Die Mythen der Schildkröten

SWR 2 Matinee am 29.3.2020 zu Schildkröten

9 bis 12 Uhr

Audio zu meiner Miniatur über die mythischen Schildkröten

Schildkröten sind Krafttiere, sind magisch. Sie ziehen durch die Mythen vieler Kulturen.

Kunstwerke: Das Atelier des Künstlers Alexander Lauterwasser © CF

Im Christentum hat die Schildkröte keinen guten Ruf. Im Physiologus, der frühchristlichen Naturlehre, wird sie gar nicht erst erwähnt. Und der lateinische Kirchenlehrer Ambrosius beschreibt sie als ein Geschöpf, das im Schlamm und damit in der Sünde lebt.

Alexander Lauterwasser vor zwei seiner Kunstwerke: Die Tuschezeichnung zeigt die Schildkröte als Urinsel © CF

Doch dieses Bild existiert längst nicht in allen Religionen. Überall auf der Welt spielt die Schildkröte eine tragende Rolle, im wahrsten Sinne des Wortes. Bis heute beeinflusst sie Kunst und Literatur. Ich sprach mit Alexander Lauterwasser in seinem Fachwerkhaus in Heiligenberg mit Blick auf Bodensee und Alpen. In seinem Garten leben um die rund 20 Schildkröten.

Fundstück: Schildkrötenpanzer. Gott Hermes baute daraus eine Lyra © CF

Die Zitate aus Cathi Koa Dunsfords Roman Cowrie spricht Irina Scholz

LITERATUR ZUM THEMA

© AT Verlag. Aarau/ München 2009

Dunsford, Cathy: Kia Kaha Cowrie – Die Reise nach Hause. Rogner & Bernhard. Frankfurt am Main 1998

Im Zeichen der Schildkröte: Die Wunderkammer von Alexander Lauterwasser © CF

Kehrseiten

Von der Lust am Putzen

SWR 2 Matinee am 22. März 2020, 9 Uhr

Link zur Miniatur über Staub

Es ist der ewige Kreislauf vom Werden und Vergehen, von Entstehung und Zerfall. Alles verändert sich, nimmt neue Zustände an. Vom Einzeller bis zum Säugetier, vom Gebirge bis zum Eisenspan. Doch dieser Kreislauf hat eine Kehrseite: Staub. Er liegt die Zeit einfach aus.

Kunstzähne erzeugen Kunststaub © CF

Wenn wir den Staub wegmachen, können wir gewiss sein, senkt sich eine neue Schicht auf den Glanz. Und doch sind wir hinter ihm her. Vor allem jetzt, wenn uns der Frühjahrsputz zu Höchstleistungen treibt. Wir krempeln die Bude um, treffen uns zu Putzparties, kaufen Mittel für Edelstahl, Keramikfliesen, Teppichböden.

Aufs richtige Werkzeug kommt es an © CF

Wir probieren Mikrofaser, schwören auf Staubwedel. Dennoch macht Putzen den wenigsten Menschen Spaß. Das lässt sich ändern. Ich hatte zur Putzparty geladen. Was ist das Wesen der Kehrseiten? Wann geraten wir in den Putz-Zen? Ich frage die Schweizer Ethnologin und Putzkundlerin Katharina Zaugg.

Putzschule Katharina Zaugg

oh! © CF

Die Rache des Germanicus

15 n. Chr.: Feldzug gegen die Germanen

Link zum StichTag am 21.3.2020

In Corveys Klosterbestand befanden sich die ersten sechs Bücher der Annalen von Tacitus © CF

Kloster Corvey um 1508. Vielleicht war es ein Gelehrter oder ein Pilger oder ein Auftragsdieb, der sich als Gastausgab. Er stöberte in der berühmten Klosterbibliothek, fand die Annalen von Tacitus, genauer, die ersten sechs Bücher, und brachte sie nach Italien. Der Papst behielt die Originale auf Pergament, ließ die Annalen drucken und sandte sie nach Corvey zurück. Und damit ist ein Mythos geboren, der Mythos des heldenhaften Kampfes der Germanen gegen die antike Weltmacht Rom, angeführt von dem siegreichen Feldherrn Hermann dem Cherusker.

