Arp Museum Bahnhof Rolandseck

WDR 5 Scala

17. Februar 2020, 14 und 21 Uhr

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Blick vom Balkon des Museumsbaus des amerikanischen Architekten Richard Meier (Foto: Claudia Friedrich)

Das Arp-Museum im Bahnhof Rolandseck zeigt Werke von Salvador Dalí und Hans Arp, auf den ersten Blick eine ungewöhnliche Kombination. Außer, dass beide Künstler eine surrealistische Phase hatten, scheint sie sonst nichts zu einen.

Doch der Schein trügt. Die neue Sonderausstellung zeigt die vielen Berührungspunkte zwischen Dalís Gemälden und Arps Gedichten, zwischen Dalís multimedialen Inszenierungen und Arp plastischen Grenzgängen. Sie spielen mit dem Unterbewussten, den Träumen, den Wahrnehmungen. Der eine mit realen Figuren vor beunruhigender Kulisse, der andere mit organischen Strukturen.

Kuratorin Astrid von Asten (Foto: Claudia Friedrich)

Eins macht die Ausstellung auch deutlich: Hans Arp ist der Vornehme, Salvador Dalí die „Rampensau“, der einfach mehr Platz beansprucht.

Beethoven-Kopf von Salvador Dali © Fundació Gala-Salvador Dalí, Figueres/ VG Bild Kunst, Bonn 2020

Wahre Perlen wurden zusammengetragen wie das Beethoven-Portrait von Salvador Dalí. Museumsdirektor Oliver Kornhoff  konnte seine Kollegin im spanischen Figueres vom Konzept überzeugen, dass sie die Zeichnung für eine kurze Zeit hergegeben hat. Zum ersten Mal wird das Werk außerhalb Dalís Heimat Figueres gezeigt. „Eine Koproduktion zwischen Tintenfisch und Dalí“, so Kornhoff: „Das Tier verspritzte seine Tinte auf ein Blatt Papier und Dalí nutzte sie zum Zeichnen.“  

Museumsdirektor Oliver Kornhoff (Foto: Claudia Friedrich)

Andere Schätze stammen aus Japan, New York, den Niederlanden, aus Museen und Privatsammlungen. Die Gäste können ein kleines Kino besuchen, in ein Gemälde treten, mittels Virtual Reality oder auf dem Balkon durch ein Fernroh blicken. Sie sehen, wie Rhein und Siebengebirge mit Dalís Tigern, Nixen und Elefanten bevölkert werden, mittels Augmented Reality.

Kuratorin Sarah-Lena Schuster (Foto: Claudia Friedrich)

Die Gäste können ein kleines Kino besuchen und in ein Gemälde treten, mittels Virtual Reality. Ich besuchte Rolandseck, als einige Objekte gerade aus den Kisten gehoben wurden, wie Carry-le-Rouet, den weiblichen Torso von Salvadior Dalí aus dem Jahre 1930. So hatte ich auch die Möglichkeit, einen Blick auf die Rückseite zu werfen, die eine Zeichnung birgt, die Studie zu einem anderen Gemälde. Titel: Etude pour Dormeuse, Cheval, Lion, Invisibles.

Salvador Dalí und Hans Arp. Die Geburt der Erinnerung

16. Februar bis 16. August 2020

Arp Museum Bahnhof Rolandseck

Hans-Arp-Allee 1, 53424 Remagen

Produktentwürfe von Salvador Dalí (Foto: Claudia Friedrich/ Rechte: Sammlung Heinz Joachim Kummer)

KATALOG (s. Titelbild)

Oliver Kornhoff (HG.): Salvador Dalí und Hans Arp. Die Geburt der Erinnerung. Landes-Stiftung Arp Museum Bahnhof Rolandseck. StrzeleckiBooks Remagen 2020

Salvador Dalí (Foto: Philippe Halsman) und Hans Arp mit Nabelmonokel (Foto: Unbekannter Fotograf © VG Bild-Kunst, Bonn 2020) im Tunnel zwiwchen Bahnhof und Museumsneubau (Foto: Claudia Friedrich)

Klöster

Zwischen Aufbruch und Abriss

Die Zukunft der monastischen Kultur

WDR 5, Scala

28. Januar 2020, 14 Uhr (Wiederholung: 21 Uhr)

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Klöster kämpfen ums Überleben. Die Bewohnerschaft wird älter, der Nachwuchs bleibt aus. In vielen Ordensgemeinschaften ist das Durchschnittsalter jenseits der 70.

