Die Rose „des kleinen Prinzen“

Vier Dornen

Am 6. April 1943 erschien „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint Exupéry

6. April 2018

WDR 5 Neugier Genügt

nach 10 Uhr

Vier Dornen – Der Link zum Audio

Jean-Marc Probst zwischen 4700 Kleinen Prinzen © Jean-Marc Probst_
Mit 4700 Kleinen Prinzen besitzt der Schweizer Maschinenbauingenieur Jean-Marc Probst die größte Sammlung weltweit. Jean-Marc Probst, avec sa collection personnelle de livres de la „Petit Prince“. Photographié dans sa maison avec une chambre juste pour la grande collection. Photo © Darrin Vanselow for the L’illustre

Als das Buch in New York erschien, war in Europa war Krieg. Eine Luxusausgabe der Erzählung verstaute der fliegende Autor Antoine de Saint-Exupéry in sein Reisegepäck und fuhr mit einem amerikanischen Militärschiff nach Algier. Seit Juni 1943 gehörte der französische Spross einer aristokratischen Familie dem Aufklärungsgeschwader 2/ 33 an, das unter amerikanischem Oberbefehl stand. Am 31. Juli 1944 begab sich der Pilot auf einen weiteren Aufklärungsflug Richtung Grenoble, Chambéry und Lyon. Von diesem Flug kehrte Antoine de Saint-Exupéry nie zurück. Jahrzehnte später fand ein Fischer sein Armband im Mittelmeer, in einer Bucht bei Nizza.

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Im Verlag des kleinen Prinzen: Hans-Gerd Koch ist Verlagsleiter des Karl Rauch-Verlags. In diesem Verlag erschien die erste deutsche Ausgabe in der Übersetzung von Grete und Josef Leitgeb © CF

Der kleine Prinz ist eines der meist gelesenen Bücher weltweit. Es ist in mehr als 250 Sprachen veröffentlicht und dient als Vorlage für Theater, Film, Musical, Literatur.

Isabel Pin © Isabel Pin
Die Schriftstellerin und Illustratorin Isabel Pin schrieb eine  Version des Kleinen Prinzen für Kindergartenkinder © Isabel Pin

Die Erzählung Der kleine Prinz schöpft aus Tierfabeln und dem eigenen Leben, besteht aus Allegorien, Märchenelementen, ist voller Symbole und Mythen. Eines der meist diskutierten Metaphern ist die Rose, um die sich der kleine Prinz kümmert. Wer ist die Rose?

Moritz Bierbaum © Moritz Bierbaum
Der Sänger und Schauspieler Moritz Bierbaum spielt die Titelfigur dem Musical Der kleine Prinz des Kreativteams Deborah Saison und Jochen Sautter © Moritz Bierbaum

In meinem Feature fließen viele Gedanken zusammen, die eher noch mehr Fragen aufwerfen als eindeutige Antworten geben, ganz im Sinne der Titelfigur.

Kinder, wenn Euch ein kleiner Prinz begegnet © Karl Rauch Verlag

Literatur

Saint-Exupéry, Antoine de: Der kleine Prinz. Originalübersetzung: Grete und Joseph Leitgeb. Originalausgabe und Taschenbuch. Karl Rauch Verlag. Düsseldorf 2014 und 2018.

Pin, Isabel: Kinder, wenn Euch ein kleiner Prinz begegnet. Antoine de Saint-Exupérys Der Kleine Prinz. Erzählt für Kinder von Isabel Pin. Karl Rauch Verlag. Düsseldorf 2018

Drewermann, Eugen: Das Eigentliche ist unsichtbar. Der kleine Prinz tiefenpsychologisch gedeutet. Herder Verlag. Freiburg, Basel, Wien 2015 (Neuausgabe)

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Die iranische Sängerin und Schauspielerin Sima Behmanesch ein Theaterstück über den alt gewordenen kleinen Prinzen, der schon lange im Exil lebt. Auf einmal begegnet ihm ein junger kleiner Prinz, der gerade im Exil ankommt. Im Feature liest sie aus dem Original auf Farsi in der Übertragung von Ahmad Schamlos Schazdeh Kuchulu © CF

