Zukunftsbrücken aus GFK

Die noch nicht Geborene

25.7. 2019

WDR 5 Scala

14 und 21 Uhr

Link zur Fotogalerie im WDR 5-Netz

Link zum Audio über die Brücken der Zukunft

Aus der Vergangenheit: Alte Eisenbahnbrücke über Gartenstraße in Gräfrath © CF

Eine still gelegte Eisenbahnbrücke überspannt die Gartenstraße in Gräfrath. Wo einst Schienen lagen, liegt jetzt die Korkenziehertrasse. Leute fahren Rad, führen ihre Hunde Gassi, schlendern ohne Ziel.

In die Zukunft: Martin Mertens (Prof. für Brückenbau an Uni Bochum) Nina Lajios (Kommunale Brückenbauingenieurin) Anna-Lena Röttger (Masterstudentin an Uni Bochum) © CF

Das ist genau der richtige Ort für eine Trendwende, sagt die Forschung. GFK heißt die Zauberformel, ein Gemisch aus Glasfaser und Kunststoff. GFK Brücken sind federleicht und langlebig. Aus einem Stück gefertigt ließe sich eine GFK-Brücke auf der Schulter zur Korkenziehertrasse tragen. Ein Projekt, das Probleme einfach überbrückt.

Rad- und Fußweg auf der Korkenziehertrasse © CF

Der Brückenbauexperte Martin Mertens, Professor an der Uni Bochum, seine Masterstudentin Anna-Lena Röttger und die Bauingenieurin Nina Lajios sehen die Zukunft der Brücken im GFK.

Korkenziehertrasse in Gräfrath (möglicher Standort)

Stillgelegte Bahnstrecke Solingen – Wuppertal Vohwinkel

Sie stehen auf der Vergangenheit und bauen auf die Zukunft © CF

Napoleonsbrücke in Solingen

Die Steinerne am Müngstener Brückenpark

Sandsteinbrücke aus dem 19. Jahrhundert © CF

Teil II der Scala Sommer-Serie über Brücken in NRW

23.7. 2019

WDR 5: 14 und 21 Uhr

Link zur Reportage über die Napoleonsbrücke

Gusseiserne Kandelaber am Gitternetz-Geländer © CF

Sie ist die älteste Brücke in Solingen, die Napoleonsbrücke. Erbaut aus Natursteinen, 1848 eröffnet. Postkutschen pendelten zwischen Remscheid und Solingen, später Autos und LKW, die über die Wupper mussten. Heute ist die Bogenbrücke Fuß- und Radweg. Der Soundartist Alex Hardt (s. Titelbild) fing Töne ein und ich suchte nach der Brücken-Geschichte.

Ein Liebesschloss über der Wupper © CF

Napoleonsbrücke: Parallel zu B 229

Brückenpark Müngsten

Zuerst rollten Postkutschen übers Pflaster, später der motorisierte Verkehr. Heute nehmen Fahrradfahrer_innen und Fußgänger_innen den Weg über die denkmalgeschützte Brücke © CF

Peloponnes – ein Roadmovie

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Katerina Katsatou rezitiert Homer im Theater der antiken Stadt von Messini © CF

ALTES LAND & JUNGE IDEEN

Kreative Kulturen gegen die Krise

WDR 5 Neugier Genügt

10.11. 2018, nach 10 Uhr

WDR 5 – Fotostrecke zum Reisefeature

Link zum Peloponnes-Reisefeature

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Baum auf dem Grundstück von Silver Leaf (Skala, Lakonien)

Seit Beginn der Krise verließen rund eine halbe Million Menschen Griechenland. Die meisten sind zwischen 20 und 40. Wir brachen auf, auf der Suche nach denen, die bleiben, fuhren in den Süden der Peloponnes, zum  westlichen der drei Finger, der ins Ionische Meer ragt.

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Pylos (Messenien) © CF

The Feature is a hommage to all creative people, who have visions and the guts, not to go secure ways, to take a risk and have dreams. We found such people in Greece, on the Peloponnes. We went to the south, vistied Methony, Gialova, Skala. We met the interior architect and hotelowner Angeliki Lappa, the Landlord of the Taverne Elia Rea Sissimopoulou, the Sociologist and farmer Sheila Darmos.

