Januskopf

Ein Gott & zwei Gesichter

02.02. 2020

SWR 2 Matinee zum Thema PALINDROME

Meine Miniatur läuft nach 11 Uhr

LINK ZUM AUDIO ÜBER JANUS

Er ist der Gott des Anfangs, der Gott mit den zwei Gesichtern. Über seine Herkunft ist kaum etwas bekannt, sein Wesen ein Mythos. Janus steht für Sonnenaufgang und Abenddämmerung, für Licht und Schatten, für das Eine und das Andere. Auf Münzen wurde er geprägt, siehe Titelbild.

Janustempel auf einem Sesterz des Nero, mit geschlossenem Tor

Ein Tempel trug seinen Namen. Ein Bronzeschrein mit je einer Tür gen Westen und Osten. In Friedenszeiten seien die Tore geschlossen, zu Zeiten des Krieges gelöffnet, heißt eine Erklärung. Doch es gibt viele Deutungen, sagt Rene Pfeilschifter, Althistoriker an der Universität in Würzburg: „Riten, die man nicht mehr zu deuten wusste, wurden vergessen oder mit neuem Leben gefüllt, indem man sie neu erklärt.“

Auf diese Weise blieb Janus im kollektiven Gedächtnis, wird zum Symbol und Markenname.

Janus-Farben in einem Farbmusterbuch aus dem Jahre 1903 © CF

Ende des 19. Jahrhunderts einsteht eine Farbreihe synthetischer Farbstoffe namens Janus-Farben. Da ist zum Beispiel das Janus-Grün, dessen schwarzes Pulver vitale Strukturen färbt wie Mitochondrien oder Leukozyten, um sie unter dem Mikroskop zu betrachten.

Dr. Ingrid Blom-Böer (Ägyptologin, Abteilungssprecherin Gymnastik beim SC Janus) © CF

An der Technischen Hochschule in Köln befasst sich die wissenschaftliche Mitarbeiterin Ingrid Blom-Böer mit den Rezepturen. Warum die Farben so heißen? Es gibt keine schlüssige Erklärung, sagt die Forscherin. Janusköpfig eben. Doppelgesichtig. Uneindeutig.

SC Janus

In Köln trägt Europas ältester und größter Schwul-lesbischer Sportverein Europas den Namen des römischen Gottes. Seit vielen Jahren trainiert und engagiert sich Ingrid Blom-Böer beim SC Janus.

Prof. Rene Pfeilschifter (Lehrstuhl für Alte Geschichte an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg © Privat

Mit Rene Pfeilschifter und Ingrid Blom-Böer sprach ich über Janus, über Mythen und Metaphern.

Pinkelpausen

Druck lass nach

Geschichte und Geschichten

Pipibox im K’ffeehaus in Kirchentellinsfurt (Nähe Tübingen) © CF

Am 29.12.2019 läuft die letzte SWR 2 Matinee des Jahres/ Thema: Pause

11 Uhr läuft meine Miniatur über die Pinkelpause

© Mateusz Tondel

Wer kennt sie nicht? Pinkelpausen. Alle müssen. Ausnahmslos alle. Insofern können alle mitreden. Viele wollen nicht.

Café Binder in Tübingen © CF

Pinkelpausen stiften Kultur. Kein Ready Made ohne Pissoir, kein Café ohne das stille Örtchen, keine Raststätte ohne den großen Run. Endlos und variantenreich sind die Geschichten, nur allzu oft wird der Riegel vorgeschoben.

© CF

Im Freibad wiederum läufts heimlich. Niemand siehts, alle riechen’s. Denn je stärker das Schwimmbecken nach Chlor riecht, umso mehr Leute haben ihre Pinkelpause ins Wasser verlegt.

© Mateusz Tondel

Ab und zu mal einhalten ist eh besser. Das fand ein Forschungsteam in den Niederlanden heraus. Je voller die Blase, desto entscheidungsfreudiger ihre Besitzer_innen. Wer es schafft, den Schließmuskel im Griff zu halten, hat auch andere Bedürfnisse gut unter Kontrolle.

Alexandra Pieper (Inhaberin des K’ffeehaus) © CF

Als Alexandra Pieper ihr Café plante, stand die Konzeption der „Pipi-Box“ ganz oben. Das zahlt sich aus, denn impulsive Entscheidungen fallen oft mit leerer Blase. Das heißt, wer gute Geschäfte machen will, sollte Toiletten in Komfortzonen umbauen. Am Ende hilft nämlich alles nix: die Pinkelpause ist ein Naturgesetz.

K’ffeehaus in Kirchentellinsfurt

K’ffeehaus. Am Plon 2, 72138 Kirchentellinsfurt © CF

Speicher verloren

Das Problem des Bewahrens

SWR 2 Matinee zum Thema „Speicher“ am 15.12.2019

Link zum Audio meiner Miniatur über den Verlust von Speichern

Speicher werden für die Ewigkeit gebaut. Schließlich fließen in ihnen die Erinnerungen einzelner Leben zusammen. Was für eine Fundgrube. Doch wehe, sie sind nur auf Sand gebaut, stehen zur falschen Zeit am falschen Ort wie das historische Archiv der Stadt Köln (s. Titelbild). Aus der Traum vom universellen Wissenshort. Immer wieder werden Sammlungen zerstört. Die Gründe sind verschieden, das Ausmaß oftmals verheerend. Eine Miniatur.

