Aufgefaltet – Fold

Der Rhythmus vom Knicken – The dance of kinks

WDR 5 Neugier Genügt

6. Dezember 2018, nach 10 Uhr

Link zum Hörstück übers Falten – Touch it Hear it Fold it

Link zur WDR Fotostrecke – Touch for the Photogallery in the WDR Web

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Papierkünstler Peter Dahmen schiebt ein Pop up in den Raum © CF

Falten ist lowtech, ist simpel, ist Pop up. Die einen falten Hände, die anderen Papier, die dritten digital, zum Beispiel dann, wenn sie das Wissenschaftsgame Foldit spielen.

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Foldit für Mensch und Tier  © CF

Foldit ist ein Videospiel, das an der Uni Washington in Seattle entwickelt wurde. Die Weltspielegemeinde darf Proteine falten und ihre Ergebnisse an das Institut für Proteinforschung schicken. Ich sprach mit dem Biochemiker Brian Koepnick.

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Ziehharmonikafalten sind Klassiker und zugleich Erinnerungskonzept an die eigene Kindheit © CF

Ohne Falten gäbe es kein Leben, kein Origami, keine Botoxspritzen. In meinem hörspielartigen Feature begebe ich mich in eine Welt der Dinge und des Denkens zwischen Bergfalte und Talfalte.

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Athen (Griechenland), in der Kaserne der Präsidialgarde – a soldier in Athens, wearing a scirt with pleats © CF

Folding is low tech, is life, is complicated, is beauty. We fold hands, paper, clothes. Scientists use the model of origami to explain processes, which happen every second in our body, when aminoacidchains fold themselves into protein-molecules. Paper Engineers creat structures, which pop out a folded card. A radioessay about the mystery of folding.

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The Tailoring in the barracks of the Evzones in Athens (Greece) – In der Schneiderei entstehen die Uniformen der Elitesoldaten. © CF

Der weiße Faltenrock, die Foustanella ist ein nationales Symbol. In der Zeit der Befreiungskriege gegen das Osmanische Reich trugen Rebellen den Faltenrock. The fustanella is a national symbol of Greece. In the time of the Osmanic Empire rebells carried th fustanella as a amour. Today the gardists of the president in Athens (Greece) wear the foustanella, the skirts with 400 pleates on Sunday and on holidays.

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Evangelos Lasos ist the dressmaker of the uniforms. His colleague Despina Politis (left) stiches a foustanella © CF

Literatur

Jackson_Falttechniken
Haupt Verlag. Bern 2015
Jackson_Schneiden und Falten
Haupt Verlag. Bern 2017

Holt, Neil/ Velsen von, Nicola (Hg.): Papier. Material, Medium und Faszinosum. Prestel Verlag. München London New York 2018

Goetschel, Antoine F.: Animal Spa. Die Geschichten des Tieranwalts. (Hg. Global Animal Law Gal Verein). C.F. Portmann Verlag. Küsnacht 2018

Goetschel, Antoine F.: Tiere klagen an. S. Fischer Verlag. Frankfurt am Main 2012 

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Antoine F. Goetschel – Internationaler Berater für das Tier in Recht und Ethik © CF

Antoine F. Goetschel (Anwalt in Zürich)

Global Animal Law GAL Verein

Das Logo ist eine gefaltete Elefantenkuh (s. Titelbild)

Präsident: Antoine F. Goetschel

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Papierdesigner Peter Dahmen kreiert Pop ups © CF
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Aus 2D wird 3D: Das Vorbild ist das Hotel Rothschild 22 in Tel Aviv © CF

Peter Dahmen (Papierdesigner und Pop up-Künstler

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Täuschung durch präzise Faltung: In der Zauberakademie lernen die Lehrlinge, den Dollarschein in eine Spendenquittung zu verwandeln – in the academy of the Magier learn the students, how to fold a dollar note and unfold a receipt © CF

Akademie der Zauberkunst

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Zaubermeister Christian Jedinat © CF

Black Table Magic Theater

Christian Jedinat und René Vander Vreken

Aachenmünchener-Platz 8

52064 Aachen

Lord Byron © CF
Um 1830 portraitierte ein anonymer Maler den englischen Dichter Lord George Gordon Byron vor der Akropolis, gewandet in einer  Foustanella, der Uniform der Rebellen gegen das Osmanische Reich © Benaki Museum

Benaki Museum in Athen (Griechenland)

Museum of greek culture

Im Museum hängen viele Originale aus der Zeit der Befreiungskriege Griechenlands gegen das Osmanische Reich, an denen Philhelenen wie Lord Byron teilnahm.

1 Koumbari St.& Vas. Sofias Avenue. 10674 Athen

Denkmal des unbekannten Soldaten

Syntagma Platz, Athen

Evzonen (Präsidialgarde)

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Evzone Konstantinos Peristeris (re.) und Gardeoffizier Nikolaos Vavlekis (das Foto zeigt Nikolaos Vavlekis in der Uniform der Präsidialgardisten) © CF
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Ernst Toller

1.12. 1893: Geburtstag des Dichters und Dramatikers Ernst Toller

Um gerecht zu sein, darf man nicht vergessen

ZeitZeichen am 1. Dezember 2018

WDR 5: 9.45 Uhr/ WDR 3: 17.45 Uhr

Link zum Audio über Ernst Toller

„Eine jüdische Mutter hat mich geboren, Deutschland hat mich genährt, Europa hat mich gebildet, meine Heimat ist die Erde, die Welt mein Vaterland.“Als Ernst Toller diese Zeilen für seine Autobiographie Eine Jugend in Deutschland schrieb, sind die Nationalsozialisten fast an der Macht. Im Januar 1933 zogen sie in den Reichstag ein. Zufällig weilte Ernst Toller in dieser Zeit auf einer Vortragsreise in der Schweiz, war aus Versehen bereits im Exil. Seine Wohnung wurde gestürmt, sein Schriftgut verbrannt, seine deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Ernst Toller emigrierte nach London, später in die USA. Aus dem Exil heraus engagierte er sich gegen die Diktaturen in Deutschland und Spanien.

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Ernst Toller (1893 bis 1939) © Ernst-Toller-Gesellschaft

Geboren am 1. Dezember 1893 in Samotschin westlich von Posen wuchs er in einer jüdischen Kaufmannsfamilie auf. Mit 23 zog er in den Ersten der beiden Weltkriege und kehrte krank zurück. Der Patriot wandelte sich zum Pazifisten und Weltbürger.

