Akustische Signale in der Binnenschifffahrt

Schall und Schiff – Wenn das Typhon hupt

Leinen los © CF
Blick auf den Schwimmanleger © CF

SWR 2 Matinee

10. September 2017, 9-12 Uhr

Nach 11 Uhr läuft mein Beitrag

MS RheinFantasie © CF
MS RheinFantasie © CF

Hier ist der Link zur Reportage

https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/matinee/schallsignale-in-der-schiffahrt-wenn-es-auf-den-wasserstrassen-hupt/-/id=660804/did=20250892/nid=660804/dzllp7/index.html

Harald Kampe (Schiffsmanager) © CF
Der Schiffsmanager Harald Kampe © CF

Wer sein Schiff über den Rhein lenken will, muss ein Rhein-Patent absolvieren. Jede Kurve, jede Untiefe, jede Klippe muss im Schlaf abgerufen werden können. Die Schifffahrt verlangt Funkzeugnisse, Radar- und GPS-Kenntnisse. Damit nicht genug.

AIS und Radar © CF
Orientierung per Radar (rechter Bildschirm) und Automatischem Identifikationssystem (AIS) © CF

Symbole, Bojen, Leuchten, Schallsignale wollen richtig gedeutet werden. Wer Fehler macht, gerät unter Umständen auf Abwege. Doch außer lauter Motoren und Musik ist von den Schiffen oft wenig zu hören. Kaum ein Horn, keine Glocke. Und was ist, wenn es brenzlig wird auf dem Rhein?

Patrick Gereke (Kapitän) © CF
10 Meter über dem Wasser: Kapitän Patrick Gereke im Steuerhaus © CF

Im Steuerhaus halten die Schiffsführer einen Joystick in der Hand, mit dem sie den Kurs vorgeben. Per Radar und Automatischen Identifikationssystem (AIS) navigieren sie den Cruiser an anderen Schiffen vorbei. Per Funk gibt es direkten Kontakt.

Schiffsglocke © CF
Mehr Tradition denn Funktion: Die Schiffsglocke am Steuerhaus © CF

Das Typhon (siehe Titelbild) erreicht die anderen mit einem satten Klang. Die Folge von kurzen und langen Tönen muss ein Kapitän zu deuten wissen. Auch die Glockenschläge transportieren Anweisungen und Mahnungen, zum Beispiel, wenn Gefahr im Verzug ist. Doch nur noch selten röhrt das Typhon auf der Bugspitze. Und die Glocke an der Reling ist fast nur noch schöner Schein.

Dominik Frühauf (Küchenleiter) © CF
Chefkoch Dominik Frühauf in der Bordküche. Wenn sein Team zu viel Dampf produziert, schlägt der Feueralarm an. © CF
Im Maschinenraum © CF
Meine Begleiterin Katerina Katsatou und ich stiegen in die Höhle der Propeller. Wer im Schiffsherz steht, hört nichts anderes als den rhythmischen Lärm der Maschinen, die die MS RheinFantasie durch den Fluss schieben. © CF

Mit 85 Metern Länge und 14 Metern Breite ist die MS RheinFantasie eines der größten und modernsten Fahrgastschiffe, die die Flotte der Köln Düsseldorfer Deutsche Rheinschifffahrt zu bieten hat.

Patrick Gereke am Außenpult © CF
Fingerspitzengefühl: Patrick Gerede manövriert das Schiff per Handle am Außenpult an die Anlegestelle. © CF

Mit rund 11 km/ h bestritten wir die Bergfahrt nach Linz. Mit doppelter Geschwindigkeit glitten wir gen Tal, nach Köln zurück. 120 Kilometer Wasserstraße liegen zwischen Start und Ziel.

Patrick Gereke (li) und Nico Braune (Steuermann) © CF
Glockenschlag aus der Vergangenheit: Schiffsführer Patrick Gereke (li) und Steuermann Nico Braune auf dem Austritt neben dem Steuerhaus.