Hörbuch

Der kleine Prinz. Gelesen von Anna Maria und Ulrich Mühe. Originalübersetzung. Karl Rauch Verlag. Düsseldorf 2015. LC 20084

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David Benneyworth (USA) liest aus The Little Prince in der ersten englischen Übertragung von Katherine Woods © CF

Link

Jean Marc Probst

http://www.petit-prince-collection.com

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Anna Herling (Polen) liest aus Mały Książę auf Polnisch © CF

Musical

Der kleine Prinz. Das Musical für große und kleine Menschen.

Kreativteam: Deborah Sasson und Jochen Sautter

Darsteller: Moritz Bierbaum als kleiner Prinz

Musik: Matthias Suschke

Videoanimation: Daniel Stryjecki

Premiere: Januar 2016

Termine 2019 in NRW

5.1. (Münster)/ 13.1. (Essen)/ 20.1. (Düsseldorf)/ 22.1. (Paderborn)

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Victor Berrazueta (Ecuador) liest aus El Principito auf Spanisch, der Muttersprache der Ehefrau Consuelo de Saint-Exupéry. Sie stammte aus El Salvador © CF
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Katerina Katsatou (Griechenland) liest aus Ο μικρός Πρίγκιπας auf Griechisch. © CF
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Bleib stehen, Wanderer

Die Logbücher des griechischen Dichters Giorgos Seferis

WDR 3, Mosaik

4. April 2018

8 Uhr

Miniatur über Logbücher von Giorgos Seferis

Gedichte aus rund zwei Jahrzehnten vereinen die Logbücher von Giorgos Seferis. Giorgos Seferis gehört zu den Wegbereitern der modernen Dichtung in Griechenland. 1963 erhielt er als erster griechischer Schriftsteller den Literaturnobelpreis.

Andrea Schellinger © Privat
Mehr als zehn Jahre befasste sich Andrea Schellinger mit den drei Zyklen der Logbücher. Jetzt liegen sämtliche Gedichte in einer zweisprachigen Ausgabe vor. © Andrea Schellinger

Andrea Schellinger übertrug die drei Zyklen der Logbücher ins Deutsche. Ein Schwarz Weiß Foto (s. Titelbild) ziert das Cover des Gedichtbandes, eine Statuette aus dem Heiligtum der Aphrodite in Pafos (Zypern), fotografiert von Giorgos Seferis selbst.

Katerina Katsatou 1 © CF
In meiner Miniatur liest Katerina Katsatou Gedichte aus den Logbüchern im griechischen Original. © CF

Literatur

Seferis, Giorgos: Logbücher. Gedichte Griechisch Deutsch. Übersetzt, kommentiert und mit einem Nachwort versehen von Andrea Schellinger. Elfenbein Verlag. Berlin 2017

Logbücher in den Lyrikempfehlungen 2018

Neuerscheinungen von Anfang 2017 bis März 2018. Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung/ Stiftung Lyrikkabinett/ Haus der Poesie (HG.)

Lyrikempfehlungen 2018

Pendeln mit der Gierseilfähre

Hol über

SWR 2 Matinee übers Pendeln

25. März 2018

Meine Reportage läuft zwischen 9 und 10 Uhr

Reportage über die Gierseilfähre Veckerhagen auf der Weser

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Zwei Eisenketten münden in Laufkatzen, die an einem Stahlseil hängen, das über die Weser gespannt ist. Per Seilwinde der Schwimmkörper aus seiner Längsachse gezerrt © CF

Wie ein Pendel hängt die Fähre am Seil, dreht sich aus der Längsachse und quert den Fluss. Ein gewolltes Abweichen vom Kurs. Lautlos pendelt auch die Veckerhagen von einem Ufer zum anderen und wieder zurück. Ihre Energie zieht sie aus der Strömung. Eine fliegende Brücke, die die Menschen über die Weser bringt, an die Ufer des Reinhardswaldes in Hessen und des Bramwaldes in Niedersachsen.

