Arno Schmidt in Altenbeken

Metapher fürs Warten

WDR 5 Scala SommerReihe über Literaturorte und Orte für Literatur

20.8. 2018

14 Uhr (Wiederholung: 21 Uhr)

Link zum Audio der Miniatur über Altenbeken

Altenbeken BHF 2 © CF
1864 wurde der Bahnhof in Altenbeken eröffnet. Das Bahnhofsgebäude (s. Titel) besteht aus einheimischem Sandstein. © CF

Wer von Kassel nach Hannover will, von Detmold nach Paderborn, steigt auf dem Bahnhof Altenbeken um. In Altenbeken wartete der Schriftsteller Arno Schmidt des öfteren auf seinen Anschlusszug.

Altenbeken Gleise © CF
Der Bahnhof erlebte seine erste Blüte im 19. Jahrhundert. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde eine sechsköpfige, jüdische Familie aus Altenbeken mit dem Zug nach Bielefeld transportiert. Von Bielefeld wurde die Familie mit über tausend weiteren verfolgten Jüd_innen nach Riga deportiert. (s. DB-Broschüre Viadukt) © CF 

Der Bahnhof ist auch Schauplatz in seinem Frühwerk Die Umsiedler. 1953 verfasste Arno Schmidt den Kurzroman. In dieser Zeit war Altenbeken eine Plattform für Flüchtlinge, Soldaten, Gestrandete, auf dem Weg in die Fremde, auf der Suche nach neuem Leben. In der Realität wie im Roman. 

Altenbeken über Viadukt © CF
Blick aus dem Bahnfenster: Das Viadukt ist das Wahrzeichen der Stadt Altenbeken. Die längste Kalksandsteinbrücke in Europa wurde 1853 eröffnet. © CF

Auf dem Bahnhof in Altenbeken steigen die wenigsten Leute aus, die meisten steigen um. Bis heute ist Altenbeken eine Passage zwischen Eggegebirge und Paderborner Hochebene, eine Metapher fürs Warten. Ich fuhr zum Knotenpunkt und las den Kurzroman.

Altenbeken Gaststätte © CF
1864 gab es auf dem Bahnhof die erste Gaststätte mit Wartesaal. Hoher Besuch wie Kaiser, Kronprinzen und Grafen nächtigten im Fürstenzimmer. Willi Brandt blieb im Abteil seines Sonderzugs (1972) und führte Gespräche aus dem Fenster. Die letzte Kneipe war Kult. Heute gibt es keine Wirtschaft mehr. © CF

Bahnhof Altenbeken

Bahnhofstraße 13

33184 Altenbeken

Gemeinde Altenbeken

Link zur Stadt Altenbeken

Am Bahnhof © CF
© CF

Literatur

Schmidt, Arno: Die Umsiedler. Prosastudie. Suhrkamp Verlag. Frankfurt am Main 2002

Schmidt, Arno: Die Umsiedler (in: Werke. Bargfelder Ausgabe. Werkgruppe 1; 4 Bände) Band 1. Haffmans Verlag 1986

Arno Schmidt Stiftung Bargfeld

Link zur Arno Schmidt Stiftung

DB (Hg.): Vivat Viadukt 2015 – Altenbeken.Spatenstich Modernisierungsoffensive. Bahnhofsjubiläum/ Jubiläum Rehbergtunnel. Bielefeld 2015

Altenbeken BHF © CF
© CF
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Mit Wünschelrute am Westschacht

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Wünschelrutengänger Joachim Lang mit einem Instrument ortet den Schacht per Hyperschall. © CF

Energie der Erden. Ein still gelegter Schacht in der Eifel

Letzter Teil aus meiner fünfteiligen Reihe über Lost Places

Verlassen & Vergessen. Ein Streifzug durch Lost Places

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Die Trafostation am Westschacht © CF

Lost in Place V: 10. August 2018

WDR 5, Scala

14 Uhr (Wiederholung 21 Uhr)

Link zu meiner Fotogalerie bei wdr5.de

Link zum Audio über den verlassenen Westschacht bei Scheven

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Verlassene Industriebauten am Bleiberg © CF

Mein letzter Lost Place führ an den Nordrand der Eifel, nach Kall Westschacht bei Scheven.

