Webtypographie

Die Evolution der Schrift

WDR 5, Scala, 14.1.2022

14 und 21 Uhr

Ulrike Rausch (Schriftengestalterin) © Norman Posselt
Geschrieben mit „LiebeHeide“ © Ulrike Rausch
Werkstatt der Meisterin: Schreibübungen mit Kuli auf Papier © Ulrike Rausch

Auf dem Papier reift die Idee. Für „LiebeHeide“ beschrieb Ulrike Rausch zig Bögen, keine einzelnen Buchstaben, sondern Sätze und Wörter. Denn Buchstaben geht es wie uns Menschen, sie brauchen Nachbar:innen, Umgebungen, den Kontext, um „authentisch“ zu sein. Doch dieser Prozess ist nur die Ouvertüre. 98% der Schöpfung geschieht digital. Die Schrift wird in Software verwandelt, gescannt, programmiert, bearbeitet. Ein halbes Jahr später schreiben wir unsere Texte mit einer Schrift, die so ungezwungen wirkt.

© Ulrike Rausch

Link zum YouTube-Star „LiebeHeide“

Jedes Jahr aufs Neue: 364 Fonts

Verlag Hermann Schmidt

Ulrike Rausch & Chris Campe

Pelosol

Boden des Jahres 2022

WDR 3 Mosaik am 6.1.2022, 8 Uhr

Der Hammer: Steffen Meier (re.) und Assistent Eric schlagen einen Hohlmeißelbohrer (Pürckhauer) in den Boden © CF

Wie können wir Boden gut machen, indem wir Füße drauf setzen, keine Einfamilienhäuser, Straßen, Monokulturen, Megastädte, Autokonzerne…

Die Biopsie: Zwei Meter Boden im „Pürckhauer“ © CF

Seit 2005 gibt es den Boden des Jahres, ausgelobt von der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft. Wie nötig das ist, zeigen zahlreiche Berichte von verschiedenen Organisationen, unter anderem von Bündnis 90/ Die Grünen, der UNO, Brot für die Welt.

Die Analyse: Per Hand werden Böden gefühlt und geknetet, wie hier der Pelosol © CF

Allein in Deutschland werden bis zu 70 Hektar Boden täglich zerstört. Weltweit entstehen zigtausende Hektar Wüste. Für Agro-Sprit, Tierfutter und Hotels werden krumme Landdeals gemacht, Menschen von ihren fruchtbaren Böden vertrieben. Dabei befinden sich in einer Handvoll Boden mehr Lebewesen als alle Menschen auf der Erde.

Die Schürfgrube: Steffen Meier (Bodenkundler) erstellt Karten für Förster:innen © CF

Böden sind vergessen und verloren. Insofern ist der Boden des Jahres mehr als einen Dreck wert. In diesem Jahr fällt die Wahl auf den Pelosol, was auf Griechisch und Latein Tonboden heißt, hat es in sich. Entweder viel Wasser oder tiefe Risse. Entweder quillt er auf oder sackt zusammen, ist butterweich oder beinhart. Ein Boden mit Ecken und Kanten. Vor allem im süddeutschen Raum, in Nordbayern, am Oberrhein, im Schwarzwald sind Pelosol-Böden anzutreffen.

Der Fund: Pelosol-Braunerde ist eingewandert © CF

Per Zufall findet Steffen Meier (Geologe, Bodenkundliche Landesaufnahme beim Geologischen Dienst NRW) ein schmales Pelosol-Braunerde-Band im Raum Altenbeken (Westfalen).

Am Hang: Der Weg, den die Fließerde nahm © CF

Vor rund 10 000 Jahren, während der letzten Kaltzeit, gab es im Eggegebirge Permafrost. In warmen Perioden taute der Pelosol auf, wurde zu Brei und kroch den Hang herunter. Jetzt liegt auf einer Höhe von 25 und 70 Zentimetern.

Das Zeitfenster: Das Bodenprofil führt uns in eine Jahrmillionen alte Vergangenheit © CF

Wie ein Naturgemälde offenbart das Bodenprofil die verschiedenen „Horizonte“. Ganz oben liegen Blätter und Äste, in der Mitte das Gemisch aus Pelosol und Braunerde, ganz unten der Schluff, ein Boden, dessen Vorfahren aus dem Meer stammen, das die Gegend bedeckte, vor rund 400 Millionen Jahren.

