Auf ein Buch mit…

Online-Projekt vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels

WDR 5, Scala, 8.10.2021, 14 und 21 Uhr

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Mein Lieblingskinderbuch © Knesebeckverlag

Auf ein Buch mit… Schriftsteller:innen, Künstler:innen, Politiker:innen. Sie legen ihre Leselisten offen und wir dürfen stöbern. Hemmungslos. Werden wir inspiriert von den Titeln, die andere inspirieren, können wir uns gleich auf die nächste Plattform klicken, auf der sämtliche Buchhandlungen zu finden sind und bestellen. Hemmungslos.

Mein aktuelles Buch © Orlanda Verlag

aufeinbuchmit.de rief der Börsenverein des Deutschen Buchhandels ins Leben. Wie in einer Galerie hängen Portraits von Berühmten und weniger Berühmten an der Moinitorwand (s. Titelbild), bereit, ihren Steckbrief zu zeigen. Ein Klick genügt und wir erfahren, warum die Portraitiereten lesen, werden sie sind, welche Bücher sie emfehlen würden.

Mein aktuelles Buch: nominiert für den Deutschen Buchpreis 2021 © Zsolnay Verlag

siehe auch BLOGEINTRAG und ZeitZeichen vom 7.5.2021

Zeig mir Deine Bücher und ich sage Dir, wer Du bist. Funktioniert nicht ganz. Aber es macht Spaß, auf die Lektüre von Fremden zu glotzen, die noch dazu in irgendeiner Weise öffentlich sind. Frank Goosen zum Beispiel oder Cem Özdemir oder Inga Rumpf und und und. Natürlich ist die Plattform eine Werbeseite, aber was ist charmanter als für Bücher, Verlage, Buchläden zu werben? Mit Gesichtern, die vertraute und neue Seiten aufschlagen.

Anne-Mette Noack © vntr.media

Ich habe mich umgeschaut und mit der Frau gesprochen, die das Projekt Anfang 2020 ins Leben rief und es seither begleitet, Anne-Mette Noack, Leiterin des Bereichs Kulturprojekte und Marketing beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

Unser Aktuelles Buch © Beltz Verlag

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Auf ein Buch mit…

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TITANE

Im Kino: Der Goldene Palme-Gewinnerfilm 2021

TITELBILD

Neon-Chic: Alexia (Agathe Rousselle) treibt sich am liebsten in Untergrund-Clubs der Autotuner- Szene herum. © Carole Bethuel

WDR 5, Scala, LIVE-TALK

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Halb Mensch, halb Maschine: Nach einem Autounfall bekommt die junge Alexia eine Titanplatte in den Kopf implantiert. © Carole Bethuel

Im französischen Cannes ist Grandioses passiert. Der Film einer Newcomerin gewinnt die Goldene Palme, bei den Filmfestspielen 2021. Julia Ducournau ist damit die zweite Frau, die die begehrte Trophäe erhält. 1993! wird mit Jane Campion aus Neuseeland die erste Frau ausgezeichnet. Allerdings musste sie sich den Preis mit einem Regiekollegen teilen. Diese Palme ging ungeteilt an Julia Ducournau. Titane ist der zweite Langspielfilm der französischen Regisseurin. Und er war beim wichtigsten Filmfest der Welt der absolute Außenseiter.


Mit Wucht und Wut: Alexia (Agathe Rousselle) räkelt sich auf der Motorhaube ihres geliebten Cadillacs. © Carole Bethuel

Titane ist von allem etwas. Nur Komödie ist er nicht. Elemente von Body Horror sind definitiv drin. Das heißt, am Körper wird geschraubt, gerissen, gebrochen, gestochen, gehauen. Wir sehen Elemente von Splatter, wir sehen, wie verletzt wird, Familiendrama, Thriller, Road Movie. Vor allem ist er eine bittere Coming Of Age Geschichte. Es werden große Themen verhandelt wie Gender, sexuelle Identität, technisierte Körper, also die „Cyborgisierung“, wie es der polnische Schriftsteller Stanisław Lem ausdrückte. Und es geht um die tödliche Atmossphäre in einer nach wie vor sexistischen Männerwelt. Die Regisseurin selbst sagt: Mein Film ist feministisch, weil ich eine Feministin bin.

