Neugierindustrie im web

Schlüsselloch zu Social Media

SWR 2 Matinee am 10. November 2019

Link zum Audio der Miniatur

Privates ist nicht öffentlich. Privates ist intim. Privates ist ein Raum, ein Moment, ein Zustand, in dem sich das Individuum entfaltet. In dieser Sphäre erfährt das eigene Tun keine Kontrolle. Das Internet scheint diese Grenzen radikal zu verschieben. Für die User der einzelnen sozialen Netzwerke ist die jeweilige Plattform ein vertrauter Raum, eine Intimsphäre. Sie haben Freunde und Followers. Sie lernen Fremde kennen, reagieren auf Stories, Tweets, chatten und liken. Ist es Neugier, die sie ins Netz treibt? Und was ist der Preis der Plattformen? Ich logge mich ein.

Der griechische Dichter Thanassis Lambrou

Pfade

WDR 3 MOSAIK

23. August 2019 

8 Uhr 

Link zur WDR 3 Sendung MOSAIK

Ἴσως στὸ τέλος

ἡ γνώση πὼς ὅλα σβήνουν

γιὰ νὰ γεννηθοῦν ξανὰ νέα καὶ δροσερά

Vielleicht wird am Ende

die Erkenntnis, dass alles erlischt,

um wiedergeboren zu werden in neuer Frische

Die Umschlagvignette: nach dem Gemälde „Riss in der Wand“ (1983) des Malers Sotiris Sórogas aus Thessaloniki

Thanassis Lambrou ist ein Geher. Der griechische Dichter und Diplomat geht zu Fuß und in Gedanken. Laufen begreift er als Meditation, seine Poesie als Wege ins Innere des Selbst. 

Pfade, auf Griechisch Μονοπάτια heißt der dritte Gedichtband, der im August 2019 auf Deutsch erschienen ist, beim Berliner Elfenbein Verlag, nach den Titeln Labyrinth und Meditation. Die deutsche Übersetzung der zweisprachigen Ausgaben stammt von Herbert Speckner. 

Dichter und Diplomat: Thanassis Lambrou auf der Dachterrasse seiner Wohnung in Athen mit Blick auf die Hausberge der griechischen Hauptstadt © CF

Ἡ ἡσυχία τῆς νύχτας ποὺ τὴν ἀκοῦς καθαρά 
Die Stille der Nacht, die du klar vernimmst

In Pfade sind erstmals auch Sprüche zu lesen, eine Form, die Thanassis Lambrou schon lange verfolgt. Wie ein Alchemist experimentiert und destilliert der Dichter solange, bis eine Essenz auf dem Papier liegt, nicht länger als zwei Verse. 

Mit äußerstem Respekt begegnet die deutsche Übersetzung Pfade dem griechischen Original Μονοπάτια. Eine Lektüre, die unbedingt bereichert. Wie Gehende können sich die Lesenden verlieren; und sie werden finden, ohne zu suchen. 

Kein spezieller Schreibort: Thanassis Lambrou braucht nur vier Wände und ein Dach überm Kopf © CF

Die heißen Quellen von Edipsos

Im Urschlamm der Antike

SWR 2 Matinee zum Thema Schlamm

18.8.2019, Zwischen 9 bis 12 Uhr

Link zum Audio über den Schlamm in Thermae Sylla

Die Hotelanlage Thermae Sylla mit rotem Dach und spitzen Turmhelm in Edipsos © CF

Euböa, Evia (Griechisch) ist die zweitgrößte Insel Griechenlands. Auf einem Gipfel im Süden umarmte Götterkönig Zeus zum ersten Mal seine Schwester und Braut Hera; so will es der Mythos.

Die heißesten Quellen Europas sprudeln in Edipsos. (Evia, Griechenland) © CF

An der Nordküste strömen aus 3000 Metern Tiefe seit Jahrtausenden kochend heiße Quellen. Wer in ihnen badet, ist mit allen Wasser gewaschen.

Antike Badeanlge im Innenhof des Hotels © CF

Das wusste Griechenlands antiker Held Herakles, das wusste der Philosoph Aristoteles. Das wussten Plutarch und Hippokrates. Ein berühmter Gast war der berüchtigte Diktator Lucius Cornelius Sulla. Sein Name ziert die Fassade des schönsten Hotels vor Ort: Thermai Sylla. Ein klassizistisches Kleinod, das Geschichten erzählt von Dichtern und Königinnen, von Gästen wie Winston Churchill, Greta Garbo, Maria Callas. 