Der Kümmerer: Assistent Eric zeigte mir, auch nur ein Bein auf der glitschigen Erde zu halten. © CF

Ich habe mich sofort auf den Weg gemacht und gleich erst einmal auf den Hosenboden gesetzt, mitten hinein in den Boden des Jahres 2022. Schlamm drüber!

Boden des Jahres 2021

Deutsche Bodenkundliche Gesellschaft

Rotbuche

Baum des Jahres 2022

WDR 3 Mosaik, 4.1.2022, 8 Uhr

© CF

Der Baum des Jahres 2022 gibt zu denken. Das Blatt hat sich gewendet. Einst Hoffnungsträgerin, heute Problemfall. Die Dürre macht den Bäumen zu schaffen.

Silbrige Rinde, rötliches Holz © CF

Dabei ist sie eine Ur-Europäerin; sie fühlt sich wohl im feuchtkalten Klima.

© CF

Die Rotbuche ist der erste Baum, der zum zweiten Mal den Titel trägt. 1999 galten Rotbuchen als Bollwerke gegen den Klimawandel. Sie sind genügsam, anspruchslos, robust.

© CF

Doch jetzt stehen sie für das Sterben durch den Klimawandel. Zur Zeit ist die Buche die am meisten zurückgedrängte Baumart in Deutschland. Das muss sich ändern.

© CF

Seit 1989 wird der Titel von der Silvius-Wodarz-Stiftung vergeben; sie ist benannt nach dem Gründer der Stiftung Dr. Silvius-Wodarz (Forstbeamter und Naturschützer/ gest. 2018). Buchen stiften Kultur, Literatur, märchenhafte Ausflüge. 

Benoît Marchal (Waldgesundheitstrainer) © CF

Mit Benoît Marchal spazierte ich durch den Wald in Köln-Dünnwald. Den Wald kennt Waldgesundheitstrainer wie seine Westentasche; und er kennt die schönsten Buchen.

© CF

Baum des Jahres

© CF

Benoît Marchal (Waldgesundheitstrainer)

Waldbaden-Führungen im Dünnwalder Wald

et Kapellche e.V. (Nachbarschafts- und Kulturzentrum)

Blaue Stunde © CF

Der Meter

1872: Einführung des metrischen Systems im Deutschen Reich

Maß halten

TITELBILD: Metermaß aus Eisen mit aufgelöteten Metermarken © CF

1.1.2022

9.45 Uhr (WDR 5) und 17.45 Uhr (WDR 3)

200 Jahre alte Rutenkette © CF

Sommer, 1983. Eine Maschine der Air Canada überfliegt den Red Lake in Ontario, als der Treibstoff ausgeht. Wie ein Segelflieger gleitet der Jet zum nächsten Notlandeplatz. Und das alles, weil die Tankladung in Gallonen gemessen, aber in Litern befüllt wurde. 

Von der PTB geeichter Meterstab. Ein Zitat auf den Urmeter, der im Tresor des Internationalen Büros für Maß und Gewicht (BIPM) in Sèvres bei Paris lagert © CF

September, 1999. Eine Marssonde kommt dem roten Planeten zu nah und verglüht in seiner Atmosphäre. Zwei NASA-Kontrollteams maßen mit zweierlei Maß, die einen rechneten in Fuß und Pfund, die anderen in Metern und Kilogramm. Shit happens. Nicht mit dem metrischen System. 

In der Binnenschifffahrt werden Pegel, Schiffslängen und Tiefen in Metern und Zentimetern angegeben. © CF
Im Steuerhaus eines Fahrgastschiffes: Radaranzeige (re) und Automatisches Identifikationssystem © CF

Das metrische System ist omnipräsent. Nur merkt es kaum jemand. Selbstverständlich wird ein Kilogramm Brot für ein Kilogramm Brot genommen, sei es in Paris oder Tirana oder in Hamm/ Westfalen.