© Koch Films

Titane bricht mit Stereotypen. Ja, auch Frauen können in Serie morden, stark und einsam sein. Nur dem einzigen, offensichtlich lesbischen Charakter ereilt das Schicksal, das Filmlesben in der Geschichte des Mainstream-Kinos so oft ereilt. Sie hängen sich auf, werden erschlagen, erstochen, verbrannt oder wahnsinnig. Dennoch ist der Film ist sehens- und hörenswert, wird doch die hoch aktuelle Mensch-Maschine-Beziehung in starken Bildern verhandelt. Es wird kaum geredet, aber es gibt einen Soundtrack, der wie der Chor im antiken Drama das Geschehen kommentiert.

In Flammen: Alexia (Agathe Rousselle) ist sehr nah am Feuer gebaut. Das Urelement zieht sich durch den gesamten Film. © Carole Bethuel

Mirjam Müntefering

Die Schriftstellerin und ihre Familie

© CF

WDR 3, Mosaik, 7. Oktober 2021, 8 Uhr

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Im Garten der Familie Müntefering © CF

Die Schriftstellerin Mirjam Müntefering lebt mit Ehefrau Sabine, Katzen, Hühnern, Meerschweinchen, wilden Vögeln und zwei Hundedamen auf dem Land.

Holly und Mariele sind englische Cockerspaniel, „meine Herzenshunderasse. Ein wenig durchgeknallt, temperamentvoll, lustig, verschmust.“ Oft begleiten sie die Schriftstellerin auf ihrem Arbeitsweg, vorbei am Schuppen der Meerschweinchen.

Aus schlimmen Verhältnissen gerettet © CF

Der Weg zum Genius Loci liegt auf einer gedachten Diagonale, zwischen Fachwerkhaus und „Schreibwagen“, einem ausgebauten Bauwagen namens Watson (siehe Titelbild).

In Watson schreibt Mirjam Müntefering Romane, in denen alle möglichen Familienentwürfe vorkommen. Sie selbst entschied sich für die Kunst und nicht für Kinder. Im Dezember erscheint Verlagstitel 48.

Ich sprach mit Mirjam Müntefering über das Schreiben, über ihre Beziehung zu Kindern, über Tiere und Familie.

FARBE DER WAHL

Man(n) trägt BLAU

WDR 5 Scala am 27.9.2021

14 und 21 Uhr

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Der Wahlabend war ein Krimi. Alle haben Leichen im Keller, niemand zeigt das wahre Gesicht. Sämtliche Parteien geben sich bedeckt und so wirkte die Inszenierung gezähmt, lahm, nicht sehr skandalös. So wird meine Aufmerksamkeit nicht auf das gelenkt, was sie drauf haben, sondern anhaben. Und plötzlich wird es richtig spannend, hoch mysteriös. Meine Glosse zur Farbwahl.

Angela Merkel

Die vielen Seiten der Kanzlerin

Biographie * Portrait * Karikatur

WDR 5, Scala, 21.9.2021, 14 und 21 Uhr

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TITELBILD: aus Mein Merkelbilderbuch / Zeichnungen: Klaus Stuttmann

© Schaltzeit Verlag/ Zeichnung: Klaus Stuttmann

Angela Merkel, Bundeskanzlerin seit 16 Jahren, bietet Anlass genug für Zuschreibungen: Kohls Mädchen, Frau ohne Eigenschaften, „Zauder-Künstlerin“ (Nikolaus Blome), Langweilerin, Rhetorikerin zum Einschlafen, Verfechterin der „Lethargokratie“ (Peter Sloterdijk). Doch es gibt viele Buchseiten, die das Blatt wenden, die immer wieder neue Kapitel aufschlagen, und Angela Merkel in einem anderen Licht darstellen als sie gemeinhin erscheint. Seiten, die ohne die immer wiedergekäuten Klischees auskommen, die aber alles andere als Heiligenverehrungen sind.