Köln Düsseldorfer Deutsche Rheinschifffahrt: https://www.k-d.com

Nico Braune legt an © CF
Halt im Heimathafen: Nico Braune vertäut das Schiff am schwimmenden Anleger. © CF
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Die Kunsthändlerin Johanna Ey

Kaffee & Kunst

Portrait zum 70. Todestag von Mutter Ey

WDR 3/ Kultur am Sonntag

27. August 2017

12 Uhr

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Schlichter Stein: Ehrengrab auf dem Nordfriedhof. Johanna Ey wünschte sich eine Bronzestatue von Jupp Rübsam. Der Entwurf steht im Stadtmuseum. Schade. © CF

In der Düsseldorfer Altstadt fehlt ein Denkmal. Mit diesem Satz Heinrich Bölls sein szenisches Essay über Mutter Ey. Das Denkmal sollte irgendwo zwischen Kunstakademie, Ratinger Straße und Reiterdenkmal vom Landesfürsten stehen. Der Bildhauer sollte sein Modell noch gekannt haben, schrieb der Literaturnobelpreisträger. Bert Gerresheim war ein Kind, als er Johanna Ey begegnete. Mit 81 Jahren schuf er eine überlebensgroße Bronze-Figur, die in einer Werkstatt darauf wartet, im Andreas Quartier in Düsseldorfs Altstadt im Mittelpunkt zu stehen. Ein riesiges Monument.

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Park am Malkasten (Künstlervereinigung). © CF

Weniger groß, schlicht und aufs Wesentliche reduziert wirkt die Skulptur der Bildhauerin Gerda Kratz im Park am Malkasten, der Düsseldorfer Künstlervereinigung. Seit 1985 thront Johanna Ey auf einem Sockel (s. Titelbild), ein stattliches Oval aus Stein.

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© CF

Im runden Gesicht eine runde Brille, durch die der Blick in die Ferne schießt. In ihrem großen Schoß trägt sie ihre Lieblinge, Künstler der Moderne. In diesem Park saß sie mit Journalisten des NWDR, ein Jahr vor ihrem Tod. Heute vor 70 Jahren ist die Kunsthändlerin in Düsseldorf gestorben. Sie wurde in einem Ehrengrab beigesetzt.

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Die Kunsthändler Herbert Remmert (li) und Peter Barth in ihrer Galerie © CF

Unweit der Orte ihres Wirkens beitreiben Herbert Remmert und Peter Barth ihre Galerie Remmert & Barth und halten Johanna Ey in Ehren. Eine Kollegin, die in den 1920er Jahren ihre Blüte erlebte. Sie verkaufte als erste Händlerin Bilder von Otto Dix, organisierte die erste Ausstellung mit Werken von Max Ernst. Malern der Moderne bot sie in ihrem Laden eine Heimat. Zuerst sammelte sie Künstler, dann deren Kunst.

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1930 bezeichnete die Berliner Illustrierte Johanna Ey als die „meist gemalte Frau Deutschlands“. Herbert Remmert mit einer Originalzeichnung von Jacobo Sureda. Mit Johanna Ey verband den Künstler aus Mallorca eine enge Freundschaft. © CF

Der Vater einer der beiden Inhaber war selbst Maler. Carl Barth hatte an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert. Seine ersten Bilder trug Carl Barth zu Johanna Ey und sie stellte die Werke kurzerhand in ihre berühmten Schaufenster. Ich besuchte Park, Grab und Galerie.

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Peter Barth mit der Totenmaske von Johanna Ey. © CF

Galerie Remmert & Barth

http://www.remmertundbarth.de

Mühlenstraße 1, 40213 Düsseldorf

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Im Park am Malkasten: die Steinskulptur der Johanna Ey (Bildhauerin: Gerda Kratz) © CF

Comic Landmarken bei Scala (WDR 5)

Betrachtet und Erdacht – Die Orte in Graphic Novels und ihre realen Vorbilder

SCALA WDR 5

14. bis 16 August

jeweils 14 Uhr (Wiederholung 21 Uhr)