Venezianische Burg in der Hafenstadt Methoni (Messenien) am Inoischen Meer © CF

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Angeliki Lappa im Hotel Achilles in Methoni (Messenien) © CF

Weiter im Süden, im Schatten einer mächtigen venezianischen Burg in Methoni betreibt die junge Innenarchitektin Angeliki Lappa zusammen mit ihrem Mann ein kleines Hotel.

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Angeliki Lappa gab dem Hotel Achilles einen Anstrich in den Farben der Natur und ließ eine Rampe für Menschen mit Behinderung bauen  © CF

Aus Athen kehrte die Innenarchitektin in der Gegend ihrer Kindheit zurück; ein mutiger Schritt, den sie nicht bereut.

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Angeliki Lappa auf der Terrasse des Hotels in Methoni © CF

Ein paar Kilometer nördlich, an den Ufern der Navarino Bucht betreibt Rea Sissimopoulou die Taverne Elia. Eine Athenerin, die in Athen Tourismus studierte und der Arbeit wegen nach Gialova zog.

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Rea Sissimopoulou in Taverne Elia in Gialova © CF

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Sheila Darmos im Olivenbaum. Ihr Traum sind viele Baumhäuser  © CF

Sie verließ den Ort ihrer Kindheit, eine kleine Stadt in der Nähe von Karlsruhe. Sheila Darmos, Tochter eines griechischen Vaters und einer deutschen Mutter, übernahm Silver Leaf, die kleine Farm ihres Vaters in Lakonien, eine der ersten Biofarm in Griechenland.

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Silver Leaf, die familienbetriebene Ölmanufaktur auf dem verwunschenen Grundstück in einem kleinen Ort bei Skala. © CF

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Sheila Darmos betreibt Natural Farming auf ihrem Grundstück in dem kleinen Dorf namens Asprogeia – Weiße Erde © CF

Zwischen Felsen, Weite und Meer wird Nachhaltigkeit gelebt. Gleichgesinnte aus der ganzen Welt kommen zu Silver Leaf.

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Auf dem Hof von Silver Leaf und dem Souther Light Project. © CF

Im Southern Light Project bauen sie gemeinsam an einer Vision vom guten Leben, mit Permakultur, Ökoanbau und selbst gebauten Solaranlagen.

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© CF

ADRESSEN UND LINKS DER STATIONEN

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Hotel Achilles

Hotel in Methoni (Messenien)

Mitinhaberin: Angeliki Lappa

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Tina’s House © CF

Inhaberin: Konstantina (Mutter von Angeliki Lappa)

National Road Kalamata. Pylos (Messenien)

36 Gialova © CF.jpg
Taverne Elia

Restaurant in Gialova, Pylos (Messenien)

Inhaberin: Rea Sissimopoulou

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Palast des Nestor. Ruine eines mykenischen Landsitzes aus der dem 14. Jahrhundert vor Christus mit Blick auf die Navarino-Bucht © CF

Ano Englianos von Messenien

Palast des Nestors

Ethniki Odos Kiparissias Pilou

Nestor 246 00

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Gythio (Lakonien, Ost-Mani) © CF

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Lost Places am Hafen von Gythio © CF

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© Klassizistische Häuser an den Ausläufern des Taygetos-Gebirges © CF

Silver Leaf und Southern Light Project bei Skala (Lakonien)

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Silver Leaf

Inhaberin: Sheila Darmos

Skala (Lakonien)

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Silver Leaf mit Blick Richtung Lakonischen Golf © CF

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© CF

Die Abgründe des Tagebaus

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Am Abgrund: Der erste Akt der theatralen Exkursion spielt auf :Terra Nova, einem Besuchszentrum von RWE mit Blick in den Hambacher Tagebau © CF

An den Rand. Ein Lehrstück im Revier

WDR 5, Scala

15. Oktober 2018

14 Uhr/ 21 Uhr

Link zur Reportage über die theatrale Exkursion ins Revier

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Am Horizont: Hubert Perschke (Bürgerinitiative Buirer für Buir) zeigt auf die Landmarken jenseits der Grube © CF

Im Rhein-Erft Kreis liegt Kohle unter der Erde. Die Vorräte des Reviers reichen bis 2045. Zwischen Genehmigung und aktuellem Abbau liegt eine Generation. Die Ölkrise ist vorbei, fossile Energie ist out, Atomstrom steht in der Kritik. Die Zukunft setzt auf Energieträger, die nachwachsen oder in den Sternen stehen.

