Orient Express

Mit Dampf in den Luxus

WDR 5 ZeitZeichen & WDR 2 StichTag vom 4. Oktober 2018

1883 – Offizielle Jungfernfahrt des Orient Express

ZeitZeichen – WDR 5: 9.45 Uhr/ WDR 3: 17.45 Uhr

Audio zum ZeitZeichen über Orient Express

StichTag – WDR 2: 9.40 Uhr

Audio zum WDR 2 StichTag über Orient Express und heutige Nachbauten

Fotogalerie im Netz von WDR 5 mit Raritäten und wahren Fundstücken

WDR 5 INTERNET – FOTOSTRECKE

Orient Express Litho Rafael de Ochoa y Madrazo 1891 © Dt Plakatmuseum
Plakatentwurf: Raphael de Ochoa y Madroza (1895) © Museum Folkwang/ Deutsches Plakat Museum
(Sammlung Reisen in Luxus, Essen)

Orient Express! Allein der Name befeuert die Fantasie. Gilt er doch bis heute als der König der Züge und als der Zug, mit dem Könige reisten. Der Orient Express machte die Eisenbahn zum Hotel, den Wagon zur Lounge, den Speisewagen zum Fünf-Sterne Restaurant, das Abteil zur Suite, das Zugfenster zur Leinwand, zu sehen im Titelbild, einer Lithographie aus einem Prospekt aus dem Jahre 1898.

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Logo der Compagnie Internationale des Wagons-Lits (CIWL) an einem ausrangierten Speisewagen des Orient Express im Eisenbahnmuseum in Bochum © CF

1872 wurde die CIWL von Georges Nagelmackers gegründet. Bei einem längeren Aufenthalt in den USA erlebte der belgische Ingenieur die sleeping cars des Schlafwagen-Erfinders George Mortimer Pullman. Zehn Monate später kehrte Georges Nagelmackers nach Europa zurück. Er verhandelte mit Politikern, Herrschern und acht verschiedenen Eisenbahngesellschaften. Schließlich stellte er den ersten Luxuszug Europas auf die Schienen.

Gare de l'Est © Sammlung Klein
Aus dem Gare de l’Est rollte der erste Orient Express. Der Kopfbahnhof wurde 1852 fertig gestellt und galt als richtungsweisend für die Architekturen jener Zeit. Standen Bahnhöfe doch für das modernste Transportmittel, das die Welt zu bieten hatte. Per Pferdekutsche begaben sich die Passagiere zu den Stahlrössern.

Am 4. Oktober 1883 begaben sich Diplomaten, Bahnbeamte, Schriftsteller, Journalisten zum Ostbahnhof in Paris. Mit einer Dampflok (Typ 120) der französischen Ostbahn an der Spitze begab sich die geladene Gesellschaft auf Premierenfahrt gen Konstantinopel, wie Istanbul bis 1924 hieß. 40 Männer, keine Frau. Zu gefährlich, hieß es. Die Herren sollten Revolver bei sich tragen, denn die Reise führte durch Krisengebiete, befand der Gastgeber und Direktor der Internationalen Schlafwagengesellschaft Georges Nagelmackers.

Speise- und Abteilwagen © Sammlung Klein
Die französische Wochenzeitung l’Illustration zeigt die älteste Darstellung des Orient Express.des Interieurs von Abteil- und Speisewagen.

Im Restaurant hingen vierarmige Kristallleuchter von der Decke, mit Gas betrieben. Gobelins an den Wänden. Die Stühle mit Cordobaleder bezogen. Auf den Tischen weißer Damast. Das Top-Transportmittel der Belle Epoque feierte den Luxus auf dem Schienenstrang und eröffnet eine neue Ära des Reisens.

Menükarte der ersten Reise © Sammlung Klein
Gourmets buchten Ticktes, allein der Kochkunst wegen.

Abgesehen von der luxuriösen Ausstattung und den extravaganten Küche lebten die Reisenden des Orient-Express in einem Komfort, der für die normale Bevölkerung alles andere als selbstverständlich war. Auf ihrer Passage durch die Fürstentümer und Königreiche Europas, über sämtliche Ländergrenzen hinweg, hatten die Gäste stets fließendes, warmes Wasser, kühle Getränke, frische Speisen, Heizung, Licht.

Konstantinopel HBF © Sammlung Klein
Sirkeci-Hauptbahnhof Konstantinopel. Postkarte um 1890

Seit August 1888 war der Sirkeci-Hauptbahnhof im Stadtteil Stamboul die Endhaltestelle des Orient Express. Für das Premierenpublikum im Oktober 1883 endetet die Fahrt mit dem Luxuszug in der rumänischen Stadt Giurgiu, am Hafen der Donau. Mit einer Dampfbarkasse setzte die Gesellschaft über, fuhr mit einem Zug nach Warna ans Schwarze Meer und bestritt die letzte Strecke mit einem Dampfschiff, das sie in die Hauptstadt des Osmanischen Reiches brachte. Als das Streckennetz vollendet war, erfüllte sich die Vision einer Direktverbindung von Westeuropa bis an die Ostgrenze des Kontinents.

anonym 1888 © DT Plakatmuseum
Anonym 1888 © Museum Folkwang / Deutsches Plakat Museum
(Sammlung Reisen in Luxus, Essen)

Auch wenn der Orient Express nie in den Orient fuhr, bediente er die Erwartungen seiner Gäste nach fernen Ländern. Plakate warben mit Exotik pur. Das Plakat lockt in die Fremde, zur Hagia Sophia, zum Goldenen Horn. Für die meisten blieb die Reise ein Traum auf dem Plakat. Vier durchschnittliche Monatsgehälter kostete ein One Way Ticket.