Wiederholung der WDR 3 Reportagen

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Einen Steinwurf entfernt vom Dorf B. liegt Ovenhausen, die Heimat des jüdischen Händlers Soistmann Behrendt. Im Zusammenhang mit dem Kriminalfall erscheint Name in der steinernen Chronik auf dem Marktplatz: 1783. Ermordung des Handelsjuden Soistmann Behrendt, der Jude Aaron in der Judenbuche von Annette von Droste-Hülshoff. Im Comic heißt das Opfer Adam, was auf Hebräisch Mensch bedeutet. © CF

Landmarke I: Die Judenbuche in Westfalen

Titelbild zeigt eine Szene im Geburtshaus des Protagonisten

14. August, 14 Uhr (Wiederholung 21 Uhr)

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Die Nachbarschaft macht Leo Leowald zum Steinbruch für seinen endlosen Netzcomic „Zwarwald“. Auch Cesar’s Palast, Kölns ältester Nachtclub mit eigenem Bankautomaten, ist Kulisse eines Strips. © CF

Landmarke II: Zwarwald in Köln

15. August, 14 Uhr (Wiederholung 21 Uhr)

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Der Bildersturm im Paulusdom (im Bild vorn) war eine der ersten Amtshandlungen des Täuferkönigs Jan van Leiden. Seine Anhänger zerhackten die Dompforte, zerstörten Marienskulpturen, Jesuskreuze und Taufbecken, bis die Insignien des Glaubens in Scherben lagen. In klaren Bildern beschreibt Lukas Kummer den Ikonoklasmus. In die Szenerie montiert er Motive aktueller Bilderstürme des Islamischen Staates, Fotos aus Palmyra zum Beispiel. Ein anderes Panel (Einzelbild) zeigt den helmlosen Turm der Liebfrauenkirche (zur Zeit eingerüstet hinter dem Dom). Die Haube stürzt zu Boden. Statt dessen krönen Kanonen die Plattform, denn der Belagerungsring um die Stadt zieht sich immer enger. In der Stadt errichtete Jan van Leiden ein Terrorregime. © CF

Landmarke III: Die Gotteskrieger in Münster

16. August, 14 Uhr (Wiederholung 21 Uhr)

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Lukas Kummer, der Zeichner der Graphic Novel „Gotteskrieger“ © CF

Das ist der Link zum Audio und zu einem Artikel mit ein paar ausgewählten Fotos

http://www1.wdr.de/kultur/buecher/comic-zeichnungen-und-reale-vorbilder-100.html

Zwarwald_subversiv © Leo Leowald
Zwarwald © Leo Leowald

Täuferreich in Münster

Landmarke III: Tödliches Ideal – Gotteskrieger

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Der Zeichner Lukas Kummer: Mein Stil steht in der frankobelgischen Tradition. Das heißt: klare Linien, klare Farben, große Flächen. Ich zeichne auch ein wenig schludrig und schnell, arbeite nicht alles bis ins letzte Detail aus. Der flüchtige Strich sorgt für die Dynamik, die den Stil bestimmt. © CF

Landmarken in Graphic Novels

11. August 2017

WDR 3: 8 Uhr

Der Link zu meinen Audios und mehr

http://www1.wdr.de/kultur/buecher/comic-zeichnungen-und-reale-vorbilder-100.html

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Alexander Hogh schrieb die Texte für die Graphic Novel Gotteskrieger. Der Comic beruht auf einer wahren Geschichte zur Zeit der Reformation. Im Zentrum steht der junge Schreiner Heinrich Gresbeck. Sein historisches Vorbild hatte nach dem Fall des Täuferreichs eine Schrift über das eine Jahr verfasst. Der Augenzeugenbericht diente Alexander Hogh als wichtige Quelle. © CF

Lukas Kummer und Alexander Hogh erzählen die wahre Geschichte eines jungen Mannes in der Zeit der Reformation. In Münster erlebt der Schreiner Heinrich Gresbeck, wie ein Glaubenskrieg Menschen in den Terror treibt. Mit klaren Bildern und kurzen Dialogen umreißt der Comic das Täuferreich zu Münster, das in einem theokratischen Regime endet.