Ingo von Stillfried (Geodät, Vorsitzender des Fördervereins des Vermessungstechnischen Museums) mit einem Zwei-Meter-Stab © CF

Alltag, Handel, Medizin, Wissenschaft sind auf Metrik geeicht. Die Werte sind universell, wir müssen Entfernungen, Temperaturen, Mengen nicht stets neu definieren wie noch vor 200 Jahren. 

Knotenschnüre nutzten die Landmesser für den Bau der Pyramiden im alten Ägypten © CF

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts existierten in Deutschland mehr als 300 Flächenmaße, über 100 verschiedene Fußmaße, Temperatur-Skalen.

Ingo von Stillfried mit Rutenkette © CF

Die deutsche Pferdestärke unterschied sich von der britischen Horsepower. Mitte der 1790er Jahre gelobte der Nationalkonvent in Paris Einheit Für alle Zeiten, für alle Menschen. 

Zwei französische Astronomen vermaßen einen Längengrad und entwickelten den Urmeter, mit Instrumenten wie Theodoliten (Winkelmesser) © CF

Schluss mit Ellen, Spannen, Daumen, Füßen. Größen, die sich am menschlichen Körper orientierten. Französische Experten nahmen die Erde als Bezugsgröße und leiteten von ihr das Maß aller Dinge ab: le metre, den Meter.

Messbänder aus Metall © CF

Nach und nach übernahmen die Länder Europas das metrische System. Am 1. Januar 1872 tritt im gesamten Deutschen Reich die Maß- und Gewichtsordnung in Kraft.

Stille Revolution: „Weltkonferenz des Internationalen Komitees für Maß und Gewicht (CIPM) im November 2018 in Versailles. Alle anwesenden Vertreter der Mitgliedsstaaten der Meterkonvention stimmen für eine Neudefinition der Basiseinheiten im SI, indem 7 ausgewählte Naturkonstanten feste Werte zugeschrieben werden.“ © PTB

Inzwischen gilt das Internationale Einheitensystem, eingeführt im Mai 2019. Naturkonstanten bilden das Maß aller Dinge, nicht die Erde und erst recht nicht der Mensch. Eine Revolution, nicht nur für die metrologische Weltgemeinschaft. Auch für unseren hochtechnisierten Alltag. Und: sollten wir je mit Außerirdischen Handel treiben…. Mit Naturkonstanten ist das kein Problem. Sie gelten im gesamten Universum.

„Für die meisten ein Wimmelbild, für die Wissenschaftler im
Zeitlabor der PTB ein typischer Arbeitsplatz für Atomuhren der nächsten Generation“ © PTB

Nur lassen sich Naturkonstanten nicht anfassen. Zu klein, um in eine Platin-Iridium Legierung gegossen zu werden wie der Urmeter und das Urkilogramm.

„Das Rezept für ein neues Kilogramm beginnt so: „Man nehme 21,442… Quadrillionen Atome“.
Für diese „Zählaufgabe“ werden Kugeln aus einem einzigen Isotop 28Si (ca. 99,999 %) benötigt. Ein solches isotopenreines Material ist nur in einem sehr aufwendigen Prozess herzustellen und entsprechend teuer. Die Produktionskosten für eine solche Kugel liegen in der Größenordnung von 1 Million Euro.“ © PTB
„Vermessung der Kugel: Im Kugelinterferometer wird die Geometrie der Siliziumkugel nanometergenau bestimmt. Größe: etwa 93,6 mm Durchmesser/ Form: max. Abweichung von der Kugelform beträgt wenige zehn Nanometer (1 Nanometer = 1 nm = 1 milliardstel Meter)/ Masse: etwa 1 kg © PTB

Was wiegt schon ein Proton? Wie langsam ist Licht? Wie glatt geht’s im Mikrokosmos zu? Gar nicht, sagt Jens Simon, Physiker und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Physikalisch Technischen Bundesanstalt (PTB). „Der Mikrokosmos ist körnig.“ 

Dr. Dr. Jens Simon © PTB

Jens Simon erklärte mir das Internationale Einheitensystem, das im gesamten Universum gilt. Und Ingo von Stillfried zeigte die museale Welt der Vermessung von der Antike bis zur Einführung des metrischen Systems. 

Aus den Beständen des Museums stammen die Objekte auf den Fotos. Die PTB-Fotos nebst Beschreibung stellte mir Dr. Dr. Jens Simon zur Verfügung.