Während in Berlin seine Stücke Beifall ernteten, verbüßte er in Bayern eine mehrjährige Festungshaft wegen Hochverrats. Ernst Toller war an der nur kurz währenden Münchner Räterepublik beteiligt, bevor sie im Frühling 1919 von Freikorps-Soldaten blutig niedergeschlagen wurde. In einer kleinen Zelle schrieb Ernst Toller  Theaterstücke wie Die Wandlung, Masse Mensch, Der deutsche Hinkemann.

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Das Hochzeitsphoto (1935) © Ernst-Toller-Gesellschaft

Im Exil in London heiratete er seine 20 Jahre jüngere Lebensgefährtin Christiane Krautoff. Als Kinderstar wurde sie in Deutschland berühmt. In Berlin hatte sie sich in den Schriftsteller verliebt.

Ein Jahr vor seinem Tod trennte sich Christiane Grautoff von Ernst Toller. Im Mai 1939 erhielt sie ein Telegramm: Ernst Toller hung himself during the night. Im Bad eines Hotelzimmers in New York setzte er seinem Leben ein Ende.

Christiane Grautoff © Weidle Verlag

Heute wird er neu entdeckt, nicht zuletzt durch die wertvolle Arbeit der Ernst Toller Gesellschaft mit Sitz in Neuburg an der Donau. Seit 1993 vergibt sie den Ernst Toller Preis. Am 1. Dezember zum Beispiel wird der Ernst Toller-Preis vergeben. 2018 erhält Wolf Biermann die Auszeichnung. Bisherige Preisträger_innen sind unter anderem Julie Zeh, Günter Grass und Albert Ostermaier.

ET 1 © Ernst Toller Gesellschaft
© Ernst-Toller-Gesellschaft e.V.

10. Ernst Toller-Preis

1.12.2018

Preisträger: Wolf Biermann

Preisgeld: 5000 Euro

Ernst Toller-Gesellschaft

www.ernst-toller.de

Ausgewählte Literatur

Ernst Toller Briefe © Wallstein Verlag

Toller, Ernst: Briefe 1915-1939. Kritische Ausgabe (2 BD./ Hrsg von Stefan Neuhaus, Gerhard Scholz, Irene Zanol, Martin Gerstenbräun, Veronika Schuchter und Kirsten Reimers unter Mitarbeit von Peter Langemeyer). Wallstein Verlag. Göttingen 2018

181201 Michael Pilz © Michael Pilz
Der Literaturwissenschaftler Michael Pilz arbeitet an der Kritischen Werkausgabe © Privat

Toller, Ernst: Sämtliche Werke (6 Bd./ Im Auftrag der Ernst-Toller-Gesellschaft hg. von D. Distl, M. Gerstenbräun, T. Hoffmann, J. Jordan, S. Lamb, P. Langemeyer, K. Leydecker, S. Neuhaus, M. Pilz, K. Reimers, Ch. Schönfeld, G. Scholz, R. Selbmann, Th. Unger und I. Zano). Wallstein Verlag. Göttingen 2014

Michael Pilz ist einer meiner Interviewpartner © Uni Innsbruck

Toller, Ernst: Masse-Mensch. Ein Stück aus der sozialen Revolution des 20. Jahrhunderts. (Hg. Volker Ladenthin und Mario Leis) Reclam Verlag. Stuttgart 2015

Toller, Ernst: Eine Jugend in Deutschland. (Hg. Wolfgang Frühwald). Reclam Verlag. Stuttgart 2013

Ostermaier, Albert und Feld, Werner (HG): Die Göttin und ihr Sozialist. Christiane Grautoff – ihr Leben mit Ernst Toller. Weide Verlag. Bonn 1996

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Volker Ladenthin interviewte ich zu Ernst Toller (Erziehungswissenschaftler, Uni Bonn) © Claudia Friedrich

Ladenthin, Volker: Gerechtes Erzählen. Studien zu Thomas Manns Erzählung „Das Gesetz“, zu Theodor Storm und Ernst Toller. Königshauses & Neumann. Würzburg 2010

Reichs-Tierschutzgesetz

24.11.1933

Drittes Reich erlässt Tierschutzgesetz

Bei WDR 5 und WDR 3 läuft mein ZeitZeichen über das Gesetz

24.11. 2018, 9.45 Uhr (WDR 5) und 17.45 Uhr (WDR 3)

Audio: Feature übers Reichs-Tierschutzgesetz

Gegen 9.40 Uhr läuft bei WDR 2 der StichTag, der sich ebenfalls mit dem Reichs-Tierschutzgesetz befasst. Es geht um die langen Schatten, die das Regelwerk bis ins Heute wirft. Der Comic Tierethik greift die Problematik auf.

Audio: Miniatur über Tierethik und Tierschutz

Im Jahr 2017 veröffentlichte der Wilhelm Fink Verlag Tierethik. Der Comic zur Debatte, über die Geschichte der Tierethik von der Antike bis heute. Der Text stammt von Julia Kockel, die Zeichnungen von Oliver Hahn (siehe Titelbild).

Episode aus dem Comic Tierethik: © Oliver Hahn

Demonstrant_innen aus dem rechten Lager nutzen den Tierschutz auch heute als Propaganda und beziehen sich auf die angeblich tierfreundliche Gesetzgebung der Nazis. 

Der Comicstar: Die Mücke weiß Alles besser © Oliver Hahn

Sie gab sich tierlieb, die nationalsozialistische Regierung, so tierlieb, dass sie in Viehwagons Menschen deportieren ließ, dass sie Tierversuche verbot und mit Häftlingen experimentierte, dass sie im Jahr ihrer Machtergreifung das erste deutsche Tierschutzgesetz verabschiedete. „Verboten ist, ein Tier unnötig zu quälen oder roh zu mißhandeln“, so lautet § 1 des Regelwerkes.

Tierstudien © Neofelis
Die Historikerin Mieke Roscher ist Professorin in der Fakultät Human-Animal Studies an der Universität Kassel.

Nach vier Fassungen stand das Reichstierschutzgesetzund brachte den Nationalsozialisten weltweite Anerkennung ein. Ihr juristisches Werk erschien vor der Kulisse einer internationalen Bewegung, die bereits seit einem Jahrhundert um Tierrechte kämpfte. 1822 brachte das britische Parlament das erste Tierschutzgesetz weltweit auf den Weg. 15 Jahre später gründete ein Pfarrer in Stuttgart den ersten deutschen Tierschutzverein.

Tierethik © Wilhelm Fink

Im Oktober 1925 hielt der jüdische Tierschützer Heinrich Zimmermann im Sportpalast in Berlin einen Vortrag über Tierquälerei und initiierte die Einführung des Internationalen Tierschutztages. Der Boden war bereitet, Tier- und Naturschützer_innen begrüßten das Gesetz. Doch neben dem Zeitgeist wehte ein anderer Geist, eiskalt und verstörend. Das Gesetz bedeutete nicht nur juristischer Beistand für die Fauna.

