Hängeseilbrücke Emmerich

Die Schöne

26. Juli 2019

WDR 5 Scala: 14 und 21 Uhr

Link zur WDR 5 Fotogalerie über meine Brückenserie

Link zum Audio über meine Brückenreportrage in Emmerich

Ein Fahrstuhl bringt die Arbeiter zur Pylonspitze. Länge der Hauptbrücke: 884,25 Meter © CF

Die Golden Gate Bridge von Emmerich ist eine echte Hängebrücke aus Stahl. Es gibt keine Schweißnaht, keine Schrauben, dafür tausende Nieten.

Über zwei Tragkabeln hängen 150 Hängeseile © CF

150 Hängeseile hängen von den beiden quer gespannten Tragseilen. Der kürzeste Hänger misst zwei Meter, der längste 27 Meter.

Pylonspitze in rund 60 Meter Höhe: In der Winde werden die Tragkabel umgelenkt © CF

Das Wahrzeichen zwischen Emmerich und Kleve ist die nördlichste Rheinbrücke Deutschlands, ein denkmalgeschützter Hingucker.

Im Bauwagen am Brückengeländer wird die rote Farbe gemischt © CF

Seit Januar 2019 werden Pylone, Seile, Umlenkschellen saniert. Kein leichtes Unterfangen, denn die Fahrbahn hängt am stählernen Faden.

Projekt- und Schweißfachingenieur Frank Kläs © CF

Frank Kläs führte mich in die verborgenen Ecke der Brücke.

Frank Kläs steigt in die Unterwelt der Golden Gate © CF

Er erklärte mir die einzigartige Stahlkonstruktion. Eine Bauweise, die inzwischen museumsreif ist.

Blick unter die Fahrbahn, ein Stahlkonstrukt aus Quer- und Längsstreben © CF
Frank Kläs © CF
Stirnseite der Hauptbrücke: Gang zwischen den Spreizkammern, in denen die 61 Einzelseile aus den Tragkabeln ragen und gespreizt werden © CF
Spannkammer: In einer 7,5 Meter dicken Betonwand stecken Schrauben, in denen die Einzelseile der Tragkabel verankert sind. © CF
Die beiden Korrosionstechniker an einem der Tragkabel. © CF

Zwei Korrosionstechniker sanieren die Tragseile, zwei Bündel, in denen je 61 Einzelseile stecken. Sie schälen den alten Kunststoffüberzug ab und verpassen den Nervensträngen der Brücke einen neuen Mantel. Das verlangt Fingerspitzengefühl und höchste Konzentration.

Mit einem kleinen Fahrstuhl ging es am eingepackten Pylon 60 Meter in die Höhe © CF

Vielen Dank an Straßen NRW, die Institution, die über die Rheinbrücken wacht, und mir diese wunderbaren Erkundungsgänge ermöglichte.

Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen

Blick vom Fahrstuhl am Pylon zum Fundament © CF

Rheinbrücke Duisburg – Neuenkamp

Die zu jung Gealterte

24.7. 2019

WDR 5 Scala

14 und 21 Uhr

Link zum Audio über die Rheinbrücke Duisburg-Neuenkamp

Blick aus der Unterbrückenwelt © CF

Fast 800 Meter misst die Fahrbahn. Eine Stahlplatte, die an schrägen Seilen hängt und durch zwei Pylone schießt. Brücken halten ein Menschenalter, doch diese Brücke stirbt mit 50. Zu schwer ist die Last, die sie trägt. Claudia Friedrich legt den Finger auf die Wunden.

Im Hohlkasten © CF

Unter der A 40 liegt ein Stahlkonstrukt, an dem ein Hohlkasten hängt. Seine Decke ist eben dieses Stahltablett. Im Bild rechts zu sehen ist, wie Seile in einer Verankerung münden. 

© CF

Mit einer speziellen Methode sucht ein Arbeiter Risse und wird fündig. Seine Ergebnisse notiert der Prüfer direkt an die Stelle. Ein neuer Schaden unter 2000 weiteren Schäden.