Euthymia-Gedenkstätte am Mutterhaus der Clemensschwestern in Münster: Figur im neugotischen Altar der sieben Schmerzen Mariens © CF

Vielerorts schließen die Kloster-Pforten für immer oder öffnen sich für andere Zwecke. Anlagen werden umgewidmet, sind Flüchtlingsunterkünfte, Kosmetikfirmen, Eigentumswohnungen. Im besten Falle bleiben die Immobilien erhalten wie das westfälische Kloster Dalheim, in dem sich heute ein Museum und eine Forschungsstelle für monastische Kultur befindet.

Jörg Kraemer an der Barockorgel
in der Katholischen Pfarrkirche in Borgentreich © CF

Die Barockorgel in Borgentreich wäre beinahe der Säkularisierung zum Opfer gefallen. Ihren ersten Platz hatte sie im Kloster Dalheim. Als sich 1803 das Kloster auflöste, kaufte die Stadt Borgentreich das wertvolle Blasinstrument und karrte es auf 32 Pferdewagen in die Kirche der Stadt. Erst fiel die Orgel dem Vergessen anheim, später dem Verfall. Dank des engagierten Organisten Jörg Kraemer und Leiter des Orgelmuseums erstrahlt das Juwel in neuem Glanz.

Jörg Kraemer (Kirchenmusiker, Orgelbeauftragter in der Erzdiözese Paderborn) © CF

Doch nicht selten verschwinden die Klosteranlagen spurlos und mit ihnen ein Teil der 1500 Jahre alten Klostergeschichte. Dafür boomen TV-Serien mit monastischen Stars.

Thomas Karas (Musiker)

Klöster sind soziale und kulturelle Zentren. In Köln Mülheim zum Beispiel war das Redemptoristenkloster solch ein Ort.


Einschwingen auf den Klang der Stille, einem monatlichen Meditationsabend im Kapellche in Köln: (v.li) Claudia Sledz (Gesang), Rosi Mager (Keyboard, Gesang), Thomas Karas (Oud, Gitarre)

Menschen aus der Nachbarschaft die Kölner Redemptoristen-Kapelle mit dem Kupferkreuz (s. Titelbild), um zu beichten, zu heiraten oder einfach nur zu reden. 2014 schlug die Abrissbirne gegen den Backsteinbau. Die Nachbarschaft kämpfte: Et Kapellche muß blieve! (s. Titelbild).

Waffelbacken ist ein Mosaikstein des Programms vom Et Kapellche e.V. in Köln Mülheim © CF

Nachbar_innen sammelten 2000 Unterschriften für den Erhalt des Hexagons. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG sanierte die Kirche; et Kapellche e.V. dankt es mit einem durchdachten Konzept und einem hoch ambitionierten Programm.

Jede Woche Waffeln für die Nachbarschaft, gegen Spende © CF

Einige Ordensgemeinschaften nehmen den Wandel selbst in die Hand, um ihre Einrichtungen zu erhalten. Zum Beispiel das Kloster Arenberg auf einem Hügel über Koblenz, eine weitläufige Anlage, gebettet in Parks, Streuobstwiesen, Kräutergärten.

Koblenz Arenberg: Kloster der Schwestern der heiligen Katharina von Siena im Orden des heiligen Dominikus © CF

Seit 2000 geht der Frauenorden einen ungewöhnlichen Weg. Mit einer Vision und viel Geld ließen sie ein Gästehaus aus hellem Sandstein bauen.

Tradition und Moderne: Klinker neben Sandstein, Kneipp-Sanatorium neben Gästehaus. © CF

Für ihr hoch modernes Vitalzentrum holten sie sich Therapeut_innen ins Haus, die verschiedene Techniken aus vielen Kulturkreisen anbieten: Klangmassage, Shiatsu, japanisches Heilströmen, Qui Gong. Tourist_innen pilgern auf den Hügel, suchen Heilung, Seelsorge oder einfach nur Wellness.