Animal Spa © Portmann Verlag

Das Regelwerk aus dem Jahre 1933 war subtile Propaganda; es stand für deutsche Tierliebe und jüdischen Blutkult, fürs Schächten. Es stand für edle Hunde, Wölfe, Hirsche und niedere Ratten, für „Untermenschen“, Herrenrassen und Opferlämmer.

Mieke Roscher hat die Professur für die Geschichte der Beziehungen zwischen Tieren und Menschen inne, an der Uni Kassel © Sonja Rode

Nach 1945 wurde das Reichs-Tierschutzgesetz in beiden deutschen Staaten übernommen. Das erlebte der jüdische Tieraktivist Heinrich Zimmermann nicht mehr. Er starb im KZ.

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Antoine F. Goetschel: Jurist, Buchautor, Präsident des Global Animal Law GAL Vereins. Animal Spa ist sein 13. Buch © CF
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Julia Kockel: Philosophin, Lektorin und Autorin von Tierethik. Der Comic zur Debatte © CF
© Oliver Hahn

Peloponnes – ein Roadmovie

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Katerina Katsatou rezitiert Homer im Theater der antiken Stadt von Messini © CF

ALTES LAND & JUNGE IDEEN

Kreative Kulturen gegen die Krise

WDR 5 Neugier Genügt

10.11. 2018, nach 10 Uhr

WDR 5 – Fotostrecke zum Reisefeature

Link zum Peloponnes-Reisefeature

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Baum auf dem Grundstück von Silver Leaf (Skala, Lakonien)

Seit Beginn der Krise verließen rund eine halbe Million Menschen Griechenland. Die meisten sind zwischen 20 und 40. Wir brachen auf, auf der Suche nach denen, die bleiben, fuhren in den Süden der Peloponnes, zum  westlichen der drei Finger, der ins Ionische Meer ragt.

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Pylos (Messenien) © CF

The Feature is a hommage to all creative people, who have visions and the guts, not to go secure ways, to take a risk and have dreams. We found such people in Greece, on the Peloponnes. We went to the south, vistied Methony, Gialova, Skala. We met the interior architect and hotelowner Angeliki Lappa, the Landlord of the Taverne Elia Rea Sissimopoulou, the Sociologist and farmer Sheila Darmos.

Venezianische Burg in der Hafenstadt Methoni (Messenien) am Inoischen Meer © CF

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Angeliki Lappa im Hotel Achilles in Methoni (Messenien) © CF

Weiter im Süden, im Schatten einer mächtigen venezianischen Burg in Methoni betreibt die junge Innenarchitektin Angeliki Lappa zusammen mit ihrem Mann ein kleines Hotel.

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Angeliki Lappa gab dem Hotel Achilles einen Anstrich in den Farben der Natur und ließ eine Rampe für Menschen mit Behinderung bauen  © CF

Aus Athen kehrte die Innenarchitektin in der Gegend ihrer Kindheit zurück; ein mutiger Schritt, den sie nicht bereut.

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Angeliki Lappa auf der Terrasse des Hotels in Methoni © CF

Ein paar Kilometer nördlich, an den Ufern der Navarino Bucht betreibt Rea Sissimopoulou die Taverne Elia. Eine Athenerin, die in Athen Tourismus studierte und der Arbeit wegen nach Gialova zog.

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Rea Sissimopoulou in Taverne Elia in Gialova © CF

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Sheila Darmos im Olivenbaum. Ihr Traum sind viele Baumhäuser  © CF

Sie verließ den Ort ihrer Kindheit, eine kleine Stadt in der Nähe von Karlsruhe. Sheila Darmos, Tochter eines griechischen Vaters und einer deutschen Mutter, übernahm Silver Leaf, die kleine Farm ihres Vaters in Lakonien, eine der ersten Biofarm in Griechenland.

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Silver Leaf, die familienbetriebene Ölmanufaktur auf dem verwunschenen Grundstück in einem kleinen Ort bei Skala. © CF

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Sheila Darmos betreibt Natural Farming auf ihrem Grundstück in dem kleinen Dorf namens Asprogeia – Weiße Erde © CF

Zwischen Felsen, Weite und Meer wird Nachhaltigkeit gelebt. Gleichgesinnte aus der ganzen Welt kommen zu Silver Leaf.

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Auf dem Hof von Silver Leaf und dem Souther Light Project. © CF

Im Southern Light Project bauen sie gemeinsam an einer Vision vom guten Leben, mit Permakultur, Ökoanbau und selbst gebauten Solaranlagen.

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© CF

ADRESSEN UND LINKS DER STATIONEN

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Hotel Achilles

Hotel in Methoni (Messenien)

Mitinhaberin: Angeliki Lappa

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Tina’s House © CF

Inhaberin: Konstantina (Mutter von Angeliki Lappa)

National Road Kalamata. Pylos (Messenien)

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Taverne Elia

Restaurant in Gialova, Pylos (Messenien)

Inhaberin: Rea Sissimopoulou

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Palast des Nestor. Ruine eines mykenischen Landsitzes aus der dem 14. Jahrhundert vor Christus mit Blick auf die Navarino-Bucht © CF

Ano Englianos von Messenien

Palast des Nestors

Ethniki Odos Kiparissias Pilou

Nestor 246 00

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Gythio (Lakonien, Ost-Mani) © CF

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Lost Places am Hafen von Gythio © CF

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© CF

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© Klassizistische Häuser an den Ausläufern des Taygetos-Gebirges © CF

Silver Leaf und Southern Light Project bei Skala (Lakonien)

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Silver Leaf

Inhaberin: Sheila Darmos

Skala (Lakonien)

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Silver Leaf mit Blick Richtung Lakonischen Golf © CF

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Die Abgründe des Tagebaus

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Am Abgrund: Der erste Akt der theatralen Exkursion spielt auf :Terra Nova, einem Besuchszentrum von RWE mit Blick in den Hambacher Tagebau © CF

An den Rand. Ein Lehrstück im Revier

WDR 5, Scala

15. Oktober 2018

14 Uhr/ 21 Uhr

Link zur Reportage über die theatrale Exkursion ins Revier

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Am Horizont: Hubert Perschke (Bürgerinitiative Buirer für Buir) zeigt auf die Landmarken jenseits der Grube © CF

Im Rhein-Erft Kreis liegt Kohle unter der Erde. Die Vorräte des Reviers reichen bis 2045. Zwischen Genehmigung und aktuellem Abbau liegt eine Generation. Die Ölkrise ist vorbei, fossile Energie ist out, Atomstrom steht in der Kritik. Die Zukunft setzt auf Energieträger, die nachwachsen oder in den Sternen stehen.