Projektingenieur Robert Gierens lässt sanieren, ausbessern, flicken, bis die Brücke abgetragen wird. Ein Schicksal, dass viele Rheinbrücken teilen. Ausgelegt ist der Übergang für 30 000 Fahrzeuge. Inzwischen sind es 100 000 Automobile, darunter 40 Tonnen schwere Laster. 

Soundartist Alex Hardt nahm den Klang der Brücke auf © CF
© CF

Fleher Rheinbrücke

Die Schwindelerregende

Weg zum Pylon © CF

Link zur Reportage über die Fleher Rheinbrücke

Birgit Garbe (Bauingenieurin) und Szymon Tiefer (Bauingenieur) auf der Pylonspitze der Fleher Brücke © CF

Im November 2019 feiert sie 40. Geburtstag, die Fleher Brücke. Ihr 150 Meter hoher Pylon ist eines der Wahrzeichen Düsseldorfs (s. Titelbild). Ein Ypsilon, das auf dem Kopf steht und dessen Bein knapp unterm Himmel endet. Von oben betrachtet wirken Fahrbahn und Staus wie Inszenierungen im Spielzeugladen. Den Soundartisten Alex Hardt und mich trieb es auf die Spitze. 

Rheinbrücke Flehe – Blick von der Pylonsapitze auf den Rhein © CF

Brückenhopping

Die Scala Sommer Reihe beginnt in Düsseldorf – Flehe

Überspannt

Die verborgenen Orte der Brücken in NRW

WDR 5 Scala 22. bis 26. Juli 2019

14 Uhr und 21 Uhr

Link zur Sendungsseite

Fleher Brücke: Soundartist Alex Hardt steht auf der Spitze des höchsten Pylons Europas © CF

Brücken sind Geschwindigkeit, Kraft, Technik. Brücken sind schön. Doch wehe, die Schönheiten bekommen Risse. In Nordrhein Westphalen ist bei vielen Bauten mehr als nur der Lack ab. Brückenbau ist die Königsdisziplin des Ingenieurwesens und NRW besitzt deutschlandweit die meisten dieser Königswerke. Das Land hat viel zu bieten.

Straßen NRW

Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen

Martin Mertens

Professor für Statik und Brückenbau an der Hochschule Bochum.

Zwischen Düsseldorf und Neuss: Schrägseilbrücke über den Rhein © CF
Alex Hardt (Soundartist) tritt aus dem Hohlkasten der Fleher Rheinbrücke © CF

Mit Homer auf der Peloponnes

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Homer beschreibt im dritten Gesang der Odyssee, wie Odysseus‘ Sohn Telemachos in der Bucht von Navarino vor Anker geht. Der junge Mann suchte den verschollenen Helden, zehn Jahre nach dem Krieg gegen Troja. Am Horizont liegt die Insel Sfaktiria. © CF

Der blinde Rhapsode besingt den Palast des Nestor

3.September 2018

WDR 5, Scala

14 Uhr und 21 Uhr

Link zum Audio über den Palast des Nestor

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Die Ochsenbauchbucht ist Teil der Navarinobucht. Hier ging Telemachos an Land, heißt es in der Odyssee. © CF

Keine Literatur ohne Verortung und kaum ein Ort ohne Literatur. In der Scala SommerReihe geht es um Passagen von der Realität in die Fiktion und zurück.

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Als sie die Fremden erblickten, da strömten sie alle zusammen,
grüßten mit Handschlag sie und wiesen sie an, sich zu setzen (Homer. Odyssee. Dritter Gesang. Ü: Kurt Steinmann). An diesem Strand vermutlich saßen Nestor und die Pylier mit ihren Gästen beim Festessen, bevor sie auf den Hügel ins Landesinnere zogen, zum Palast des Nestor. © CF

Der Palast des Nestor auf der Peloponnes ist ein zweifacher Twist. Die Realität liegt in der Frühgeschichte Europas, in der Bronzezeit, die Fiktion entstand viele Jahrhunderte später. Homers Odyssee entstand um 700 v.Chr..

