Demokratische Digitale Republik

Smart World – Maschinen und andere Menschen

Oliver Reindl (IT-Experte und Drohnenpilot) © CF
Oliver Reindl (IT-Experte/ Drohnenpilot) © CF

WDR 5 Scala

17. Januar 2018

14 Uhr (Wiederholung: 21 Uhr)

Das ist der Link zum Audio

Audio über Digital Politics

Das ist der Link zur Fotogalerie im WDR Internet

Fotos zum Feature über Digitale Politik

Kaum ein Handy erlaubt, das Akku zu entfernen. Kaum ein Internetformular lässt sich abschicken, ohne dass irgendwelche Captchas, winzige Webtests, dazwischen funken und gelöst werden wollen. Sowas wie Ich bin kein Roboter. Nein! Habe ich doch schon so oft abgehakt! Ja, aber Algorithmen lernen nun mal langsamer. Was hat das mit Captchas zu tun? Viel, sehr viel.

Aleksandra Sowa (Volkswirtin Robotikforscherin) © CF
Aleksandra Sowa (Volkswirtin, Roboter- und IT-Spezialistin, Autorin von Digital Politics) © CF

Über neue Technologien schrieb Aleksandra Sowa ein Buch. Digital Politics erklärt Zusammenhänge zwischen Offline und Online, zwischen lernenden Algorithmen und gesammelten Daten, beschreibt Wege aus der digitalen Unmündigkeit. Ein Weg ist eine klare Rechtssprechung.

Schminke gegen Gesichtserkennung © CF
Bemalung gegen Überwachung. Ein russischer IT-Experte entwickelte einen Schmink-Algorithmus gegen Gesichtserkennung. © CF

Ein anderer Weg ist das berühmte Do it yourself. Computer beherzt aufschrauben und selbst reparieren. Handys mit herausnehmbaren Akku kaufen, nach dem Verbleib von Daten fragen.

DCIM100MEDIADJI_0560.JPG
Auf Augenhöhe: Ich fotografiere die Drohne, die Drohne fotografiert mich. Oliver Reindl gab ihr den Steuerbefehl, der sie auch noch in sieben Kilometern erreichen würde. Die  Drohnenverordnung erlaubt Flüge in Sichtweite. © Drohne

Aleksandra Sowa rät gegen Angst, aber zu einer gehörigen Portion Skepsis und den Genuss der kognitiven Computer. Die sind schnell und unbestechlich.

DCIM100MEDIADJI_0534.JPG
© Drohne

Literatur

Sowa, Aleksandra: Digital Politics. So verändert das Netz die Demokratie. 10 Wege aus der digitalen Unmündigkeit. Dietz Verlag. Bonn 2017

Lem, Stanisław: Summa technologiae. (Ü: Friedrich Griese) Suhrkamp Verlag. Frankfurt am Main 1976/ eBook Suhrkamp Verlag. Berlin 2013

Aleksandra Sowa (Autorin von Digital Politics) © CF
Aleksandra Sowa © CF
Advertisements

Europäisches Kulturerbejahr 2018

Wahren ∧∨ Wandeln

WDR 5 Scala

2. Januar 2018

14 Uhr (21 Uhr: Wiederholung)

Der Link zur Fotogalerie, die mein Feature über Kultur und ihr Erbe begleitet

Feature über die Erbstücke von Kultur

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Kernkraftwerk Würgassen an der Weser (Kreis Höxter) © CF

Angenommen, wir schreiben das Jahr 2118. Eine Touristin aktiviert das Navigationssystem auf ihrer Netzhaut, folgt dem schnellsten Weg zur nächst gelegenen Sehenswürdigkeit, studiert das POP-UP. Kernkraftwerk Würgassen (s.Titelbild). 1994 stillgelegt. Grund: Haarrisse im Kernmantel am Reaktorkern. Rückbau bis 2014. Das 60 Meter hohe Kraftwerksgebäude bleibt stehen, dient als Zwischenlager für mittelschwache Abfälle. Ein weiteres POP-UP erklärt, dass über Atommeiler als Kulturdenkmäler erbitterte Diskussionen liefen, im Europäischen Kultur-Erbe-Jahr 2018. Vor Ort geben Digital Graffiti Einblick in die umstrittenen Energiebauten; ein Besuch in Ibbenbüren wird empfohlen, in dem das tiefste Steinkohlebergwerk der Welt stand und das im Dezember 2018 die letzte Schicht fuhr.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Lost Place: Ein verlassenes Herrenhaus am Niederrhein © CF

