MITTWOCH

수요일 Wassertag Wednesday 星期三 Der Dritte Merkurtag środa יום רביעי 348 Mercredi Η Τετάρτη Die Vierte

WDR 5 Neugier Genügt

9. Januar 2019

nach 10 Uhr 

Link zur Miniatur über den Mittwoch

Am Mittwoch ist es nicht mehr weit bis zum Wochenende. Nach Mittwoch geht es einfach nur noch bergab. Im Koreanischen heißt Mittwoch Wassertag, in den romanischen Sprachen ist der Tag dem Merkur gewidmet, im englischen Sprachraum ist der Mittwoch Wednesday, der Tag des germanischen Göttervaters Wotan. In der mystischen Lehre der Kabbala ergibt Mittwoch die Zahl 348. Im Chinesischen und Mongolischen ist Mittwoch der dritte Tag, im Griechischen der vierte, der Tag in der Mitte. Warum das so ist, bespreche ich mit dem Theologen Manfred Becker-Huberti. Eine Miniatur.

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Deutscher Herbergsverein

Frei zur Einkehr

SWR 2 Matinee zum Thema Herberge

23. Dezember 2018, 10 Uhr

Link zum Audio über den Deutschen Herbergsverein

Im 19. Jahrhundert begaben sich tausende Handwerker zu den damals neuen Stahlfabriken und Kohlebergwerken. Landarbeiter verdingten sich als Erntehelfer © CF

Sie kommen aus dem Osten Europas, wandern über Grenzen, suchen Arbeit, finden Jobs, die hier niemand machen will. Sie stechen Spargel im April, lesen Wein im Herbst, zerlegen Tiere in Fleischbetrieben, eine Knochenarbeit. Sie hausen in Wäldern, übernachten illegal in Gaststätten: Wanderarbeiter und –arbeiterinnen. Andere sitzen vor Supermärkten. Sie betteln, trinken, spritzen Heroin. Sie ziehen von zur Bahnhofsmission: Menschen, die ohne Obdach sind, nie ohne Grund.

Im Mittelalter boten Klöster Asyl, in der Neuzeit Gaststätten, im 19. Jahrhundert entstanden an verschiedenen Orten Herberge zur Heimat. Die erste Herberge zur Heimat gründete in Bonn ein Kreis engagierter Christen um den Staatsrechtler um Clemens Theodor Perthes.

Auf dem ersten evangelischen Kirchentag im September 1848 lieferte der Diakon und Sozialpädagoge Johann Hinrich Wichern entscheidende Impulse. In der Schlosskirche in Wittenberg hielt er vor den Delegierten eine Rede zur Gründung des Centralausschusses für die Innere Mission der deutschen evangelischen Kirche, dem Vorläufer des Diakonischen Werkes.

Waldkirche bei Bethel © CF

Und weil das 19. Jahrhundert die Zeit der Vereine ist, wurde auch ein passender Verein gegründet: der Deutsche Herbergsverein. Sein Nachfolger ist Verband der evangelischen Obdachlosenhilfe.

Hohlweg im Teutoburger Wald: Wandernde begaben sich in die Ballungsräume, zum Beispiel ins Rheinland. © CF

Eine Miniatur über ein eher unterbelichtetes Kapitel der jüngeren Geschichte. Es geht um die Wandererfürsorge, die vornehmlich von konservativen Protestant_innen ins Leben gerufen wurde und sich auch einem Erbe stellen musste, das schmerzlich ist.

Ich sprach mit Michael Häusler, dem Archiv- und Bibliotheksleiter des Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung in Berlin.

Archiv des evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung


Die Couch – Möbel & Metapher

Nathan Kravis: Auf der Couch

Eine verdrängte Geschichte der analytischen Couch von Platon bis Freud

WDR 3 Kultur am Mittag
21. Dezember 2018, 12 Uhr

Link zur Miniatur über die Couch – Link to the audio about the couch

Weniger sitzen, mehr gehen. Sport treiben hält fit. Wie wäre es mit liegen? Liegen?! Einfach so? Mich auf die Couch schmeißen, vielleicht noch beim Psychoanalytiker? Geht’s noch?! Ja, es geht. Verdammt gut geht es. Eine richtige Couch und genau das rechte Gegenüber. Das kann Wunder wirken, befreien, heilen. Liegen steht in einer langen Tradition. 