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Palast des Nestor in Messenien bei Pylos (Peloponnes): Treppenaufgänge, Mauerreste, Andeutungen von vielen Räumen. In den 1950er und 60er Jahren wurde die archäologische Stätte ausgegraben. In Homers Beschreibung lebt die Familie allein im Palast, mit ein paar Bediensteten und ihrem Gast Telemachos. Das ist eine Vorstellung, die in Homers Zeit passt, aber nicht in die Zeit der mykenischen Kultur, sagt Martin Boß: „Diese Ruinen verweisen auf eine Welt des zweiten Jahrtausends v. Chr. mit großen Palastarealen und einer komplexen Infrastruktur, die zentralistisch organisiert ist. Hier werden Waren verwaltet und verschickt. Hier wird auch produziert. All das hat es in geometrischer Zeit nicht gegeben.“ © CF

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Das Publikum bewegt sich über der Ausgrabungsstätte. Katerina Katsatou nutzt den Steg als Bühne und liest aus dem dritten Gesang in der neugriechischen Übersetzung von Nikos Kazantzakis. © CF

Jahrtausende später lesen wir die Gesänge und betrachten die Reste des einstigen Geschehens. Wir stehen vor Ruinen und Rätseln, auf einem Ausgrabungsfeld bei Pylos, im Palast des Nestor, mit Homers Odyssee in der Hand.

palast des Nestor Obergeschoss © Martin Boß
Der „Palast“ war ein komplexes Gebilde aus Gevierten in sämtlichen Größen. Das 3D Bild, das Martin Boß erstellte, zeigt einen fast modern anmutenden Bau: zwei Geschosse, Innenhöfe, Flachdächer, Räume, die wie Module aneinander gesetzt sind. Martin Boß: „Die Aglomeratbauweise erlaubt beliebig viele Anbauten, die allen Zwecken gerecht werden, dem Kultischen, der Verwaltung Registratur, der Machtzentrale für Politik und Recht, der Produktion von Tongefäßen, der Lagerung von Wein und Öl. © Martin Boß

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Martin Boß (auf der Leiter) in der Gipsgussgalerie der Antikensammlung der Uni Erlangen-Nürnberg, vor ihm steht der Zwei-Meter Mann Augustus von Primaporta © Harald Sippel

Der Klassische Archäologe Martin Boß (Friedrich-Alexander-Universiät Erlangen-Nürnberg) hatte sich die Fundstücke seines amerikanischen Kollegen Carl Blegen genau angesehen und ein Bild gemacht. Aus den Ausgrabungen, Wissen und Vorstellung gestaltete er mehrere Modelle in 3D.

Innengestaltung © Martin Boß
„Hier lebte nicht nur der Herrscher, der Wanax“, sagt Martin Boß: „Hier gab es Handwerker, Spezialisten für Landwirtschaft, Priester, Schmiede, Töpfer.“ © Martin Boß

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Auf dieser Tontafel (zu sehen in dem kleinen Ausstellungsraum an der Ausgrabungsstätte)  stehen keine Gebete oder Gesänge, sondern Güter, Zölle, Steuern. Auf hunderten solcher Tontafeln befindet sich die Buchhaltung des Palasts, die zeigt, dass die Anlage Wohnort und Wirtschaftsbetrieb war. verfasst in der der sogenannten Schrift Linear B, 1952 entziffert 1952. Die Tafeln waren sowas wie Rechnungsbücher. Doch darüber schweigt das Epos. © CF

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Doch den Telemachos badet’ derweil Polykaste, die schöne,
Nestors, des Sohnes des Neleus, jüngste Tochter;
Und als sie ihn gebadet hatte und glänzend gesalbt mit dem Öle
und um ihn einen schönen Mantel geworfen und Leibrock,
stieg er, Unsterblichen ähnlich an Gestalt, aus der Wanne
und ging und setzte zu Nestor sich hin, dem Horten der Völker. (Homer. Odyssee. Ü: Kurt Steinmann). Dass Telemachos in dieser Wanne lag, sei reine Fiktion, sagt Martin Boß. © CF

Viele Fragen bleiben offen, nur eins ist klar, Homers Palast im dritten Gesang der Odyssee gibt ein völlig anderes Bild als es die Funde bei Pylos zeigen. Die mykenischen Palastareale aus dem 15. Jahrhundert v. Chr. müssen sehr viel größer gewesen sein als die Bauten im geometrischen Stil, zu Homers Zeiten.