2118 ist Europa eine transnationale Republik, in der Eventzentren klassische Wissenshorte retten wie Bibliotheken und Museen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Register der Barockorgel Borgentreich © CF

2018 leistet sich Europa zumindest ein transnationales Projekt: das Europäische Kulturerbejahr. An vielen europäischen Orten wird über das gemeinsame Erbe diskutiert: Fluchtwege, Lost Places, Handschriften, Erinnerungsorte. Was heißt kulturelles Erbe und was ist wert, erhalten zu bleiben? Im Dezember 2017 zum Beispiel erklärte die UNESCO Orgelbau und Orgelspiel zum Weltkulturerbe.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Ute Schneider (Professorin für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Universität Duisburg Essen) © CF

Ute Schneider, kommissarische Leiterin des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen, hat eine ambivalente Haltung zur Frage des Kulturerbes. „Wir dürfen nicht nur die Vergangenheit im Blick haben, sondern wir müssen auch Zukunftsperspektiven entwickeln.“

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Jörg Kraemer an der Barockorgel in Borgentreich © CF

CD

Die historische Barockorgel in St. Johannes Baptist Borgentreich

Erstaufnahmen nach der Orgelrestaurierung

Jörg Kraemer (Orgel)

Organum Classics. Öhringen 2014

Prospekt

Katholische Kirchengemeinde (Hg.): Barockorgel Borgentreich. Ein Instrument wahrhaft europäischen Klanges. Von 1600 bis 2011. Borgentreich 2012

Katholische Pfarrkirche St. Johannes Baptist

www.barockorgel-borgentreich.de

Orgelmuseum
Museumsleitung: Jörg Kraemer

Marktstraße 6. 34434 Borgentreich
erstes Orgelmuseum der Bundesrepublik

Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Kommissarische Leitung: Prof. Ute Schneider

Kulturwissenschaftliches Institut Essen

Europäisches Kulturerbejahr 2018

Europäisches Kulturerbejahr 2018

Von großen Plänen und kleinen Zufällen

Die Kraft der Vorstellung oder das Projekt vom Planen

WDR 5 Neugier genügt

2. Januar 2018, zwischen 10 und 12 Uhr

20 Minuten Feature

Link zur Fotogalerie und zum Podcast

PlanBar in Bild und Ton

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Wehe, der Strom fließt nicht nach Plan © CF

Planlos sein ist auch bloß ein Plan. Einfach mal querfeldein laufen statt per Smartphone auf Premiumwegen wandern. Einerseits. Andererseits ist Planen ein uraltes Konzept, sich in der Welt zu orientieren. Als die Neandertaler_innen in den unwirtlichen Norden zogen, war die Orientierung überlebensnotwendig, ohne Wege, ohne Kirchturmspitzen, ohne Kompass, geschweige denn GPS. Sie machten sich ein Bild von ihrem Umfeld. Sie hatten einen Plan. Heute ist das Planen ein ausgeklügeltes Konzept, das ganze Gesellschaften entwirft. Zukunftsplanung liegt im Trend. Was wird, was noch nicht ist. Doch was ist, wenn der Zufall auf den Plan gerufen wird?

Dirk van Laak © Scharfscheer
Dirk van Laak (Prof. für deutsche und europäische Geschichte des 19. bis 21. Jahrhunderts/ Uni Leipzig) © Scharfscheer

Ich fragte den Historiker Dirk van Laak, unterhielt mich mit Ladeninhaberinnen, einer Zahnärztin und einem Kirchenmusiker über ihren Plan von Beruf und Leben.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
In der Kirche in Borgentreich (Westfalen) steht eine der größten Barockorgeln Europas. Ihre mehr als 3000 Pfeifen aus gehämmerten Blei haben einen festen Platz, so wie es der Plan vorsieht. © CF

Vom Golem und der Kabbala

אמת = Wahrheit

WDR 5 Scala, 12. Dezember 2017

14 Uhr/ Wiederholung: 21 Uhr

Unter dem Link kann mein Feature nachgehört werden.