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In der Zeit zwischen 1534 und 1535 war das Rathaus ein wichtiger Schauplatz für die Täufer, die in Münster für ein Jahr die Macht übernommen hatten. Die Kirche war gespalten, die Konfessionen ausdifferenziert. Neue Gruppen entstanden wie die Täufer. Vor allem in den Niederlanden gab es viele Anhänger. Die radikalen Reformer zogen ins westfälische Münster und erreichten im Rat eine Mehrheit. Sie etablierten ihre Macht, hielten Brandreden vor dem Rathaus und fassten Beschlüsse wie die Einführung der Polygamie. Für ein Jahr bestand das sogenannte Täuferreich. © CF

Den Titel Gotteskrieger, sagt Alexander Hogh, sei mit Bedacht gewählt, um die Parallelen zur Gegenwart zu verdeutlichen. Münster sei nicht Mossul, dennoch sieht Alexander Hogh Parallelen zwischen der mittelalterlichen Stadt an der Münsterschen Aa und Iraks zerfetzter Sunnitenhochburg am Tigris. In dem Moment, in dem der Comic beendet wurde, begannen die Angriffe auf Mossul, das sich in den Händen des sogenannten Islamischen Staates befand.“

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Der Bildersturm im Paulusdom war eine der ersten Amtshandlungen des selbst ernannten Täuferkönigs Jan van Leiden. Seine Anhänger zerhackten die Dompforte, zerstörten Marienskulpturen, Jesuskreuze und Taufbecken, bis die Insignien des Glaubens in Scherben lagen. In klaren Bildern beschreibt Lukas Kummer den Ikonoklasmus. In die Szenerie montiert er Motive aktueller Bilderstürme des Islamischen Staates. © CF

Literatur

Hogh, Alexander/ Kummer, Lukas: Gotteskrieger. Eine wahre Geschichte aus der Zeit der Reformation. Graphic Novel. Tintentrinker Verlag. Köln 2017

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Im Sommer 1535 zogen die Belagerer, Landsknechte Fürstbischofs, siegreich in die Stadt, nahmen Jan van Leiden und zwei seiner Mitstreiter gefangen. Über Monate wurden die Täufer gefoltert und schließlich öffentlich hingerichtet. Zur Abschreckung stellten sie die Leichen in Käfigen zur Schau. Heute hängen die Eisenkörbe am Turm der St. Lambertikirche.

Link

Lukas Kummer

http://kummersblog.blogspot.de

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Zierteiche, Wiesen und Fahrradwege säumen die Altstadt an der Stelle, an der die Stadtbefestigung stand. © CF

Endlos durch Köln – Zwarwald

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In Erwartung – Der Zeichner des Alter Egos: Nicht selten wartet der eine auf den anderen, zum Beispiel in der Partykneipe „zum Pitter“ an der Merowinger Straße. An solchen Orten sammelt Leo Leowald seine Fundstücke und montiert sie in den Endloscomic Zwarwald. © CF

Landmarken in Graphic Novels

Landmarke II: Skurriler Alltag im Kölner Süden

10. August 2017

8 Uhr WDR 3

Das ist der Link zum Audio und zu einem Artikel über die Comicreihe nebst ausgewählten Fotos

http://www1.wdr.de/kultur/buecher/comic-zeichnungen-und-reale-vorbilder-100.html

Leo Leowald sieht, deutet, zeichnet. Sein Tatorte sind Nachbarschaften. Sein Motiv ist der Alltag, Humor ist seine Haltung zur Welt. Seine Figuren sind wesenhafte Linienmenschen mit Schnabelmündern (siehe Titelbild), die altklug durch die Szenen laufen.

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Im Blick: Der Zeichner Leo Leowald © CF

Fast täglich entlässt Leo Leowald seine Typen ins Internet, reiht eine Vier Panel Geschichte an die andere, fügt sie zu einem Endloscomic im Netz namens Zwarwald.