LINKS

Depot im ehemaligen Hochbunker am Westpark in Dortmund © CF

Vermessungstechnisches Museum

Im Museum für Kunst und Kulturgeschichte

Hansastraße 3, D-44137 Dortmund

Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB), Standort Braunschweig, mit rund 1500 Mitarbeiter:innen © PTB

Physikalisch technische Bundesanstalt

Nationales Metrologieinstitut

Grubenseile für die Vermessung des Strebs unter Tage © CF

LITERATUR

Stillfried, Freiherr Ingo von (Hg.) Vermessungsgeschichte. Museumshandbuch Teil 2. Förderkreis Vermessungstechnisches Museum. Dortmund 3/ 2009

Alder, Ken: Das Maß der Welt. Die Suche nach dem Urmeter. Bertelsmann Verlag. München 3/ 2003.

Messband aus Leinen © CF

Marlene Dietrich

Zum 120. Geburtstag

TITELBILD: Marlene Dietrich im Federmantel. Claudia Ahlerings Zeichnung eröffnet die Graphic Novel Marlene Dietrich

WDR 5 – Scala, 27.12.2021, 14 und 21 Uhr

WDR 3 – Kultur am Mittag, 27.12.2021, 12 Uhr

Marlene Dietrichs Geburtshaus in Berlin Schöneberg © Julian Voloj

Marlene Dietrich ist Weltstar, ist Stilikone, ist Influencerin. Am 27.12.1901 wird sie in Berlin Schöneberg geboren. In den 1920er Jahren ist sie eine Berliner Schnauze, die von sich reden macht. Sie spielt in Revuen, Komödien, Stummfilmen. Mit Anfang 30 feiert Marlene Dietrich ihren ersten großen Film-Erfolg als Tingeltangelsängerin Lola Lola in Der Blaue Engel. 

Das Timbre in der Stimme, die sparsamen Gesten, die formvollendete Inszenierung: Marlene Dietrich hat es einfach drauf. Sie ist ein Star der alten Schule, der aus sich ein Geheimnis macht. Die Marlene-Dietrich-Hose wird zum Markenzeichen, der Filmkuss auf den Mund einer anderen Frau zum Kult, ihr Debüt im Blauen Engel, dem ersten Tonfilm der UFA zum Klassiker. Mit Josef von Sternberg ist sie sieben Filme lang unzertrennlich. Sie dreht mit Alfred Hitchcock und Billy Wilder, steht an der Seite von Garry Cooper und John Wayne. Marlene Dietrich gibt Shows in Las Vegas, singt für die UNICEF, tourt durch die Welt. 

Julian Voloj (Szenarist, Autor der Graphic Novel über Marlene Dietrich) vor dem Geburtshaus in der Leberstraße in Berlin © Sarah Esser

Jetzt ist sie Comic-Star. Die Illustratorin Claudia Ahlering und der Szenarist Julian Voloj inszenierten weniger den Star, als mehr den Menschen, der Entscheidungen trifft, fehlt, irrt, und am Ende doch das Richtige tut.

Marlene Dietrich im Berlin der 1920er Jahre, zusammen mit ihrem Mann Rudolf Sieber. 1926 trat in Berlin zum ersten Mal Josephine Baker auf, zu sehen im Panel (u.M.) © Zeichnung: Claudia Ahlering

Captain Marlene Dietrich zieht mit den amerikanischen Soldaten an die Fronten in Nordafrika und Europa. Vor den Alliierten Truppen sang sie zum ersten Mal Lili Marleen, ein Kriegslied, das nicht über die Gewissheit des Siegens spricht, sondern über die Möglichkeit des Sterbens.

1945 befreien britische Truppen das KZ Bergen Belsen. © Zeichnung: Claudia Ahlering

Marlene Dietrichs Schwester kollaboriert mit den Nazis. Als Marlene Dietrich davon erfährt, handelt sie. Eine Schlüsselszene in der Graphic Novel.

Marlene Dietrich mit Jean Gabin © Zeichnung: Claudia Ahlering

In dem Comic erfahren wir viel über Marlene Beziehungen zu Männern. Ihre Frauen landen im Leerraum zwischen den Panels. 