Eine kleine Kulturgeschichte des Golem

Der Schatten des Golem 1 @ Knesebeck
Joseph und Zelmira, gezeichnet von Benjamin Lacombe: Der Golem und sitzt auf einer Bank im Hof des Oberrabbis Löw im Jüdischen Viertel in Prag. © Knesebeck Verlag

Der Golem ist seit mindestens 200 Jahren ein Medienstar. Um den Superhelden ranken sich Geschichten. Es gibt Filme, Gemälde, Computerspiele. Frankestein ist ein Zitat auf den Golem. Spiderman hat Ähnlichkeiten, Roboter stehen in seiner Tradition.

Der Schatten des Golem sw © Knesebeck
© Knesebeck Verlag

Vor kurzem erschien beim Knesebeck-Verlag eine weitere Golem-Erzählung mit großformatigen Illustrationen unter dem Titel Der Schatten des Golem. Das Original entstand in Frankreich. Éliette Abécassis schrieb den Text, Benjamin Lacombe schuf die Zeichnungen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Jüdische Mystiker überlegten, wie es möglich ist, künstliches Leben herzustellen. © CF

Der Golem geht in die Blütezeit der jüdischen Mystik zurück, er ist ein Konstrukt der Kabbala.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Michael Moses in seiner Töpferwerkstatt. Mit Lehm aus dem Westerwald formt er einen Golem © CF

Lange fristete die Kabbala ein Nischendasein. Doch dann erforschte der Religionshistoriker Gershom Sholem die jüdische Mystik und verhalf der Kabbala zu neuem Ruhm.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Über einen Code wird der Golem gesteuert. Alef, Mem, Tav steht auf seiner Stirn. Das heißt Emet. Und Emet heißt Wahrheit. © CF

Ende der 1960er Jahre entstand in Tel Aviv das erste Kabbala-Centre. Inzwischen gibt es 40 Zentren, unter anderem in Los Angeles und Berlin. Eine der prominentesten Mitglieder ist die Sängerin Madonna.

Der Schatten des Golem 4 @ Knesebeck
© Knesebeck Verlag

Der Golem ist Form gewordene Kabbala. Die Lektüre Der Schatten des Golem bietet einen  sanften Einstieg in das „Leben“ des Humanoiden, geboren aus der jüdischen Mystik.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Shuli Grohmann liest aus der Tora © CF

Zu Wort kommen Shuli Grohmann (Sängerin, Tänzerin, Religionslehrerin aus Israel), Andreas Kilcher (Professor für Literatur- und Kulturwissenschaft/ Kabbala-und Esoterikforschung an der ETH Zürich) und Michael Moses (Töpfermeister, Keramikgestalter aus Israel). Er setzte sich in die Werkstatt und töpferte drei Golem aus Lehm.

Der Schatten des Golem 2 @ Knesebeck

Literatur

Abécassis, Éliette/ Lacombe, Benjamin: Der Schatten des Golem. (Ü aus dem FR: Anja Kootz) Knesebeck Verlag. München 2017

Kilcher, Andreas: Die Namen der Kabbala. (IN: Rahden, Wolfert von/ Sommer, Urs (Hg.): Namen. Zeitschrift für Ideengeschichte. Verlag C.H.Beck. München 2013. S. 5-28)

Tyradellis, Daniel/ Friedlander, Michal (HG.): 10+5=Gott. Die Macht der Zeichen. DuMont Verlag. Köln 2004

Herrmann, Klaus (Hg. und Ü aus dem Hebräischen): Sefer Jezira. Buch der Schöpfung. Verlag der Weltreligionen (Insel) Frankfurt am Main 2008

Necker, Gerold (Hg. und Ü aus dem Hebräischen und Aramäischen): Sohar. Schriften aus dem Buch des Glanzes. Verlag der Weltreligionen (Insel) Frankfurt am Main 2012

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Den ersten Golem erschuf Elijah Ba’al Shem, der Rabbi von Chelm, sagt die Legende. Er soll einen Lehmklumpen zum Leben erweckt haben, indem er den Namen Emet – Wahrheit auf seine Stirn schrieb © CF