Antikes Kriegsgebiet im Teutoburger Wald © CF

In den Annalen schildert der antike Geschichtsschreiber das so genannte Varus-Ereignis, eine Schlacht, die Roms Armee gegen Arminius, so der eigentliche Name des Cheruskerfürsten. Arminius stand in Roms Diensten , meuterte gegen seine Vorgesetzten, schloss mit anderen germanischen Kriegern ein Kampfbündnis und stürzte 20 000 Soldaten in den Tod, irgendwo bei Osnabrück.

Einstige Römerstraße in Hessen © CF

Er will Rache: Nero Claudius Drusus, bekannt als Germanicus. Im Jahre 15 nach Christus, im Frühling, rüstet er zum Feldzug. Germanicus ist um die 30, ein römischer Prinz im besten Alter, Oberbefehlshaber der Legionen am Rhein. Der junge Krieger will die germanischen Stämme unterwerfen, die Grenze an die Elbe verlegen und das Römische Reich um ein paar Provinzen reicher machen. Doch der Limes ist und bleibt der Rhein. Und das Heldenepos der Germanen ist und bleibt ein Mythos.

Prof. Rene Pfeilschifter © Privat

Mein Interviewpartner Rene Pfeilschifter, Professor am Lehrstuhl für Alte Geschichte an der Julius-Maximilians-Universität erklärt dicht und anschaulich, was vor 2000 Jahren geschah.

Schauspieler Joachim Schönfeld zitiert den römischen Geschichtsschreiber Tacitus und den Dichter Heinrich Heine.

Teutoburger Wald © CF

Friedrich Hölderlin

zum 250. Geburtstag

Größeres wolltest auch du

Titelbild

Figur Hölderlins aus der Skulptur auf dem Kreisverkehr in Lauffen

Skulptur von Peter Lenk in Hölderlins Geburtsort Lauffen am Neckar (2003 enthüllt) © CF

20.3.2020

WDR 5 ZeitZeichen (9.45 Uhr WDR 5/ 17.45 Uhr WDR 3)

Link zum ZeitZeichen über Friedrich Hölderlin

WDR 5 Scala, 14 und 21 Uhr

Link zum Scala Schwerpunkt über Friedrich Hölderlin

Gedichtinterpretationen: Joachim Schönfeld

Link zur WDR 5 -Hölderlin-Fotogalerie

Hölderlinturm in Tübingen am Neckar © CF

Wer über die Dichtung der Moderne spricht, kommt an ihm nicht vorbei: Friedrich Hölderlin. Sein Œuvre befeuert bis heute den poetischen Diskurs. Seine Sprache ist Ausdruck von philosophischen, politischen und gesellschaftlichen Gedanken, die in einer unruhigen Zeit entstanden.

Hölderlins Fluss der ersten vier Lebensjahre, die Zaber in Lauffen © CF

Geboren am 20. März 1770 in Lauffen am Neckar. Aufgewachsen in der so genannten Württembergischen Ehrbarkeit, einer bürgerlichen Oberschicht. Der Vater: Klosterhofmeister. Die Mutter: Pfarrerstochter. Mit zwei verlor der Sohn den Vater. Die Familie zog flussaufwärts, nach Nürtingen am Neckar. Die Mutter kaufte ein stattliches Haus, heiratete ein zweites Mal, wurde ein zweites Mal Witwe. Von ihren insgesamt sieben Kindern überlebten Sohn Friedrich, eine leibliche Schwester und ein Stiefbruder.

Hölderlins Großvater ließ ein Bauernhaus um einen bürgerlichen Barockbau erweitern © CF

Später verdiente der ausgebildete Theologe sein Geld als Hauslehrer. Seine Lyrik verfasste Friedrich Hölderlin in verschiedenen, metrischen Formen. Er übersetzte Werke antiker Dichter, schrieb Hyperion, seinen einzigen Roman. Kurz darauf erkrankte der Dichter. Wahnsinn, diagnostizierten die Einen. Geisteskrank, die anderen. Vergiftet, die dritten. Klar ist, die zweite Lebenshälfte verbrachte Friedrich Hölderlin in einem Turmzimmer in Tübingen, bis er am 7. Juni 1843 starb.

Kloster Maulbronn: In der ehemaligen Zisterzienserabtei besuchte Friedrich Hölderlin die protestantische Klosterschule © CF

Bis heute befeuert Friedrich Hölderlin Literatur, Bildende Kunst und Musik. Die Faszination liegt im Unabgeschlossenen, im Prozesscharakter. Es ist das Werk eines Außenseiters.