Die Abtei in Boppard ist das größte Ensemble im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal © CF

Ein völlig anderes Schicksal ereilte die Benediktinerinnen-Abtei in Boppard. Das denkmalgeschützte Barockensemble steht seit den 1980er Jahren leer. Ein Österreichischer Architekt plant ab 2020 den Bau von Luxuswohnungen in der vorhandenen Architektur.

Die Abtei am Rhein ist ein Lost Place: Zimmerflucht im zweiten Stock © CF

Warum keinen öffentlich zugänglichen Raum? Kulturzentrum, Begegnungsstätte, ein Wissenshort, der von der wechselvollen Geschichte erzählt, zum Beispiel die Legende vom Bauherrn Grafen Konrad Beyer von Boppard, der im Duell einen Mann tötete und danach in tiefer Trauer das Kloster Marienberg errichten ließ, um 1200. Denn der Getötete war kein Mann, sondern eine Frau, Maria, Konrads Geliebte. Oder die Geschichte der ersten Bewohnerinnen, Benediktinerinnen, die durch die Napoleonischen Truppen vertrieben wurden. Oder die Geschichte der Internatsschülerinnen des Ursulinenordens, die im Mai 1941 vertrieben wurden, als nationalsozialistische Beamte das Gelände beschlagnahmten und eine Reichsfinanzschule einrichteten.

Abtei in Boppard: Der Turm des Klosters Marienberg. Ein Lost Place, der unter Denkmalschutz steht © CF

Vielleicht wäre sogar der Verfall besser als das Entkernen für den Luxus. „Manchmal muss man auch den Mut haben, etwas einfach stehen zu lassen. Nur deshalb konnte Franziskus die renovierungsbedürftige Kapelle in San Damiano finden“, sagt der Mittelalterarchäologe Matthias Wemhoff.

In meinem Feature kommen zu Wort:

Dirk Weingarten © CF

Vereinsvorsitzender et Kapellche in Köln Mülheim

Pater Ulrich Behlau © CF

Ordenspriester der Kongregation des Heiligsten Erlösers, kurz, des Redemptoristenordens, ehemaliger Bewohner des Klosters in Köln Mülheim; als einziger verbrachte er die letzte Nacht im Gebäude.

Scholastika Jurt © CF

Generalpriorin der Arenberger Dominikanerinnen, die mit ihrem Orden ausgetretene Pfade verließ und sich der Kritik aus anderen Klöstern widersetzt

Claudia Rüech © CF

Physiotherapeutin und Leiterin des Vitalzentrums im Kloster Arenberg

Prof. Matthias Wemhoff © Staatliche Museen zu Berlin/ Foto: Achim Kleuker

Mittelalterarchäologe. Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin/ Gründungsdirektor der Forschungsstelle und des Museums für Klosterkultur im ehemaligen Chorherrenstift Dalheim.

Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger © CF

Archäologin, Landesrätin für Kultur beim Landschaftsverband Westfalen Lippe); sie entwickelt in Dalheim ein Kompetenznetzwerk für Klosterkultur.

Redemptoristenkloster an der Kölnstr. in Bonn © CF

Die Couch

Möbel und Metapher

WDR 5

Neugier Genügt

3. Januar 2020, 10 Uhr

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Auf der Lehne: Füße meiner interviewpartner_innen © CF

Die Couch ist ein merkwürdiges Möbel. Sie ist Bürgertum und Boheme. Sie ist Sitz und Liege. Sie ist brav und berüchtigt. Sie hat eine lange Geschichte. Vor allem ist sie mehr als eine bloße Sitzgelegenheit.

Im Polster: Meine Partnerin Katerina Katsatou udn ich sitzen auf der Roten Couch von Horst Wackerbarth © Horst Wackerbarth

Ich spreche dem Fotokünstler Horst Wackerbarth und mit dem Psychoanalytiker Nathan Kravis. Und ich bitte eine Truppe auf die Couch, die heftig vom Leder zieht.

Vor der Ahnengalerie © CF

Literatur

Berlin 2018 © Edition Fröhlich

Link

Horst Wackerbarth (Kunstphotograph)

Zurück aus Mali: Horst Wackerbarth vor einem Foto seines neuen Kunstprojekts. Die Rote Couch hockt in einem Baobab-Baum © CF

Feuerwerk

Eine Kulturgeschichte

WDR 5, Neugier genügt

31.12.2019, 10 Uhr

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Japanisches Feuerwerk über Düsseldorf © NICO

Feuerwerk ist Kunst und Krieg. Feuerwerk verpestet die Umwelt und erfreut die Gemüter. Feuerwerk ist Schund, sagen die einen, Schönheit, die anderen.