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Auf die Spitze: Noch steht die Manheimer Pfarrkirche, noch wachsen Stieleichen und Hainbuchen in Europas einmaligen Wald, im Hambacher Forst, der für Hubert Preschte stets eine Heimat war. © CF

Zwischen Aachen, Mönchengladbach und Köln fressen sich die Schaufelradbagger durch Löß, Sand und Kies, auf dem Jahrhunderte alte Ortschaften standen, wie Manheim bei Kerpen (siehe Titelbild), wie der Bauernhof von Stefan Leonards, den bereits seine Großeltern bewirtschafteten.

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Vor der Umsiedlung: Stefan Leonards. Bühne II ist der Hof eines der letzten Bauern in dieser Gegend. © CF

Das Grundstück gehört dem Bauern nicht mehr. RWE hatte es gekauft und Stefan Leonards eine Entschädigung gezahlt. Wie er mit der Summe klarkommt, mit den neuen Bedingungen, dem neuen Acker, ist sein Problem. Der Konzern ist nicht verpflichtet, ein Haus umzusetzen, sagt Hubert Perschke, sondern nur einen Schätzwert zu zahlen.

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Gefräßige Nachbarn: Stefan Leonards Pferde grasen vor der Kulisse des Hambacher Tagebaus © CF

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Auf der Zunge: Feinstaub liegt in der Luft und Lärm in den Ohren. © CF

Gemeinden werden umgesiedelt, Häuser rückgebaut, so heißt es im RWE-Jargon. Das bedeutet nichts anderes als Abriss.

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Ruhender Verkehr: Die Autobahn war im Weg. © CF

Das Ensemblenetzwerk Freihandelszone fuhr bis an den Rand der Grube. Ihr Publikum erlebte ein Road-Movie live.

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Stille Gasse: Jörg Fürst (Regisseur und Autor. A.Tonal.Theater) © CF

Die Theaterschaffenden Jörg Fürst (A.Tonal.Theater) und Rosi Ulrich (Theater-51grad) organisierten mit dem Fotografen Matthias Jung den Trip ins Braunkohlerevier.

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Am Mikro: Der Fotograf Matthias Jung, der die Nachtseite der dem Untergang geweihten Städte einfängt. © CF

Titel der theatralen Exkursion: Das Loch. Untergang und Utopie. Im Bus erfuhren wir, dass die Grube des Hambacher Tagebaus 50 Kilometer umfasst und das tiefste Loch Europas ist.

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Im Blick: Hubert Perschke (Aktivist und Fotograf) schuf mit dem Bildband Mein Manheim ein wertvolles Erinnerungsbuch. © CF

Von Hubert Perschke erfahren wir, dass unklar ist, ob die Kohle aus dem Hambacher Tagebau überhaupt noch gebraucht wird. Wir erfahren, dass die Bundesrepublik weltweit die meiste Braunkohle zu Tage fördert, vor den USA und China. Und wir wissen, wie unermesslich groß der ökologische Fußabdruck ist.

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Ins Grüne: Unser Bus auf dem Weg zur Kartbahn Steinheide. © CF

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Letzte Runde: Auf der Kartbahn Steinheide legten die Brüder Schumacher den Grundstein für ihre Rennfahrerkarriere. © CF

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Klares Ziel: Die Kartbahn ist an RWE verkauft. Jetzt suchen die Betreiber_innen einen neuen Standort. © CF

Es sind Abgründe, die die Bagger schaffen. Doch Menschen versuchen, die Löcher zu stopfen, mit ihren Erinnerungen, Leben und Entscheidungen, sofern sie überhaupt eine Wahl haben. Wer sich quer stellt, bekommt Klagen an den Hals oder wird unter Druck gesetzt. RWE pocht auf die Genehmigung aus den 1970ern.