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Auf die Spitze: Noch steht die Manheimer Pfarrkirche, noch wachsen Stieleichen und Hainbuchen in Europas einmaligen Wald, im Hambacher Forst, der für Hubert Preschte stets eine Heimat war. © CF

Zwischen Aachen, Mönchengladbach und Köln fressen sich die Schaufelradbagger durch Löß, Sand und Kies, auf dem Jahrhunderte alte Ortschaften standen, wie Manheim bei Kerpen (siehe Titelbild), wie der Bauernhof von Stefan Leonards, den bereits seine Großeltern bewirtschafteten.

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Vor der Umsiedlung: Stefan Leonards. Bühne II ist der Hof eines der letzten Bauern in dieser Gegend. © CF

Das Grundstück gehört dem Bauern nicht mehr. RWE hatte es gekauft und Stefan Leonards eine Entschädigung gezahlt. Wie er mit der Summe klarkommt, mit den neuen Bedingungen, dem neuen Acker, ist sein Problem. Der Konzern ist nicht verpflichtet, ein Haus umzusetzen, sagt Hubert Perschke, sondern nur einen Schätzwert zu zahlen.

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Gefräßige Nachbarn: Stefan Leonards Pferde grasen vor der Kulisse des Hambacher Tagebaus © CF

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Auf der Zunge: Feinstaub liegt in der Luft und Lärm in den Ohren. © CF

Gemeinden werden umgesiedelt, Häuser rückgebaut, so heißt es im RWE-Jargon. Das bedeutet nichts anderes als Abriss.

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Ruhender Verkehr: Die Autobahn war im Weg. © CF

Das Ensemblenetzwerk Freihandelszone fuhr bis an den Rand der Grube. Ihr Publikum erlebte ein Road-Movie live.

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Stille Gasse: Jörg Fürst (Regisseur und Autor. A.Tonal.Theater) © CF

Die Theaterschaffenden Jörg Fürst (A.Tonal.Theater) und Rosi Ulrich (Theater-51grad) organisierten mit dem Fotografen Matthias Jung den Trip ins Braunkohlerevier.

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Am Mikro: Der Fotograf Matthias Jung, der die Nachtseite der dem Untergang geweihten Städte einfängt. © CF

Titel der theatralen Exkursion: Das Loch. Untergang und Utopie. Im Bus erfuhren wir, dass die Grube des Hambacher Tagebaus 50 Kilometer umfasst und das tiefste Loch Europas ist.

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Im Blick: Hubert Perschke (Aktivist und Fotograf) schuf mit dem Bildband Mein Manheim ein wertvolles Erinnerungsbuch. © CF

Von Hubert Perschke erfahren wir, dass unklar ist, ob die Kohle aus dem Hambacher Tagebau überhaupt noch gebraucht wird. Wir erfahren, dass die Bundesrepublik weltweit die meiste Braunkohle zu Tage fördert, vor den USA und China. Und wir wissen, wie unermesslich groß der ökologische Fußabdruck ist.

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Ins Grüne: Unser Bus auf dem Weg zur Kartbahn Steinheide. © CF

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Letzte Runde: Auf der Kartbahn Steinheide legten die Brüder Schumacher den Grundstein für ihre Rennfahrerkarriere. © CF

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Klares Ziel: Die Kartbahn ist an RWE verkauft. Jetzt suchen die Betreiber_innen einen neuen Standort. © CF

Es sind Abgründe, die die Bagger schaffen. Doch Menschen versuchen, die Löcher zu stopfen, mit ihren Erinnerungen, Leben und Entscheidungen, sofern sie überhaupt eine Wahl haben. Wer sich quer stellt, bekommt Klagen an den Hals oder wird unter Druck gesetzt. RWE pocht auf die Genehmigung aus den 1970ern.

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Am Rand: Die neogotische Kirche St. Albanus und St. Leonhardus in Manheim © CF

Manheim ist ein Straßendorf, wurde vor 1100 Jahren zum ersten Mal erwähnt. Rund 1700 Menschen lebten hier, besuchten Sportplätze und Karnevalsvereine, gingen zur Schule, trieben Handel, gingen in die Kneipe.

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Im Fenster: Längst ist jeder Tag Donnerstag. © CF

Die Alteingesessenen ziehen weg, Flüchtlinge ziehen ein. Menschen wie Hubert Perschke bemühten sich um eine Lösung, denn Kerpen hatte ein „Flüchtlingsproblem“. Also mietete die Stadt die Häuser, die inzwischen RWE gehören. In denen leben oft mehrere Familien auf engstem Raum.

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Auf dem Friedhof bestatteten die Manheimer_innen ihre Toten. Sie bekamen neue Särge, wurden umgebettet und umgesiedelt.

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Schönes Bild: Unter Denkmalschutz? Nein, nicht im Revier. © CF

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Gewachsene Struktur: In diesem Haus buk der Bäcker legendäre Brot- und Teigwaren, schuf die Dinge per Hand, achtete auf Bioqualität, hatte ein Netzwerk. Am neuen Ort arbeitet er als Angestellter. © CF

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Welke Süße: Der Schätzwert alter Hauses ist gering. Viele verschulden sich neu, ziehen in kleine Wohnung, suchen Perspektiven oder sterben. © CF

Eine der Protagonistinnen ist Inge Broska, Künstlerin, Sammlerin, Umsiedlerin aus Otzenrath (2011 Garzweiler). „Ich war bis zuletzt da, bis mich der freundliche Baggerführer mit seinem Bagger weckte. Ich lag im Bett und konnte sehen, wie die Mauer eingerissen wurde. Plötzlich hatte ich einen weiten Ausblick.“

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Große Sammlung: In ihrem Hausmuseum bewahrt Inge Broska Erinnerungen, Fundstücke, Vergessenes, Scherben © CF

„Als die Frauen in Alt-Otzenrath ihre Häuser verließen, legten sie Kehrbleche auf die Türschwelle, um zu zeigen, dass hier niemand mehr wohnt, aber auch, um dem Haus Lebe wohl zu sagen. Ich habe die Kehrbleche alle mitgenommen. Du kannst doch kein Kehrblech stehen lassen.“ 

Hausmuseum von Inge Broska

Jörg Fürst (Regisseur, Autor)

Rosi Ulrich (Dramaturgin, Regisseurin)

Matthias Jung

Initiative Buirer für Buir (Hubert Perschke)

Als wir durch Manheim liefen, rasten getunte Autos an uns vorbei, der „Werkschutz, Motorräder, Sportwagen. „Kein Zufall“, sagt Jörg Fürst. RWE-Mitarbeiter fürchten um ihren Arbeitsplatz und betreiben eine Art modernen Maschinensturm.