Claudia Ahlering (Illustratorin, Comiczeichnerin, Malerin) © Privat

Für meine beiden Portraits sprach ich mit Claudia Ahlering und Julian Voloj. Beide stellten mir Fotos und Zeichnungen zur Verfügung, so dass wir einen kleinen Eindruck bekommen. 

In diesem Jahr erschienen ist auch eine Biographie von Gabriele Katz, die sich über Marlenes Mode dem Menschen Marlene nähert.

2015 erschien der kleine Band Schöne Berlinerinnen von dem Flaneuer und Schriftsteller Franz Hessel. Im Februar 1931 hatte er Marlene Dietrich in Berlin getroffen und ein Portrait geschrieben. 

Julian Voloj besuchte Marlene Dietrichs Grab in Berlin-Friedenau. © Julian Voloj

Literatur

Ahlering Claudia/ Voloj, Julian: Marlene Dietrich. Augenblicke eines Lebens. Knesebeck Verlag. München 2021.  

Hessel, Franz: Marlene Dietrich. IN Schöne Berlinerinnen. Frauenportraits. Verlag Ebersbach & Simon. Berlin 2015. S. 78 bis 103)

Katz, Gabriele: Marlene Dietrich. Die Kleider ihres Lebens. Langenmüller Verlag. München 2021

Matrix 4 Resurrections

Fight & Fly

TITELBILD

KEANU REEVES as Neo/Thomas Anderson. Foto: Courtesy of Warner Bros. Pictures

IN: Warner Bros. Pictures, Village Roadshow Pictures and Venus Castina Productions’ “THE MATRIX RESURRECTIONS,” a Warner Bros. Pictures release.

(v.li) KEANU REEVES as Neo/Thomas Anderson and YAHYA ABDUL-MATEEN II. Foto: Courtesy of Warner Bros. Pictures

Scala, WDR 5, am 22.12.2021, 14 und 21 Uhr

The believer: JESSICA HENWICK als Bugs. Foto: Murray Close

Matrix Ressurections ist Out. Zwanzig Jahre nach den ersten drei Filmen. Regie führte Lana Wachowski ohne Schwester Lilly. Der Kosmos ist um einige Charaktere reicher, vor allem um starke Frauen wie bugs, der Kopf der Truppe, die gegen die Matrix angeht. Sie sind androgyn, schlagkräftig, treffen Entscheidungen, sind Seherinnen wie Sati.

Die Seherin: PRIYANKA CHOPRA JONAS als Sati. Foto: Murray Close.

Es wird viel geredet, mal wieder. Aber es gibt zum Glück super choreographierte Martial-Art-Szenen, interessante special effekts, Hologramme, die aus virtuellen Stahlkügelchen bestehen. 

Chemisches Elixier: YAHYA ABDUL-MATEEN II als Morpheus. Foto: Murray Close

Maschinen und Menschen suchen das Miteinander; ein Film also, der zart abrückt vom Anthropozentrismus und auf Wandel setzt, vor allem von Identitäten.

(v.li) Director of photography DANIELE MASSACCESI and director/co-writer/producer LANA WACHOWSKI on the set. Foto: Murray Close

Die Geschwister Wachowski hatten selber Geschlechtsangleichungen vorgenommen; und sie lesen die Matrix-Filme nicht zuletzt als eine Metapher für Transition und Transgender. 

Kennen sie sich? KEANU REEVES as Neo/Thomas Anderson and CARRIE-ANNE MOSS as Trinity. Foto: Murray Close

Keanu Reeves und Carrie-Ann Moss verkörpern Neo und Trinity. Sie leben in der Matrix bar jeder Erinnerung. Er: ein erfolgreicher Gamedesiger. Sie: Ehefrau, Mutter mit Schwäche für Motorräder. Werden sie der Matrix entkommen? 

