LINKS

Weingut Tetramythos

Kalavrita

Zahnradbahn (Kalavrita – Diakofto)

Gedenkstätte auf dem Kappi, dem Hausberg Kalavritas. Hier wurde die männliche Bevölkerung der Stadt ausgelöscht. © CF

Speicher verloren

Das Problem des Bewahrens

SWR 2 Matinee zum Thema „Speicher“ am 15.12.2019

Link zum Audio meiner Miniatur über den Verlust von Speichern

Speicher werden für die Ewigkeit gebaut. Schließlich fließen in ihnen die Erinnerungen einzelner Leben zusammen. Was für eine Fundgrube. Doch wehe, sie sind nur auf Sand gebaut, stehen zur falschen Zeit am falschen Ort wie das historische Archiv der Stadt Köln (s. Titelbild). Aus der Traum vom universellen Wissenshort. Immer wieder werden Sammlungen zerstört. Die Gründe sind verschieden, das Ausmaß oftmals verheerend. Eine Miniatur.

2009 stürzte das Magazingebäude des Kölner Stadtarchivs in die Baugrube des U-Bahnschachtes. © CF

Öl von süßen Mandeln

Kosmetik, die unter die Haut geht

SWR 2 Matinee mit dem Thema „Mandeln“

1.12.2019, 9 bis 12 Uhr

Martina Roßi mit Rosenwasser, Mandelöl, Bienenwachs, ätherischen Essenzen © CF

Meine Reportage läuft in der zweiten Stunde, gegen 10.30 Uhr

Link zum Audio über die Salben-Reportage

Im Wasserbad werden Öle, Wachs und Essenzen gerührt © CF

Karl der Große schätzte es, Hildegard von Bingen schätzte es, die alten Römer_innen sowieso: Mandelöl. Seit Jahrtausenden ist Mandelöl ein Star unter den Salbengrundlagen. Mandelöl ist reich an Vitaminen und Mineralien und es geht sanft unter die Haut.

Die frisch gesiedete Emulsion kommt in den Cremetiegel © CF

Alchemistin Martina Roßi siedet in ihrer Küche eine Salbe. Trägermedium ist Mandelöl. Bienenwachs und Sheabutter geben der Tinktur die nötige Festigkeit. Ätherische Öle liefern den Duft.

© CF

Das Ergebnis ist heilend und betörend zugleich.

© CF