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Auf dem ersten Bild steht mein Alter Ego an einer Ampel, die Rot zeigt. Im zweiten Bild drückt er den Knopf am Ampelmast. Es erscheint ein Schriftzug: Bitte Warten. Wahrscheinlich soll er den Wartenden das Warten versüßen, obgleich nichts passiert. Aber man wird beschäftigt, man wartet mit dem guten Gefühl, etwas Wichtiges getan zu haben. © CF

Das eigene Leben wird verfremdet, verdichtet, überzeichnet.

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11 Stockwerke über Köln © CF

Link

Zwarwald

© Leo Leowald

www.zwarwald.de

Die Judenbuche © Leo Leowald
Wer Leo Leowalds Alltag quert, findet sich unter Umständen als Schnabelwesen wieder. Die High End-Farbvariante ist unter „zwarwald.de“ zu sehen © Leo Loewald

Literatur

Leowald, Leo: Das i in Zürich. 25 Hours – 25 Stories. Ein Touri-Guide. Edition moderne. Zürich 2014

Leowald, Leo: Stopptanz. Reprodukt Verlag. Berlin 2011

Leowald, Leo: Raues Sitten. Das Babybuch. Reprodukt Verlag. Berlin 2008

Leowald, Leo: Elementartierchen. Das Babybuch. Reprodukt Verlag. Berlin 2006

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© CF

Düsterer Strich – Die Judenbuche

Landmarken in Graphic Novels

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Bökendorf war öfter Ziel der viel reisenden Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. In Bökendorf besuchte sie den Stammsitz ihrer Großeltern mütterlicherseits, der Familie von Haxthausen. In Haus Bökerhof erfuhr sie zum ersten Mal von dem Mord an einem jüdischen Händler. Das ist der Blick vom Tatort auf Bökendorf. Diesen Blick setzte Claudia Ahlering zeichnerisch um (siehe Titelbild) © CF

Landmarke I: Gebirgichtes Westfalen

9. August 2017

8 Uhr WDR 3

Das ist der Link zum Audio und zu einem Artikel mit ein paar ausgewählten Fotos

http://www1.wdr.de/kultur/buecher/comic-zeichnungen-und-reale-vorbilder-100.html

Im Rüschhaus schrieb Annette von Droste-Hülshoff Die Judenbuche, ihr berühmtestes Werk. Das Sittengemälde aus dem gebirgigen Westfalen, wie sie ihre Meisternovelle selbst nannte, ist ein Klassiker.

Landmarke I - Julian Voloj Comiczeichner © Caryl Blank
Aufs Wort-Der Comicautor Julian Voloj: Julian Voloj adaptierte die Novelle Die Judenbuche für den Comic. Sein Augenmerk lag auf dem Judenhass, den Annette von Droste-Hülshoff in gewisser Weise zum Thema machte. In der geistigen, nichtjüdischen Elite um 1800 war eine solche Haltung nicht selbstverständlich, hegten doch deutsche Intellektuelle antijüdische Vorurteile. Wozu Vorurteile generell führen, zeigen Novelle und Comic. Julian Voloj, selbst Sohn von jüdischen Vorfahren aus Westfalen, entdeckte bei seinen Recherchen vergessene und verdrängte Orte jüdischen Landlebens. © Caryl Bank

Kürzlich übertrugen Julian Voloj und Claudia Ahlering den schmalen Band in eine Graphic Novel.

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Am Tatort – Die Zeichnerin Claudia Ahlering: Claudia Ahlering steht auf einem Bergrücken am Joelskamp. Es gießt und stürmt, in der Novelle, im Comic und in der Wirklichkeit. Durch diese Wälder streiften die sogenannten Holzfrevler, Banden, die Waldstücke abholzten und zu Geld machten. Auf den Wegen zogen Händler, lauerten Mörder. © CF

Mit düsterem Strich fangen die Illustrationen die bedrückende Atmosphäre ein, die das Dorf B. umgibt. Schwer lasten Schuld, Sühne und Vorurteile auf der Dorfgemeinschaft.