Böses Erwachen: NEIL PATRICK HARRIS als The Analyst. Foto: Courtesy of Warner Bros. Pictures

Matrix Ressurections – Die offizielle Website

„Dienstälteste“ Generalin in Zion: JADA PINKETT SMITH as Niobe, eins Pilotin. Foto: Courtesy of Warner Bros. Pictures

CocoonDance MoveApp

BEWEGUNG BEGREIFEN

INTERAKTIVES GLOSSAR

TITELBILD: CocoonDance Company – The making of a glossary © Michael Maurissens.jpg

NETZKULTUR bei Scala, WDR 5, 17.12.2022, 14 und 21 Uhr

The making of a glossary: Diskussion über Begriffe, die Bewegung beschreiben © Michael Maurissens.jpg

Tanz ist flüchtig. Nein. Tanz ist unbeschreiblich. Auch nicht. Tanz bringt alles in Bewegung, das Denken, die Diskussionen, den Körper, egal, ob er alt, jung, professionell oder nicht professionell ist. Wie das geht? Zunächst einmal die CocoonDance MoveApp (s. Titelbild) herunterladen.

Inspiration: Die Cocoon-Tänzer:innen zeigen ihre Interpretation der Aufgaben, die aus einem Wort bestehen © Michael Maurissens

Die Bonner CocoonDance Kompanie hat diese App entwickelt, sozusagen ein digitales Glossar mit Begriffen, die aus ihren Stücken stammen. Die Begriffe verstehen die Tänzer:innen als Aufgaben, Tasks, Spielregeln für bestimmte Bewegungen.

Aus Task wird Tanz wird Video. Hochladen und Bewegunswissen erweitern © Michael Maurissens

Die Truppe lädt ein, die Begriffe zu interpretieren, als Sound, in einer Zeichnung, mittels Text. Die MoveApp ist interaktiv und kostenlos.

Rafaeële Giovanola (Choreographin) © Hugo Pratap Parvex.jpg

Ich habe mit der CocoonDance-Choreographin Rafaële Giovanola gesprochen. Und Kerstin Rosemann hat einige Begriffe ertanzt. Sie war im früheren Leben Tänzerin (sagt sie), ich sage, einmal Tänzerin, immer Tänzerin. Und wir alle können ihre Bewegungen, meine Zeichnungen und unsere Sounds sehen und hören, weil wir die MoveApp intensiv genutzt haben.

Sink and Slide: Kerstin Rosemann ertanzt ihre Interpretation © Claudia Friedrich

CocoonDance Kompanie

MoveApp für iPhone

MoveApp für Android

Die Suche nach dem ungedachten Körper: Die CocoonDance Kompanie © Alessandro de Matteis

Schornsteinfeger:innen

Kehrseiten

1951: Bundesgesetz zur Ordnung des Schornsteinfegerwesens

  • ZEITZEICHEN BEI WDR 5 und WDR 3

13.12.2021, 9.45 und 17.45

  • MINIATUR BEI PROFIT

DAS WIRTSCHAFTSMAGAZIN, WDR 5

13.12. 2021, 18 Uhr

Leinenbesen, Eisenkugel, Schlagkette © CF

Schornsteinfeger:innen betreiben ein Gewerbe und sie sorgen für Feuersicherheit. Die Meister:innen ihres Fachs dürfen gegen das Grundgesetz verstoßen, die Unversehrtheit der Wohnung verletzen und uns allen aufs Dach steigen.

Koller, Koppel und Zylinder © CF

Bezirksschornsteinfeger:innen besitzen Kehrbezirke auf Lebenszeit und sie profitieren vom Kehrzwang. Bis 1951! Am 13.12.1951 beschließt der Bundestag ein neues Gesetz. Ein Punkt ist die Festlegung einer Altersgrenze. Über 70Jährige sollen nun Platz machen für Jüngere und Flüchtlinge aus den Ostgebieten.

Rußkelle im Rußeimer © CF

Seit 1935 hatten sie den Zylinder auf. In klar umrissenen Terrains, so genannten Kehrbezirken, waren Bezirksschornsteinfeger, an Frauen war noch nicht zu denken, die uneingeschränkten Platzhirsche. Die Feuerstellen bedeuteten bares Geld. Bis zum Tod garantierte das Kehrmonopol ein sicheres Auskommen.

Industrieschornstein auf dem Gelände einer ehemaligen Kabelfabrik in Köln © CF

Im Nachkriegsdeutschland wirft die Regierung unter Kanzler Adenauer einen Brandsatz in die Zunft: Das Bundesgesetz zur Ordnung des Schornsteinfegerwesens. Die Regelungen schüren die Glut. Es hagelt Kritik. Berufsverbot! Eingriff ins Eigentum! Verletzung des Grundgesetzes!