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In den mykenischen Palastanlagen existierte stets ein Megaron, ein großer Hauptraum mit Thron und  Feuerstelle (im Bild). © CF

Homer Odyssee © CF

Homer. Odyssee. Ü: Kurt Steinmann. Manesse Verlag. Zürich/ München 2011

Palast des Nestor © Martin Boß
Der Palast des Nestor in 3D © Martin Boß

Martin Boß (Klassischer Archäologe)

Antikensammlung Erlangen Internet Archiv (AERIA)

Martin Boß © Julia Beeck
Martin Boß betrachtet einen Hafenschlepper amerikanischer Bauart aus der Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts © Julia Beeck

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Vermutlich bestand der Bau aus Ziegeln, Steinen, Holz. Hier könnte sich die Vorhalle befunden haben, gestützt durch eine Säule © CF

 

Palast des Nestor

Ano Englianos von Messenien

Ethniki Odos Kiparissias Pilou

Nestor 246 00

Griechenland

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Blick vom Palast des Nestor auf die Bucht von Navarino © CF

 

Arno Schmidt in Altenbeken

Metapher fürs Warten

WDR 5 Scala SommerReihe über Literaturorte und Orte für Literatur

20.8. 2018

14 Uhr (Wiederholung: 21 Uhr)

Link zum Audio der Miniatur über Altenbeken

Altenbeken BHF 2 © CF
1864 wurde der Bahnhof in Altenbeken eröffnet. Das Bahnhofsgebäude (s. Titel) besteht aus einheimischem Sandstein. © CF

Wer von Kassel nach Hannover will, von Detmold nach Paderborn, steigt auf dem Bahnhof Altenbeken um. In Altenbeken wartete der Schriftsteller Arno Schmidt des öfteren auf seinen Anschlusszug.

Altenbeken Gleise © CF
Der Bahnhof erlebte seine erste Blüte im 19. Jahrhundert. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde eine sechsköpfige, jüdische Familie aus Altenbeken mit dem Zug nach Bielefeld transportiert. Von Bielefeld wurde die Familie mit über tausend weiteren verfolgten Jüd_innen nach Riga deportiert. (s. DB-Broschüre Viadukt) © CF

Der Bahnhof ist auch Schauplatz in Arno Schmidts Erzählung Rollende Nacht (1957). In der Realität und in der Erzählung ist Altenbeken eine Plattform für Flüchtlinge, Soldaten, Gestrandete, auf dem Weg in die Fremde, auf der Suche nach neuem Leben. In der Realität wie im Roman. 

Altenbeken über Viadukt © CF
Blick aus dem Bahnfenster: Das Viadukt ist das Wahrzeichen der Stadt Altenbeken. Die längste Kalksandsteinbrücke in Europa wurde 1853 eröffnet. © CF

Auf dem Bahnhof in Altenbeken steigen die wenigsten Leute aus, die meisten steigen um. Bis heute ist Altenbeken eine Passage zwischen Eggegebirge und Paderborner Hochebene, eine Metapher fürs Warten. Ich fuhr zum Knotenpunkt und las das Frühwerk.

Altenbeken Gaststätte © CF
1864 gab es auf dem Bahnhof die erste Gaststätte mit Wartesaal. Hoher Besuch wie Kaiser, Kronprinzen und Grafen nächtigten im Fürstenzimmer. Willi Brandt blieb im Abteil seines Sonderzugs (1972) und führte Gespräche aus dem Fenster. Die letzte Kneipe war Kult. Heute gibt es keine Wirtschaft mehr. © CF

Bahnhof Altenbeken

Bahnhofstraße 13

33184 Altenbeken

Gemeinde Altenbeken

Link zur Stadt Altenbeken

Am Bahnhof © CF
© CF

Literatur

Arno Schmidt. Rollende Nacht. 1957

Arno Schmidt Stiftung Bargfeld

Link zur Arno Schmidt Stiftung

DB (Hg.): Vivat Viadukt 2015 – Altenbeken.Spatenstich Modernisierungsoffensive. Bahnhofsjubiläum/ Jubiläum Rehbergtunnel. Bielefeld 2015