Auf einer Höhe zwichen Wuppertal und Remscheid: Auf dem Abbrennplatz des Feuerwerkhändlers NICO zündet Jens Hibbeler eine Batterie © CF

Feuerwerk hat eine lange Tradition. Mit Osterfeuern zelebrierte das frühe Christentum Tod und Auferstehung des Sohnes Gottes. Als in Europa Feuerwerksraketen Einzug hielten, gab es Mysterienspiele per Explosion und Himmelszauber.

Eitorf: Jan Mahler (Leiter der Qualitätssicherung) steht auf dem Abbrennplatz von WECO, der letzten Feuerwerksfabrik in der Bundesrepublik © CF

Später zerbarsten Raketen über der Engelsburg in Rom. Anlässlich jeder Papstwahl bildete Feuerwerk eine Girandola, ein Strahlenkranz, der dann im Tiber erlosch. Ein Ritual, das seit dem 15. Jahrhundert zelebriert wurde.

Gereon Sievernich (Herausgeber von Das Buch der Feuerwerkskunst) © Photo: Scherhaufer

Leonardo da Vinci baute Schießpulvermaschinen und Feuerwerkslöwen. 1506 stachen in Konstanz drei Boote in den See, an Bord waren 350 Fässer, gespickt mit Feuerwerk, zu Ehren eines Kaisers. Sie waren das erste große Feuerwerk in Deutschland.

Im Prüfkeller von WECO: Forschungsleiter und Rhein in Flammen-Regisseur Georg Alef testet Feuerwerkskörper © CF

Feuerwerk ist Handwerk und Kunst.

WECO – Fertigungshütten hinter Schutzwall © CF

Ich besuchte WECO in Eitorf, die letzte Feuerwerksfabrik in Deutschland.

Im Büro von NICO: Japanische Feuerwerkskugel © CF

Ich begab mich ins Bergische Land zu Nico, der Export- und Importfirma von Feuerwerkskörpern. Nico veranstaltet auch das alljährliche Feuerwerk am Japantag im Mai.

Soundartist Alex Hardt zündet Bengalisches Feuer © CF

Mit dem Soundartisten Alex Hardt (s. Titelbild) zündelte ich selbst.

Diese Wunderkerze stammt von WECO aus dem Jahre 1949 © CF
Mit der Produktion von Wunderkerzen hat WECO begonnen. © CF

WECO

RHEIN IN FLAMMEN

Die Dragiertrommel ist ein Relikt aus der Zeit, als die Vorgängerfirma von NICO noch produziert hat. Statt ein Gemisch aus Rapskörnern, chemische Pulver und Wasser trägt der Kupferkessel seit vielen Jahren Erde. © CF

NICO

Martin Schmitz (Vertriebsleiter bei NICO) © CF

JAPANTAG DÜSSELDORF

Beru Inou besucht das Feuerwerk am Japantag und erinnert sich an ihre Kindheit. © CF

BERU INOU – SCHMUCKDESIGNERIN

Vulkan bei WECO © CF

Reise nach Kalavrita

Verwundetes Paradies

Im Norden der Peloponnes (Griechenland)

WDR 5, Neugier Genügt am 11.12.2019

LINK ZU AUDIO UND FOTOGALERIE BEIM WDR/ Λινκ για την εκπομπή και για φωτογραφίες στην ιστοσελίδα τού WDR

Kalavrita ist die Endhaltestelle der Zahnradbahn (s. Titelfoto), die durch eine verwunschene Landschaft vom Meer in die Berge fährt. Kalavrita war Schauplatz eines der grausamsten Kriegsverbrechen, das die deutsche Wehrmacht auf dem Balkan im zweiten Weltkrieg verübte. Eine denkwürdige Reise an die Ausläufer des Chelmos-Massivs. Irina Scholz liest aus Athos der Förster, dem Debütroman von Maria Stefanopoulou.