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Keramiker Michael Moses zeigte uns das Ensemble. Ausgerechnet seine Zunft lebte vor rund 2000 Jahren von dem Bodenschatz am Bleiberg. Römische Siedler schürften nach dem Schwermetall. Ihre Krüge überzogen die Töpfer mit einer Bleilasur. © CF

Als ich nach verlassenen Orten suchte, sagte mein Freund Michael Moses, dass er mit seinem Hund ab und zu an verlassenen Bergwerksgebäuden vorbeispazieren würde. Er wiederum brachte seinen Freund mit, den Wünschelrutengänger Joachim Lang. Zusammen erkundeten wir die Häuser, die in aller Stille verfallen.

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Erst Waschkaue, dann Schafstall, heute verlassen © CF
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Die Inneneinrichtung © CF
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An der Decke verrostete Umschlagrollen © CF

Wir ahnten, mutmaßten, wussten nichts Genaues.

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im Bergbaumuseum in Mechernich steht ein Modell (1:100) der gesamten Industrieanlage. 1957, im Jahr der Schließung, ist der Westschacht mit all seinen Gebäuden zu sehen: Das Haus des Obersteigers (li.), diesseits der Straße, heute eine abgebrannte Ruine; jeneits der Straße stehen (v. li.) Waschkaue, Förderturm, Maschinenraum und Aufenthaltsräume, Trafostation, ein weiteres Werkzeughaus. © CF

Im Bergbaumuseum in Mechernich traf ich den Vorsitzenden des Fördervereins Günter Ließen und den 80jährigen Alfred Schink.

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Günter Nießen (li.) und Alfred Schink am Modell des Bergwerks zwischen Mechernich und Westschacht (15 mal 2 Meter) Mitte des 19. Jahrhunderts stand das Bergwerk (über und unter Tage) in seiner Blüte. Noch heute liegen hier die größten Vorkommen in Europa. Doch 1957 war Schicht im Schacht. Bis 1971 verhütteten die Arbeiter_innen in Kall importiertes Blei aus Australien. © CF

Alfred Schink ist gelernter Bergmann. Als Lehrhauer arbeitete er u.a. im Westschacht, als er noch in Betrieb war. Er stand auch Günter Nießen (Maschienbautechniker und Metallbaumeister) mit Rat und Tat beiseite, als mit Kollegen das Modell der riesigen Bleindustrie-Anlage baute, die bis 1957 die Gegend um Mechernich prägte.

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Am still gelegten Kallmuther Bleiberg liegen alte Bahnschwellen. Ein Eisenbahnnetz durchzog das Bergwerk, beförderte Erze und Sand. © CF

Bergbaumuseum Mechernich

www.bergbau,useum-mechernich.de

Bleibergstr. 6

53894 Mechernich

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In Mittelalter und Renaissance waren Wünschelrutengänger von unschätzbarem Wert. Sie fanden die Erzvorkommen. Altes Wissen, das Joachim Lang seit Jahrzehnten anwendet und somit auch bewahrt. © CF
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Der Kallmuther Berg ist eine Formation, die aus Buntsandstein besteht. Die Steine bergen  winzige Kugeln reinsten Bleis in sich, so genannte Knotten. Der Bleiberg entstammt der Trias, der ältesten Periode des Erdmittelalters. © CF

Der verschüttete Eisenbahntunnel

Naturidyll auf Großbaustelle im Eggegebirge

Teil IV meiner ScalaSommerSerie

Verlassen & Vergessen. Ein Streifzug durch Lost Places

Lost in Place IV: 9.8.2018

WDR 5, Scala

9. August, 14 Uhr (Wiederholung: 21 Uhr)

Link zur Fotogalerie auf WDR 5.de

Link zum Audio über den gefluteten Eisenbahntunnel im Eggegebirge

Lost Places sind verlassen, vergessen und im besten Falle einfach nur im Dornröschenschlaf begriffen. Manche dieser verlorenen Orte werden sanft geweckt. Von solch einem Platz handelt der vierte Teil unserer ScalaSommerReihe.