Zur Zeit erscheint ein Buch nach dem anderen über die scheidende Kanzlerin, Bildbände, Biographien, ihre großen Reden, Abrechnungen, Belletristik. Ich habe mir vier Bücher genauer angeschaut, drei Werke stelle ich im Radio-Feature vor: Die Kanzlerin, Angela Merkel, Mein Merkelbilderbuch

Der Spiegelbesteller von Robin Alexander (Stellvertretender Chefredakteur Politik der Welt) ist leider nicht dabei. „Machtverfall. Merkels Ende und das Drama der deutschen Politik“ ist aber unbedingt lesenswert. Robin Alexander beleuchtet die letzte der vier Legislaturperioden. Sein „Report“ liest sich wie eine Polit-Satire, bissig, klug und komisch. Dabei ist vieles einfach zum Heulen. Denn „Uns ist das Ding entglitten“, sagt Merkel mit Blick auf die Pandemie, die ihre Regierung einfach nicht im Griff hat. Alexander hievt die intern geäußerte Ohnmachtsbekundung an den Anfang seines Buches. Dabei geht es ganz klar um Macht, um die Eliten und ihre Kämpfe in Hinterzimmern, Restaurant-Nischen, an Tankstellen. „Annegret Kramp-Karrenbauers Traum vom Einzug ins Kanzleramt endet vor einer sächsischen Autobahnraststätte.“

Klaus Stuttmann (Tagespolitischer Karikaturist) © Privat
Ursula Weidenfeld (Historikerin, Wirtschaftsjournalistin) © Marc Darchinger
Ralph Bollmann (Historiker, wirtschaftspolitischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung) © Daniel Pilar

Die 800-Seiten starke Biographie von Ralph Bollmann hat das Zeug zum Standardwerk; und mit dem Portrait einer Epoche gelingt Ursula Weidenfeld auf knapp 400 Seiten eine prägnante Studie. Beide kommen ohne Ornamente oder Schnörkel aus. Und wer sich ein Bild machen will, blättert sich durch die Karikaturen von Klaus Stuttmann, der die Ära Merkel hautnah begleitet hat.

Ohne Worte: Klaus Stuttmanns erste Karikatur trägt ein Namensschild © Schaltzeit Verlag

Stanisław Lem

1921: Geburtstag des Schriftstellers, Futurologen und Philosophen

„Kassandra von Krakau“

Auf den Umlaufbahnen des kosmischen Humors

12. September 2021, WDR 5: 9.45 Uhr/ WDR 3: 17.45 Uhr

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TITELBILD

Sternentstehungsgebiet AFGL 5180 im Sternbild Zwillinge © ESA/Hubble & NASA, J. C. Tan (Chalmers University & University of Virginia), R. Fedriani (Chalmers University) / Judy Schmidt

Ich bin ein sehr irdischer Mensch. Ich würde mich nie persönlich ins Weltall begeben wollen. Dahin schicke ich meine Helden. (Stanisław Lem in einem Interview im August 1985)

Stanisław Lem ist Philosoph, Futurologe, Schriftsteller. „Lems Literatur ist Science-Fiction im wörtlichen Sinne: Als wissenschaftliche Phantastik leistet sie eine kritische Auseinandersetzung mit der technologischen Zivilisation“, schreibt Alfred Gall in seiner Biographie über den jüdisch polnischen Autor. Lem zählt zu den berühmtesten Romanciers in Polen. Seine Werke liegen in fast 60 Übersetzungen vor, wurden oft verfilmt und vielfach ausgezeichnet.

Stanisław Lem: Schreibmaschine immer, Computer nie © Jerry Bauer/ Suhrkamp Verlag

Stanisław Herman Lem wird in Lwów – Lemberg geboren, am 12. September 1921, so steht es in den Dokumenten. Am 13. September, so sagt es Lem selbst, aber des Aberglaubens wegen sei seine Geburt einen Tag vorverlegt worden, zu lesen in Alfred Galls Biographie.

In Lemberg verbringt das einzige Kind von Samuel und Sabina Lem Kindheit und Jugend. Hier beginnt er Medizin zu studieren. Während des Zweiten Weltkrieges verbirgt Stanisław Lem arbeitet als Autoschlosser in einer deutschen Fabrik, die mit jüdischen Fachkräften und zerschossenen Kriegsgeräten viel Geld macht. „Er hat einmal später gesagt, dass er Hitler gebraucht habe, um draufzukommen, dass er ein Jude sei.“, sagt Alfred Gall. Der „Jude“ Stanisław Lem entgeht dem Ghetto. Später muss er mit falschem Pass untertauchen. Nach dem Krieg gehört Lemberg zur Sowjetunion. Die Familie Lem wird „repatrisiert“, gewissermaßen „vertrieben“, und zieht gezwungenermaßen ins polnische Krakau. Der Sohn setzt zunächst sein Medizinstudium fort, wird aber nicht Arzt, sondern Schriftsteller.