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„Plakate an sich galten als Sensation, sie bildeten die größten Farbflächen im öffentlichen Raum, zeigten diese exotische Ferne.“ (René Grohnert. Leiter des Plakatmuseums im Museum Folkwang in Essen vor der historischen Zigarettenwerbung für Manoli. Plakat: Lucian Bernhard) © CF

In den Beständen des Plakatmuseums bilden Zugplakate ein eigenes Genre. Im Stil von Impressionismus und Art Deco entstanden im ausgehenden 19. Jahrhundert schillernde Bildergeschichten über ein mobiles Europa. „Diese Reiseplakate wurden sehr aufwendig produziert; sie waren auch nicht für den Außenraum bestimmt, sondern für Hotels, Passagen, Kaufhäuser, Theater. Sie trugen entschieden zur Imagebildung von bestimmten Orten und Zügen bei.“ Nach dem Ersten Weltkrieg war auf vielen dieser Reiseplakate ein neuer Titel zu lesen: Simplon Orient Express.

Simplon Orient Express © DT Plakatmuseum
Plakatentwurf: Robert-Antoine Pinchon (1922) © Museum Folkwang/ Deutsches Plakat Museum
(Sammlung Reisen in Luxus, Essen)

Der Simplon Orient Expressstand für die zweite Blüte der Luxusreisen. Seinen Namen verdankt der Zug einem der längsten Tunnel der Welt, dem Simplon Tunnel, der die Walliser Alpen unterquert. Die Passage folgte einer politischen Entscheidung. Die CIWL vermied eine Reise über München und Wien, durch das Gebiet der einstigen Kriegsgegner. Ab 1928 gab es auch wieder eine Route durch Deutschland.

i'Illustration 1929 © Sammlung Klein
Simplon Orient Express IN: l’Illustration 23. Februar 1929. Foto: Boursky

Im Februar 1929 berichtete die französische Wochenzeitung l’Illustration von einem heftigen Zwischenfall. Rund 80 Kilometer nördlich von Istanbul, bei Tscherkessköy, steckte der Simplon Orient Expressfür fünf Tage in gewaltigen Schneemassen. Angeblich inspirierte der Zwischenfall die Krimischriftstellerin Agatha Christie zu ihrem Roman Mord im Orient Express. Sie selbst war eine begeisterte Passagierin.

Agatha Christie © Hoffmann und Campe
Aus dem Engl.: Hans Erik Hausner © Hoffmann und Campe. Hamburg 2017

„Schon immer hatte ich einmal mit dem Orient-Express fahren wollen“, schrieb Agatha Christie in ihrer Autobiographie. „Am nächsten Morgen eilte ich zu Cooks, gab meine Tickets für Westindien zurück und besorgte mir stattdessen Fahr- und Platzkarten für den Simplon Orient Express nach Istanbul (…) Ich war schrecklich aufgeregt.“

Pera Palace
Pera Palace Hotel. Postkarte um 1900

Auf ihren Reisen nahm Agatha Christie immer wieder den Orient Express. Vom Palast auf Rädern zog sie ins Pera Palace Hotel, mitten im Villen- und Diplomatenviertel von Konstantinopel. Ganz sicher genoss sie den Blick auf den Bosporus und die Hagia Sophia, so wie es die Postkarte zeigt. Das Pera Palace Hotel war Teil der ersten Hotelkette der Welt, die die Internationale Schlafwagengesellschaft in den 1890er Jahren ins Leben rief. Die Hotels garantierten Luxus, modernste Ausstattung, besten Komfort. Das Pera Palace Hotel existiert heute noch. Ein Zimmer ist dem berühmten Gast Agatha Christie gewidmet. Hier habe sie ihren Krimi Mord im Orient Express geschrieben, der 1934 erschienen ist.

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Hans-Jörg Stiegler. Gründer und Inhaber von Modellbahn Wiehe. Kultur mit Pfiff in Wiehe an der Unstrut (Thüringen) © CF

Hans-Jörg Stiegler nahm den Krimi zum Anlass, die Trasse als Kunstlandschaft nachzubauen. Mit dem ersten europäischen Luxuszug begann er vor 25 Jahren sein Lebenswerk in Wiehe in Thüringen- Inzwischen ist der Orient Expresseiner unter vielen Eisenbahn-Legenden im Miniaturformat auf dem 12 000 Quadratmeter großen Areal.