Adresse

Michael Moses (Töpfer) und Verena Hielscher (Textilkunst)

Wallenthalerstraße 17

53925 Kall-Scheven

www.verenahielscher.com

www.toepferei-moses.de

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
© CF

Von der Lust am Kino im Freien

Räume fürs Träumen

WDR 5 – Scala

21. Juni 2017, 14 Uhr (Wiederholung: 21 Uhr)

Über diesen Link geht es zu Fotogalerie und zum Feature zum Nachhören (WDR Mediathek)

http://www1.wdr.de/kultur/film/sommer-kino-open-air-100.html

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Kurzkunst im Sommerkino im Kölner Rheinauhafen mit der Sängerin Talya © CF

Juni 1933. In den USA stellte ein Autohändler seinen Filmprojektor auf ein Wagendach, hängte Leinentücher zwischen die Bäume und montierte Lautsprecher an die Äste. Während er seinen Kunden die Reifen wechselte, schauten sie Filme im Freien. Ein Werbegag wird zum Autokino, das Warten zum Traum.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Bochum: Privatbrauerei Fiege – Nachts verwandelt sich die Bierfabrik in einen Sommernachtstraum © CF

Heute bespielen Sommerkinos ehemalige Industriebrachen, Rasenplätze und Museumsdächer. Krimis, Klassiker und Blockbuster locken die Gäste. Sommerkinos sind wie Landschaftsgärten. Kompositionen aus Farben, Licht, Schatten, Bewegung. Natur und Film liefern ihr Schauspiel. Worin liegt der Charme vom Lichtspieltheater unterm Sternenzelt?

Duisburg_Stadtwerke Sommerkino © Thomas Berns
Duisburg_Landschaftspark Nord_Stadtwerke Sommerkino © Thomas Berns
Duisburg Hochofen 1_im Landschaftspark Nord © CF
Duisburg: Hochofen Eins, in der Gießhalle. Industriedenkmal und Kinokulisse © CF

Ich besuchte Orte, die am Tag nichts von ihrer nächtlichen Verwandlung verraten und ich begab mich zu den Wurzeln der Freiluftkinos, die 2400 Jahre alt sind. Mindestens. Ich begutachtete die Architektur der Sommerkinos, Skulpturen aus Projektor, Leinwand, Himmelsdach. Meine Auswahl ist wirklich nur ein Streiflicht einer inzwischen sehr reichen Sommerkino-Kultur. Merkwürdig nur, dass ich keiner einzigen Sommerkino-Betreiberin begegnete.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Klaus Eschmann (Veranstalter und Initiator des Sommerkinos im Rheinauhafen) © CF

Köln – Rheinauhafen

  1. Mai bis 14. September

https://koeln.openairkino.de

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Düsseldorf_Im Biergarten VierLinden_Tom Birke (li) ist Mitgründer des Sommerkinos und Nico Elze ist seit 2016 Geschäftsführer der Düsseldorfer Filmkuntskinos © CF

Düsseldorf – Biergarten VierLinden

  1. Juni bis 2. September

http://www.biergarten-vierlinden.de

http://www.filmkunstkinos.de/kinos.php?kinos=akki

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Marcus Gloria lebt in Bochum und veranstaltet zusammen mit Martin Semerad das Sommerkino auf dem Hof der Brauerei seit 1999 © CF
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Martin Semerad © CF

Bochum – Fiege Kino Lounge

  1. Juli bis 27. August

http://www.fiegekino.de

Duisburg_Kai Gottlob (Geschäftsführer des Filmforums) am Hochofen © CF
Kai Gottlob (Geschäftsführer des Filmforums in Duisburg) © CF

Duisburg – Stadtwerke Sommerkino

  1. Juli bis 20. August

https://www.stadtwerke-sommerkino.de

 

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Udo Heimansberg – Cineast und Mitgründer des Sommerkinos im Biergarten VierLinden © CF

Open-Air-Kinos

Die schönsten Kinos unter freiem Himmel in NRW

https://www.nrw-tourismus.de/open-air-kinos

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Zaungäste an der Düsend, direkt hinter dem Sommerkino VierLinden © CF
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
© CF

Plakate für die Politik

WAHLWEISE

WDR 5, Scala

9. Mai 2017

14 Uhr/ Wiederholung: 21 Uhr

Der Link zum Beitrag

www.wdr5.de

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Gesehen in Köln © CF

Sie hängen an Laternenmasten, stehen auf Verkehrsinseln, an Ausfallstraßen, kleben an Mauern und Fassaden: Kleinflächenplakate, Großflächenplakate. Köpfe der Kanditat_innen, Szenen aus dem wirklichen Leben. Bilder sagen mehr als 1000 Worte. Nur sieht überhaupt jemand hin?