Er lebt mit einer Ärztin und dem gemeinsamen Sohn in einem Haus. Er übersetzt Fachliteratur aus dem Russischen, befasst sich mit Kybernetik und Literaturtheorie.

Seine Zukunfts-Szenarien sind bis heute wegweisend. Es geht um Raumfahrt, Cyborgs, die Technologisierung von Natur und Kultur. Und es geht immer wieder um die irdische Gesellschaft und deren Probleme. Im März 2006 stirbt Stanisław Lem in Krakau. Feci, quod potui, faciant meliora potentes, steht auf dem Grab: Ich habe getan, was ich konnte, mögen die, die es können, besser machen.

Literaturwissenschaftler und Lem-Biograph Alfred Gall © Privat

Über Leben und Werk sprach ich mit Alfred Gall, Professor für westslawische Literatur und Kulturwissenschaft an der Universität Mainz, wissenschaftlicher Leiter des Polonicums und Autor einer Biographie über Stanisław Lem.

Cypherpunkerin Aleksandra Sowa © Claudia Friedrich

Ich sprach mit Aleksandra Sowa, Spezialistin für Informationssicherheit, Cybersicherheit und Datenschutz, die in ihren Büchern und Kolumnen versucht, Science-Fiction, Technologie und digitale Politik unter einen Hut zu bringen. Aleksandra Sowa interpretiert einige ihrer Lieblingsstellen im polnischen Original.

Oliver Brod © Mauricio Gambarini

Die deutschsprachigen Zitate interpretiert der Schauspieler OIiver Brod, eine wunderbare Stimme, die den Nerv der Sprache trifft.

Solaris macht Stanisław Lem berühmt. © Ullstein-Verlag
UdSSR, Film; Donatas Banionis als Chris Kelvin in einer Szene aus dem Spielfilm „Solaris“ nach dem Roman von Stanisław Lem, Regie: Andrei Tarkowski, UdSSR, 1972.

Stanisław Lem (Auswahl)

Der Mensch vom Mars. (Człowiek z Marsa 1946) Insel Verlag Frankfurt am Main 1989/ Suhrkamp eBook 2013

Kyberiade Teil 1 und 2 (Cyberiada 1965) Insel Verlag Frankfurt am Main 1983/ Suhrkamp eBook 2013

Das hohe Schloß (Wysoki Zamek 1968) Verlag Volk und Welt 1990/ Suhrkamp Taschenbuch 3/ 2016

Also sprach GOLEM (Golem XIV 1973/ 1981) Insel Verlag Frankfurt am Main 1984/ Suhrkamp Taschenbuch 11/ 2016

Summa technologiae (Wydawnictwo Literackie 1964) Insel Verlag Frankfurt am Main 1976/ Suhrkamp eBook 2013

Suhrkamp-Jubiläumsausgabe Taschenbuch 2021 (s.o)

Der Unbesiegbare (Niezwyciȩżony 1964)

Der Futurologische Kongress (Kongres futurologiczny 1971)

Sterntagebücher (Dzienniki Gwiazdowe 1971)

Best of Lem (Hg. Jan-Eric Strasser)

Neuausgabe Ullstein Taschenbuch 2021

Solaris (Solaris 1968)

BIOGRAPHIE

Gall, Alfred: Stanisław Lem. Leben in der Zukunft. Wissenschaftliche Buchgesellschaft. Darmstadt 2021

Ig-Nobelpreis

Fantastische Forschung

WDR 3 Resonanzen, 10.9.2021, 18 Uhr

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Ig-Nobelpreise bekommt nur, wer zu neuen Themen forscht UND dabei Humor und Phantasie beweist. Ein Team zum Beispiel analysiert die Gerüche des Publikums in Kinosälen, ein anderes weist nach, wie Nasenschwellungen zu beheben sind. Ignobel ist eine Anspielung auf die höchste Auszeichnung, die Forschende erhalten können, und es ist ein Sprachspiel. Denn das englische Wort bedeutet genau das Gegenteil von nobel. Der alternativer Wissenschaftspreis wird seit 1991 jährlich im USamerikanischen Cambridge verliehen, im Rahmen einer Gala, die die annals of imrobable research ausrichtet. Die Preise verleiht eine hochkarätige Jury, der unter anderem Nobelpreisträger:innen angehören.