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Per Knopfdruck bedient Benjamin Bolte die Seilwinden. © CF

Rund 90 Meter trennen Veckerhagen von Hemeln. Auf seiner Fähre befördert Benjamin Bolte Autos, Tiere, Radwandernde, Fußgänger_innen. Benjamin Bolte kennt sie alle, fast. Er selbst ist ein Pendler zwischen Hier und Drüben.

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Fährmann Benjamin Bolte © CF

Schon als Kind begleitete er seinen Vater, wenn er Tag für Tag per Fähre über die Weser glitt. Inzwischen ist er selbst ein Fährprofi, ein Erbe seiner mythischen Kollegen, die Grenzen überschritten; wie Ur-šanabi, der Fährmann Babyloniens, der seine Barke über die Wasser des Todes lenkte. Wie der Himmlische Fährmann Mahaf, der Hinterherschauende, der im alten Ägypten die Seelen auf einem Papyrusboot ins Jenseits fuhr. Wie der altgriechische Fährmann Charon, der die Verstorbenen über die Styx brachte, den Strom des Grauens. Sie alle waren göttliche Pendler zwischen dem Reich der Lebenden und dem Reich der Toten.

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Seit Beginn des 14. Jahrhunderts gibt es an diesem Ort eine Fährstelle. Ausgrabungen zufolge wurden die ersten Fähren aus einem Baumstamm gefertigt und von einem Ufer zum anderen gestakt. Im 17. Jahrhundert hielt eine niederländische Erfindung Einzug an der Weser: die Technik des Gierens, an der sich bis heute nichts geändert hat.
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Das Hochseil ist eine spätere Tradition. An dieser Fährstelle wurde 1928 das erste Stahldrahtgeflecht über die Weser gespannt. © CF

Der Fährmann hört zu, wird zum Mitwisser, manchmal auch zum Opfer wie im Nibelungenlied, in dem der düstere Hagen den Fährmann erschlägt, als dieser sich weigert, das Burgunderheer überzusetzen. Benjamin Bolte fürchtet sich nicht. Selten ist er allein. Ferge! Hol über!

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Der Soundartist Alex Hardt fing sie alle, die Klänge, Töne, Sounds, Geräusche und brachte meine Reportage auf eine ganz eigene Spur. © CF

Gierseilfähre Veckerhagen

Betreiber: Reinhard und Benjamin Bolte

Obere Weserstraße. 34359 Reinhardshagen (Veckerhagen)

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Benjamin Bolte (r.) mit einem guten Freund, dem Tischler Heiko Beuermann © CF

Gedenken an Verena Stefan

Heimat ist an Sprache gebunden

Ein Gespräch über die Autorin des feministischen Klassikers Häutungen 

Verena Stefan starb im November 2017. Jetzt lesen Weggefährtinnen an verschiedenen Orten der Welt aus ihrem Werk. Bei WDR 3 spreche ich über meine Begegnung mit Verena Stefan anlässlich der achten LitCologne in Köln.

22. März 2018

12 Uhr

WDR 3, Kultur am Mittag

Verena Stefan bei LitCologne 2008
Verena Stefan in der Kulturkirche in Köln im März 2008 © CF

1975 verfasste Verena Stefan Häutungen, ein Gegenprojekt zu einer Jahrtausende währenden Männerdomäne, der Autobiographie. Mit 300 000 Exemplaren avancierte Häutungen zum feministischen Bestseller. Sechs weitere Romane folgten. Der Liebe wegen zog die Deutsch-Schweizerin nach Kanada, engagierte sich in der Frauen- und Lesbenszene, erkrankte an Krebs. 2007 entstand ihr Roman Fremdschläfer, in der eine DU-Erzählerin ihr Leben in verschiedenen Räumen beschreibt, in Erinnerungsräumen, Sprachräumen, Zeiträumen. Kanada, das Land der Migration. Das Land der Krankheit, an einem anderen Ufer. Nah beim Tod, mitten in der Panik. Ende 2017 starb Verena Stefan. Sie wurde 70 Jahre alt. Weggefährtinnen in Kanada, der Schweiz und Deutschland lesen aus ihren Texten.