Καλάβρυτα, το τέρμα τού οδοντωτού σιδηρόδρομου, που περναει μέσα από ένα μαγευτικό τοπίο ανεβαίνοντας από την θάλασσα στα βουνά. Καλάβρυτα, ο τόπος ενός από τα πιο αιματηρά εγκλήματα πολέμου τής Γερμανικής Βέρμαχτ στα Βαλκάνια. Καλάβρυτα, ο προορισμός ενός ταξιδιού εις μνήμην και ανάμνησην στους πρόποδες τού Χελμού. Με αποσπάσματα απο το βιβλίο «Άθος, ο δασονόμος» τής Μαρίας Στεφανοπούλου.

Die deutsche Wehrmacht stürzte Mönche in die Schlucht und zerstörte das Kloster Mega Speileo, zwischen Kalavrita und Diakofto © CF

LITERATUR

Stefanopoulou, Maria: Athos der Förster. Ü: Michaela Prinzinger. Elfenbein Verlag. Berlin 2019

Holocaust-Museum der Stadt Kalavrita (Hg.): Das Haus unserer Helden. Das Drama von Kalavrita. Versuch einer Annäherung. Kalavrita 2008

Nikolaidis, Panos: Ein Überlebender erzählt. (Hg: Holocaust-Museum der Stadt Kalavrita) Kalavrita 2010

Nika, Franzeska: Kalavrita 1943. Augenzeugenbericht. Romiosini. Köln 2/ 1999

LINKS

Weingut Tetramythos

Kalavrita

Zahnradbahn (Kalavrita – Diakofto)

Gedenkstätte auf dem Kappi, dem Hausberg Kalavritas. Hier wurde die männliche Bevölkerung der Stadt ausgelöscht. © CF

Der Wolf

Gejagt Gefürchtet Verehrt

WDR 5, Scala am 21. Oktober 2019

14 Uhr (Wiederholung: 21 Uhr)

Audio zum Feature über den Wolf

Wolf in Dreiviertelansicht (nach Paulus Potter). Radierung von Marcus de Bye (1659) © Wallraf-Richartz-Museum in Köln

Seit jeher streift er durch Mythen, Sagen, Legenden: Der Wolf. Er inspiriert sämtliche Kunstgenres, erscheint in Literatur, Malerei, Videospielen. Die kapitolinische Wölfin (Titelbild) ernährt Romus und Remulus und befeuert Gründungsmythos von Rom.

Regina Sommer (Geschichtenerzählerin) © CF

Aus dunklen Wäldern zieht der Wolf in die Lichtung. Als Wappentier steht er für Stärke, als Fabelwesen für das Böse. Die Kunst spielgelt das ambivalente Verhältnis von Mensch und Wolf, zeigt aber auch die reiche Symbolik, die mit dem Tier verbunden ist.

Maria Linsmann (Märchenforscherin, Kunsthistorikerin, Dozentin) © CF

Wölfe stehen für Ängste, Träume, das Fremde, die Politik.

Wolfsburg: Adolf Hitler wollte die Stadt des Kraft-Durch-Freude-Wagens so benennen. Die Umbenennung erfolgte nach dem Suizid des Reichskanzlers © CF

Im nationalsozialistischen Deutschland wird ausgerechnet der Wolf zum Codewort der Führungselite, auch die AfD nutzt den Wolf als Symbol.

Lost Place: Haus Wolfskuhlen am Niederrhein © CF

Bereits im Mittelalter wurden Wölfe in Kuhlen getrieben und abgeschlachtet. Im 18. Jahrhundert waren die Tiere nahezu ausgerottet.

Sabine Sweetsir (Archivarin im Stadtarchiv Rheinberg) vor Haus Wolfskuhlen.

In meinem Feature geht es um den Wolf als Kunstfigur.