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Am Rand: Die neogotische Kirche St. Albanus und St. Leonhardus in Manheim © CF

Manheim ist ein Straßendorf, wurde vor 1100 Jahren zum ersten Mal erwähnt. Rund 1700 Menschen lebten hier, besuchten Sportplätze und Karnevalsvereine, gingen zur Schule, trieben Handel, gingen in die Kneipe.

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Im Fenster: Längst ist jeder Tag Donnerstag. © CF

Die Alteingesessenen ziehen weg, Flüchtlinge ziehen ein. Menschen wie Hubert Perschke bemühten sich um eine Lösung, denn Kerpen hatte ein „Flüchtlingsproblem“. Also mietete die Stadt die Häuser, die inzwischen RWE gehören. In denen leben oft mehrere Familien auf engstem Raum.

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Auf dem Friedhof bestatteten die Manheimer_innen ihre Toten. Sie bekamen neue Särge, wurden umgebettet und umgesiedelt.

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Schönes Bild: Unter Denkmalschutz? Nein, nicht im Revier. © CF

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Gewachsene Struktur: In diesem Haus buk der Bäcker legendäre Brot- und Teigwaren, schuf die Dinge per Hand, achtete auf Bioqualität, hatte ein Netzwerk. Am neuen Ort arbeitet er als Angestellter. © CF

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Welke Süße: Der Schätzwert alter Hauses ist gering. Viele verschulden sich neu, ziehen in kleine Wohnung, suchen Perspektiven oder sterben. © CF

Eine der Protagonistinnen ist Inge Broska, Künstlerin, Sammlerin, Umsiedlerin aus Otzenrath (2011 Garzweiler). „Ich war bis zuletzt da, bis mich der freundliche Baggerführer mit seinem Bagger weckte. Ich lag im Bett und konnte sehen, wie die Mauer eingerissen wurde. Plötzlich hatte ich einen weiten Ausblick.“

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Große Sammlung: In ihrem Hausmuseum bewahrt Inge Broska Erinnerungen, Fundstücke, Vergessenes, Scherben © CF

„Als die Frauen in Alt-Otzenrath ihre Häuser verließen, legten sie Kehrbleche auf die Türschwelle, um zu zeigen, dass hier niemand mehr wohnt, aber auch, um dem Haus Lebe wohl zu sagen. Ich habe die Kehrbleche alle mitgenommen. Du kannst doch kein Kehrblech stehen lassen.“ 

Hausmuseum von Inge Broska

Jörg Fürst (Regisseur, Autor)

Rosi Ulrich (Dramaturgin, Regisseurin)

Matthias Jung

Initiative Buirer für Buir (Hubert Perschke)

Als wir durch Manheim liefen, rasten getunte Autos an uns vorbei, der „Werkschutz, Motorräder, Sportwagen. „Kein Zufall“, sagt Jörg Fürst. RWE-Mitarbeiter fürchten um ihren Arbeitsplatz und betreiben eine Art modernen Maschinensturm.

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Finale © CF

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© CF

Arno Schmidt in Altenbeken

Metapher fürs Warten

WDR 5 Scala SommerReihe über Literaturorte und Orte für Literatur

20.8. 2018

14 Uhr (Wiederholung: 21 Uhr)

Link zum Audio der Miniatur über Altenbeken

Altenbeken BHF 2 © CF
1864 wurde der Bahnhof in Altenbeken eröffnet. Das Bahnhofsgebäude (s. Titel) besteht aus einheimischem Sandstein. © CF

Wer von Kassel nach Hannover will, von Detmold nach Paderborn, steigt auf dem Bahnhof Altenbeken um. In Altenbeken wartete der Schriftsteller Arno Schmidt des öfteren auf seinen Anschlusszug.