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Ein Richtschacht wird zum Bodendenkmal: Mitten im Wald, auf einer kleinen Anhöhe, befindet sich einer von drei Richtschächten, über die die Arbeiter zu verschiedenen Bauabschnitten gelangten und gleichzeitig den 600 Meter langen Tunnel ins Gebirge hauten. Doch dann fiel der Hammer und der angefangene Bau wurde ein verlassener Ort. © CF

Im westfälischen Eggegebirge liegt eine Investruine mitten im Wald. 1846 begann der Bau eines Eisenbahntunnels. Ein Jahr später war Schluss. Die Investoren haben sich verspekuliert, die Aktiengesellschaft war pleite, die Lohntüten blieben leer und der Bau wurde gestoppt. Der leitende Ingenieur ließ die Zugänge sprengen und fluten (s. Titelbild). Das angestaute Wasser von Gebirgsbächen sorgen für den vier Meter tiefen See.

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Sieht aus wie Natur, ist aber von Menschen gemacht, der Einschnitt in den Fels. Zehn Jahre, nachdem 1835 die erste Dampflok durch Deutschland rollte, boomte die Eisenbahn. Neue Strecken entstanden, Eisenbahnaktien waren begehrt. Auch in Westfalen witterten Spekulanten schnelles Geld. 1846 verwandelte sich die Felslandschaft in eine Großbaustelle. 600 Arbeiter waren an dem Tunnelprojekt zu Gange. © CF

Seit mehr als anderthalb Jahrhunderten führt dieser Ort ein Dasein im Schatten der Natur. Vor zwei Jahren begannen zwei Archäologen behutsam den Spaten anzusetzen und wurden fündig.

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Die Archäologen Nils Wolpert (li./ LWL) und Fritz Jürgens (Uni Kiel) leiten die Grabungen an der Alten Eisenbahn. 2016 setzten sie zum ersten Mal den Spaten an. © CF

Ich reiste in den Osten von NRW und begann meine Urbex, urbane Erkundung, an einem Wanderparkplatz namens Alte Eisenbahn.

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Fundstücke wie Ziegel und der Splitter aus einem Pfeifenkopf aus Porzellan sind kostbare Zeugnisse vom Treiben auf der Baustelle. Der Ziegel stammt aus den Grundmauern einer Schmiede in der Nähe des Tunnelbaus. © CF

Literatur

Jürgens, Fritz/ Wolpert, Nils: Die alte Eisenbahn im Eggegebirge bei Paderborn. In: Blickpunkt Archäologie. Deutscher Verband für Archäologie. (S. 270-276) Verlag Dr. Friedrich Pfeil. München 4/ 2017.

Eggeweg am Wanderparkplatz Alte Eisenbahnan L 763

34439 Willebadessen

Rundwanderweg am Wanderparkplatz Alte Eisenbahn

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Der Bahndamm hört einfach auf. Geplant war, dass der Zug aus dem Hellebachtal kommt und übers Ostportal den Tunnel passiert. © CF

Barockes Weltkulturerbe in Boppard

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Gelebt und Vertrieben: Eine barocke Anlage, in denen Benediktinerinnen lebten, bis zur Säkularisierung um 1800. Nach ihrer Vertreibung war der Bau Soldatenquartier, Lazarett, Kurort, Mädcheninternat, Reichsfinanzschule (Nationalsozialismus), Akademie für eine Sekte. Das Kloster gilt als das größte Ensemble im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal. © CF

Die Geister der Abtei

Verlassen & Vergessen. Ein Streifzug durch Lost Places

Lost in Place III: 8. August 2018

Scala, WDR 5

14 Uhr (Wiederholung: 21 Uhr)

Link zu meiner Fotogalerie auf WDR 5.de

Link zum Audio über meinen Nachtbesuch in der Abtei Boppard

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Verlassen und fast vergessen: Die ehemalige Abtei in Boppard steht seit Mitte der 1980er Jahre leer. © CF

In meiner aktuellen ScalaSommeReihe geht es um Lost Places. Die heutige Station ist ein klassischer Lost Place und noch dazu ein Geisterort, die einstige Benediktinerinnen-Abtei in Boppard am Rhein. Auf dem Titelbild ist der Kirchturm zu sehen, mit Helmdach und Wetterfahne.