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Auf der Trasse des Orient Express in Wiehe an der Unstrut © CF

Rund 15 Minuten dauert die Fahrt von Paris bis Istanbul, in der Modellbahn-Ausstellung in Wiehe in Thüringen, in der eigens für den Orient Express gebauten Industriehalle. Das Original brauchte um die drei Tage, bis es sein Ziel erreichte, den Hauptbahnhof in Konstantinopel.

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Ein ausrangierter Speisewagen des Orient Express im Eisenbahnmuseum Bochum Dahlhausen © CF

Nicht einmal 100 Jahre nach seiner Jungfernfahrt endete der Traum. Mit dem ersten Weltkrieg starb die erste, große Blüte des Luxuszuges. Zwischen den Kriegen erlebten der Orient Express und seine Abkömmlinge die zweite Blüte. Blau lackierte Stahlwagons und schnelle Loks fuhren Diplomaten, Schmuggler_innen, Künstler_innen durch den Kontinent Europa. Wer wollte, nahm ein Schiff auf die asiatische Seite Europas und fuhr weiter nach Kairo oder Bagdad.

Simplon Orient Express Litho Roger Broders 1931 © Dt Plakatmuseum
Plakatentwurf: Roger Borders (1931) © Museum Folkwang / Deutsches Plakat Museum
(Sammlung Reisen in Luxus, Essen)

Mit dem Zweiten Weltkrieg starb die zweite Blüte.

Konrad Koschinski © Konrad Koschinski
Konrad Koschinski (Journalist und Fachautor) © Konrad Koschinski

„Nach dem Zweiten Weltkrieg erinnerten die klangvollen Namen und die blauen Stahlwagons aus den 1920er Jahren an die Glanzzeit. In den 1970er Jahren hingen verschiedene Wagen diverser Staatsbahnen hinter der Lok. Die einstigen Luxuszüge mutierten zu gewöhnlichen Schnellzügen. Ein Zug namens Direkt Orient stellte die letzte umsteigefreie Verbindung Paris – Istanbul her. Bis Ende Mai 1977.“

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Der Speisewagen diente einem Hobbyhandwerker als Gartenhaus, bevor ihn das Eisenbahnmuseum Bochum rettete. Im Museum wartet er auf eine Komplettüberholung. Doch das braucht Zeit, Geld und Know How. © CF

Mit dem Ende des Originals beginnt die Ära der Nostalgiezüge.

Venice Simplon Orient Express © Belmond
Venice Simplon Orient Express © Belmond und Lernidee Reisen

Seit 1982 fährt der Venice Simpson Orient Express der auf zum Teil klassischen Trasse. Im Stile der Belle Epoque reisen gut betuchte Gäste durch bezaubernde Landschaften. 2014 ließ die Französische Staatsbahn verlauten, dass sie den Orient Express als regulären Zug wiederbeleben wolle. Heute ist davon nichts mehr zu lesen.

Rainer Mertens © Rainer Mertens
Rainer Mertens vor einer Dampflok in Pennsylvania. Stellvertretender Leiter des DB Museums Nürnberg © Rainer Mertens

„Der Orient Express als regulärer Zug ließe sich vielleicht als Hochgeschwindigkeitszug wieder beleben. Das Projekt von Hochgeschwindigkeitstrassen existiert ja bereits. Eine dieser Trassen führt von Paris über Straßburg, Stuttgart, München, Wien bis nach Bratislava, läuft also zum Teil auf der klassischen Strecke des Orient Express. Stuttgart 21 liegt auch auf dieser Strecke. Der Plan ist, dass die Hochgeschwindigkeitszüge mit 250 bis 300 km/h fahren. Bis Istanbul dauerte die Reise nicht mehr vier oder fünf Tage, sondern einen Tag. Insofern hätte der Orient Express eine Chance.“ 

Mord im Orient Express © Hoffmann und Campe
Aus dem Engl. Otto Bayer) Hoffmann und Campe Verlag. Hamburg 5/ 2017

Christie, Agatha: Die Autobiographie (Ü: Hans Erik Hausner). Hoffmann und Campe Verlag. Hamburg 2017

D’Arvor, Patrick Poivre: Legendäre Eisenbahnreisen. Verlag Fredeking & Thaler. München 2007

Franzke, Jürgen (HG): Orient-Express. König der Züge. DB Museum Nürnberg. Komet Verlag. Köln 1998

Mit dem Zug durch Europa © Steidl
Grohnert, René (Hg.) Steidl Verlag. Göttingen 2010
Monique Morvan-Nagelmackers und Jürgen Klein © Sammlung Klein
125 Jahre nach der Gründung der Internationalen Schlafwagengesellschaft saßen geladene Gäste am Pariser Gare de l’Est im Pullman Orient Express, einem sogenannten Nostalgie-Zug, unter ihnen Monique Morvan-Nagelmackers (Enkelin des CIWL-Gründers und Orient Express Initiators Georges Nagelmackers) mit Buchautor und Sammler Jürgen Klein am 4.12.2001. (Foto: Privat)

Klein Jürgen: Die Grandhotels der Internationale Schlafwagen-Gesellschaft. B. Kühlen Verlag. Mönchengladbach 2012