 

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
René Grohnert (Leiter des Deutschen Plakat Museums im Museum Folkwang, Essen) © CF

In der Forschung lösen Wahlplakate Kontroversen aus. Die einen sagen: Wahlplakate sind wie ein Anpfiff für den Spielebeginn, was soviel heißt wie „Der Straßenkampf ist eröffnet.“ Die andere sagen: Das Netz entscheidet. Den Beweis lieferte die USA. Plakate haben ausgedient. In den USA haben Plakate nie eine wirkliche Rolle gespielt, so René Grohnert, Leiter des Deutschen Plakat Museums.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Die Kommunikationswissenschaftlerin Stephanie Geise und und ihr Kollege Klaus Kamps © CF

Vielleicht verändern Plakate nicht die Meinung der Wählerschaft, aber sie erheischen Aufmerksamkeit. Und sie müssen sie gut gemacht sein. Doch wann ist ein Wahlplakat gut gemacht? Wenn es schlagkräftige Botschaften vermittelt? Wenn es witzig und schrill ist, oder einfach mitten aus dem Leben gegriffen? Um Authentizität bemüht? Stephanie Geise (Uni Münster) und Klaus Kamps (Hochschule für Medien Stuttgart) erforschen die Wirkung von politischen Plakaten im urbane Raum.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
© CF

Wahlkampf ist eine gute Zeit fürs Adbusting. Nachts ziehen Kreative los und fügen Botschaften hinzu, streichen Buchstaben aus, zeichnen, kritzeln, kleben, Hitlerschnäuzer, Leninbärte, Klugscheißerbrillen. Inzwischen arbeiten die Agenturen selbst mit den Methoden des Adbustings, indem sie Aufkleber an die Ecken klatschen, mit zusätzlichen Slogans wie „Zweitstimme Die Linke“. Nützt alles nichts, sagen die Skeptiker_innen. Plakatkampagnen verpuffen. Niemals. Im Gegenteil, sie erreichen den gesamten öffentlichen Raum, nicht nur Facebook, Twitter und Co. Scala betrachtet, klebt, adbustet.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Klaus Staeck (Plakatkünstler) © CF

„Demokratie geschieht Inder Öffentlichkeit“, sagt Klaus Staeck, der Meister des politischen Plakats.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Adbust. Gesehen in Bonn Oberkassel © CF

Deutsches Plakatmuseum

Museum Folkwang

Museumsplatz 1

45128 Essen

https://www.museum-folkwang.de

 Klaus Staeck

http://www.staeck.de

Schreibwut

Die vielen Leben des Schriftstellers Karl May

ZeitZeichen

175. Geburtstag des Schriftstellers Karl May

25. Februar 2017

WDR 5: 9.45 Uhr

WDR 3: 17.45 Uhr

NDR

Link zum Podcast

http://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/karl-may-schriftsteller-100.html

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Karl May als Old Shatterhand: Denkmal von Wilfried Fitzenreiter im Geburtshaus © CF

50 000 Manuskriptseiten hinterließ Karl May. Reiseerzählungen, Essays, Romane, Memoiren. Seine fiktiven Figuren wie Winnetou und Old Shatterhand, Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar erlangten Weltruhm. Charaktere, die in den USA und im Orient agierten: Indianer, Scheichs, böse Weiße, gute Weiße, brutale Wilde, edle Wilde. An Karl May scheiden sich die Geister. Ein Schundautor, sagen die Einen. Ein großer Literat, sagen die Anderen. Ein Rassist. Ein Humanist. Dieb. Dichter.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Grüne Fassade: Geburtshaus von Karl May in Hohenstein-Ernstthal © CF