Altenbeken BHF © CF
© CF

Mit Wünschelrute am Westschacht

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Wünschelrutengänger Joachim Lang mit einem Instrument ortet den Schacht per Hyperschall. © CF

Energie der Erden. Ein still gelegter Schacht in der Eifel

Letzter Teil aus meiner fünfteiligen Reihe über Lost Places

Verlassen & Vergessen. Ein Streifzug durch Lost Places

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Die Trafostation am Westschacht © CF

Lost in Place V: 10. August 2018

WDR 5, Scala

14 Uhr (Wiederholung 21 Uhr)

Link zu meiner Fotogalerie bei wdr5.de

Link zum Audio über den verlassenen Westschacht bei Scheven

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Verlassene Industriebauten am Bleiberg © CF

Mein letzter Lost Place führ an den Nordrand der Eifel, nach Kall Westschacht bei Scheven.

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Keramiker Michael Moses zeigte uns das Ensemble. Ausgerechnet seine Zunft lebte vor rund 2000 Jahren von dem Bodenschatz am Bleiberg. Römische Siedler schürften nach dem Schwermetall. Ihre Krüge überzogen die Töpfer mit einer Bleilasur. © CF

Als ich nach verlassenen Orten suchte, sagte mein Freund Michael Moses, dass er mit seinem Hund ab und zu an verlassenen Bergwerksgebäuden vorbeispazieren würde. Er wiederum brachte seinen Freund mit, den Wünschelrutengänger Joachim Lang. Zusammen erkundeten wir die Häuser, die in aller Stille verfallen.

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Erst Waschkaue, dann Schafstall, heute verlassen © CF

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Die Inneneinrichtung © CF

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An der Decke verrostete Umschlagrollen © CF

Wir ahnten, mutmaßten, wussten nichts Genaues.

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im Bergbaumuseum in Mechernich steht ein Modell (1:100) der gesamten Industrieanlage. 1957, im Jahr der Schließung, ist der Westschacht mit all seinen Gebäuden zu sehen: Das Haus des Obersteigers (li.), diesseits der Straße, heute eine abgebrannte Ruine; jeneits der Straße stehen (v. li.) Waschkaue, Förderturm, Maschinenraum und Aufenthaltsräume, Trafostation, ein weiteres Werkzeughaus. © CF

Im Bergbaumuseum in Mechernich traf ich den Vorsitzenden des Fördervereins Günter Ließen und den 80jährigen Alfred Schink.

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Günter Nießen (li.) und Alfred Schink am Modell des Bergwerks zwischen Mechernich und Westschacht (15 mal 2 Meter) Mitte des 19. Jahrhunderts stand das Bergwerk (über und unter Tage) in seiner Blüte. Noch heute liegen hier die größten Vorkommen in Europa. Doch 1957 war Schicht im Schacht. Bis 1971 verhütteten die Arbeiter_innen in Kall importiertes Blei aus Australien. © CF

Alfred Schink ist gelernter Bergmann. Als Lehrhauer arbeitete er u.a. im Westschacht, als er noch in Betrieb war. Er stand auch Günter Nießen (Maschienbautechniker und Metallbaumeister) mit Rat und Tat beiseite, als mit Kollegen das Modell der riesigen Bleindustrie-Anlage baute, die bis 1957 die Gegend um Mechernich prägte.