Klein, Jürgen/ Mühl, Albert: Reisen in Luxuszügen. Die Internationale Schlafwagen-Gesellschaft. EK Verlag. Freiburg 2006

Klein, Jürgen/ Mühl, Albert: 125 Jahre Internationale Schlafwagen-Gesellschaft. Die Luxuszüge – Geschichte und Plakate. EK Verlag. Freiburg 1998

Koschinski, Konrad: 125. Jahre Orient-Express. Eisenbahn Journal. Sonderausgabe. 2/ 2008. Verlagsgruppe Bahn GmbH. Fürstenfeldbruck 2008

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© CF

Eisenbahnmuseum Bochum

Dr.-C.-Otto-Straße 191. 44879 Bochum

DB Museum Nürnberg, Koblenz, Halle

Simplon Orient Express 2 © DT Plakatmuseum
Plakatentwurf: Joseph de la Nézière (1927) © Museum Folkwang / Deutsches Plakat Museum
(Sammlung Reisen in Luxus, Essen)

Plakatmuseum im Museum Folkwang

Museumsplatz 1. 45128 Essen

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Kunstlandschaft in Wiehe am Zielort des Orient Express in Wiehe (Thüringen) © CF

Modellbahn Wiehe

Am Anger 19. 06571 Wiehe

Venice Simplon Express © Belmond
Suite im Venice Simplon Orient Express © Belmond und Lernidee Erlebnisreisen

Lernidee Erlebnisreisen

Nostalgiezug-Veranstalter (u.a. Venice Simplon Orient Express)

Eisenacher Straße 11, 10777 Berlin

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Dem Soundartisten Alex Hardt danke ich für die raren Eisenbahnaufnahmen, die das ZeitZeichen auf eine einzigartige Tonreise schicken © CF

 

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Mit Wünschelrute am Westschacht

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Wünschelrutengänger Joachim Lang mit einem Instrument ortet den Schacht per Hyperschall. © CF

Energie der Erden. Ein still gelegter Schacht in der Eifel

Letzter Teil aus meiner fünfteiligen Reihe über Lost Places

Verlassen & Vergessen. Ein Streifzug durch Lost Places

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Die Trafostation am Westschacht © CF

Lost in Place V: 10. August 2018

WDR 5, Scala

14 Uhr (Wiederholung 21 Uhr)

Link zu meiner Fotogalerie bei wdr5.de

Link zum Audio über den verlassenen Westschacht bei Scheven

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Verlassene Industriebauten am Bleiberg © CF

Mein letzter Lost Place führ an den Nordrand der Eifel, nach Kall Westschacht bei Scheven.

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Keramiker Michael Moses zeigte uns das Ensemble. Ausgerechnet seine Zunft lebte vor rund 2000 Jahren von dem Bodenschatz am Bleiberg. Römische Siedler schürften nach dem Schwermetall. Ihre Krüge überzogen die Töpfer mit einer Bleilasur. © CF

Als ich nach verlassenen Orten suchte, sagte mein Freund Michael Moses, dass er mit seinem Hund ab und zu an verlassenen Bergwerksgebäuden vorbeispazieren würde. Er wiederum brachte seinen Freund mit, den Wünschelrutengänger Joachim Lang. Zusammen erkundeten wir die Häuser, die in aller Stille verfallen.

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Erst Waschkaue, dann Schafstall, heute verlassen © CF
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Die Inneneinrichtung © CF
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An der Decke verrostete Umschlagrollen © CF

Wir ahnten, mutmaßten, wussten nichts Genaues.

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im Bergbaumuseum in Mechernich steht ein Modell (1:100) der gesamten Industrieanlage. 1957, im Jahr der Schließung, ist der Westschacht mit all seinen Gebäuden zu sehen: Das Haus des Obersteigers (li.), diesseits der Straße, heute eine abgebrannte Ruine; jeneits der Straße stehen (v. li.) Waschkaue, Förderturm, Maschinenraum und Aufenthaltsräume, Trafostation, ein weiteres Werkzeughaus. © CF

Im Bergbaumuseum in Mechernich traf ich den Vorsitzenden des Fördervereins Günter Ließen und den 80jährigen Alfred Schink.

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Günter Nießen (li.) und Alfred Schink am Modell des Bergwerks zwischen Mechernich und Westschacht (15 mal 2 Meter) Mitte des 19. Jahrhunderts stand das Bergwerk (über und unter Tage) in seiner Blüte. Noch heute liegen hier die größten Vorkommen in Europa. Doch 1957 war Schicht im Schacht. Bis 1971 verhütteten die Arbeiter_innen in Kall importiertes Blei aus Australien. © CF

Alfred Schink ist gelernter Bergmann. Als Lehrhauer arbeitete er u.a. im Westschacht, als er noch in Betrieb war. Er stand auch Günter Nießen (Maschienbautechniker und Metallbaumeister) mit Rat und Tat beiseite, als mit Kollegen das Modell der riesigen Bleindustrie-Anlage baute, die bis 1957 die Gegend um Mechernich prägte.