Tübingen: Eichentisch in Friedrich Hölderlins Turmzimmer © CF

In dem Eichentisch sieht Thomas Schmidt mehr als ein Möbelstück. Er sieht ihn als Symbol für Hölderlins Schreiben und für den Sound, der seiner Dichtung zugrunde liegt.

Hölderlin 2020

Thomas Schmidt (DLA Marbach) © CF

Deutsches Literaturarchiv Marbach

Thomas Schmidt (Koordinator der Literarischen Gedenkstätten in Baden Württemberg)

Hölderlin-Gesellschaft

Jahrzehnte stand das Elternhaus leer und wird ein weiterer Hölderlin-Gedenkort © CF

Hölderlinhaus in Lauffen

Nordheimer Str. 5

74348 Lauffen am Neckar

Eva Ehrenfeld (erste Museumsleiterin in Lauffen) © CF

Kloster Maulbronn

Garten am Hölderlinturm © CF

Hölderlinturm Tübingen

LITERATUR

HÖLDERLIN, FRIEDRICH

Frankfurter Ausgabe: Historisch Kritische Ausgabe in 20 Bänden (Hg: Dietrich Eberhard Sattler) 1975-2003

Große Stuttgarter Ausgabe: Gesamtausgabe in 20 Bänden (Hg. Friedrich Beißner) 1943-1985

https://www.wlb-stuttgart.de/sammlungen/hoelderlin-archiv/sammlung-digital/zur-stuttgarter-hoelderlin-ausgabe-online/

Sämtliche Gedichte und Hyperion. (Hg.: Jochen Schmidt) Insel Verlag. Frankfurt am Main/ Leipzig 5/ 2015

Dolde, Ingrid/ Ehrenfeld, Eva (Hg.)

Ivanovic, Christine: Hölderlins Winkel von Hahrdt als Erinnerungsort. Spuren 79. Deutsche Schillergesellschaft Marbach 2009

Wittkop, Gregor: Hölderlins Tisch aus Tübingen. Spuren 64. Deutsche Schillergesellschaft Marbach 2003

Thanassis Lambrou © CF

NEU IM SOMMER 2020

Auswahl an Hölderlin Gedichten auf Griechisch und Deutsch

Ü: Thanassis Lambrou

Mit Kommentar, Biographie und Brieffragmenten

Armos-Verlag (Athen)

Hölderlinbüste an der Fassade des Hölderlin-Turms © CF

WIR SIND KAPITALISTEN

Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn

TITELBILD

Mathias Böhler & Christian Orendt: Give us, Dear (2013)

Eine Kooperation des Neuen Museums Nürnberg mit Elke Antonia Schloter und Volker Koch

Eine Figur aus Duane Hansons Arbeit
Two Workers (1993) © CF

WDR 5 Scala

Link zum Audio über das Kapitalismus-Feature

Freitag, der 13. März 2020

14 und 21 Uhr

Das Kuratorenteam Henriette Pleiger und Wolfger Stumpfe hinter dem anderen der Two Workers von Duane Hanson © CF

Wir sind Kapitalisten. Von Anfang bis Turbo. Unter diesem Titel läuft in der Bundeskunsthalle in Bonn eine Ausstellung über das epochen- und weltumspannende Gesellschaftssystem.

Beschleunigung: Postreiter aus einem Modell der Ausstellung © CF

Wo liegen die Wurzeln, wo führt es hin?

Thomas Lilge (Gamelab.Berlin und Players Journey) und sein Team verwickeln ihr Publikum in ein Kapitalismus-Game © CF
Zitat auf die Schlachthöfe in Chicago: Greeley von Andreas Gursky (2002) © Andreas Gursky

Als Henry Ford Montagestraßen für den Automobilbau entwarf, orientierte er sich an den dempntagebänder der Schlachthöfe in Chicago.

Ausschnitt des Modells der Docks der Ostindien-Kompanie in Amsterdam © CF

Um 1600 gründete sich mit der Ostindien-Komanie die erste Aktiengesellschaft. Ihre 50 Meter langen Indiensegler durchquerten Ozeane. Wer nicht spurte, ging lebend über Bord.