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Am still gelegten Kallmuther Bleiberg liegen alte Bahnschwellen. Ein Eisenbahnnetz durchzog das Bergwerk, beförderte Erze und Sand. © CF

Bergbaumuseum Mechernich

www.bergbau,useum-mechernich.de

Bleibergstr. 6

53894 Mechernich

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In Mittelalter und Renaissance waren Wünschelrutengänger von unschätzbarem Wert. Sie fanden die Erzvorkommen. Altes Wissen, das Joachim Lang seit Jahrzehnten anwendet und somit auch bewahrt. © CF

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Der Kallmuther Berg ist eine Formation, die aus Buntsandstein besteht. Die Steine bergen  winzige Kugeln reinsten Bleis in sich, so genannte Knotten. Der Bleiberg entstammt der Trias, der ältesten Periode des Erdmittelalters. © CF

Der verschüttete Eisenbahntunnel

Naturidyll auf Großbaustelle im Eggegebirge

Teil IV meiner ScalaSommerSerie

Verlassen & Vergessen. Ein Streifzug durch Lost Places

Lost in Place IV: 9.8.2018

WDR 5, Scala

9. August, 14 Uhr (Wiederholung: 21 Uhr)

Link zur Fotogalerie auf WDR 5.de

Link zum Audio über den gefluteten Eisenbahntunnel im Eggegebirge

Lost Places sind verlassen, vergessen und im besten Falle einfach nur im Dornröschenschlaf begriffen. Manche dieser verlorenen Orte werden sanft geweckt. Von solch einem Platz handelt der vierte Teil unserer ScalaSommerReihe.

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Ein Richtschacht wird zum Bodendenkmal: Mitten im Wald, auf einer kleinen Anhöhe, befindet sich einer von drei Richtschächten, über die die Arbeiter zu verschiedenen Bauabschnitten gelangten und gleichzeitig den 600 Meter langen Tunnel ins Gebirge hauten. Doch dann fiel der Hammer und der angefangene Bau wurde ein verlassener Ort. © CF

Im westfälischen Eggegebirge liegt eine Investruine mitten im Wald. 1846 begann der Bau eines Eisenbahntunnels. Ein Jahr später war Schluss. Die Investoren haben sich verspekuliert, die Aktiengesellschaft war pleite, die Lohntüten blieben leer und der Bau wurde gestoppt. Der leitende Ingenieur ließ die Zugänge sprengen und fluten (s. Titelbild). Das angestaute Wasser von Gebirgsbächen sorgen für den vier Meter tiefen See.

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Sieht aus wie Natur, ist aber von Menschen gemacht, der Einschnitt in den Fels. Zehn Jahre, nachdem 1835 die erste Dampflok durch Deutschland rollte, boomte die Eisenbahn. Neue Strecken entstanden, Eisenbahnaktien waren begehrt. Auch in Westfalen witterten Spekulanten schnelles Geld. 1846 verwandelte sich die Felslandschaft in eine Großbaustelle. 600 Arbeiter waren an dem Tunnelprojekt zu Gange. © CF

Seit mehr als anderthalb Jahrhunderten führt dieser Ort ein Dasein im Schatten der Natur. Vor zwei Jahren begannen zwei Archäologen behutsam den Spaten anzusetzen und wurden fündig.

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Die Archäologen Nils Wolpert (li./ LWL) und Fritz Jürgens (Uni Kiel) leiten die Grabungen an der Alten Eisenbahn. 2016 setzten sie zum ersten Mal den Spaten an. © CF

Ich reiste in den Osten von NRW und begann meine Urbex, urbane Erkundung, an einem Wanderparkplatz namens Alte Eisenbahn.

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Fundstücke wie Ziegel und der Splitter aus einem Pfeifenkopf aus Porzellan sind kostbare Zeugnisse vom Treiben auf der Baustelle. Der Ziegel stammt aus den Grundmauern einer Schmiede in der Nähe des Tunnelbaus. © CF

Literatur

Jürgens, Fritz/ Wolpert, Nils: Die alte Eisenbahn im Eggegebirge bei Paderborn. In: Blickpunkt Archäologie. Deutscher Verband für Archäologie. (S. 270-276) Verlag Dr. Friedrich Pfeil. München 4/ 2017.

Eggeweg am Wanderparkplatz Alte Eisenbahnan L 763

34439 Willebadessen

Rundwanderweg am Wanderparkplatz Alte Eisenbahn

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Der Bahndamm hört einfach auf. Geplant war, dass der Zug aus dem Hellebachtal kommt und übers Ostportal den Tunnel passiert. © CF