Veranstaltungen

Wir erinnern an Verena Stefan (gestorben: 29.11.2017)

Lesung mit Heidrun Grote und Monika Mengel

22.3.2018, 18.30

Frauenbildungshaus Zülpich, Prälat-Franken-Str. 22, 53909 Zülpich-Lövenich

Gedenkfeier im Frauenmuseum Wiesbaden

mit Monika Mengel, Maria Zemp, Heide Weller und Gabriele Meixner,

24.3. 2018, 15 Uhr

Frauenmuseum Wiesbaden, Wörthstr. 5, 65185 Wiesbaden

Literatur

Verena Stefan. Vier Neuauflagen bei Fischer Verlag. Frankfurt am Main 2015

http://www.fischerverlage.de

Häutungen (1975)

Es ist reich gewesen. Bericht vom Sterben meiner Mutter (1993)

Rauh, wild & frei. Mädchengestalten in der Literatur (1997)

Fremdschläfer (2007)

Andere Verlage

Mit Füßen und Flügeln. Gedichte und Zeichnungen. Verlag Frauenoffensive. München 1987

Wortgetreu ich träume. Geschichten & Geschichte. Arche Verlag. Zürich 1987

Als sei ich von einem anderen Stern. Jüdisches Leben in Montréal. (mit Chaim Vogt-Moykopf) Verlag Das Wunderhorn. Heidelberg 2011

180322 Befragung der Zeit_kleines Cover

Die Befragung der Zeit. Nagel & Kimche Verlag. München 2014

Verena Stefan bei LitCologne 2008 Wasserturm 2
Verena Stefan im Hotel im Wasserturm (Köln) © CF

Quellnymphen

Geliebt und Gefürchtet

Nymphe des geweinten Quells

Rainer Maria Rilke. Sonette an Orpheus 

SWR 2 Matinee zum Thema „Quellen“

Sonntag, 18. März 2018, 9 bis 12 Uhr

Gegen 9.40 Uhr läuft meine Miniatur über Quellnymphen

Lifestream und Podcast zu Quellnymphen

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Delphi, die Heimat der Quellnymphe Kastalia © CF

Nymphen hüten Quellen und stiften Wasser. Nymphen sind schön und lieben die Liebe. Salmakis liebte Hermaphroditos und wurde eins mit ihm, ein Zwitterwesen. An der Küste von Mysien begehrten Nymphen den Hylas, Herakles Geliebten, und zogen ihn in ihren Teich und damit in den Tod.

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Eine Silbermünze aus Syrakus (rund 500 v.Chr.) zeigt die Quellnymphe Arethusa. Sie war die Stadtgöttin der antiken Siedlung auf Sizilien © CF

Menschen verehren sie, bringen Opfergaben an ihre Quellen. Götter vergewaltigen sie mitunter, wie der Flussgott Kephisos die Wassernymphe Leiriope. Nymphen sind Wassergeister, Undinen, Rusalken, Jungfrauen, die ertranken. Das Gelächter der Rusalken ist tödlich, der Gesang der Lore Lay raubt den Verstand.

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In der Ilias und Odyssee beschreibt der antike Rhapsode Homer (Marmorkopf Glyptothek München) das Schicksal verschiedener Wasserfrauen wie das der Thetis, die Mutter des griechischen gHelden Achill. © CF

Quellnymphen ziehen durch die Kunstgeschichte, inspirieren Architektur, Literatur, Musik, Malerei. Sie genießen einen ambivalenten Ruf, sind schön, aber gefährlich, wie die Nymphen, die Hylas locken, auf dem Gemälde des englischen Präraffaeliten John William Waterhouse.