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Finale © CF

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© CF

Orient Express

Mit Dampf in den Luxus

WDR 5 ZeitZeichen & WDR 2 StichTag vom 4. Oktober 2018

1883 – Offizielle Jungfernfahrt des Orient Express

ZeitZeichen – WDR 5: 9.45 Uhr/ WDR 3: 17.45 Uhr

Audio zum ZeitZeichen über Orient Express

StichTag – WDR 2: 9.40 Uhr

Audio zum WDR 2 StichTag über Orient Express und heutige Nachbauten

Fotogalerie im Netz von WDR 5 mit Raritäten und wahren Fundstücken

WDR 5 INTERNET – FOTOSTRECKE

Orient Express Litho Rafael de Ochoa y Madrazo 1891 © Dt Plakatmuseum
Plakatentwurf: Raphael de Ochoa y Madroza (1895) © Museum Folkwang/ Deutsches Plakat Museum
(Sammlung Reisen in Luxus, Essen)

Orient Express! Allein der Name befeuert die Fantasie. Gilt er doch bis heute als der König der Züge und als der Zug, mit dem Könige reisten. Der Orient Express machte die Eisenbahn zum Hotel, den Wagon zur Lounge, den Speisewagen zum Fünf-Sterne Restaurant, das Abteil zur Suite, das Zugfenster zur Leinwand, zu sehen im Titelbild, einer Lithographie aus einem Prospekt aus dem Jahre 1898.

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Logo der Compagnie Internationale des Wagons-Lits (CIWL) an einem ausrangierten Speisewagen des Orient Express im Eisenbahnmuseum in Bochum © CF

1872 wurde die CIWL von Georges Nagelmackers gegründet. Bei einem längeren Aufenthalt in den USA erlebte der belgische Ingenieur die sleeping cars des Schlafwagen-Erfinders George Mortimer Pullman. Zehn Monate später kehrte Georges Nagelmackers nach Europa zurück. Er verhandelte mit Politikern, Herrschern und acht verschiedenen Eisenbahngesellschaften. Schließlich stellte er den ersten Luxuszug Europas auf die Schienen.

Gare de l'Est © Sammlung Klein
Aus dem Gare de l’Est rollte der erste Orient Express. Der Kopfbahnhof wurde 1852 fertig gestellt und galt als richtungsweisend für die Architekturen jener Zeit. Standen Bahnhöfe doch für das modernste Transportmittel, das die Welt zu bieten hatte. Per Pferdekutsche begaben sich die Passagiere zu den Stahlrössern.

Am 4. Oktober 1883 begaben sich Diplomaten, Bahnbeamte, Schriftsteller, Journalisten zum Ostbahnhof in Paris. Mit einer Dampflok (Typ 120) der französischen Ostbahn an der Spitze begab sich die geladene Gesellschaft auf Premierenfahrt gen Konstantinopel, wie Istanbul bis 1924 hieß. 40 Männer, keine Frau. Zu gefährlich, hieß es. Die Herren sollten Revolver bei sich tragen, denn die Reise führte durch Krisengebiete, befand der Gastgeber und Direktor der Internationalen Schlafwagengesellschaft Georges Nagelmackers.

Speise- und Abteilwagen © Sammlung Klein
Die französische Wochenzeitung l’Illustration zeigt die älteste Darstellung des Orient Express.des Interieurs von Abteil- und Speisewagen.

Im Restaurant hingen vierarmige Kristallleuchter von der Decke, mit Gas betrieben. Gobelins an den Wänden. Die Stühle mit Cordobaleder bezogen. Auf den Tischen weißer Damast. Das Top-Transportmittel der Belle Epoque feierte den Luxus auf dem Schienenstrang und eröffnet eine neue Ära des Reisens.

Menükarte der ersten Reise © Sammlung Klein
Gourmets buchten Ticktes, allein der Kochkunst wegen.

Abgesehen von der luxuriösen Ausstattung und den extravaganten Küche lebten die Reisenden des Orient-Express in einem Komfort, der für die normale Bevölkerung alles andere als selbstverständlich war. Auf ihrer Passage durch die Fürstentümer und Königreiche Europas, über sämtliche Ländergrenzen hinweg, hatten die Gäste stets fließendes, warmes Wasser, kühle Getränke, frische Speisen, Heizung, Licht.

Konstantinopel HBF © Sammlung Klein
Sirkeci-Hauptbahnhof Konstantinopel. Postkarte um 1890

Seit August 1888 war der Sirkeci-Hauptbahnhof im Stadtteil Stamboul die Endhaltestelle des Orient Express. Für das Premierenpublikum im Oktober 1883 endetet die Fahrt mit dem Luxuszug in der rumänischen Stadt Giurgiu, am Hafen der Donau. Mit einer Dampfbarkasse setzte die Gesellschaft über, fuhr mit einem Zug nach Warna ans Schwarze Meer und bestritt die letzte Strecke mit einem Dampfschiff, das sie in die Hauptstadt des Osmanischen Reiches brachte. Als das Streckennetz vollendet war, erfüllte sich die Vision einer Direktverbindung von Westeuropa bis an die Ostgrenze des Kontinents.

anonym 1888 © DT Plakatmuseum
Anonym 1888 © Museum Folkwang / Deutsches Plakat Museum
(Sammlung Reisen in Luxus, Essen)

Auch wenn der Orient Express nie in den Orient fuhr, bediente er die Erwartungen seiner Gäste nach fernen Ländern. Plakate warben mit Exotik pur. Das Plakat lockt in die Fremde, zur Hagia Sophia, zum Goldenen Horn. Für die meisten blieb die Reise ein Traum auf dem Plakat. Vier durchschnittliche Monatsgehälter kostete ein One Way Ticket.