Ecobirdy, ein Stuhl, upgecycelt aus Plastikspielzeug © CF

Installationen, Fotos, Objekte und ein Kapitalismus Game zeigen, dass es keine eindeutigen Antworten gibt.

Goldbarren der deutsche Goldreserve: Das Publikum darf sich an den 12 Kilo Feingold überheben © CF

Klar ist: der Kapitalismus lebt nicht vom Geld allein. Er lebt von Krisen und Emotionen. Er bedient die Aggressiven und die Alternativen. Er stiftet Glauben. UND: Er ist oft auf fremden Sand gebaut. Sand ist eine der größten Handelswaren, den Menschen an Stränden zum Beispiel in Marocco abtragen udn an europäische Bauunternehmen verkaufen.

Sands and Fans von Alice Aycock (1971) © Galerie Thomas Schulte (Berlin)

Dem Phänomen Kapitalismus ist weder mit Lob noch mit Schelte beizukommen ist. Das Publikum zerrts in einen Mikrokosmos, in dem klar wird, wir sind Teil der DNA.

Thomas Lilge vor der Startscreen des Spiels.

Das Kapitalismus Game: Die Spieler_innen bekommen ein Handy, ziehen sich Egos (virtuelle Spielewährung) drauf und können damit einen Chat mit Exponaten kaufen. Wie viele Egos ich zur Verfügung habe, entscheide ich selbst, je nachdem, wie gut ich meine Gefühle verkaufe. Am Ende kommt die Quittung!

Gefühl gegen Geld: Spiele Traurig © CF

AUSSTELLUNG

Wir sind Kapitalisten. Von Anfang bis Turbo

13. März bis 20. Juli 2020

Bundeskunsthalle Bonn

BEGLEITBAND

Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.): Wir sind Kapitalisten. Bon 2020

Gamelab.Berlin

Forschungs- und Entwicklungsplattform (Humboldt Universität Berlin)

Minutes von Arman (1991) © Galerie Templon (Paris)

Arp Museum Bahnhof Rolandseck

WDR 5 Scala

17. Februar 2020, 14 und 21 Uhr

Link zur Fotostrecke auf WDR.de

Link zum Audio auf WDR 5. de

Blick vom Balkon des Museumsbaus des amerikanischen Architekten Richard Meier (Foto: Claudia Friedrich)

Das Arp-Museum im Bahnhof Rolandseck zeigt Werke von Salvador Dalí und Hans Arp, auf den ersten Blick eine ungewöhnliche Kombination. Außer, dass beide Künstler eine surrealistische Phase hatten, scheint sie sonst nichts zu einen.

Doch der Schein trügt. Die neue Sonderausstellung zeigt die vielen Berührungspunkte zwischen Dalís Gemälden und Arps Gedichten, zwischen Dalís multimedialen Inszenierungen und Arp plastischen Grenzgängen. Sie spielen mit dem Unterbewussten, den Träumen, den Wahrnehmungen. Der eine mit realen Figuren vor beunruhigender Kulisse, der andere mit organischen Strukturen.

Kuratorin Astrid von Asten (Foto: Claudia Friedrich)

Eins macht die Ausstellung auch deutlich: Hans Arp ist der Vornehme, Salvador Dalí die „Rampensau“, der einfach mehr Platz beansprucht.

Beethoven-Kopf von Salvador Dali © Fundació Gala-Salvador Dalí, Figueres/ VG Bild Kunst, Bonn 2020

Wahre Perlen wurden zusammengetragen wie das Beethoven-Portrait von Salvador Dalí. Museumsdirektor Oliver Kornhoff  konnte seine Kollegin im spanischen Figueres vom Konzept überzeugen, dass sie die Zeichnung für eine kurze Zeit hergegeben hat. Zum ersten Mal wird das Werk außerhalb Dalís Heimat Figueres gezeigt. „Eine Koproduktion zwischen Tintenfisch und Dalí“, so Kornhoff: „Das Tier verspritzte seine Tinte auf ein Blatt Papier und Dalí nutzte sie zum Zeichnen.“  

Museumsdirektor Oliver Kornhoff (Foto: Claudia Friedrich)

Andere Schätze stammen aus Japan, New York, den Niederlanden, aus Museen und Privatsammlungen. Die Gäste können ein kleines Kino besuchen, in ein Gemälde treten, mittels Virtual Reality oder auf dem Balkon durch ein Fernroh blicken. Sie sehen, wie Rhein und Siebengebirge mit Dalís Tigern, Nixen und Elefanten bevölkert werden, mittels Augmented Reality.