Altenbeken Gleise © CF
Der Bahnhof erlebte seine erste Blüte im 19. Jahrhundert. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde eine sechsköpfige, jüdische Familie aus Altenbeken mit dem Zug nach Bielefeld transportiert. Von Bielefeld wurde die Familie mit über tausend weiteren verfolgten Jüd_innen nach Riga deportiert. (s. DB-Broschüre Viadukt) © CF

Der Bahnhof ist auch Schauplatz in Arno Schmidts Erzählung Rollende Nacht (1957). In der Realität und in der Erzählung ist Altenbeken eine Plattform für Flüchtlinge, Soldaten, Gestrandete, auf dem Weg in die Fremde, auf der Suche nach neuem Leben. In der Realität wie im Roman. 

Altenbeken über Viadukt © CF
Blick aus dem Bahnfenster: Das Viadukt ist das Wahrzeichen der Stadt Altenbeken. Die längste Kalksandsteinbrücke in Europa wurde 1853 eröffnet. © CF

Auf dem Bahnhof in Altenbeken steigen die wenigsten Leute aus, die meisten steigen um. Bis heute ist Altenbeken eine Passage zwischen Eggegebirge und Paderborner Hochebene, eine Metapher fürs Warten. Ich fuhr zum Knotenpunkt und las das Frühwerk.

Altenbeken Gaststätte © CF
1864 gab es auf dem Bahnhof die erste Gaststätte mit Wartesaal. Hoher Besuch wie Kaiser, Kronprinzen und Grafen nächtigten im Fürstenzimmer. Willi Brandt blieb im Abteil seines Sonderzugs (1972) und führte Gespräche aus dem Fenster. Die letzte Kneipe war Kult. Heute gibt es keine Wirtschaft mehr. © CF

Bahnhof Altenbeken

Bahnhofstraße 13

33184 Altenbeken

Gemeinde Altenbeken

Link zur Stadt Altenbeken

Am Bahnhof © CF
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Literatur

Arno Schmidt. Rollende Nacht. 1957

Arno Schmidt Stiftung Bargfeld

Link zur Arno Schmidt Stiftung

DB (Hg.): Vivat Viadukt 2015 – Altenbeken.Spatenstich Modernisierungsoffensive. Bahnhofsjubiläum/ Jubiläum Rehbergtunnel. Bielefeld 2015

Altenbeken BHF © CF
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Der verschüttete Eisenbahntunnel

Naturidyll auf Großbaustelle im Eggegebirge

Teil IV meiner ScalaSommerSerie

Verlassen & Vergessen. Ein Streifzug durch Lost Places

Lost in Place IV: 9.8.2018

WDR 5, Scala

9. August, 14 Uhr (Wiederholung: 21 Uhr)

Link zur Fotogalerie auf WDR 5.de

Link zum Audio über den gefluteten Eisenbahntunnel im Eggegebirge

Lost Places sind verlassen, vergessen und im besten Falle einfach nur im Dornröschenschlaf begriffen. Manche dieser verlorenen Orte werden sanft geweckt. Von solch einem Platz handelt der vierte Teil unserer ScalaSommerReihe.

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Ein Richtschacht wird zum Bodendenkmal: Mitten im Wald, auf einer kleinen Anhöhe, befindet sich einer von drei Richtschächten, über die die Arbeiter zu verschiedenen Bauabschnitten gelangten und gleichzeitig den 600 Meter langen Tunnel ins Gebirge hauten. Doch dann fiel der Hammer und der angefangene Bau wurde ein verlassener Ort. © CF

Im westfälischen Eggegebirge liegt eine Investruine mitten im Wald. 1846 begann der Bau eines Eisenbahntunnels. Ein Jahr später war Schluss. Die Investoren haben sich verspekuliert, die Aktiengesellschaft war pleite, die Lohntüten blieben leer und der Bau wurde gestoppt. Der leitende Ingenieur ließ die Zugänge sprengen und fluten (s. Titelbild). Das angestaute Wasser von Gebirgsbächen sorgen für den vier Meter tiefen See.