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„Plakate an sich galten als Sensation, sie bildeten die größten Farbflächen im öffentlichen Raum, zeigten diese exotische Ferne.“ (René Grohnert. Leiter des Plakatmuseums im Museum Folkwang in Essen vor der historischen Zigarettenwerbung für Manoli. Plakat: Lucian Bernhard) © CF

In den Beständen des Plakatmuseums bilden Zugplakate ein eigenes Genre. Im Stil von Impressionismus und Art Deco entstanden im ausgehenden 19. Jahrhundert schillernde Bildergeschichten über ein mobiles Europa. „Diese Reiseplakate wurden sehr aufwendig produziert; sie waren auch nicht für den Außenraum bestimmt, sondern für Hotels, Passagen, Kaufhäuser, Theater. Sie trugen entschieden zur Imagebildung von bestimmten Orten und Zügen bei.“ Nach dem Ersten Weltkrieg war auf vielen dieser Reiseplakate ein neuer Titel zu lesen: Simplon Orient Express.

Simplon Orient Express © DT Plakatmuseum
Plakatentwurf: Robert-Antoine Pinchon (1922) © Museum Folkwang/ Deutsches Plakat Museum
(Sammlung Reisen in Luxus, Essen)

Der Simplon Orient Expressstand für die zweite Blüte der Luxusreisen. Seinen Namen verdankt der Zug einem der längsten Tunnel der Welt, dem Simplon Tunnel, der die Walliser Alpen unterquert. Die Passage folgte einer politischen Entscheidung. Die CIWL vermied eine Reise über München und Wien, durch das Gebiet der einstigen Kriegsgegner. Ab 1928 gab es auch wieder eine Route durch Deutschland.

i'Illustration 1929 © Sammlung Klein
Simplon Orient Express IN: l’Illustration 23. Februar 1929. Foto: Boursky

Im Februar 1929 berichtete die französische Wochenzeitung l’Illustration von einem heftigen Zwischenfall. Rund 80 Kilometer nördlich von Istanbul, bei Tscherkessköy, steckte der Simplon Orient Expressfür fünf Tage in gewaltigen Schneemassen. Angeblich inspirierte der Zwischenfall die Krimischriftstellerin Agatha Christie zu ihrem Roman Mord im Orient Express. Sie selbst war eine begeisterte Passagierin.

Agatha Christie © Hoffmann und Campe
Aus dem Engl.: Hans Erik Hausner © Hoffmann und Campe. Hamburg 2017

„Schon immer hatte ich einmal mit dem Orient-Express fahren wollen“, schrieb Agatha Christie in ihrer Autobiographie. „Am nächsten Morgen eilte ich zu Cooks, gab meine Tickets für Westindien zurück und besorgte mir stattdessen Fahr- und Platzkarten für den Simplon Orient Express nach Istanbul (…) Ich war schrecklich aufgeregt.“

Pera Palace
Pera Palace Hotel. Postkarte um 1900

Auf ihren Reisen nahm Agatha Christie immer wieder den Orient Express. Vom Palast auf Rädern zog sie ins Pera Palace Hotel, mitten im Villen- und Diplomatenviertel von Konstantinopel. Ganz sicher genoss sie den Blick auf den Bosporus und die Hagia Sophia, so wie es die Postkarte zeigt. Das Pera Palace Hotel war Teil der ersten Hotelkette der Welt, die die Internationale Schlafwagengesellschaft in den 1890er Jahren ins Leben rief. Die Hotels garantierten Luxus, modernste Ausstattung, besten Komfort. Das Pera Palace Hotel existiert heute noch. Ein Zimmer ist dem berühmten Gast Agatha Christie gewidmet. Hier habe sie ihren Krimi Mord im Orient Express geschrieben, der 1934 erschienen ist.

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Hans-Jörg Stiegler. Gründer und Inhaber von Modellbahn Wiehe. Kultur mit Pfiff in Wiehe an der Unstrut (Thüringen) © CF

Hans-Jörg Stiegler nahm den Krimi zum Anlass, die Trasse als Kunstlandschaft nachzubauen. Mit dem ersten europäischen Luxuszug begann er vor 25 Jahren sein Lebenswerk in Wiehe in Thüringen- Inzwischen ist der Orient Expresseiner unter vielen Eisenbahn-Legenden im Miniaturformat auf dem 12 000 Quadratmeter großen Areal.

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Auf der Trasse des Orient Express in Wiehe an der Unstrut © CF

Rund 15 Minuten dauert die Fahrt von Paris bis Istanbul, in der Modellbahn-Ausstellung in Wiehe in Thüringen, in der eigens für den Orient Express gebauten Industriehalle. Das Original brauchte um die drei Tage, bis es sein Ziel erreichte, den Hauptbahnhof in Konstantinopel.

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Ein ausrangierter Speisewagen des Orient Express im Eisenbahnmuseum Bochum Dahlhausen © CF

Nicht einmal 100 Jahre nach seiner Jungfernfahrt endete der Traum. Mit dem ersten Weltkrieg starb die erste, große Blüte des Luxuszuges. Zwischen den Kriegen erlebten der Orient Express und seine Abkömmlinge die zweite Blüte. Blau lackierte Stahlwagons und schnelle Loks fuhren Diplomaten, Schmuggler_innen, Künstler_innen durch den Kontinent Europa. Wer wollte, nahm ein Schiff auf die asiatische Seite Europas und fuhr weiter nach Kairo oder Bagdad.

Simplon Orient Express Litho Roger Broders 1931 © Dt Plakatmuseum
Plakatentwurf: Roger Borders (1931) © Museum Folkwang / Deutsches Plakat Museum
(Sammlung Reisen in Luxus, Essen)

Mit dem Zweiten Weltkrieg starb die zweite Blüte.

Konrad Koschinski © Konrad Koschinski
Konrad Koschinski (Journalist und Fachautor) © Konrad Koschinski

„Nach dem Zweiten Weltkrieg erinnerten die klangvollen Namen und die blauen Stahlwagons aus den 1920er Jahren an die Glanzzeit. In den 1970er Jahren hingen verschiedene Wagen diverser Staatsbahnen hinter der Lok. Die einstigen Luxuszüge mutierten zu gewöhnlichen Schnellzügen. Ein Zug namens Direkt Orient stellte die letzte umsteigefreie Verbindung Paris – Istanbul her. Bis Ende Mai 1977.“

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Der Speisewagen diente einem Hobbyhandwerker als Gartenhaus, bevor ihn das Eisenbahnmuseum Bochum rettete. Im Museum wartet er auf eine Komplettüberholung. Doch das braucht Zeit, Geld und Know How. © CF

Mit dem Ende des Originals beginnt die Ära der Nostalgiezüge.

Venice Simplon Orient Express © Belmond
Venice Simplon Orient Express © Belmond und Lernidee Reisen

Seit 1982 fährt der Venice Simpson Orient Express der auf zum Teil klassischen Trasse. Im Stile der Belle Epoque reisen gut betuchte Gäste durch bezaubernde Landschaften. 2014 ließ die Französische Staatsbahn verlauten, dass sie den Orient Express als regulären Zug wiederbeleben wolle. Heute ist davon nichts mehr zu lesen.