Matthes und Seitz. Berlin 2/ 2017

Physiologus. Frühchristliche Tiersymbolik (Hg. und Ü: Ursula Treu). Union Verlag. Berlin 1981

Videospiel

Screenshot aus dem Videospiel © Tale of Tales

The Path. A short horror game

Entwickler_in: Auriea Harvey und Michaël Samyn

Tale of Tales

Studio für Videospiele: Michaël Samyn und Auriea Harvey

Rotkäppchen mit dem Wolf (nach Ernst Bosch). Radierung von Fritz Dinger © Wallraf-Richartz-Museum in Köln

Magische Ringe

Geometrie der Geister

© CF

WDR 5 Neugier Genügt

3.9.2019

zwischen 10 und 12 Uhr

Link zur Fotogalerie im WDR 5-Internet

Link zum WDR 5-Hörstück über Magische Ringe

Ring auf runder Manege in Cirque Bouffon © CF

Magische Ringe verleihen Macht und ewiges Leben. Sie kennen keinen Anfang und kein Ende, sie nehmen gefangen und schließen aus. Sie bieten Schutz und säen Gefahr. Magische Ringe sind das Scharnier zu unsichtbaren Räumen, in denen Geschöpfe leben, die nicht von dieser Welt sind, aber auch von keiner anderen. 

Zutaten der Magie: Gold, Kupfer, Silber in Raumschale © CF

Magische Ringe entstehen in den Küchen von Alchemist_innen. Die beiden Goldschmiedinnen Katja Voscht und Regina Maresch schneiden, schmelzen, walzen, feilen, sägen, glühen, hämmern, gravieren. Sie arbeiten mit Säure, Tinkturen, Salzen, Pulvern.

Alchemistinnen am Werk © CF

Mitte der 1950er Jahre erschien Lord of the Rings von John Ronald Reuel Tolkins.

John Ronald Reuel Tolkien © Klett-Cotta Verlag

1969 lag die Romantrilogie des britischen Literaturprofessors zum ersten Mal in deutscher Sprache vor, unter dem Titel Herr der Ringe. Jetzt brachte der Klett-Cotta Verlag eine druckfrische, dreibändige Jubiläumsausgabe heraus, in der ursprünglichen Übersetzung von Margaret Carroux. 

Jens Harzer im Treppenhaus des Thalia Theaters © Armin Smailovic/ Thalia Theater)

Magie umgibt den nach dem Schauspieler August Wilhelm Iffland benannten Ring, ein Kronjuwel aus Eisen, mit Diamanten besetzt, der ein Iffland-Portrait umringt, in einen violetten Edelstein geschnitten. Seit mindestens einem Jahrhundert bestimmt der aktuelle Träger per Testament seinen Nachfolger. Nach dem Tod des Schweizer Schauspielers Bruno Ganz im Februar 2019 ging der Ring an Jens Harzer, Ensemblemitglied im Hamburger Thalia-Theater. 

Daniela Imlau sitzt in der Mitte des Rings aus Feldsteinen © CF

Kreisformen entwickeln Energie, wie die neun Feldsteine auf der Wiese im Garten von Daniela Imlau. Sie markieren Feuer, Wasser, Erde, Luft, die Ahnen, den Traum, das Karma. Daniela Imlau ruft sie alle an, bittet das Universum: „Sende Deine Energie in diesen Ring.“

Frédéric Zipperlin gründete Cinque Bouffon. Die Manege ist rund. © CF
Mit dem Rund spielt Frédéric Zipperlins Kunstfigur Le Boul. © CF

Rund läuft es in der Cirque Bouffon – Show Lafolia. Die Truppe erzählt Geschichten mit Reifen, Rädern, Kugeln. Ein rauschhafter Traum im Ring.

Sie sammelt und erzählt Geschichten von Weißdornhecken, Zauberringen, Artus‘ Tafelrunde: Regina Sommer.

Geschichtenerzählerin Regina Sommer © CF

Magische Ringe sind weltweit zu finden, in Mythen, Märchen, der Wirklichkeit. Beherrschen wir sie oder beherrschen sie uns? 

http://www.reginasommer.de/regina_sommer_home.html
Katja Voscht (li.) und Regina Maresch © CF

Katja Voscht (Goldschmiedin) – Kleine Verzierung

Regina Maresch (Goldschmiedin) – Κιττός (Efeu)

Goldschmiedinnen: Areal Böhler Halle 26, Hansaallee 321, 40549 Düsseldorf © CF
Cirque Bouffon © CF
Im September steht das Zelt in Saarbrücken, im Oktober in Bielefeld © CF
Daniela Imlau (Weiherin des Rings) © CF
Ü: Margaret Carroux
Wer den Magischen Ring trägt, kann unsichtbar werden © CF