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Verraten und verkauft: Ein österreichischer Architekt legte Pläne vor. In naher Zukunft könnte die Abtei in einen Wohnkomplex umgebaut werden. Dann wird aus dem brüchigen Kloster ein Tempel mit Eigentumswohnungen. Ob das besser ist? © CF

Nicht jeder verlassene Ort ist ein Spukort, aber das Kloster in Boppard soll es in sich haben. Mein Begleiter Alex Hardt, Soundartist und begnadeter Klangfänger (s. LinkBar), und ich zogen des Nachts durch die verlassene Anlage.

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Erforscht und gemessen: AnDaPaVa Gründer Andreas Schipper nimmt mit seinem Team den Ort genauer unter die Lupe, mit Geräten wie dem Mel-Meter, die elektrische Ströme messen. Springt der Funken über, wird Kontakt aufgenommen. © CF

Später trafen wir AnDaPaVa, ein paranormales Ermittlerteam und folgten der Expedition auf der Suche nach Unerklärlichem.

Abtei Marienberg

Marineberger Hohl 1, Boppard am Rhein

Paranormale Ermittlungen

http://www.andapava.de

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© CF

Warten an einer Tankstelle

Verlassen & Vergessen

Ein Streifzug durch Lost Places

Spirit statt Sprit

Lost in Place II

WDR 5, Scala

7.8. 18, 14 Uhr (Wiederholung 21 Uhr)

Der Link zum Audio über die Tankstelle

Fotogalerie zu den fünf Lost Places

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Abgefüllt: Vor Ölkrise und Selbstbedienung eilten Tankwart_innen aus dem Kassenhaus mit angeschlossener Werkstatt, um die Tanks ihrer Kundschaft zu befüllen. © CF

Unter dem Titel Verlassen & vergessen widmet sich die aktuelle ScalaSommerSerie fünf Lost Places, brach liegenden Bauten, die irgendwann einmal mehr Leben gesehen haben als jetzt.

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Abgelaufen: Sind die Tage der Tankstellen gezählt? © CF

Heute führt der Weg in den Süden von NRW, ganz nah an den Rhein. Joachim Dies hatte diesen Ort eher zufällig entdeckt. Er war auf der Suche nach umgewidmeten Tankstellen und fand den „Leerstand“. So nennt er das letzte Kapitel in seinem Fotoband Abgetankt über alte Tankstellen. An diesem 60er Jahre-Bau ist fossile Energie schon lange nicht mehr zu haben. Also tanken wir ihre Geschichten, die sie eher schweigend erzählt.

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Abgehängt: Der obligatorische Preismast © CF

Die Adresse bleibt anonym. Denn allzu oft werden diese Orte zerstört, bevor sie verfallen. Die Spurensuche nach verlassenen Tankstellen ist ein Roadmovie mit Überraschungen.

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Abgelichtet: Der Fotograf Joachim sitzt auf der Tankinsel. Vor zwei Jahre fotografierte er die Tankstelle in der Zeit der Dämmerung. © CF

Literatur

Gies, Joachim: Abgetankt. Selbstverlag. Köln 2014

http://www.abgetankt.de

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Abehoben: Das Flügeldach aus Spannbeton. © CF

Ein Streifzug durch Lost Places

Verlassen und Vergessen

LOST IN PLACE I (6.8.18)