Sofa stammt aus dem arabischen Suffa, was soviel heißt wie Kissen oder Ruhebank. Dieses Sofa steht in einem kleinen, feinen Teesalon in Düsseldorf. © CF

Bei edition frölich erschien kürzlich ein Buch mit dem Titel Auf der Couch. Das Buchcover zeigt ein Gemälde des spanischen Künstlers Ramon Casas i Carbó aus dem Jahre 1895. Nach dem Ball, so der Titel des Bildes, gehört zu eines der vielen Illustrationen, die den Text des US-amerikanischen Autors Nathan Kravis begleiten.

Nathan Kravis (Professor für Psychiatrie am Weill Cornell Medical College der Cornell University in New York) © David Arky

Nathan Kravis gräbt in der reichen Geschichte des Möbelstücks. Er spiegelt die soziale, kommunikative und medizinische Seite des Sofas von der Antike bis heute. Ich las im Liegen und schrieb im Sitzen. Das könnte sich demnächst ändern. 

Die Präsidialsuite im klassizistischen Hotel Thermae Sylla in Aidipsos auf Euboia (Griechenland). Im Turmzimmer unterm Dach lag der Jet Set der 1950er/ 60er Jahre auf der Couch, auch die Opernsängerin Maria Callas. © CF

My Radiofeature is a homage for the recumbent posture. I spoke with Nathan Kravis, the Professor of Psychology, who wrote about the long tradition of laying down as strong gesture of power and communication.

Kravis, Nathan: On the couch. A repressed history of the analytic couch from Plato to Freud. Massachusetts Institute of Technology. Cambridge Massachusetts 2017 (German by edition frölich. Berlin 2018)

The art of recumbency: Liegen Lernen von denen, die die Kunst beherrschen © CF

Flâneuse – Frauen erobern die Stadt

Frau zu Fuß

Eine Kulturgeschichte des weiblichen Gehens von Lauren Elkin

14. Dezember 2018

WDR 5, Scala, 14 Uhr und 21 Uhr

Link zum Audio über die Flaneusen

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Anarchie des Müßiggangs: Flanieren, verweilen, sich treiben lassen © CF

Das Gehen ist ein literarischer Akt, eine Grundfigur der Poesie, eine Schule des Genusses, wie es der Schriftsteller Franz Hessel ausdrückte. In der westlichen Kulturgeschichte allerdings sind Flaneure zumeist begüterte, untätige, männliche Müßiggänger. Wo aber schlendern die Flâneusen? Die amerikanische Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin Lauren Elkin schrieb eine Geschichte des weiblichen Gehens. Jetzt liegt der Text in einer deutschen Übersetzung vor mit dem Untertitel: Frauen erobern die Stadt in Paris, New York, Tokio, Venedig und London. Stationen, die die Autorin selbst besucht hatte. Lauren Elkin lebt inzwischen in Paris. Eine Miniatur.

Literatur

Elkin, Lauren: Flâneuse. Frauen erobern die Stadt – in Paris, New York, Tokio, Venedig und London. Aus dem Englischen von Cornelia Röser. Btb Verlag. München 2018.

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Performance ohne jede Absicht: Nur der Aufbruch ist gewollt © CF

Ping-Pong auf dem Tischtennis-Tisch

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Omar Assar: Borussia Düsseldorf, Bundesligist, ägyptischer Nationalspieler, 17. der Weltrangliste © CF

Abserviert

SWR 2 Matinee über Tische

23.9.2018 (9-12 Uhr)

Meine Miniatur läuft gegen 11 Uhr

Link zum Audio über den Tisch der kleinen Bälle.