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Am still gelegten Kallmuther Bleiberg liegen alte Bahnschwellen. Ein Eisenbahnnetz durchzog das Bergwerk, beförderte Erze und Sand. © CF

Bergbaumuseum Mechernich

www.bergbau,useum-mechernich.de

Bleibergstr. 6

53894 Mechernich

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In Mittelalter und Renaissance waren Wünschelrutengänger von unschätzbarem Wert. Sie fanden die Erzvorkommen. Altes Wissen, das Joachim Lang seit Jahrzehnten anwendet und somit auch bewahrt. © CF
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Der Kallmuther Berg ist eine Formation, die aus Buntsandstein besteht. Die Steine bergen  winzige Kugeln reinsten Bleis in sich, so genannte Knotten. Der Bleiberg entstammt der Trias, der ältesten Periode des Erdmittelalters. © CF

Warten an einer Tankstelle

Verlassen & Vergessen

Ein Streifzug durch Lost Places

Spirit statt Sprit

Lost in Place II

WDR 5, Scala

7.8. 18, 14 Uhr (Wiederholung 21 Uhr)

Der Link zum Audio über die Tankstelle

Fotogalerie zu den fünf Lost Places

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Abgefüllt: Vor Ölkrise und Selbstbedienung eilten Tankwart_innen aus dem Kassenhaus mit angeschlossener Werkstatt, um die Tanks ihrer Kundschaft zu befüllen. © CF

Unter dem Titel Verlassen & vergessen widmet sich die aktuelle ScalaSommerSerie fünf Lost Places, brach liegenden Bauten, die irgendwann einmal mehr Leben gesehen haben als jetzt.

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Abgelaufen: Sind die Tage der Tankstellen gezählt? © CF

Heute führt der Weg in den Süden von NRW, ganz nah an den Rhein. Joachim Dies hatte diesen Ort eher zufällig entdeckt. Er war auf der Suche nach umgewidmeten Tankstellen und fand den „Leerstand“. So nennt er das letzte Kapitel in seinem Fotoband Abgetankt über alte Tankstellen. An diesem 60er Jahre-Bau ist fossile Energie schon lange nicht mehr zu haben. Also tanken wir ihre Geschichten, die sie eher schweigend erzählt.

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Abgehängt: Der obligatorische Preismast © CF

Die Adresse bleibt anonym. Denn allzu oft werden diese Orte zerstört, bevor sie verfallen. Die Spurensuche nach verlassenen Tankstellen ist ein Roadmovie mit Überraschungen.

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Abgelichtet: Der Fotograf Joachim sitzt auf der Tankinsel. Vor zwei Jahre fotografierte er die Tankstelle in der Zeit der Dämmerung. © CF

Literatur

Gies, Joachim: Abgetankt. Selbstverlag. Köln 2014

http://www.abgetankt.de

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Abehoben: Das Flügeldach aus Spannbeton. © CF

Ein Streifzug durch Lost Places

Verlassen und Vergessen

LOST IN PLACE I (6.8.18)

Haus Wolfskuhlen am Niederrhein

6. bis 10. August

WDR 5 Scala-Reihe

14 Uhr (Wiederholung: 21 Uhr)

Link zum Audio über Haus Wolfskuhlen

Parallel zur Audioreihe gibt es eine Fotogalerie auf der WDR Seite im Netz

Link zur Fotogalerie im WDR-WEB

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Der erste Lost Place führt an den Niederrhein, nach Wolfskuhlen. Im frühen Mittelalter legten Jäger Netze in Kuhlen aus und trieben Wölfe in die Falle. Daher stammt vermutlich der Name Wolfskuhlen. Im 13. Jahrhundert stand an der Stelle ein Rittergut. Um 1800 bauten die Besitzer  ein stolzes Herrenhaus. Seit 40 Jahren steht das Anwesen leer. © CF

Bauboom, Gentrifizierung, Eigentumswohnungen rücken jeder Brache auf den Leib. Alles wird umgewidmet und zu Geld gemacht. Ausgediente Architekturen werden abgerissen, grundsaniert und entkernt. Und doch gibt es sie: Lost Places, Orte, die einfach vor sich hin verfallen: Industriehallen, Bunker, Hörsäle, Villen.

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Rheinischer Uradel lebte auf Wolfskuhlen. Nach dem Krieg zogen Berglehrlinge ein. Später nutzte der Landschaftsverband das Anwesen. Ende der 1970er plante eine Immobilienfirma, das Gelände in einen Luxuswohnkomplex zu verwandeln. Die Firma ging pleite und das Herrenhaus an die Familie zurück. © CF

Verlassen & Vergessen heißt mein Radio-Fünfteiler. Es geht um Lost Places, verfallene Orte. Oft sind sie auch mit Geheimnissen verbunden.

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In den 1980er Jahren wurde Haus Wolfskuhlen ein letztes Mal zur offiziellen Kulisse, als regionale Künstler_innen ihre Werke in der spätbarocken Architektur zeigten. Seit Jahren ist es eine inoffizielle Bühne für den Geistertourismus. Manche Gäste verhalten sich leider alles andere als respektvoll gegenüber der Ruine. © CF

Der erste Teil führt an den Niederrhein. In einer Waldidylle, auf einer Lichtung steht das einstige Rittergut von Wolfskuhlen. Vor allem ist es bekannt für die grausamen Legenden, die bis heute erzählt werden.