Rainer Mertens © Rainer Mertens
Rainer Mertens vor einer Dampflok in Pennsylvania. Stellvertretender Leiter des DB Museums Nürnberg © Rainer Mertens

„Der Orient Express als regulärer Zug ließe sich vielleicht als Hochgeschwindigkeitszug wieder beleben. Das Projekt von Hochgeschwindigkeitstrassen existiert ja bereits. Eine dieser Trassen führt von Paris über Straßburg, Stuttgart, München, Wien bis nach Bratislava, läuft also zum Teil auf der klassischen Strecke des Orient Express. Stuttgart 21 liegt auch auf dieser Strecke. Der Plan ist, dass die Hochgeschwindigkeitszüge mit 250 bis 300 km/h fahren. Bis Istanbul dauerte die Reise nicht mehr vier oder fünf Tage, sondern einen Tag. Insofern hätte der Orient Express eine Chance.“ 

Mord im Orient Express © Hoffmann und Campe
Aus dem Engl. Otto Bayer) Hoffmann und Campe Verlag. Hamburg 5/ 2017

Christie, Agatha: Die Autobiographie (Ü: Hans Erik Hausner). Hoffmann und Campe Verlag. Hamburg 2017

D’Arvor, Patrick Poivre: Legendäre Eisenbahnreisen. Verlag Fredeking & Thaler. München 2007

Franzke, Jürgen (HG): Orient-Express. König der Züge. DB Museum Nürnberg. Komet Verlag. Köln 1998

Mit dem Zug durch Europa © Steidl
Grohnert, René (Hg.) Steidl Verlag. Göttingen 2010

Monique Morvan-Nagelmackers und Jürgen Klein © Sammlung Klein
125 Jahre nach der Gründung der Internationalen Schlafwagengesellschaft saßen geladene Gäste am Pariser Gare de l’Est im Pullman Orient Express, einem sogenannten Nostalgie-Zug, unter ihnen Monique Morvan-Nagelmackers (Enkelin des CIWL-Gründers und Orient Express Initiators Georges Nagelmackers) mit Buchautor und Sammler Jürgen Klein am 4.12.2001. (Foto: Privat)

Klein Jürgen: Die Grandhotels der Internationale Schlafwagen-Gesellschaft. B. Kühlen Verlag. Mönchengladbach 2012

Klein, Jürgen/ Mühl, Albert: Reisen in Luxuszügen. Die Internationale Schlafwagen-Gesellschaft. EK Verlag. Freiburg 2006

Klein, Jürgen/ Mühl, Albert: 125 Jahre Internationale Schlafwagen-Gesellschaft. Die Luxuszüge – Geschichte und Plakate. EK Verlag. Freiburg 1998

Koschinski, Konrad: 125. Jahre Orient-Express. Eisenbahn Journal. Sonderausgabe. 2/ 2008. Verlagsgruppe Bahn GmbH. Fürstenfeldbruck 2008

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© CF

Eisenbahnmuseum Bochum

Dr.-C.-Otto-Straße 191. 44879 Bochum

DB Museum Nürnberg, Koblenz, Halle

Simplon Orient Express 2 © DT Plakatmuseum
Plakatentwurf: Joseph de la Nézière (1927) © Museum Folkwang / Deutsches Plakat Museum
(Sammlung Reisen in Luxus, Essen)

Plakatmuseum im Museum Folkwang

Museumsplatz 1. 45128 Essen

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Kunstlandschaft in Wiehe am Zielort des Orient Express in Wiehe (Thüringen) © CF

Modellbahn Wiehe

Am Anger 19. 06571 Wiehe

Venice Simplon Express © Belmond
Suite im Venice Simplon Orient Express © Belmond und Lernidee Erlebnisreisen

Lernidee Erlebnisreisen

Nostalgiezug-Veranstalter (u.a. Venice Simplon Orient Express)

Eisenacher Straße 11, 10777 Berlin

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Dem Soundartisten Alex Hardt danke ich für die raren Eisenbahnaufnahmen, die das ZeitZeichen auf eine einzigartige Tonreise schicken © CF

 

290. Todestag von Christian Thomasius

Gelehrter Rebell

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Blick aus der Gruft Nr. 10: Der Stadtgottesacker in Halle (s. auch Titelbild) ist eine archiotektonische Perle aus der Zeit der Renaissance: 94 Grabbogengewölbe umgeben den Friedhof, verziert mit Reliefs, Rankenornamenten, Inschriften. Die Gruft Nummer 10 ist dem Juristen und Philosophen Christian Thomasius gewdimet.  (Foto: CF)

1728: Todestag des Juristen und Philosophen Christian Thomasius

23.September 2018

WDR 5: 9.45 Uhr/ WDR 3: 17.45 Uhr

Link zum ZeitZeichen über Christian Thomasius

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Im Löwengebäude der Martin Luther-Universität Wittenberg-Halle: Die beiden Thomasiusforscher Matthias Hambrock (Historiker/ li.) und Martin Kühnel (Philosoph) flankieren die Büste des Frühaufklärers Christian Thomasius. Das Bronzeportait schuf der Berliner Bildhauer Fritz Schaper 1894, anlässlich des 200. Jubiläums der Universitätsgründung. Der Sockel, auf dem der Kopf steht, kann nicht hoch genug sein, denn, dass es in Halle eine Universität gibt, verdankt die Stadt dem charismatischen Juristen Christian Thomasius. (Foto: CF)

Christian Thomasius war Rebell und Reformer, ein Frühaufklärer und Querdenker. Entschieden sprach er sich für die Trennung von Kirche und Staat aus. Den Glauben an den Teufel jagte er zum Teufel und entzog damit dem Hexenwahn sein wichtigstes Fundament. In seinen Augen war der Herr der Hölle kein Wesen. Ergo konnten Menschen nicht mit ihm Bunde sein. Ergo gab es keine Hexen. Aberglauben rechtfertigten weder Folter noch Verfolgung.

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Matthias Hambrock und Martin Kühnel sitzen in der Bibliothek des Internationalen Zentrums für die Erforschung der Europäischen Frühaufklärung (IZEA) auf dem Gelände der Franckeschen Stiftungen. Um 1700 legte der Pietist August Hermann Francke mit einem Waisenhaus den Grundstein für die spätere Schulstadt, die als eine der bedeutendsten protestantischen Bildungseinrichtungen Europas galt. Heute befindet sich hier unter anderem das IZEA. (Foto: CF)

Christian Thomasius appellierte an die Freiheit des Denkens, fast 100 Jahre, bevor Immanuel Kant die Definition von der Überwindung des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit formulierte.