Er räumt gerne Tische ab: Omar Assar. Der ägyptische Nationalspieler kehrt nichts unter den Tisch, er legt die Dinge knallhart auf die Platte. Auch schiebt er keine ruhige Kugel, sondern schmettert, dreht und serviert seinem Gegenüber schwere Kost. Zur Zeit belegt er Platz 17 auf der Weltrangliste und spielt beim erfolgreichen Tischtennisteam von Borussia Düsseldorf.

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Den Sport entwickelte ein britischer Major, Mitte des 19. Jahrhunderts. Anfangs war es ein Spiel für die Oberschicht, später entwickelte sich Tischtennis zum Volkssport.

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Regeln, Kunststoffbälle und genormte Platten machten aus dem Volkssport eine Wettkampfdisziplin.

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Als eins der erfolgreichsten Länder gilt China. “Stell Dir vor, der Tischtennisball sei der Kopf deines kapitalistischen Feindes. Schlag ihn mit deinem sozialistischen Schläger, und du hast einen Punkt für Dein Vaterland gemacht.”Das schrieb Mao Tse-tung, Chinas, er erklärte Tischtennis zum Nationalsport Chinas.

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Auf Ping folgt Pong.

In der Zeit der Kulturrevolution (1966) fiel Tischtennis in Ungnade. Erst 1971 traten Chinas Spieler wieder an den WM-Tisch. Danach gab es kein Halten mehr.

Omar Assar begleiten die Tischtennis-Tische von Kindesbeinen an. Wir trafen uns im Tischtennis-Zentrum in Düsseldorf und tischten auf.

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Borussia Düsseldorf

Borussia Düsseldorf (Tischtennis)

Ernst-Poensgen-Allee 58

40629 Düsseldorf

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Omar Assar und Luca Scherello © CF

 

Kulturgeschichte der Glocken

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Bienenkorbglocken im Glockenspiel: Begleitinstrumente der Gregorianischen Gesänge im Kloster © CF

Der Guss der Harmonie

WDR 3, Kultur am Mittag

18. September, 12 Uhr

Zum Audio über die Kulturgeschichte der Glocken

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Glocken- und Kunstguss-Manufaktur Petit & Gebr. Edelbrock (auch Titelbild) in GescherUm 1690 zog Jean Francois Petit, Spross einer Glockengießerfamilie aus Lothringen, ins Münsterland und blieb, des guten Lehms wegen. Seither werden in Gescher Glocken gegossen. Zu sehen ist das Herz der Gießerei, die Glockenstube. An der Stirnseite steht der 100 Jahre alte Schmelzofen. 15 Meter hoch, 10 Meter breit, fünf Meter tief. © CF

Glocken faszinieren seit Jahrtausenden die Menschen rund um den Globus. Aus dem antiken China kamen sie über Arabien, Israel, Byzanz nach Westrom.

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Glockenturm in Dimitsana in Arkadien (Peloponnes, Griechenland) © CF

Jede Glocke ist einzigartig in Form, Klang und Funktion. Sie warnt, mahnt, musiziert. Die Klangkörper erzeugen Gefühle zwischen schön und schaurig.

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Schiffsglocke © CF

Glocken begleiten die christliche Kirche seit ihren Anfängen. Spätestens, seit Karl der Große Kirchen und Klöstern empfahl, Glocken zu gießen, gehören sie in die christlichen Dachstühle. Glocken sind ein Kompass im Alltag. Ihr Klang definiert Zeit und Raum.

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Sechs Türme und zwölf Glocken: Die Benediktinerabtei Maria Laach © CF

In den Klosterkirchen erlebt der Gregorianische Choral eine ungebrochene Tradition. Ohne diese Gesänge gäbe es keinen Beethoven, keinen Mozart, keine Beatles. 1200 Jahre nach ihrer Blütezeit feiert die mittelalterliche Kunst Comeback. In Choralscholen werden sie gesungen.

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Meisterin der Glocken und des Gesangs: Maria Jonas (Trobairitz, Leiterin der FrauenscholaArs Choralis Coeln.© CF

Zehn Bronzeglocken erzeugen Töne, gemäß der Pythagoreischen Stimmung. Dem antiken Ordnungsprinzip folgte die Musik des Abendlandes bis zum 16. Jahrhundert. Eine Hilfe zum Einsingen.