Der Schlamm wirkt Wunder. Kosmonauten und Tänzer_innen des Bolschoi-Theaters sind Stammgäste. © CF

Im Innenhof liegt das Herz des Luxus-Spa: die heißen Quellen. Das Heilwasser wird mit Vulkanpulver vermischt und ist ein  hochwirksamer Zaubercocktail. Ich treffe die Meisterinnen des Schlamms Helga und Toula.

Hinweis

Thermae Sylla Spa & Wellness Hotel (5*)

Posidonos Str. 2

Edipsos, Evia,

34300, Greece

Nach dem Schlamm © CF

Nostradamus

von Alberto Savinio

Der Arzt und sein Portraitist

Buchvorstellung (siehe Titel)

WDR 5 SCALA

5. August, 14 Uhr und 21 Uhr

Link zur Scala Sendung und zum Audio über Nostradamus

Nostradamus heißt die Neuerscheinung des Berliner Verlags Friedenauer Presse. Der Autor des Portraits ist Alberto Savinio, der jüngere Bruder des surrealistischen Malerstars Giorgio de Chirico. Alberto Savinio selbst ist ein Mulitalent: Maler, Komponist, Schriftsteller. 1942 erschien ein Buch mit 14 Künstler-Portraits; die erste Portraitskizze ist Nostradamus gewidmet. Ein Name, der eher ein Code ist denn ein Mensch. Nostradamus steht für das Okkulte schlechthin, für Prophezeiungen, die er in 1000 Vierzeiler bannte. Doch wer war Nostradamus wirklich? Das erfahrt Ihr in dem Buch und meiner Miniatur. Außerdem hört Ihr Musik von Alberto Savinio.

Savinio, Alberto: Nostradamus. Ü: Karin Fleischanderl. Friedenauer Presse. Berlin 2019.

Stuhlkreise

Wenn die Kommunikation rund läuft

SWR 2 Matinee zum Thema Kreise

28. Juli 2019

Eröffnungs-Miniatur: gegen 9.10 Uhr

Link zum Audio über die Stuhlkreise

Armin Poggendorf entwickelte den Teamdynamischen Kreis, eine spezielle Kommunikationsmethode © CF

Der Kreis ist rund, hat weder Anfang noch Ende, weder Vorder- noch Rückseite. Alle sehen alle und alle werden gesehen. Von daher ist der Kreis eine universelle Figur. Weltweit sitzen Gruppen ums Feuer, auf Versammlungsplätzen, um den Picknickkorb.

Zitkala-Ša (Musikerin, Aktivistin, Schriftstellerin, Yankton-Dakota) erinnert sich an die Runden ums Lagerfeuer vor dem Tipi ihrer Mutter © Palisander Verlag

Stuhlkreise sind IN. In Stuhlkreisen lernen sich die Teilnehmer_innen kennen, erfahren von Ängsten, Nöten, Problemen der anderen. Stuhlkreise sind Kommunikation; und sie stehen aber auch in der Kritik. Ich begab mich in die Kissenrunde einer Kita.

Griechenland vor der Wahl

Die Würfel sind gefallen: Am 7. Juli wird in Griechenland ein neues Parlament gewählt © CF

Im Vorfeld der Parlamentswahlen in Griechenland laufen zwei Beiträge von mir im WDR Hörfunk, der MOSAIK Beitrag steht leider nicht im Netz, dafür das Schwerpunktfeature

5. Juli 2019: 8 Uhr bei WDR 3/ 14 und 21 Uhr bei WDR 5

Link zum Audio über das Feature bei Scala (WDR 5)

Die WDR 3 MOSAIK Miniatur einfach anklicken

Im Café des Gavriilidis Verlages sitzt Schriftsteller Petros Markaris (li) mit dem Verleger

Sie kritisieren die Europäische Union, weil sie überzeugte Europäer sind: Petros Markaris und Thanassis Lambrou.