Daniel Fürst (Schornsteinfegermeister und Gewerkschafter) © CF

Seither ändert sich das Berufsbild stetig. Ich sprach mit Daniel Fürst, dem Vorsitzenden des Zentralverbandes Deutscher Schornsteinfeger.

Anja Loth (Schornsteinfegermeisterin/ s. Titelbild) © CF

Und ich besuchte Anja Loth, bevollmächtigte Bezirksschornsteinfegerin im Rheinisch Bergischen Kreis.

Olaf Reitz © Foto: Meike Willner

Der Schauspieler Olaf Reitz formt mit seiner Stimme sowohl Gesetzestexte als auch Zitate aus Hunger, Ruß und Kälte, einem Schornsteinfegerroman des italienischen Schriftstellers Benito Mazzi (geb. 1938).

Zentralverband deutscher Schornsteinfeger

Gewerkschaftlicher Fachverband des Schornsteinfegerhandwerks

Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks

Schornsteinfeger-Innung

Areal Böhler in Düsseldorf © CF

Antallaji

Der Tauschwagen in Köln Mülheim

SWR 2 Matinee, 9 bis 12 Uhr, zum Thema „Tauschen“

TITELBILD: Claudia Schmitz und Hanna Ungar (re.) am Eingang zum Tauschwagen Antallaji

Meine Miniatur eröffnet die Sendung

Behütet: Hanna Ungar und ihre Mitstreiter:innen kümmern sich © CF

Antallaji heißt auf Griechisch das Eine für das Andere geben. Sio funktioniert der Tauschladen im rechtsrheinischen Köln Mülheim, auf dem Parkplatz vom Schauspiel Köln. Hanna Ungar (Titelbild re.) gehört zu den Gründerinnen des Projekts, Claudia Schmitz (Titelbild li.) war erst Besucherin, heute ist sie Ehrenamtliche. Die Idee ist denkbar einfach; und sie ist nachhaltig, übt Geldkritik, spart Ressourcen.

Besucht: Rebecca gibt und nimmt. Gegenwerte spielen keine Rolle. © CF

Tauschen ist die älteste Handelsform. Der Gegenwert ist kein Geld, sondern sind Objekte oder Leistungen. In Zeiten und an Orten des Mangels sind Tauschwaren Gold wert. Ungarische Salami gegen einen Dichtungsring, so geschehen in der DDR. Zigaretten gegen Brot. Eine Unterkunft gegen Bettzeug. Tauschen kann das Überleben sichern, kann soziale Beziehungen vertiefen oder im Falle eines faulen Tauschs das Vertrauen zerstören. Denn wer bestimmt den Wert, diktiert die Bedingungen?

Geschrieben: Katerina am Gästebuch © CF

In Gesellschaften des Überflusses wird Tauschen zur Metapher, zu Moral und zu Genuss. Das ist das Schöne. Ressourcen schonen und Spaß haben. Das geht; und wie das geht zeigt Antallaji. Ich war da.

Gelesen: Antallaji im Griechischen Original 😉 © CF

Tauschladen Antallaji

Tauschladen Antallaji auf Facebook

Aufgestellt: Antallaji auf einem ehemaligen Fabrikgelände im Schanzenviertel in Köln Mülheim. © CF

Chlodwig I.

511: Todestag des Merowingerkönigs 

WDR 5 und WDR 3, 27. November 2021, 9.45 Uhr und 17.45 Uhr

Karte „Gallien beim Tode Childerichs (482). Grafik: RGZM/ M. Ober

Chlodwig I. gilt als der Begründer Europas. Der Spross der Merowinger-Dynastie gewinnt Schlachten gegen den letzten römischen Heermeister in Gallien, gegen die Alemannen und Westgoten. Er verjagt oder erschlägt seine Gegner, unterwirft gallische und germanische Kleinreiche, ist Alleinherrscher über den ersten mittelalterlichen Staat im Westen des Kontinents, das Frankenreich. 