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In der IZEA-Bibliothek liegen Originalschriften des Gelehrten Christian Thomasius. Schriften gegen den Hexenwahn, Rechtsgutachten, Fallbeschreibungen aus seiner Tätigkeit als praktizierender Anwalt, die Monats-Gespräche. (Rechte: CF)

Geboren in Leipzig am 1. Januar 1655, wuchs er im Schatten des 30jährigen Krieges auf. Der erbitterte Krieg der Konfessionen hatte abertausende Tote hinterlassen und zutiefst gespaltene Fürstentümer.

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Marktplatz in Halle (Saale) mit Blick auf den Roten Turm und die protestantische Marktkirche Unser Lieben Frauen⁄. In dieser Kirche begann die Reformation Halles, hier predigte Martin Luther, hier spielte der junge Georg Friedrich Händel Orgel. (Foto: CF)

Innerhalb der protestantischen Kirche gab es immer wieder heftige Grabenkämpfe zwischen Lutheranern und Reformierten.

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Im Dom zu Halle geht bis heute die Reformierte Gemeinde zu den Gottesdiensten. Auch der Lutheraner Christian Thomasius besuchte die Predigten des reformierten Priesters. Freiheit bedeutete für ihn auch Religionsfrfeiheit. (Foto: CF)

Christian Thomasius, ein bekennender Lutheraner, studierte Philosophie und Jura im Reformierten Frankfurt an der Oder. Als ausgebildeter Anwalt kehrte er ins Lutherische Leipzig zurück. Als Anwalt verdiente er sein Geld, als Hochschulprofessor blieb ihm die Karriere versagt, denn er erteilte der religiösen Vormachtstellung eine Absage. Religion war Privatsache und hatte in der Politik nichts zu suchen.

Christian Thomasius_MLU Foto Markus Scholz
Das Porträt von Christian Thomasius schuf der Künstler Johann Christian Heinrich Sporleder (Öl auf Leinwand) 1754.  Das Original hängt in der Martin Luther-Universität in Halle an der Saale (Foto: Markus Scholz)

Nicht in schwarzem Talar, sondern in bunten Anzügen und mit Kavaliersdegen stand er vor seinen Studenten, heißt es. Er war der erste Gelehrte, der eine Vorlesungsankündigung auf Deutsch veröffentlichte, statt Latein, die Haussprache der Universitäten.

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1690 ließ sich Christian Thomasius in Halle nieder. Damals war Halles berühmtester Sohn, der Komponist Georg Friedrich Händel (s. Statue) fünf Jahre alt. Als er 17 Jahre alt war, besuchte Händel die Juristische Fakultät, vielleicht sogar die Vorlesungen bei Christian Thomasius. Zeugnisse gibt es nicht. (Foto: CF)

In Leipzig veröffentlichte Christian Thomasius die Monatsgespräche, ein satirisches Journal auf Deutsch, Schertz- und Ernsthaffte/ vernünfftige und einfältige Gedancken/ über allerhand Lustige und Nützliche Bücher. Einige Gelehrte erkannten sich wieder und verklagten den Autoren. Christian Thomasius erhielt Vorlesungs- und Publikationsverbot. Um einer Verhaftung zu entgehen, floh er nach Halle, das dem Brandenburgischen Kurfürsten unterstand.

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Das Ärztehaus Mitte, ein Haus mit einer wechselvollen Geschichte: 1532 wurde der Renaissancebau errichtet. (Foto: CF)

Der Bau war Wohnhaus und Gasthof. Matthias Hambrock und Martin Kühnel fanden heraus, dass Christian Thomasius in diesem Gebäude zur Miete lebte, bevor sich der Jurist ein eigenes Haus kaufte. Im 19. Jahrhundert gab es hier Konzertveranstaltungen und Ausstellungen. Im Ersten Weltkrieg diente das Haus als Lazarett, bevor es zur Poliklinik umgebaut wurde. Zu DDR-Zeiten wurden politisch anders denkende Frauen grausam misshandelt. Jetzt sollen hier Eigentumswohnungen entstehen.

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Blick durch einen Spalt der verrammelten Fenster (Foto: CF)

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An der Stelle des Kaufhauses (re.) stand das Haus des Juristen Christian Thomasius und seiner Familie. Im Haushalt lebten auch Studenten. Es gab eine Bibliothek mit rund 4000 Bänden und einen Hörsal. (Foto: CF)

In Halle eröffnete Christian Thomasius eine Ein-Mann-Universität, hielt Vorlesungen in der Ratswaage auf dem Marktplatz. Unermüdlich warb er um die Eröffnung einer Universität in Halle. 1694 war es endlich soweit. Im nicht mehr existenten Waagegebäude wurde die Friedrichs-Universität gegründet, benannt nach dem Landesvater Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg.

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Modell der Ratswaage, die bis 1945 an der Ostseite des Marktplatzes in Halle stand. Eine Bombe zerstörte das Gebäude.  (Foto: CF)

Am 23. September 1728 starb Christian Thomasius in Halle. Das ZeitZeichen erinnert an einen bis heute kontrovers diskutierten Pionier der Aufklärung.

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Grabbogen Nummer 10: Auf dem Medaillon ist Christian Thomasius zu sehen. (Foto: CF)

Zu empfehlen ist die kritische Briefedition, die Frank Grunert, Matthias Hambrock und Martin Kühnel herausgeben. Die Korrespondenz gibt einen Einblick in die Sprache und das Denken des ungewöhnlichen Barockgelehrten Christian Thomasius.

Christian Thomasius: Briefwechsel. Historisch-kritische Edition, Bd. 1: 1679–1692. (HG) Frank Grunert, Matthias Hambrock und Martin Kühnel unter Mitarb. von Andrea Thiele. Berlin/Boston 2017

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Ein Angler sitzt an einem Nebenarm der Saale in Halle: Aus vier Brunnen wurde die Sole gewonnen, mit der die Stadt ihren Reichtum begründete. In Fachwerkhäusern siedeten die Halloren das berühmte Salz. Handelsschiffe trugen das Siedesalz auf dem Wasserweg über die Stadtgrenzen hinaus. (Foto: CF)

Bibliothek des IZEA auf dem Gelände der Franckeschen Stiftungen

0611 Halle an der Saale

Franckeplatz 1, Haus 54

Interdisziplinäres Zentrum für die Erforschung der Europäischen Frühaufklärung

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Christian Thomasius-Büste im Löwengebäude in der Universität in Halle an der Saale (Foto: CF)