Kuratorin Sarah-Lena Schuster (Foto: Claudia Friedrich)

Die Gäste können ein kleines Kino besuchen und in ein Gemälde treten, mittels Virtual Reality. Ich besuchte Rolandseck, als einige Objekte gerade aus den Kisten gehoben wurden, wie Carry-le-Rouet, den weiblichen Torso von Salvadior Dalí aus dem Jahre 1930. So hatte ich auch die Möglichkeit, einen Blick auf die Rückseite zu werfen, die eine Zeichnung birgt, die Studie zu einem anderen Gemälde. Titel: Etude pour Dormeuse, Cheval, Lion, Invisibles.

Salvador Dalí und Hans Arp. Die Geburt der Erinnerung

16. Februar bis 16. August 2020

Arp Museum Bahnhof Rolandseck

Hans-Arp-Allee 1, 53424 Remagen

Produktentwürfe von Salvador Dalí (Foto: Claudia Friedrich/ Rechte: Sammlung Heinz Joachim Kummer)

KATALOG (s. Titelbild)

Oliver Kornhoff (HG.): Salvador Dalí und Hans Arp. Die Geburt der Erinnerung. Landes-Stiftung Arp Museum Bahnhof Rolandseck. StrzeleckiBooks Remagen 2020

Salvador Dalí (Foto: Philippe Halsman) und Hans Arp mit Nabelmonokel (Foto: Unbekannter Fotograf © VG Bild-Kunst, Bonn 2020) im Tunnel zwischen Bahnhof und Museumsneubau (Foto: Claudia Friedrich)

Januskopf

Ein Gott & zwei Gesichter

02.02. 2020

SWR 2 Matinee zum Thema PALINDROME

Meine Miniatur läuft nach 11 Uhr

LINK ZUM AUDIO ÜBER JANUS

Er ist der Gott des Anfangs, der Gott mit den zwei Gesichtern. Über seine Herkunft ist kaum etwas bekannt, sein Wesen ein Mythos. Janus steht für Sonnenaufgang und Abenddämmerung, für Licht und Schatten, für das Eine und das Andere. Auf Münzen wurde er geprägt, siehe Titelbild.

Janustempel auf einem Sesterz des Nero, mit geschlossenem Tor

Ein Tempel trug seinen Namen. Ein Bronzeschrein mit je einer Tür gen Westen und Osten. In Friedenszeiten seien die Tore geschlossen, zu Zeiten des Krieges gelöffnet, heißt eine Erklärung. Doch es gibt viele Deutungen, sagt Rene Pfeilschifter, Althistoriker an der Universität in Würzburg: „Riten, die man nicht mehr zu deuten wusste, wurden vergessen oder mit neuem Leben gefüllt, indem man sie neu erklärt.“

Auf diese Weise blieb Janus im kollektiven Gedächtnis, wird zum Symbol und Markenname.

Janus-Farben in einem Farbmusterbuch aus dem Jahre 1903 © CF

Ende des 19. Jahrhunderts einsteht eine Farbreihe synthetischer Farbstoffe namens Janus-Farben. Da ist zum Beispiel das Janus-Grün, dessen schwarzes Pulver vitale Strukturen färbt wie Mitochondrien oder Leukozyten, um sie unter dem Mikroskop zu betrachten.

Dr. Ingrid Blom-Böer (Ägyptologin, Abteilungssprecherin Gymnastik beim SC Janus) © CF

An der Technischen Hochschule in Köln befasst sich die wissenschaftliche Mitarbeiterin Ingrid Blom-Böer mit den Rezepturen. Warum die Farben so heißen? Es gibt keine schlüssige Erklärung, sagt die Forscherin. Janusköpfig eben. Doppelgesichtig. Uneindeutig.

SC Janus

In Köln trägt Europas ältester und größter Schwul-lesbischer Sportverein Europas den Namen des römischen Gottes. Seit vielen Jahren trainiert und engagiert sich Ingrid Blom-Böer beim SC Janus.

Prof. Rene Pfeilschifter (Lehrstuhl für Alte Geschichte an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg © Privat

Mit Rene Pfeilschifter und Ingrid Blom-Böer sprach ich über Janus, über Mythen und Metaphern.