Jüngst war dieses Werk Gegenstand eines Happenings in der Manchester Art Gallery. Für kurze Zeit wurde das Gemälde abgehängt. Eine streitbare Geste vor der Kulisse von MeToo, Missbrauch und männlicher Dominanz.

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Die Archäologin und Museumskuratorin Astrid Fendt vor einem Weihestein des Hirtengottes Pan. Über der Grotte sind tanzende Najaden zu sehen. © CF

Wer sind sie wirklich, diese Wasserfrauen? Worin liegt ihr Zauber, ihr verstörendes Potenzial? Ich sprach mit der Archäologin Astrid Fendt, folgte alten Mythen und modernen Auslegungen.

ADRESSE

Glyptothek und Staatliche Antikensammlungen München

Königsplatz

80333 München

Glyptothek und Staatliche Antikensammlung in München

LITERATUR

Knauss, Florian: Die Kunst der Antike. Meisterwerke der Münchner Antikensammlungen Verlag C.H. Beck. München 2017
Wünsche, Raimund: Glyptothek München. Meisterwerke griechischer und römischer Skulptur. Verlag C.H. Beck. München 2016

 

Frauenwahlrecht im Iran

27. Februar 1963

Schah erlässt Dekret zum aktiven und passiven Frauenwahlrecht im Iran

ZeitZeichen – WDR 5: 9.45 Uhr/ WDR 3: 17.45 Uhr/ NDR

ZeitZeichen – Frauenwahlrecht im Iran

StichTag – WDR 2: ca. 9.40 Uhr (Wiederholung: 18.40 Uhr)

StichTag – Frauenwahlrecht im Iran

Sima Behmanesch (Titelbild li.) und Hellen Vaziri erinnern sich an die Zeit, als der Schah Mohammad Reza Pahlavi ihr Land mit Gewalt in die Moderne peitschte. Sie erlebten die Revolution im Jahr 1979 und flohen aus der Islamischen Republik Anfang der 1980er Jahre.

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Die Modernisierung des Schahs hatte keine Tiefenwirkung. Es gab keine Frauengruppen, geschweige denn eine Frauenbewegung, die eine wirkliche Emanzipation vorantreiben würde. Hellen Vaziri und Sima Behmanesch erinnern sich an zehn Nächte im Oktober 1977. Im Goethe Institut in Teheran feierten 62 000 Besucher_innen feierten die Freiheit der Poesie. „Dort habe ich mein erstes Flugblatt gelesen“, sagt Hellen Vaziri: „Nieder mit dem König hießt die Parole.“ Die junge Studentin hatte keine Ahnung, dass die Stadtpartisanin Sima Behmanesch jene Flyer ins Deutsche Kulturinstitut getragen hatte, im Schutz ihres Tschadors. „Wir haben geglaubt, nach dem Sturz des Schahs wird alles besser.“ © CF

Sima Behmanesch und Hellen Vaziri leben im Exil, hoffen auf die mutigen Frauen, die derzeit stille Zeichen des Protests setzen. Sie steigen auf Stromkästen an großen Straßen, lüften ihre erzwungenen Schleier, hängen sie an Stöcke und schwenken sie über ihren Köpfen. Doch die Revolutionswächter lassen nicht lange auf sich warten. Sie stürzen die Demonstrantinnen von ihren Bühnen, verprügeln und verhaften sie. Ihnen drohen bis zu zehn Jahre Haft.

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Sima Behmanesch ist Theaterpädagogin und Schauspielerin. Sie arbeitet mit Flüchtlingskindern. © CF

Nach wie vor sind Frauen vor dem Gesetz weniger wert als Männer. Fürs Verreisen brauchen sie die Erlaubnis von Vater oder Ehemann. Neunjährige Mädchen gelten als heiratsfähig und können für eine Straftat vor Gericht belangt werden. Auf Ehebruch steht Steinigung. Ehrenmorde seitens des Mannes werden nicht geahndet. Das ist die eine Facette. Eine andere: 60% der Studierenden sind Frauen.