2009 stürzte das Magazingebäude des Kölner Stadtarchivs in die Baugrube des U-Bahnschachtes. © CF

Öl von süßen Mandeln

Kosmetik, die unter die Haut geht

SWR 2 Matinee mit dem Thema „Mandeln“

1.12.2019, 9 bis 12 Uhr

Martina Roßi mit Rosenwasser, Mandelöl, Bienenwachs, ätherischen Essenzen © CF

Meine Reportage läuft in der zweiten Stunde, gegen 10.30 Uhr

Link zum Audio über die Salben-Reportage

Im Wasserbad werden Öle, Wachs und Essenzen gerührt © CF

Karl der Große schätzte es, Hildegard von Bingen schätzte es, die alten Römer_innen sowieso: Mandelöl. Seit Jahrtausenden ist Mandelöl ein Star unter den Salbengrundlagen. Mandelöl ist reich an Vitaminen und Mineralien und es geht sanft unter die Haut.

Die frisch gesiedete Emulsion kommt in den Cremetiegel © CF

Alchemistin Martina Roßi siedet in ihrer Küche eine Salbe. Trägermedium ist Mandelöl. Bienenwachs und Sheabutter geben der Tinktur die nötige Festigkeit. Ätherische Öle liefern den Duft.

© CF

Das Ergebnis ist heilend und betörend zugleich.

© CF

FATIMA

Echter Name – Falsche Fährte

SWR 2 Matinee zum Thema „Namen“

24. November 2019, gegen 9.30 Uhr

Link zum Audio über Fatima Krumm und Fatima aus Mekka

Fatima Krumm (s. Titelbild) wurde im äußersten Osten des Ostens geboren, als die DDR noch DDR war; 1988, in Eisenhüttenstadt. Ihr Namenspatronin ist eine Figur in der Comic-Zeitschrift Mosaik aus den 1970er Jahren.

Die Beduininenprinzessin Fatima wurde vom Sultan aus Ägypten nach Istanbul entführt. Die Digedags, drei Abenteurer, verfolgen ihre Spur, um mit ihr zu fliehen in die Freiheit zu fliehen. © CF

Fatima war ein Jahr alt, als die innerdeutsche Grenze fiel. 31 Jahre später ist die Journalistin um viele Anekdoten und teils merkwürdige Erfahrungen reicher, denn Name, Herkunft, Religion, Aussehen scheinen irgendwie nicht zu passen. Fragt sich nur, warum eigentlich nicht. Fatima Krumm spricht über Erlebnisse und Erkenntnisse. Und natürlich geht es auch um die berühmte Namensvetterin aus Mekka.

Neugierindustrie im web

Schlüsselloch zu Social Media

SWR 2 Matinee am 10. November 2019

Link zum Audio der Miniatur

Privates ist nicht öffentlich. Privates ist intim. Privates ist ein Raum, ein Moment, ein Zustand, in dem sich das Individuum entfaltet. In dieser Sphäre erfährt das eigene Tun keine Kontrolle. Das Internet scheint diese Grenzen radikal zu verschieben. Für die User der einzelnen sozialen Netzwerke ist die jeweilige Plattform ein vertrauter Raum, eine Intimsphäre. Sie haben Freunde und Followers. Sie lernen Fremde kennen, reagieren auf Stories, Tweets, chatten und liken. Ist es Neugier, die sie ins Netz treibt? Und was ist der Preis der Plattformen? Ich logge mich ein.

Der griechische Dichter Thanassis Lambrou

Pfade

WDR 3 MOSAIK

23. August 2019 

8 Uhr 

Link zur WDR 3 Sendung MOSAIK

Ἴσως στὸ τέλος

ἡ γνώση πὼς ὅλα σβήνουν

γιὰ νὰ γεννηθοῦν ξανὰ νέα καὶ δροσερά

Vielleicht wird am Ende

die Erkenntnis, dass alles erlischt,

um wiedergeboren zu werden in neuer Frische

Die Umschlagvignette: nach dem Gemälde „Riss in der Wand“ (1983) des Malers Sotiris Sórogas aus Thessaloniki

Thanassis Lambrou ist ein Geher. Der griechische Dichter und Diplomat geht zu Fuß und in Gedanken. Laufen begreift er als Meditation, seine Poesie als Wege ins Innere des Selbst. 

Pfade, auf Griechisch Μονοπάτια heißt der dritte Gedichtband, der im August 2019 auf Deutsch erschienen ist, beim Berliner Elfenbein Verlag, nach den Titeln Labyrinth und Meditation. Die deutsche Übersetzung der zweisprachigen Ausgaben stammt von Herbert Speckner. 

Dichter und Diplomat: Thanassis Lambrou auf der Dachterrasse seiner Wohnung in Athen mit Blick auf die Hausberge der griechischen Hauptstadt © CF

Ἡ ἡσυχία τῆς νύχτας ποὺ τὴν ἀκοῦς καθαρά 
Die Stille der Nacht, die du klar vernimmst

In Pfade sind erstmals auch Sprüche zu lesen, eine Form, die Thanassis Lambrou schon lange verfolgt. Wie ein Alchemist experimentiert und destilliert der Dichter solange, bis eine Essenz auf dem Papier liegt, nicht länger als zwei Verse. 

Mit äußerstem Respekt begegnet die deutsche Übersetzung Pfade dem griechischen Original Μονοπάτια. Eine Lektüre, die unbedingt bereichert. Wie Gehende können sich die Lesenden verlieren; und sie werden finden, ohne zu suchen. 

Kein spezieller Schreibort: Thanassis Lambrou braucht nur vier Wände und ein Dach überm Kopf © CF