Wenn Kunst ködert

Fallensteller_innen und ihre Werke

SWR 2 Matinee

20. November 2016

9 bis 12 Uhr

http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/matinee/swr2-matinee-fallen-am-20-november-2016/-/id=660804/did=18262054/nid=660804/ib5tkg/index.html

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Alexandra Kürtz „Im Käfig“ Installation 2014 © CF

Das Licht wirft Schatten an die Wand, den Schein von Stäben, die gefangen nehmen. Eine Falle? Alexandra Kürtz‘ Installation Im Käfig  hängt in der Wanderausstellung Desperate Housewives? 28 Künstlerinnen räumen auf. Rosemarie Trockel, Ulrike Rosenbach, Mona Hatoum verkehren das Private ins Politische und legen Fallen.

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Ulrike Rosenbach © CF

Was aber haben Fallen mit Kunst zu tun? Den Vergleich stellte Gerd Mörsch in seiner Doktorarbeit Die Falle in der Kunst des 20. Jahrhunderts an. Sie ist eine der wenigen Werke, die sich mit der Fallenstellerei als eine kulturelle Konstante auseinandersetzt.

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Gerd Mörsch © Eberhard Weible

Ein Hinterhalt lauert überall, sei es im Museum, sei es im Zentralen Bergungsort der Bundesrepublik Deutschland im Schauinsland in Oberried. Im Barbarastollen liegt das kollektive Gedächtnis der deutschen Geschichte, in rund 1500 Edelstahlfässern. Ihre Inhalte sind Mikrofilme mit Abbildern von Handschriften, Vertragstexten, Gerichtsakten, Urkunden, Notenblättern. In einer Ecke stehen 50 weitere Fässer, die physische Objekte bergen. Angeblich sind es Kunstwerke, zum Beispiel von Katharina Grosse, Jörg Immendorff, Jonathan Meese. Wenn das keine Falle ist. Ich begab mich 200 Meter unter die Erde und dann schlug es zu, das Skandalon.

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Zentraler Bergungsort: 50 Stahlzylinder mit Kunstwerken. Wirklich? © CF

Wanderausstellung

Desperate Housewives? Künstlerinnen räumen auf

Kuratiert von Ina Ewers-Schultz und Martina Padberg

Bis 4.12.2016

Städtische Galerie

Friedrich-Ebert-Straße 35

78054 Villingen-Schwenningen

https://www.villingen-schwenningen.de/kultur/staedtische-galerie/aktuelle-ausstellung/desperate-housewives.html

Kataloge

Ewers-Schultz, Ina/ Padberg, Martina (Hg.): Desperate Housewives? Künstlerinnen räumen auf. Köllen Druck & Verlag GmbH Bonn. Verlag Stadt Villingen-Schwenningen und Autoren. Villingen 2015.

Rosenbach, Ulrike: Weiblicher Energieaustausch. 1972-2013. Werkblock Frauenbilder. Kehrer Verlag. Heidelberg Berlin 2014

Adresse

Barbarastollen: Zentraler Bergungsort der Bundesrepublik Deutschland

Oberried im Schwarzwald

http://www.bbk.bund.de/DE/AufgabenundAusstattung/Kulturgutschutz/ZentralerBergungsort/zentralerbergungsort_node.html

Literatur

Hoesle, Adi (Hg.) ZBO-SdM052004. Subduktive Maßnahmen. 1500 Jahre Sonderschutz für 50 Kunstwerke. Salon Verlag. Köln 2004.

Mörsch, Gerd: Die Falle in der Kunst des 20. Jahrhunderts. Täuschung, List, historische Fallen und Fanggeräte – Motivgeschichtliche Wurzeln des Fallenstellens. (Leopold-Hoesch-Museum und Museumsverein der Stadt Düren (Hg.) Düren 2009.

Bombensicher

BergWerk

Deutsches Kulturgut im Silberstollen

Der Stollen Barbara führt tief in Freiburgs Hausberg Schauinsland, mündet in ausgebauten Tonnengewölben, in denen Regale stehen. Auf den Regalen: bierfassähnliche Stahlzylinder, die Mikrofilme beherbergen, mit Abbildern von Handschriften, Vertragstexten, Gerichtsakten, Urkunden, Notenblättern, kurz, das kollektive Gedächtnis der deutschen Geschichte. Konserviert für die kommenden 500 Jahre. Am 1 und 2. Oktober öffnet das Bonner Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe die Stollentore für die Besucherschaft.

Unter Gneis und Granit lagern 30 000 Kilometer Kultur aus dem deutschsprachigen Raum, gebannt auf Mikrofilmen. Den Eingang zum Zentralen Bergungsort der Bundesrepublik Deutschland zieren drei blau-weiße Wappenschilder, Zeichen der Haager Konvention zum „Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten“. Die dreifache Ausführung verweist auf besonders schützenswerte Schätze. Innerhalb von 42 Jahren entstand im einstigen Abraumstollen das größte Mikrofilmarchiv Europas, gespeist von Landesverfilmungsstellen wie das in Münster Coerde. Eine Milliarde Dokumente werden in Fotolaboren belichtet, entwickelt und in Fässer versenkt. Für den Fall danach: Nach Kriegen, Katastrophen, Generationen. Doch wem nützen Mikrofilme und wer trifft die Auswahl und warum sind 50 Fässer verplombt?

Ich besuchte das technische Zentrum in Münster Coerde und ich ergriff die große Chance, in den Stollen zu laufen.

Entstanden sind ein Feature (WDR 5 Scala. 26.9.16) , eine Miniatur (WDR 3 Kultur am Mittag 28.9.16) und eine Fotogalerie auf den Seiten von  WDR.de

http://www1.wdr.de/kultur/barbarastollen-102.html

Streiflichter unter Tage