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Sabine Sweetsir (Archivarin im Stadtarchiv Rheinberg) kennt die Geschichte von Haus Wolfskuhlen und sie kennt die Legenden. © CF

In einer Vollmondnacht besuchte ich Haus Wolfskuhlen. Am helllichten Tag interviewte ich Rheinbergs Stadtarchivarin Sabine Sweetsir.

Stadtarchiv Rheinberg

https://www.rheinberg.de/de/inhalt/stadtarchiv-rheinberg/

Innenwall 104, 47495 Rheinberg

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Welke Schönheit: Der Park um Haus Wolfskuhlen. © CF

 

Von der Lust am Kino im Freien

Räume fürs Träumen

WDR 5 – Scala

21. Juni 2017, 14 Uhr (Wiederholung: 21 Uhr)

Über diesen Link geht es zu Fotogalerie und zum Feature zum Nachhören (WDR Mediathek)

http://www1.wdr.de/kultur/film/sommer-kino-open-air-100.html

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Kurzkunst im Sommerkino im Kölner Rheinauhafen mit der Sängerin Talya © CF

Juni 1933. In den USA stellte ein Autohändler seinen Filmprojektor auf ein Wagendach, hängte Leinentücher zwischen die Bäume und montierte Lautsprecher an die Äste. Während er seinen Kunden die Reifen wechselte, schauten sie Filme im Freien. Ein Werbegag wird zum Autokino, das Warten zum Traum.

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Bochum: Privatbrauerei Fiege – Nachts verwandelt sich die Bierfabrik in einen Sommernachtstraum © CF

Heute bespielen Sommerkinos ehemalige Industriebrachen, Rasenplätze und Museumsdächer. Krimis, Klassiker und Blockbuster locken die Gäste. Sommerkinos sind wie Landschaftsgärten. Kompositionen aus Farben, Licht, Schatten, Bewegung. Natur und Film liefern ihr Schauspiel. Worin liegt der Charme vom Lichtspieltheater unterm Sternenzelt?

Duisburg_Stadtwerke Sommerkino © Thomas Berns
Duisburg_Landschaftspark Nord_Stadtwerke Sommerkino © Thomas Berns
Duisburg Hochofen 1_im Landschaftspark Nord © CF
Duisburg: Hochofen Eins, in der Gießhalle. Industriedenkmal und Kinokulisse © CF

Ich besuchte Orte, die am Tag nichts von ihrer nächtlichen Verwandlung verraten und ich begab mich zu den Wurzeln der Freiluftkinos, die 2400 Jahre alt sind. Mindestens. Ich begutachtete die Architektur der Sommerkinos, Skulpturen aus Projektor, Leinwand, Himmelsdach. Meine Auswahl ist wirklich nur ein Streiflicht einer inzwischen sehr reichen Sommerkino-Kultur. Merkwürdig nur, dass ich keiner einzigen Sommerkino-Betreiberin begegnete.

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Klaus Eschmann (Veranstalter und Initiator des Sommerkinos im Rheinauhafen) © CF

Köln – Rheinauhafen

  1. Mai bis 14. September

https://koeln.openairkino.de

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Düsseldorf_Im Biergarten VierLinden_Tom Birke (li) ist Mitgründer des Sommerkinos und Nico Elze ist seit 2016 Geschäftsführer der Düsseldorfer Filmkuntskinos © CF

Düsseldorf – Biergarten VierLinden

  1. Juni bis 2. September

http://www.biergarten-vierlinden.de

http://www.filmkunstkinos.de/kinos.php?kinos=akki

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Marcus Gloria lebt in Bochum und veranstaltet zusammen mit Martin Semerad das Sommerkino auf dem Hof der Brauerei seit 1999 © CF
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Martin Semerad © CF

Bochum – Fiege Kino Lounge

  1. Juli bis 27. August

http://www.fiegekino.de

Duisburg_Kai Gottlob (Geschäftsführer des Filmforums) am Hochofen © CF
Kai Gottlob (Geschäftsführer des Filmforums in Duisburg) © CF

Duisburg – Stadtwerke Sommerkino

  1. Juli bis 20. August

https://www.stadtwerke-sommerkino.de

 

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Udo Heimansberg – Cineast und Mitgründer des Sommerkinos im Biergarten VierLinden © CF

Open-Air-Kinos

Die schönsten Kinos unter freiem Himmel in NRW

https://www.nrw-tourismus.de/open-air-kinos

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Zaungäste an der Düsend, direkt hinter dem Sommerkino VierLinden © CF
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© CF

Grüne Hauptstadt Europas 2017

Essen – Von der Kunst des Wandels

23. Mai 2017

WDR 3, Kultur am Mittag, 12 Uhr

Fotogalerie und Podcast stehen in der WDR – Mediathek 

http://www1.wdr.de/kultur/kunst/essen-gruene-hauptstadt-essen-100.html

Die Emscher (siehe Titelbild) steht für Tod, Abwasser, Geruch nach welker Süße. Doch das soll anders werden. Abschnitt für Abschnitt wird der Fluss renaturiert. Ist das ein Grund, Grüne Hauptstadt Europas zu sein?