Kirche_Bellersen
Im Glauben – In der Katholischen Kirche St. Meinolfus in Bellersen: Gleich zu Beginn des Comics erscheint das barocke Gotteshaus. In der schlichten Halle geben sich die Eltern von Friedrich das „Ja-Wort“. Hier besuchen Mutter und Sohn die Gottesdienste. Hier erklärt Margreth Mergel dem kleinen Friedrich, dass die Juden den Herrgott ermordet hätten. © CF
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Im Blick – Claudia Ahlering am Eingang zum Kirchensaal © CF

Literatur

Voloj, Julian/ Ahlering, Claudia: Die Judenbuche. Nach Annette von Droste-Hülshoff. Knesebeck Verlag. München 2017

Droste-Hülshoff, Annette von: Die Judenbuche. Ein Sittengemälde aus dem gebirgichten Westfalen. Dörlemann Verlag. Zürich

Schmid, Ulrich: „Sie waren Juden“. Das Haus Uhlmann im LWL-Freilichtmuseum Detmold. Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hg.). Detmold 2008

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In Gedenken – Haus Uhlmann im Museumsdorf: Das zweigeschössige Haus der Witwe des ermordeten Händlers Soistmann Behrend (das historische Vorbild für das Opfer in Novelle und Comic) steht heute im Paderborner Dorf im Freilichtmuseum Detmold. Ein typischer Bau im 18. Jahrhundert, ein rares Zeugnis jüdischen Landlebens. Eine Kerze der Erinnerung. Die letzten Bewohner_innen waren Norbert und Lene Uhlmann mit ihrer Adoptivtochter Ilse. 1941 wurde die Familie nach Riga deportiert und drei Jahre später in Auschwitz ermordet. In der Graphic Novel Die Judenbuche wird das Haus an seinen Ursprungsort zurück versetzt. Der Giebelbau diente Claudia Ahlering und Julian Voloj als Kulisse für die dramatische Szenerie, in der die Ehefrau Jente auf ihren Mann wartet. Vergebens. Adam lag erschlagen im Wald. Im Wohnzimmer trauerte die Gemeinde mit der Witwe um das gewaltsam verlorene Leben. © CF

Adresse

LWL-Freilichtmuseum Detmold

Westfälisches Landesmuseum für Volkskunde

Krummes Haus

32760 Detmold

http://www.lwl-frelichtmuseum-detmold.de

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In der Spur – Hund Pepper im Joelskamp: In der Graphic Novel Die Judenbuche wird der Hund der Zeichnerin zum Hund des Försters. Mit eiligen Schritten zieht er zum Tatort. Ganz sicher war es genau dieser Weg, den Adam und sein Mörder nahmen. Vielleicht sind sie sich genau hier begegnet, unter den hohen, alten Buchen, am Joelskamp, unweit von Bökendorf, Bellersen und Ovenhausen. An den Tatort kehrte der vermeintliche Mörder zurück. © CF

Link

Claudia Ahlering

http://www.claudiaahlering.de

Parallelbild1_WaldAnfang
Die Anfangssequenz der Graphic Novel zeigt den jüdischen Händler Adam im Wald am Joelskamp kurz, bevor er erschlagen wurde. © CF
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Vielleicht nahm Adam (Comic) alias Aaron (Novelle) alias Soistmann Behrendt mit seinen Pferden diesen Weg, als er nach Hause eilen wollte und von seinem Mörder überrascht wurde. © CF

Orte, die zum Comic werden

Landmarken in der Graphic Novel

Ein Dreiteiler bei WDR Mosaik

9. bis 11. August 2017

jeweils 8 Uhr

Katholische Kirche St. Meinolfus in Bellersen (AUS: Die Judenbuche) © Claudia Ahlering

Landmarke I: 9. August 2017

Gebirgichtes Westfalen

Düsterer Strich – Die Judenbuche

Landmarke II_Zwarwald im WWW © Leo Leowald
Zwarwald.de © Leo Leowald

Landmarke II: 10. August 2017

Endlos durch Köln

Skurriler Alltag – Zwarwald

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Bildersturm im Paulusdom in Münster (AUS: Gotteskrieger) © CF

Landmarke III: 11. August 2017

Täuferreich in Münster

Tödliches Ideal – Gotteskrieger