Karl May erlebte Abgründe und Höhenflüge, überlebte bitterste Armut und neun seiner 13 Geschwister, die kurz nach der Geburt starben. Sein Vater war Weber, seine Mutter Hebamme. Es war am Abend eines Februartages, als Karl Friedrich May das Licht der Welt erblickte, in Hohenstein-Ernstthal, am Nordrand des Erzgebirges.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Garten hinter dem Haus, in dem der Pflaumenbaum der Großmutter heilig war © CF

Von der Großmutter erbte der Enkelsohn vielleicht den größten Schatz, den er durch sein Leben trug, unzählige Märchen, Legenden, Geschichten, die sie ihm vorlas. Genau. „Sie ist die Quelle seiner geistigen Fähigkeiten“, sagt der Historiker André Neubert (Direktor des Karl-May-Hauses), Dank eines Stipendiums wurde Karl May Lehrer, aufgrund eines „angeblichen“ Diebstahls verlor er seine Stellung. Karl May geriet auf Abwege, die ihn mehrfach ins Gefängnis brachten und rund sieben Jahre Freiheit kosteten.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
André Neubert (Direktor des Karl-May-Hauses in Hohenstein-Ernstthal) © CF

Schließlich verwandelte er seine realen Krimis in Fiktion. „Gelungene Resozialisation“, sagt der Literaturwissenschaftler Helmut Schmiedt (Vorstand Karl May-Gesellschaft). Karl May schrieb Bücher und hatte Erfolg. Seine Selbstinszenierungen machten ihn zum Popstar. Im März 1912 starb Karl May in Radebeul bei Dresden.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Helmut Schmiedt © CF

Ich besuchte Hohenstein-Ernsthal, schlenderte durch das schmale Weberhaus, wanderte auf dem Karl-May-Weg bis zur Höhle, in der er sich zuweilen vor der Polizei versteckte. Im 17. Jahrhundert trieben Bergleute den Stollen rund 30 Meter in den Kiefernberg. Später hausten Räuber in dem still gelegten Stollen. In den 1870er Jahren saß dort Karl May.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Karl-May-Höhle im Oberwald, nördlich von Hohenstein-Ernstthal © CF

Ich sprach mit dem Historiker André Neubert und dem Literaturwissenschaftler Helmut Schmiedt. Bei der Produktion des WDR-Hörspiels „Der Orientzyklus“ im Jahr 2006 sprach ich mit dem Regisseur Walter Adler und den Schauspielern Sylvester Groth und Dietmar Mues (✝ 2011). Sie alle kommen in dem Feature zu Wort.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Ehemalige Niedergasse, heute Karl-May-Straße © CF

Karl May Haus

Literaturmuseum und Forschungsstätte

Karl-May-Straße 54

09337 Hohenstein-Ernstthal

Museumsleitung: André Neubert

http://karl-may-haus.de

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Inszenierung im Museum: Die Wohnstube der Familie May © CF

Karl May-Verlag

Bamberg Radebeul

Schützenstraße 30

96047 Bamberg

http://www.karl-may.de

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Zu den Drei Schwanen: Karl May wurde 1861 beim Billardspiel verhaftet. Zwei Jahre später trat er als Rezitator auf © CF

Karl May Gesellschaft

Wasastraße 50

01445 Radebeul

http://www.karl-may-gesellschaft.de

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Oberwald bei Hohenstein-Ernstthal: Tal des Pechgrabens, Richtung Höhle © CF

Literatur

Schmiedt, Helmut: Karl May. Oder die Macht der Phantasie. C.H. Beck Verlag. München 2011

Schweikert, Rudi: Das gewandelte Lexikon. Zu Karl Mays und Arno Schmidts produktivem Umgang mit Nachschlagewerken. Aus dem poetischen Mischkrug. Bangert und Metzler. Wiesenbach 2002

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Hohlweg zur Höhle im Kiefernberg © CF

Der Orientzyklus

Hörspiel in 12 Teilen nach den Reiseerzählungen von Karl May

Regie: Walter Adler

Kara Ben Nemsi/ Karl May: Sylvester Groth

Melek: Dietmar Mues

WDR. Köln 2007

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
© CF