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Essen im Norden: „Warten auf den Fluss“ heißt das Kunstwerk auf der Emscherinsel, ein temporäres Hotel der niederländischen Künstlergruppe „Observatorium“. Wer auch auf den Fluss warten will, kann ins Hotel einchecken und eine Nacht zwischen Emsiger und Rhein-Herne-Kanal verbringen. © Katerina Katsatou

In diesem Jahr trägt Essen den Titel als achte europäische Stadt. 2010 wurde mit Stockholm Europas erste grüne Hauptstadt gekürt. Okay. Aber Essen?! Die einstige Montanhochburg?!

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Essen im Süden: Ralph Kinder steht auf einem Ökobauernhof in Schuir. Der Kommunikationswissenschaftler ist der Projektleiter der Grünen Hauptstadt Essen 2017. „Ruhrgebiet heißt für mich Yin und Yang, Schön und Hässlich. Wir verändern uns dauernd.“ © CF

Essen gilt als die grünste Stadt in NRW und die drittgrünste in der Bundesrepublik. Ich habe Essen besucht und vor allem eine lebendige Subkultur gefunden. Aktivist_innen kämpfen um weniger Autos und mehr Fahrradverkehr.

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Essen im Zentrum: Björn Ahaus und sein Sohn stehen im Planckgarten (Holsterhausen), auf dem Beet mit dem Maya-Mix, Kürbis, Mais, Bohnen. Der Sozialwissenschaftler engagiert sich in der Initiative Transition Town Essen, einer Bewegung, die an einer irischen Universität begann. Ziel ist, die Welt lebenswerter zu gestalten, nicht zuletzt durch eine Zukunft ohne fossile Brennstoff. Das Mott: Einfach. Jetzt. Machen!  © CF

Immerhin gibt es im Ruhrgebiet RS 1, den Radschnellweg, das benzinfreie Pendant zu den Autobahnen. Es gibt Gemeinschaftsgärten und die Initiative Transition Town Essen.

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Eine Gemeinschaftsgärtnerin formt die Hülle aus Ton für eine Samenbombe. © CF

Ausstellung

Grün in der Stadt Essen. Mehr als Parks und Gärten

Bis 27. August 2017

Ruhr Museum/ UNESCO-Welterbe Zollverein

Areal A [Schacht XII]/ Kohlenwäsche [A 14]

Gelsenkirchener Straße 181/ 45309 Essen

https://www.ruhrmuseum.de

 

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Essen im Westen: Smog über Zinkhütte Borbeck, Essen 1964 © Ruhr Museum. Foto: Walter Moog.

Grüne Hauptstadt Essen 2017

https://www.essengreen.capital/startseite_essen_egc.de.html

Transition Town Essen

www.transitiontown-essen.dewww.transition-initiativen.de

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Holsterhausen: Besucher im Planckgarten, einem der zehn Gemeinschaftsgärten in Essen © CF

Gemeinschaftsgärten in Essen

https://gemeinschaftsgartenessen.wordpress.com

Save our seeds

http://www.saveourseeds.org

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Heidi Santo ist eine der Freiwilligen, die mit ihren Infopoints durch die Grüne Hauptstadt reisen. © CF

Warten auf den Fluss

4. Juni bis 4. September

Künstlergruppe Observatorium (NL/ Rotterdam)

http://wartenaufdenfluss.de/home/

Literatur

Emschergenossenschaft/ Regionalverband Ruhr/ Künstlergruppe Observatorium (Hrsg.): Warten auf den Fluss. Das Neue Emschertal im Wandel der Kunst. Ein Lesebuch. Klartext Verlag. Essen 2011

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Karnap, an der Emscher: Carbon Obelisk von Rita McBride, installiert 2010 anlässlich der Kulturhauptstadt Europas. Eine 14 Meter hohe Spitzsäule aus Kunststoff und Karbonfaser. © CF

Carbon Obelisk

http://www.ruhrkunstmuseen.com/public-art-ruhr/carbon-obelisk.html

Feldmann’s Grüner Markt

Schuirweg 105, 45133 Essen

http://www.feldmanns-gruener-markt.de

 

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Feldmann’s grüner Markt © CF

Alles im Bruch

Duisburger Akzente ankern am Sturm der Zeit

WDR 3, Mosaik

10. März 2017, 7 Uhr

Link zum Audio

http://www1.wdr.de

Link zur Fotogalerie

http://www1.wdr.de/kultur/buehne/duisburger-akzente-104.html

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Umschlagplatz: Tonnenschwere Seecontainer im Duisburg Ruhrorter Hafen. © CF

Revolution, Reformation, Revolte liefern den Hintergrundsound für die 38. Duisburger Akzente. Russland im Oktober 1917, Wittenberg im Oktober 1517, Berlin im Juni 1967. Ereignisse, die symbolhaft für Umbrüche stehen. Umbrüche lautet der Titel des internationalen Kulturfestivals. Umbrüche sind keine Naturgewalten. Umbrüche sind Ausdruck menschlichen Zusammenlebens, das alles andere als statisch ist. Umbrüche haben Folgen. Aber welche?