Netzliteraturwissenschaft.net

Digitaler Diskurs

WDR 5, Scala, 10.9.2021, 14 und 21 Uhr

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meine Netzkultur folgt ab Minute 30’13

Prof. Thomas Ernst (Kurator des Forschungsportals Netzwissenschaft.net) © Privat

Seit August 2021 ist das Internet um eine Seite reicher. Der Literaturprofessor Thomas Ernst entwickelte ein Portal unter dem Titel netzliteraturwissenschaft.net. Was ist Netzliteraturwissenschaft und was unterscheidet sie von der klassischen Literaturforschung? Noch in den 1990er Jahren rümpften eingefleischte Geistenswissenschaftler:innen die Nase über all die merkwürdigen Weblogs, die damals aufkamen, die Romane mit Hyperlinks und die Internetpoesie. Das sei doch keine Literatur, hieß es. 30 Jahre später gibt es einen Wissenschaftszweig, der sich genau damit befasst. Ich sprach mit Thomas Ernst, Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und digitale Kulturen an den Universitäten in Antwerpen und Amsterdam.

#Netzliteraturwissenschaft

Mikis Theodorakis

Zum Tod eines Titans

Komponist, Kämpfer, Weltbürger

gestorben am 2. September 2021

!!!!!! Mein Sonder-Feature (35 Minuten) !!!!!

ein Streifzug durch Leben und Werk, zu hören bei

ARD Radiofestival am 2.9.2021, 23.30 Uhr

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Mikis Theodorakis auf seiner letzten Reise im Jahr 2017 © CF

Mikis Theodorakis starb in Athen im Alter von 96 Jahren. Hierzulande ist sein Name vor allem mit Alexis Zorbas verbunden, dem Titelhelden in dem gleichnamigen Film von Michalis Kakoyannis. Die Filmmusik, die Theodorakis Anfang der 1960er schrieb, machte ihn weltberühmt und steckte ihn in eine Schublade. Doch Mikis Theodorakis ist unendlich mehr als der tanzende Anthony Quinn.

Mikis Theodorakis schöpft aus dem reichen Œuvre von Ost und West, verbindet die klassische Symphonik des Wsestens mit der Musiktradition des Ostens, mit byzantinischer Kirchenmusik und Volksmusik. Er arbeitete mit zeitgenössischen Dichtern zusammen und vertonte ihre Lyrik. Im Laufe seines Schaffens entstanden um die 1000 Lieder, kongenial interpretiert von der Hohepriesterin seiner Musik, wie er sie selbst nannte, von Maria Farantouri.

Maria Farantouri © CF

Theodorakis‘ Werke sind nie l’art pour l’art, nie Kunst allein um der Kunst willen. Mit den Linken kämpfte er gegen die deutsche Besatzung und im blutigen Bürgerkrieg, starb beinahe in den Gefangenenlagern der Militärdiktatur. Für die Konservativen trat er als Minister an, auf den Bühnen der Welt erhob seine Stimme für die Freiheit

Ich hatte das Glück, ihn zweimal zu erleben, einmal in der DDR, in Dresden, im Kulturpalast, als sein Oratorium Axion Esti deutsche Premiere feierte, mit Mikis Theodorakis am Pult. Und einmal in Köln in einem privaten Salon, als er mit 92 Jahren seine letzte Reise unternahm. Sein Sessel stand direkt neben meinem Stuhl. Junge Musiker:innen führen einige seiner Stücke auf. Der „Schlussstein“ ist ein Lied aus Axion Esti

© CF

Museum & Inklusion

Zu Gast im Archäologischen Park Xanten

Titelbild: römische Therme © CF

WDR 3, Mosaik am 1.9.2021, 8 Uhr

Kein Dünnbrettbohrer: 30 Meter lange Eichenbretter für den Prahm (li). Den Lastkahn nutzten die Römern auch als Gierseilfähre © CF