Chlodwig stammt aus dem heutigen Belgien. Er wurde um 466 in Tournai geboren. Sein Vater, ein fränkischen Kleinkönig, legt den Grundstein für den Aufstieg der Merowinger. Als der Sohn das väterliche Erbe antritt, ist er um die 16 Jahre alt.

Rekonstruktion der Aufbahrung Childerichs. Grafik: RGZM/ V. Kassühlke

Seinem Vater Childerich lässt er ein prunkvolles Grab errichten, bestattet ihn mit Schmuck, Waffen, Goldmünzen. Um die 20 Pferde werden getötet und ebenfalls beigesetzt, für das Leben im Jenseits. 

Nachträglich im RGZM kolorierte Fundtafeln aus der Publikation von Jean-Jaques Chifflet
Abb.: nach J.-J. Chifflet, Anastasis Childerici I. francorum regis, sive thesaurus sepulchralis Tornaci Nerviorum effosus, & commentario illustratus (Antverpiae 1655)

Mitte des 17. Jahrhunderts wurde das Grab entdeckt. Jean-Jaques Chifflet, der Leibarzt des damaligen Habsburgischen Machthabers fertigte unkolorierte Zeichnungen an. Knapp 100 Jahre später verschwindet der Schatz aus der königlichen Bibliothek in Paris. Übrig sind die Zeichnungen. Sie bilden eine wichtige Grundlage für Forschungen zu Chlodwig I. und seine Zeit. Sie bilden auch die Basis für die Multimedia-Sonderausstellung „Codes der Macht“ im Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM) in Mainz.

Matthias Becher (Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Bonn) © Claudia Friedrich

Chlodwig ist 20, als er seine erste Schlacht gewinnt. Am Ende regiert der Merowingerkönig ein Riesen Reich, das vom Rhein bis zur Garonne reicht, von der Nordsee bis zu den Pyrenäen. Sicher hatte seine christliche Ehefrau, eine Fürstin aus Thüringen, Einfluss darauf, dass der heidnische Chlodwig den katholischen Glauben annimmt. Mit seiner Taufe in der Kathedrale von Reims wird gleichermaßen das christliche Frankreich aus der Taufe gehoben. Die Konfession ist ein geschickter Schachzug, zementiert sie doch Chlodwigs Macht. 

Die Nachbildungen der kompletten Beigaben aus dem Grab Childerichs aus dem RGZM. Die Originale wurden 1831 größtenteils bei einem Einbruch in die Bibliothèque Royale in Paris gestohlen.
Foto: RGZM / V. Iserhardt

Als Katholik kann der König mit der Unterstützung der Glaubensgenossen in den eroberten Gebieten rechnen. Auf der Suche nach einer Hauptstadt fällt die Wahl auf Paris, nicht zuletzt wegen des gut ausgebauten Straßennetzes. In Paris stirbt Chlodwig I., am 27. November 511. 

Eine Zeichnung von Vera Langer, zu sehen im Buch Mit Comics durch Köln © Vera Langer

Was auf jeden Fall bleibt, die vielen Straßen und Plätze, die nach Chlodwig und den Merowingern benannt wurden, so auch in Köln. Inzwischen ist der König eine Comicfigur (Mit Comics durch Köln).

Neighbors: Chlodwig I. (4.v.re) 😉 Zeichnung von Leo Leowald © Leo Leowald

LITERATUR

Gregor von Tours: Zehn Bücher Geschichten. Vollständig überarbeitete Übersetzung. Marix Verlag. Wiesbaden 2021 

Becher, Matthias: Chlodwig I. Der Aufstieg der Merowinger und das Ende der antiken Welt. Verlag C.H. Beck. München 2011 

Leo Leowald (Hg.): Mit Comics durch Köln. 24 Kölner*innen zeichnen Lieblings- und Hassorte; garantiert ohne Dom, Emons-Verlag. Köln 2021

Meier, Mischa und Patzold, Steffen (Hg.): Chlodwigs Welt. Organisation von Herrschaft um 500 (Reihe: Roma Aeterna). Franz Steiner Verlag. Stuttgart 2014

ADRESSE

Römisch-Germanisches Zentralmuseum

www.codes-der-macht.de

Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie

Ernst Ludwig Platz 2, 55116 Mainz