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Im „Lokal Harmonie“: Thorsten Töpp (Musiker, Komponist) erspielt mit „2047-oder Am Anfang aller Tage“ sein achtes Projekt bei den Duisburger Akzenten © CF

Im Kunstlabor der Akzente werden politische und private Sollbruchstellen unter die Lupe genommen. Es geht um Krisen und Kriege, um Visionen. Wie die Welt 2047 aussieht? Die Künstlertruppe um Anja Schöne und Thorsten Töpp wagen Prognosen. Wie die Welt um 1937 aussah? Beim Akzente-Theatertreffen erspürt Hanna Kertesz die Figur der Sophie Scholl. Wie die Welt in anderen Ländern aussieht? Autoren lesen ihre Texte. Verleger veröffentlichen Literatur, wie Thomas Frahm, Herausgeber und Übersetzer bulgarischer Romane. Seinen Verlag betreibt er in Ruhrort, ganz nah am größten Binnenhafen Europas, einer wichtigen Bühne für den mehrwöchigen Kulturrausch. Der Hafen: Metapher für Wandel, Flucht, Ankunft, Umbruch.

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Während der Performance liefert der Künstler Luan Xiaochen malerische Impressionen. Der Prozess wird direkt auf die Leinwand übertragen (siehe Titelbild) © CF

In Ruhrort besuchte ich das „Lokal Harmonie“, in dem das mulitmediale Werk von Anja Schöne und Thorsten Töpp aufgeführt wird, eine Melange aus Musik, Poesie, Theater, Live-Painting, Hörspiel. Im Titelbild zu sehen ist Jana Reiß als Flussnomadin im Jahre 2047. Die Kulisse wird live gemalt und per Video auf eine Leinwand übertragen.

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Thomas Frahm (Publizist, Schriftsteller, Chora-Verlag) © CF

Ebenfalls in Ruhrort war ich zu Gast bei Thomas Frahm, der in seiner Ein-Zimmer-Wohung den Chora-Verlag betreibt. In dem kleinen und feinen Verlag erscheint bulgarische Literatur, Texte über Bulgarien und Essays, die nicht zuletzt den Eurozentrismus des Westens aufs Korn nehmen.

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Im Theater Duisburg: Hanna Kertesz spielt Sophie Scholl. Nicht DIE Sophie Scholl, sondern Sophie, deren Mutter einen Scholl heiratete. © CF

Im Theater Duisburg erlebte ich eine Probe des Ein-Personen-Stücks „Name: Sophie Scholl“ von Rieke Reiniger. Hanna Kertesz ist Mitglied des  Jugendensembles Spieltrieb. Beim Akzente-Theatertreffen bringt sie den Monolog der Sophie Scholl auf die Bühne. Sophie Scholl, eine Jurastudentin, die zufällig so heißt wie Weiße Rose. „Etwa verwandt mit der Sophie Scholl?
 Nein.“

INTERNATIONALES KULTURFESTIVAL

38. Duisburger Akzente „Umbrüche“

10. bis 26. März

http://www.duisburger-akzente.de

Ausgewählte Termine

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Vor dem „Lokal Harmonie“ Anja Schöne (Regisseurin, Autorin, Theatermacherin) © CF

2047 – Oder am Anfang aller Tage

Live-Hörspiel-Theater-Konzert-Film-Performance-Austellungs-Poetry-Slam-Ereignis

Anja Schöne (Text und Regie) und Thorsten Töpp (Musik)

Premiere: 11.3., 20 Uhr (ausverkauft)

12.3., 18 Uhr

15. und 16.3., 19.30 Uhr

Harmoniestr. 41, 47119 Duisburg-Ruhrort

www.lokal-harmonie.de

LITERATUR

Ich als Bulgare und doch Mensch

Lesung mit Thomas Frahm

Musik: Pietsch, der Schurke & die anderen

17.3., 20 Uhr

Rheinanlagen 13, 47198 Duisburg-Homberg

www.rheinblick-homberg.de

AKZENTE-THEATERTREFFEN

Mein Name: Sophie Scholl

Mit Hanna Kertesz

Reiniger Rike: Name. Sophie Scholl. Theaterstückverlag. München 2014

Premiere: 16.3., 20 Uhr

FOYER III

Opernplatz / Neckarstraße 1, 47051 Duisburg

www.theater-duisburg.de

Link

Chora Verlag Thomas Frahm

https://choraverlag.de

Frahm, Thomas

Oh, Bulgarien. Land und Leute. Kultur und Gesellschaft. Chora Verlag. Duisburg 2017

Heiliger Buchstabe heillose Zeiten. Texte zur bulgarischen Literatur. Chora Verlag. Duisburg 2016

Die beiden Hälften der Walnuss. Ein Deutscher in Bulgarien. Chora Verlag. Duisburg 2014

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Architektur des Umbruchs: In den Logports treffen sich Schiene, Straße und Strom, bilden das Herz eines Wegesystems, das das Ruhrgebiet mit der Welt verbindet.© CF