Haus Wolfskuhlen am Niederrhein

6. bis 10. August

WDR 5 Scala-Reihe

14 Uhr (Wiederholung: 21 Uhr)

Link zum Audio über Haus Wolfskuhlen

Parallel zur Audioreihe gibt es eine Fotogalerie auf der WDR Seite im Netz

Link zur Fotogalerie im WDR-WEB

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Der erste Lost Place führt an den Niederrhein, nach Wolfskuhlen. Im frühen Mittelalter legten Jäger Netze in Kuhlen aus und trieben Wölfe in die Falle. Daher stammt vermutlich der Name Wolfskuhlen. Im 13. Jahrhundert stand an der Stelle ein Rittergut. Um 1800 bauten die Besitzer  ein stolzes Herrenhaus. Seit 40 Jahren steht das Anwesen leer. © CF

Bauboom, Gentrifizierung, Eigentumswohnungen rücken jeder Brache auf den Leib. Alles wird umgewidmet und zu Geld gemacht. Ausgediente Architekturen werden abgerissen, grundsaniert und entkernt. Und doch gibt es sie: Lost Places, Orte, die einfach vor sich hin verfallen: Industriehallen, Bunker, Hörsäle, Villen.

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Rheinischer Uradel lebte auf Wolfskuhlen. Nach dem Krieg zogen Berglehrlinge ein. Später nutzte der Landschaftsverband das Anwesen. Ende der 1970er plante eine Immobilienfirma, das Gelände in einen Luxuswohnkomplex zu verwandeln. Die Firma ging pleite und das Herrenhaus an die Familie zurück. © CF

Verlassen & Vergessen heißt mein Radio-Fünfteiler. Es geht um Lost Places, verfallene Orte. Oft sind sie auch mit Geheimnissen verbunden.

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In den 1980er Jahren wurde Haus Wolfskuhlen ein letztes Mal zur offiziellen Kulisse, als regionale Künstler_innen ihre Werke in der spätbarocken Architektur zeigten. Seit Jahren ist es eine inoffizielle Bühne für den Geistertourismus. Manche Gäste verhalten sich leider alles andere als respektvoll gegenüber der Ruine. © CF

Der erste Teil führt an den Niederrhein. In einer Waldidylle, auf einer Lichtung steht das einstige Rittergut von Wolfskuhlen. Vor allem ist es bekannt für die grausamen Legenden, die bis heute erzählt werden.

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Sabine Sweetsir (Archivarin im Stadtarchiv Rheinberg) kennt die Geschichte von Haus Wolfskuhlen und sie kennt die Legenden. © CF

In einer Vollmondnacht besuchte ich Haus Wolfskuhlen. Am helllichten Tag interviewte ich Rheinbergs Stadtarchivarin Sabine Sweetsir.

Stadtarchiv Rheinberg

https://www.rheinberg.de/de/inhalt/stadtarchiv-rheinberg/

Innenwall 104, 47495 Rheinberg

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Welke Schönheit: Der Park um Haus Wolfskuhlen. © CF

 

Theodor Wolff

So schwebt über jeder Wahrheit noch ein letztes Vielleicht

2. August 1868

150. Geburtstag des Journalisten und Schriftstellers Theodor Wolff

2.8.2018

WDR 5: 9.45 Uhr/ WDR 3: 18.45 Uhr/ NDR

Link zum Porträt über Theodor Wolff

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Theodor Wolff Park in Berlin Kreuzberg © CF

Vom Halleschen Tor führt der Weg direkt zum kreisrunden Mehringplatz. Auf dem Platz steht eine neoantike Friedenssäule. Dort startet die Friedrichstraße Richtung Innenstadt. Kurz nach dem Platz streift sie ein geometrisches Gebilde, auf dem ein kurz geschorener Rasen liegt.

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An der Stirnseite des Parks © CF

Ein Stück unbebauter Grund zwischen Wohnblöcken, Bolzplatz und besetztem Haus. Ich orte den Gras-Flecken per Navi und stelle fest, dass das der Park ist, den ich suche. Das also ist der Theodor-Wolff Park.