Seit 1963 dürfen Frauen wählen und gewählt werden. Irans letzter Monarch Mohammad Reza Pahlevi erließ das Frauenwahlrecht per Dekret.

Auch in der Islamischen Republik geben Frauen ihre Stimme ab: in Moscheen und Schulen. Alle vier Jahre stellen sich Politikerinnen zur Wahl. Im aktuellen Parlament sind unter den 290 Abgeordneten 14 Frauen.

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Hellen Vaziri (li) ist Anwendungsentwicklerin und setzt sich für Frauenrechte im Iran ein.  © CF

Frauen prägen seit zweieinhalb Tausend Jahren den Iran. Sie waren Königinnen, sind Bäuerinnen, Kriegerinnen, Poetinnen, Nobelpreisträgerinnen. Vielleicht bekleiden sie einst das Amt der Staatspräsidentin oder der Premierministerin in einer säkularen Republik. 

Zur Zeit prägen sie das Bild der Proteste mit, tragen grüne Tücher, spielen Fußball, bloggen, twittern, facebooken ihre Gier nach Freiheit.

In beiden Features ist die musikalische Ebene weiblich. Zu hören sind iranische Stars, Sing/Songwriterinnen, Rapperinnen, das Spiel von Komponistinnen.

Adnan Tabatabai © Privat
Adnan Tabatabai: Analyst und Iran-Experte. Geschäftsführer von CARPO – Center for Applied Research in Partnership with the Orient. © Privat

Literatur

Tabatabai, Adnan: Morgen in Iran. Die Islamische Republik im Aufbruch. Edition Körper-Stiftung. Hamburg 2016

Link

My stealthy Freedom – Meine heimliche Freiheit

Facebook-Kampagne der iranischen Journalistin Masih Alinejad

Facebook – My stealthy Freedom

Über die Kampagne

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© CF

Fotos über Hippies und Black Panthers

Flower Power und Black Power in Schwarz Weiß 

Ausstellung mit 50 Werken des Künstler_innenpaares Ruth-Marion Baruch und Pickel Jones

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Barbara Engelbach: Kuratorin der Fotoausstellung Black Power – Flower Power © CF

Besprechung bei Scala auf WDR 5

2. Februar 2018

14 Uhr/ 21 Uhr: Wiederholung

Gespräch über die Ausstellung

Ruth-Marion Baruch und Pirkle Jones zeigen mit ihren Fotos den Inner Circle der Gegenbewegungen in den USA, Hippies und die Black Panther Party. Sie besuchten die Urzelle der Flower Power im Stadtteil Haight-Ashbury in San Francisco und sie waren bei einer Demonstration im nordkalifornischen Oakland, dem Gründungsort der Black Panther Partei zur Selbstverteidigung der African Americans. Die Fotos sind Poesie ohne Pathos, sie zeigen individuelle Gesichter zweier Bewegungen, die die USA erschütterten und nachhaltig prägten. Scala-Moderatorin Stefanie Junker sprach mit mir über die Ausstellung.

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Ein Foto von Pirkle Jones: Kathleen Cleaver, die Pressesprecherin der Plack Panther Partei, bei der Kundgebung Free Huey in Oakland. Aus der Kundgebung wurde eine Massenbewegung © CF

Black Power – Flower Power

Fotografien von Pirkle Jones und Ruth-Marion Baruch

3.2. bis 3.6. 2018

Museum Ludwig Köln/ Fotoraum

Heinrich-Böll-Platz

50667 Köln

http://www.museum-ludwig.de

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Ein Foto von Ruth-Marion Baruch: Jesus verkauft die Untergrundzeitschrift Oracle, das Organ des Summer of Love, mit Texten von Beat Poeten und LSD Gurus wie Allen Ginsbergh, Ken Kesey, Timothy Leary © CF