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Sieht aus wie Natur, ist aber von Menschen gemacht, der Einschnitt in den Fels. Zehn Jahre, nachdem 1835 die erste Dampflok durch Deutschland rollte, boomte die Eisenbahn. Neue Strecken entstanden, Eisenbahnaktien waren begehrt. Auch in Westfalen witterten Spekulanten schnelles Geld. 1846 verwandelte sich die Felslandschaft in eine Großbaustelle. 600 Arbeiter waren an dem Tunnelprojekt zu Gange. © CF

Seit mehr als anderthalb Jahrhunderten führt dieser Ort ein Dasein im Schatten der Natur. Vor zwei Jahren begannen zwei Archäologen behutsam den Spaten anzusetzen und wurden fündig.

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Die Archäologen Nils Wolpert (li./ LWL) und Fritz Jürgens (Uni Kiel) leiten die Grabungen an der Alten Eisenbahn. 2016 setzten sie zum ersten Mal den Spaten an. © CF

Ich reiste in den Osten von NRW und begann meine Urbex, urbane Erkundung, an einem Wanderparkplatz namens Alte Eisenbahn.

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Fundstücke wie Ziegel und der Splitter aus einem Pfeifenkopf aus Porzellan sind kostbare Zeugnisse vom Treiben auf der Baustelle. Der Ziegel stammt aus den Grundmauern einer Schmiede in der Nähe des Tunnelbaus. © CF

Literatur

Jürgens, Fritz/ Wolpert, Nils: Die alte Eisenbahn im Eggegebirge bei Paderborn. In: Blickpunkt Archäologie. Deutscher Verband für Archäologie. (S. 270-276) Verlag Dr. Friedrich Pfeil. München 4/ 2017.

Eggeweg am Wanderparkplatz Alte Eisenbahnan L 763

34439 Willebadessen

Rundwanderweg am Wanderparkplatz Alte Eisenbahn

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Der Bahndamm hört einfach auf. Geplant war, dass der Zug aus dem Hellebachtal kommt und übers Ostportal den Tunnel passiert. © CF

Warten an einer Tankstelle

Verlassen & Vergessen

Ein Streifzug durch Lost Places

Spirit statt Sprit

Lost in Place II

WDR 5, Scala

7.8. 18, 14 Uhr (Wiederholung 21 Uhr)

Der Link zum Audio über die Tankstelle

Fotogalerie zu den fünf Lost Places

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Abgefüllt: Vor Ölkrise und Selbstbedienung eilten Tankwart_innen aus dem Kassenhaus mit angeschlossener Werkstatt, um die Tanks ihrer Kundschaft zu befüllen. © CF

Unter dem Titel Verlassen & vergessen widmet sich die aktuelle ScalaSommerSerie fünf Lost Places, brach liegenden Bauten, die irgendwann einmal mehr Leben gesehen haben als jetzt.

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Abgelaufen: Sind die Tage der Tankstellen gezählt? © CF

Heute führt der Weg in den Süden von NRW, ganz nah an den Rhein. Joachim Dies hatte diesen Ort eher zufällig entdeckt. Er war auf der Suche nach umgewidmeten Tankstellen und fand den „Leerstand“. So nennt er das letzte Kapitel in seinem Fotoband Abgetankt über alte Tankstellen. An diesem 60er Jahre-Bau ist fossile Energie schon lange nicht mehr zu haben. Also tanken wir ihre Geschichten, die sie eher schweigend erzählt.

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Abgehängt: Der obligatorische Preismast © CF

Die Adresse bleibt anonym. Denn allzu oft werden diese Orte zerstört, bevor sie verfallen. Die Spurensuche nach verlassenen Tankstellen ist ein Roadmovie mit Überraschungen.

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Abgelichtet: Der Fotograf Joachim sitzt auf der Tankinsel. Vor zwei Jahre fotografierte er die Tankstelle in der Zeit der Dämmerung. © CF

Literatur

Gies, Joachim: Abgetankt. Selbstverlag. Köln 2014

http://www.abgetankt.de

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Abehoben: Das Flügeldach aus Spannbeton. © CF