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Eine Stunde dauert die Schmelze in einem Tiegel aus Graphit. 160 Kilo Bronze brodeln im Topf. Am Ende beträgt die Temperatur rund 1200 Grad Celsius. © CF

In der Bundesrepublik existieren noch sechs Glockengießereien, unter anderem die Manufaktur Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher. Ich blieb einen Tag und erlebte einen Bruchteil der Arbeitsschritte, die nötig sind, um eine Glocke herzustellen.

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Mit Sicht- und Wärmeschutz nähern sich die Arbeiter der 1200 Grad heißen Suppe. Mit einer eisernen Haltervorrichtung kippen sie den Schmelztiegel in eine der beiden Öffnungen der Stahlform. Die Bronze fließt über in den steinharten Formsand eingeritzte Gießkanäle in den Hohlraum zwischen Mantel und Kern. © CF

Das Handwerk braucht vor allem eins: Zeit. Am Schluss werden die Glocken abgehört. Mit Stimmgabel und einem absoluten Gehör studieren die Prüfer Unterton, Prime, Mollterz, Quinte, das heißt, sämtliche Teiltöne, die den Klang der Glocke bestimmen.

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Der Elektriker, Glockenprüfer und Musiker Wolfgang Nieland testet die Glocken.  (© CF)

Das hat es noch nie gegeben, dass europaweit gemeinsam Glocken läuten. Am 21. September (18 bis 18.15 Uhr) werden mehr als tausend Instrumente über Ländergrenzen hinweg zeitgleich in sakralen und säkularen Dachstühlen schwingen und den Klang verbreiten, der Europa fast zwei Jahrtausende lang prägte.

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St. Paulus Dom in Münster © CF

Petit & Gebrüder Edelbrock

Glocken- und Kunstguss-Manufaktur

Hauptstraße 5

48712 Gescher

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Glockengießerei in Gescher © CF

Westfälisches Glockenmuseum Gescher

Lindenstraße 2, 48712 Gescher

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Die Trobairitz Maria Jonas mit Stefan Klöckner (Leiter des Instituts für Gregorianik) an der Folkwang Universität der Künste in Essen. © CF

Maria Jonas (Leiterin der Frauenschola „Ars Coralis Coeln“)

Neue CD

Hildegard von Bingen. Ordo Virtutum. Die Ordnung der Kräfte.

Leitung: Maria Jonas. Raumklang. RK 3701. LC05068. Schloss Goseck 2018

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Kölner Dom und St. Martin (re.) © CF

Weiß in Weiß: Papiermuseum Düren

Nach acht Jahren wiedereröffnet

WDR 3 MOSAIK

10. September 2018, 9 Uhr

Link zum Audio meiner Miniatur über das Papiermuseum Düren

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Benachbart: Beigefarbener Naturstein neben grauen Ziegelsteinen neben weiß verputztem Beton: Das Leopold-Hösch-Museum (1905) mit dem Anbau von Peter Kulka (2009) steht direkt neben dem komplett umgebauten Papiermuseum (2018), einem Bau mit Falten. © CF

1990 bekam Düren sein erstes Papiermuseum. In einer mehrfach umgebauten Tankstelle kämpfte das Museum gegen das ungleich größere und bedeutendere Leopold Hoesch-Museum an.

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Entworfen: Der Architekt Klaus Hollenbeck © CF

Das soll nun anders werden. Der Kölner Architekt Klaus Hollenbeck schuf das neue Gewand für einen 2000 Jahre alten Star: Papier.

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Aufgebaut: Die Papierpresse ist ein Herzstück der Schöpfinsel. Das 500 Kilo-Objekt erhält ein eigenes Fundament © CF

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Gepresst: Die Gäste legen Hand an, quetschen Wasser und überschüssigen Leim aus den geschöpften Bögen © CF

Papiermuseum Düren

https://www.papiermuseum-dueren.de

Wallstr. 2-8, 52349 Düren

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Eingeschlossen: Wie Pflanzenfasern im Papier liegen, liegt die Beleuchtung im Putz. © CF