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An der Ostseite des Gedenkparks © CF

Dass der Park den Namen des Journalisten trägt, ist Bernd Sösemann zu verdanken. Er wandte sich an die Stadt und die Stadt erinnerte sich an den ehemaligen Blumenmarkt in Berlin Kreuzberg. Bernd Sösemann: „Nur die linke Fraktion gab zu bedenken, dass Theodor Wolff Faschist gewesen sei und deshalb sei ein Gutachten nötig. Also schrieb ich ein Gutachten, in dem ich erklärte, warum die Forschung und ich Theodor Wolff nicht für einen Faschisten hält.“

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Bernd Sösemann (Theodor Wolff-Biograph und Professor für Geschichte der öffentlichen Kommunikation am Friedrich Meinecke-Institut der FU Berlin) © CF

Bernd Sösemann ist nicht nur der Initiator eines Gedenkortes für den wohl berühmtesten Journalisten in Kaiserreich und Weimarer Republik. Der Professor für Geschichte der öffentlichen Kommunikation an der FU Berlin ist auch der Verfasser zahlreicher Publikationen über Theodor Wolff und Herausgeber seiner Schriften und Tagebücher.

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Unweit vom Potsdamer Platz besuchte Theodor Wolff das Königliche Wilhelmgymnasium. Heute überwölbt ein riesiges Fächerdach aus Stahl, Glas und Stoffbahnen den Ort. © CF

Theodor Wolff wuchs in einer großbürgerlichen, jüdischen Familie auf. Früh fing er zu schreiben an, verfasste Gedichte, Theaterstücke, Reiseberichte, ging als Korrespondent nach Paris.

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Berliner Zeitungsviertel: Im heutigen Mosse-Zentrum befand sich die Redaktion des Berliner Tageblatts. Die Tageszeitung galt als das Flaggschiff des einflussreichen Mosse-Verlags. Hier hatte Theodor Wolff sein Büro. © CF

Berühmt wurde Theodor Wolff mit seinen kritischen Artikeln über einen antisemitisch motivierten Schauprozess, der als Dreyfuß-Affärein die Geschichte einging. Zurück in Berlin schrieb er mit spitzer Feder gegen Kaiser und Konservative an.

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Christoph Albers (stellvertretende Abteilungsleiter der Zeitungsabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin) liest in Originalbeständen des Berliner Tageblatts. © CF

Theodor Wolff setzte sich für ein demokratisches Europa ein, gründete eine liberale Partei und warnte früh vor den Nationalsozialisten. Kaum saßen die Nazis im Reichstag, musste Theodor Wolff fliehen. 1943 wurde er in Nizza verhaftet und nach Berlin verschleppt. Ein viertel Jahr später war Theodor Wolff tot. Sein Vermächtnis lebt in seinen Schriften und in der wichtigsten Auszeichnung des Zeitungsjournalismus, dem Theodor Wolff-Preis.

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In der Zeitungsabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin © CF

Literatur

Wolff, Theodor: „Es ist im Grunde eine schöne Zeit“ Vater-Tagebuch 1906-1913. (HG.: Sösemann, Bernd). Wallstein Verlag. Göttingen 2018

Sösemann, Bernd: Ein Leben mit der Zeitung. Franz Steiner Verlag. Stuttgart 2012

Link

Arbeitsstelle für Kommunikationsgeschichte und interkulturelle Publizistik (AKiP)

Leiter: Prof. Bernd Sösemann

Link zur Arbeitsstelle für Kommunikationsgeschichte

Koserstr. 20

14195 Berlin

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Der Bibliothekar Christoph Albers vor dem Archiv © CF

Zeitungsabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin

Westhafenstr. 1

13353 Berlin

Der Link zur Zeitungsabteilung

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Im ehemaligen Getreidespeicher (hohes Gebäude li.) am Westhafen befindet sich die Zeitungsabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin. Hier liegen die Bestände des Berliner Tageblatts mit den berühmten Lundi, den montäglichen Leitartikeln von Theodor Wolff. © CF