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Navis Lusoria: der Nachbau eines römischen Kriegsschiffs mit Schilden aus Eichenholz, bespannt mit in Leinöl getränkten Leinenstoffen, eingefasst mit Rohhaut © CF
Den richtigen Ton: Lynn Bardehle (Schreinerlehrling) mischt natürliche Pigmente mit Wasser und bemalt das Schild mit Meereswesen. © CF

Rund 6700 Museen gibt es in Deutschland, in NRW sind es rund 900 Museen. Und wie ist es um die Inklusion bestellt? Denn Inklusion ist das Gebot der Stunde, ach was, vieler Stunden, spätestens seit 2008 die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen für alle Mitgliedstaaten bindend ist.

Einbaum in der Hand: Tischlergeselle Stefan Achterberg mit seinem ersten selbst gebauten Modell
Volle Kraft voraus: Stefan Achterberg baut römische Schiffe im Maßstab 1:10

Inklusion ändert die Museumslandschaft. Rampen statt Freitreppen. Interaktion statt Belehrung. Informationen in einer oder mehrerer von rund 200 Gebärdensprachen weltweit. Kein Denken in Zielgruppen. Braille-Schrift, kurze Sätze, leichte Sprache. Sitzbänke, fahrbare Vitrinen. Multimedia und und und….

In der Werkstatt: Tischlermeister und Ausbilder Stefan Haupt rekonstruiert einen Hausschrein (Edicula) nach einem Vorbild, das unter der Asche des Vesuvs konserviert wurde © CF
Auf dem Holzweg: Nanotechnologie für die Verzierung mit Birnbaum auf Fichte © CF

Museen haben doch den Anspruch, Hüterinnen der hohen Kunst zu sein, einerseits. Auf der anderen Seite ist es gerade ein Jahrhundert her, dass in Völkershows First Peoples als Indianer ausgestellt wurden, dass Pädagogen die Gebärdensprache als Affengeschwätz beschrieben, dass Kunst von Verrückten als Kuriosum galt.

Auf der Minerva: Dr. Gabriele Schmidhuber, wissenschaftliche Leiterin des Schiffsbaus und der Holzwerkstatt, an Bord einer Liburne, mit der die Römer die Grenzen sicherten. Das Vorbild für den Nachbau lag auf dem Rheingrund bei Mainz. © CF
Pünte: Der sechste und letzte Schiffsnachbau aus der Werkstatt. Gäste sind willkommen © CF

Inklusion ist ein Leitbild, eine Chance für neue Konzepte, für einen diversen Blick auf die Welt. Das Team im Archäologischen Park und Römermuseum des LVR in Xanten nimmt das Thema ernst. Mit allen Sinnen, Spaß und Didaktik lockt das Team seine Gäste in die römische Antike. Wenn wir wollen, haben wir den Helm auf, Kettenhemd an, Gladius am Gürtel, Marschgepäck über der Schulter.

An der Römischen Herberge: Stephan Quick, Althistoriker und Museumspädagoge, steht im Kräutergarten © CF

Das Publikum darf begreifen, darf 2000 Jahre alte Originale in die Hand nehmen und lesen wie wie ein Buch. Auf dem weiten Gelände gibt es Bänke, im Museum sanft ansteigende Rampen. Rollstühle und Rollatoren können ausgeliehen werden.

Einbaum aus einer sehr langen Eiche © CF

Archäologischer Park Xanten

Den Nagel auf den Kopf: Tausende handgeschmiedete Eisennägel halten die Holzteile zusammen © CF

Literatur (Auswahl)

Golüke, Christian: Ein Tag im Römischen Xanten. Das Entdeckerbuch nicht nur für Kinder. LVR 2/ 2019

Müller, Martin/ Schalles, Hans-Joachim (Hg.) Römermuseum im Archäologischen Park Xanten. LVR 2008

Müller, Martin/ Schalles, Hans-Joachim (Hg.) NUR FÜR KINDER Römermuseum im Archäologischen Park Xanten. LVR 2008

Heimberg, Ursula/ Rieche, Anita (hg.): Colonia Ulpia Traiana. Die römische Stadt. Planung/ Architektur/ Ausgrabung. LVR Abtei Brauweiler

Diurnarius im Dienst: Claudius Fridericus © Stephan Quick