Thanassis Lambrou (Poet, Diplomat, Übersetzer) © CF

Krimischriftsteller der eine, Dichter und Diplomat der andere. Beide leben in Athen und stehen vor der Wahl. Natürlich begeben sie sich am Sonntag zum Urnengang. Ich sprach mit ihnen über die Modelunion und den zehnten Stern auf der Euroflagge: Griechenland. 

Im Gavrilidis Verlag entstehen die Bücher in Handarbeit. Georgia Papoulia ist die Seele des Hauses und eine leidenschaftliche Buchbinderin. © CF

LITERATUR

Lambrou, Thanassis: Pfade (zweisprachige Ausgabe. Ü: Herbert Speckner) Elfenbein-Verlag. Berlin 2019

Elfenbein-Verlag

Markaris, Petros: Tagebuch einer Ewigkeit. Am Set mit Angelopoulos. (Ü: Michaela Prinzinger) Diogenes-Verlag. Zürich 2019

Diogenes Verlag

Markaris, Petros: Η Εποχη της Υποκρισιας (Die Zeiten der Heuchelei). Gavriilidis Verlag

Zelepos, Ioannis: Kleine Geschichte Griechenlands. Von der Staatsgründung bis heute. Verlag C.H. Beck. München 2014

Fadenheftemaschine im Verlag unterm Dach eines Bürgerhauses mitten in Athen © CF

Verlag Gavriilidis (Verlag und Druckerei)  & Poems ‚n’ Crimes (Café)

Agias Eirinis 17, Monastiraki , 10551 Athen

Gewitterstimmung: Bei den Europawahlen musste die Regierungspartei Syriza eine heftige Schlappe hinnehmen © CF

Öl in der Antike

Saft für alle Sinne

SWR 2 Matinee am 2. Juni 2019

9 bis 12 Uhr: Öl

Nach 10 Uhr läuft meine Miniatur über Öl in der Antike

Link zu meinem Audio Öl in der Antike

Im Pandroseion, einem Tempel auf der Akropolis in Athen (Griechenland) wuchs der heilige Olivenbaum © CF

Wie ein roter Faden zieht sich Öl durch die Kultur der Antike. Sei es im Alltag, in der Religion, in der Medizin, beim Sport, in den Wettkampfstätten wie im antiken Messina auf der Peloponnes (s. Titelbild).

Sheila Darmes
Inhaberin der Ölmanufaktur Silver Leaf auf der Peloponnes © CF

Öl erhellte die guten Stuben. Öllampen waren sie Massenware, die Technik bewährte sich der Altsteinzeit. Voer rund 800 000 Jahren fungierten Gräser als Dochte, die in Fetthäufchen steckten. Später entstanden Schalenlampen und schließlich Tonleuchten mit Löchern für den Lampenbrennstoff: Olivenöl.

Salben sieden mit Öl © CF

Öl schützte vor Kälte und wirkte gegen raue Haut. Nach dem Waschen kam das Salben. Das war zu Zeiten Homers so und das ist 900 Jahre später bei Ovid immer noch so.

Orangenöl, gewonnen aus den Schalen reifer Früchte © CF

In sämtlichen Tinkturen darf vor allem eins nicht fehlen: der gepresste Saft der Olive. Er ist geruchsneutral, wohlschmeckend, antibakteriell. 

Publikumsränge im antiken Stadion der Stadt Messini, einer der wichtigsten archäologischen Stätten Griechenlands © CF

Vor Wettkämpfen rieben Athleten ihre Körper mit Öl ein. Nackt und glänzend rangen sie um den Sieg. © CF

Stadion in der antiken Stadt Messini (Peloponnes), gegründet 369 v. Chr. © CF

Bei Symposien schütteten sich Herren Pomade aufs Haupt, Wellnesserprobte massierten Salben in die Haut, Betuchte und weniger Betuchte legten Parfüme an. Grundlage für die Tinkturen war stets der gepresste Saft der Olive. 

Akropolis (Athen) im Regen © CF

Der Ölbaum gilt als einer der ältesten Kulturpflanzen der Welt. Athena schenkte den Athener_innen einen Olivenbaum und wurde so zur Namensgeberin der Stadt. Baum, Frucht und das Öl sind bis heute Materie und Metapher zugleich.

Olivenöl vom Hain des Alexandros Spiliadis